Willy Kreienbaum, 1. Vorsitzender der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V. Foto: Tanja Dolic

Willy Kreienbaum, 1. Vorsitzender der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V. Foto: Tanja Dolic


Die neue Düngeverordnung, Änderungen im Arbeitsrecht, dem zunehmenden Mangel an qualifizierten Arbeitskräften und der (teils) unbekannten digitalen Welt – damit sehen sich Betriebsleiter alltäglich konfrontiert. Wie geht man mit all diesen Herausforderungen kompetent um?

Hilfreiche Tipps und Gelegenheit zur Diskussion zu diesen und weiteren Themen bot die Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V. in Münster-Wolbeck beim alljährlichen Spargelseminar.

 

Neue Düngeverordnung und Folientemperaturversuche

Das Spargelteam der LWK NRW Carsten Wenke und Ralf Große Dankbar informierte die Teilnehmer umfassend über die neue Düngeverordnung und Folientemperaturversuche im Spargeldamm.

 

Düngeverordnung

Carsten Wenke. Foto: Tanja Dolic

Carsten Wenke. Foto: Tanja Dolic

Was ändert sich konkret für Spargelanbaubetriebe?

  • Düngebedarfsermittlungen müssen schriftlich für N und P erstellt werden.
  • Spätestens alle sechs Jahre muss die Bestimmung des P-Gehalts für Flächen, die größer als ein Hektar sind, erfolgen.
  • Es gilt eine Aufbewahrungspflicht der Bedarfsermittlung und der Bodenproben von mindestens sieben Jahren.

„Leider sind wir, also die Sonderkulturbetriebe, bei der neuen Düngeverordnung ein wenig durchgefallen. Sie ist eher an Ackerbetriebe angepasst. Da müssen wir schauen, wie wir durchkommen – ohne organische Düngung“, erklärte Wenke.

Wenkes Tipps im Groben:

Eine neue Düngestrategie ist unumgänglich.
Dies erhöhe natürlich den administrativen Aufwand.

Wichtig dabei:

Die Überhänge in der Bilanz verringern sich ab 2018 von 60 Kilogramm N (Stickstoff) pro Hektar und Jahr auf 50 Kilogramm pro Hektar und Jahr.

Für P₂O₅ (Phosphor) gilt: 20 Kilogramm pro Hektar und Jahr werden auf 10 Kilogramm pro Hektar und Jahr reduziert.

 

Folientemperaturmessungen

Ralf Große Dankbar. Foto: Tanja Dolic

Ralf Große Dankbar. Foto: Tanja Dolic

Verschiedene Betriebe meldeten der LWK NRW, dass sie mit einer Zwischenreihenbegrünung früher ernten können. Ralf Große Dankbarstellte daraufhin veranlasste Versuche zur Temperaturmessung im Damm vor.

Bereits eine Temperaturerhöhung von 1,0 Grad Celsius könne bei der Ernteverfrühung und Erntemenge nämlich schon viel bewirken, so Große-Dankbar. Im Versuch galt es also herauszufinden, ob dies durch erhöhte Bodenaktivität aufgrund der Zwischenreihenbegrünung möglich sei.

Erste Ergebnisse:
Bis auf einen Ausreißer in 20 Zentimeter Tiefe, seien die Temperaturen bei einer Zwischenreihenbegrünung höher – was auch den früheren Ertrag erkläre. Weitere Versuchsreihen folgen.

 

 

 

 

Aktuelle Rechtslage bei der Beschäftigung von Saisonarbeitskräften

Marion von Chamier. Foto: Tanja Dolic

Marion von Chamier. Foto: Tanja Dolic

Wenn die Ernte ansteht, muss es schnell gehen. Schließlich soll die Ware frisch beim Kunden ankommen. Gut, wenn da die rechtlichen Rahmenbedingungen zu Arbeitszeit und Lohnzahlung geregelt sind.
Marion von Chamier vom Arbeitgeberverband der Westfälisch-Lippischen Land- und Forstwirtschaft e.V. (WLAV) erklärte.

Unstrittiges vorab:
Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) werde sich nicht ändern. Es bleibe bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von höchstens 48 Stunden in sechs Tagen.
Bei einer maximalen Arbeitszeit von 10 Stunden am Tag, ergibt sich eine Höchstarbeitszeit von 60 Stunden pro Woche.

  • Bei einer sechs-Tage-Woche muss der Arbeitszeitausgleich innerhalb von sechs Monaten erfolgen, wobei dieser Ausgleich auch im Heimatland der kurzzeitig Beschäftigten erfolgen kann.

ABER: es sollte darauf geachtet werden, dass eine Bescheinigung vorliegt, aus welcher hervorgeht, dass der Erntehelfer Hausmann beziehungsweise Student ist.

  • Ab sechs Stunden Arbeitszeit stehen dem Arbeitnehmer 30 Minuten Pause zu.
    Außerdem: die Ruhezeitregelung von 11 Stunden nicht vergessen.

„Fälschen von Stundenaufzeichnungen ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat“, mahnte Chamier eindringlich. „Außerdem schadet sowas dem Image der gesamten Branche und hat eine durchweg negative Außenwirkung.“
Da brauche man sich nicht über anonyme Anzeigen von Nachbarbetrieben zu wundern, erklärte sie.

 

Aufzeichnungspflicht für versicherungspflichtig Beschäftigte

Ab dem 1.1.2018 müssen lediglich noch die geleisteten Überstunden aufgezeichnet werden, nicht mehr die reguläre Arbeitszeit.

Der Mindestlohn

Der zur Zeit geltende tarifliche Mindestlohn von 9,10 € wird ab dem 1.1.2018 auf den gesetzlichen Mindestlohn von 8,84 € gesenkt.
Auch neu:
Sachwerte wie etwa Unterkunft und Verpflegung können bei Saisonarbeitern auf den Mindestlohn angerechnet werden. Allerdings müsse man genau aufpassen, dass dabei Pfändungsfreigrenzen nicht unterschritten werden. Wie genau das funktioniert, sollte unbedingt mit dem Steuerberater besprochen werden.

 

Umgang mit schwierigen Mitarbeitern und interkulturelle Kompetenz

José Flume, Foto: Tanja Dolic

José Flume, Foto: Tanja Dolic

Wer kennt es nicht: Unzählige E-Mails, Telefonanrufe und unvorhergesehene Zwischenfälle, die den gesamten Tagesablauf auf den Kopf stellen. Klar, dass dann der Tonfall auch ein bisschen rauer werden kann.
Doch wie bewahre ich als Betriebsleiter einen kühlen Kopf und wähle die richtige Ansprache? So mancher unbedachte Satz kann schnell zu verhärteten Fronten und verzögerten Prozessabläufen führen.

Hilfreiche und sofort umsetzbare Ratschläge zur richtigen Kommunikation gab José Flume, Spezialistin für Beziehungsentwicklung.

Das Wichtigste vorweg:

Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg liegt im Umgang mit den Mitmenschen.

Die häufigsten Fehler im Umgang mit Mitarbeitern (nach A. Thiele):

  • „Sie springen zu schnell auf unfaire Angriffe an: Stichwort Reiz-Reaktion.“
  • „Ihre eigenen Emotionen diktiert dann Ihr Gegenüber, nicht mehr Sie selbst.“
    Folge:
  1. a) „Sie verlieren Ihre Gelassenheit und geraten in eine passive Rolle.“
    b) „Sie verteidigen oder entschuldigen sich und bieten damit eine Angriffsfläche.“
  • „Schlimmster Fehler:

Sie versuchen es mit gleicher Münze zurückzuzahlen.“

Richtig reagieren:

Als erstes solle man sich bewusst machen: „Wer zornig ist, verbrennt oft an einem einzigen Tag das Holz, das er in vielen Jahren gesammelt hat“.

Außerdem sei Konsequenz sehr wichtig. Man solle niemals versuchen etwas „heimzuzahlen“ – damit provoziere man nur einen weiteren Konflikt.

Flumes Tipp:

„Gehen Sie stattdessen in sich und fragen Sie sich:

  1. Welches Verhalten irritiert den anderen?
  2. Welches Verhalten mildert den anderen?
  3. Was macht das alles nur noch schlimmer?

Schreiben Sie sich diese Punkte nach einem Konflikt auf einen Zettel. Zusammen mit ein paar vernünftigen Gegenargumenten.“

Klingt simpel? Ist es auch!

„Sie werden sehen, bei einem nächsten Konflikt dieser Art werden sie besonnener, sachlicher und ruhiger reagieren“, erklärt Flume. „Auf den Spickzettel müssen Sie nicht schauen – allein die Tatsache, dass er existiert, reicht aus, um Sie in der nächsten Konfliktsituation besonnen reagieren zu lassen.“

 

50.000 € Jahresumsatz – mit Social Media

Jutta Zeisset. Foto: Tanja Dolic

Jutta Zeisset. Foto: Tanja Dolic

30 Minuten pro Woche plus ein wenig Kreativität gleich 50.000€ Jahresumsatz?
Gibt´s nicht? Doch, weiß Jutta Zeisset, Inhaberin von MuseumsCafé und Hofladen Zeisset in Weisweil – mit Social Media.

„Für Facebook sind wir zu alt und haben keine Zeit“. Außerdem: „Was bringt das überhaupt?“ Solche und ähnliche Aussagen hört Zeisset ständig.

Ihre Antwort: Facebook bringt Umsatz – schnell, einfach, kostengünstig, messbar.

Facebook sei kein Hexenwerk. Warum also nicht kostengünstige und zielgruppenspezifische Werbungsmöglichkeiten nutzen? Man müsse die Menschen dort erreichen, wo sie sich aufhalten, und heutzutage seien das die sozialen Netzwerke. Die Scheu vor der Arbeit mit diesem Medium müsse man unbedingt ablegen.

Jetzt, wo Betriebsleiter etwas zur Ruhe kommen können, ist die richtige Zeit, sich mit dem sozialen Netzwerk vertraut zu machen. Stück für Stück und täglich fünf Minuten reichen – Seitenmoderation, Kampagnenplanung und Kundenakquise können dann bereits ab Frühjahr nebenbei laufen.  

Die Vorteile:

  • Imageänderung
  • Imageverbesserung
  • Umsatzsteigerung

50.000 € Jahresumsatz täuschen nicht – Jutta Zeisset weiß das.

 

Spargelstraße, interaktive Spargelrouten für Spargelhöfe und der selektive Spargelernteroboter

Pauline I, NRW´s amtierenden Spargelkönigin, beendete ihre Amtszeit mit einem Rückblick auf ein Jahr Öffentlichkeitsarbeit – ihre Nachfolgerin wird aktuell gesucht.

Klaus Peter Hausberg von der GRAND TOUR Tourismus Marketing GmbH stellte eine interaktive Spargelroute vor. Mit ausgeklügelten Apps und einer Integration in die ADAC Erlebnistourismus-App sollen künftig viele Besucher ganz einfach den Weg zu Deutschlands Spargelhöfen finden.

Die Präsentation des selektiven Spargelernteroboters der Firma Cerescon rundete das Spargelseminar 2017 ab.


 

Aussteller und Besucher

 

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