Auch mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz und den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche sowie die Saisonarbeit beschäftigte sich das diesjährige Wolbecker Spargelseminar.

Mehr als 100 Interessierte nahmen an der erstmals digital durchgeführten Veranstaltung der Landwirtschaftskammer NRW und der Vereinigung der Spargelanbauer Westfalen-Lippe e.V.. teil.

Wir waren dabei und fassen die Vorträge zusammen.

 

 

Aktionsprogramm Insektenschutz

 

Ein ganz aktuelles Thema sind die Konsequenzen für den Pflanzenbau durch das geplante Aktionsprogramm Insektenschutz der Bundesregierung.

 

Wichtige Änderungen, Verbote und Einschränkungen

  • ab 2021 soll ein Verbot von Anwendungen von PSM und Bioziden mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch schutzbedürftigen Bereichen erfolgen
  • durch das Vorhandensein von ausreichenden Rückzugsflächen (Refugialflächenansatz) soll die Anwendung von Breitbandherbiziden, biodiversitätsschädigenden Herbiziden und Insektiziden kompensiert werden
  • Umsetzung einer systematischen Minderungsstrategie ab 2020 für den Einsatz glyphosathaltiger und wirkungsgleicher PSM durch Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung und Ende glyphosathaltiger PSM bis 2023
  • Bis 2021 Verstärkung der Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Insekten bei der Zulassung
  • Verbindliche Festlegung eines Mindestabstands zu Gewässern (ausgenommen kleine Gewässer) von 5 Meter (wenn Abstandsfläche dauerhaft begrünt), sonst 10 Meter
  • Verbot der Anwendung von biodiversitätsschädigenden Herbiziden und Insektiziden in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Nationalparks und gesetzlich geschützten Biotopen sowie Verbot in Vogelschutzgebieten mit Bedeutung für den Insektenschutz

 

Die Umsetzung all dieser Punkte fällt in die Zuständigkeit der Länder, die auch zusätzliche Regelungen und Einschränkungen ergänzen können.

 

Aktueller Stand

  • Zur Umsetzung des Insektenschutzprogramms ist eine EU-Verordnung/ein Gesetz bzw. eine Änderung der Pflanzenschutzmittelanwendungsverordnung notwendig.
  • Der Entwurf des Insektenschutzgesetzes wurde durch das BMU veröffentlicht und an die Länderressorts geleitet.
  • Eine Stellungnahme des BMEL liegt vor, der Entwurf der PSM-Anwendungsverordnung ist in Arbeit.

 

 

Auswirkungen der Pandemie

 

Mit den „Auswirkungen der SARS-CoV-2-Pandemie auf Spargelbetriebe in NRW (Betriebszweiganalyse und Anpassungsstrategien)“ befasste sich Theresa von der Schulenburg, die dies auch schon in ihrer Bachelorarbeit thematisiert hat.

Sie hat die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie und der mit ihr verbundenen Schutzmaßnahmen sowie des Mangels an Saisonarbeitskräften auf die Fläche, die Arbeit, die Technik und die Vermarktung untersucht.

 

Fläche

Es gab keine merkliche Einschränkung in den Flächen, im Vergleich zu 2019 gab es mit 21.900 ha nur 5 Prozent weniger Fläche als im Vorjahr (23.000 ha).

Neben einer Verringerung der Erntefläche wurde in vielen Betrieben aber eine Anpassung der Erntedauer vorgenommen um die fehlenden Arbeitskräfte zu kompensieren.

 

Arbeit

Durch die besonderen Anforderungen an Hygiene, Unterbringung und Anreise mussten Mehrkosten von ca. 880€ pro SAK in Kauf genommen werden (mehr zum Thema).

Es kamen weniger professionelle Erntehelfer ins Land, dafür wurde deren Stechleistung erhöht.

Auch 17 Prozent heimische Helfer wurden unter anderem über die Plattform daslandhilft.de eingestellt und vielerorts wurde auf maschinelle Unterstützung gesetzt.

 

Technik

Mechanische Erntehilfen wie Spargelspinnen wurden eingesetzt oder auch neu gekauft um eine Kosten- und Zeitersparnis zu erzielen.

Auch vollautomatische Erntehilfen kamen zum Einsatz um Arbeitskräfte zu sparen, allerdings sind diese nur ab einer bestimmten Betriebsgröße sinnvoll und rentieren sich bei kleinen Betrieben meist nicht.

 

Vermarktung

In der Vermarktung gab es durch die Schließung der Gastronomie zu einem Umschwung.

Dieser fehlende Absatzmarkt wurde durch den LEH und Hofverkauf beinahe ausgeglichen.

In der Direktvermarktung gab es einen überraschend hohen Anstieg und mit ca. 13€ bei HK I auch hohe Preise.

 

 

 

Pandemie, SAK und kommende Saison

 

Einen Blick auf die Erfahrungen des letzten Jahres und in die Zukunft sowie auf die geltenden Corona-Verordnungen warf Jürgen Schulze (UBIGA GmbH) unter dem Thema „Vorbereitung auf die kommende Ernte unter Berücksichtigung der Anforderungen aus der Corona-Pandemie“.

 

Rückblick 2020

Ein Flickenteppich aus verschiedenen Regelungen hat 2020 die Planungen in der Krise erschwert.

Zu den Problemen zählten die Verfügbarkeit von Arbeitskräften inklusive der Schwierigkeiten bei An- und Abreise, Unterbringung usw. sowie ein enormer Kosten- und Organisationsaufwand, der zu viel Stress geführt hat.
Die massive Arbeit der Verbände sei dabei eine große Hilfe gewesen indem sie erreichten, dass Arbeitskräfte einreisen durften, die Einreise über Flug möglich war und sowohl die 115-Tage-Regelung befristet eingeführt wurde wie auch die längere Arbeitszeit.

Ganze Absatzgruppen wie Restaurants, Hotels und Großhandel sind weggefallen.
Auch die Preise im Großhandel waren teilweise niedrig. Die Direktvermarktung ist dafür gut und mit stabilen Preisen gelaufen, die Verbraucher greifen gerne zu regionalen Produkten. Auch die Bereitschaft inländischer Arbeitskräfte bei der Ernte zu helfen sei gut gewesen.

Allerdings konnten nicht alle Flächen beerntet werden, was wiederum einen positiven Effekt auf die Wirtschaftlichkeit haben könnte indem meist schlechte Anlagen wegbrachen.

 

Ausblick 2021

Die Entwicklung 2021 ist zwar nicht kalkulierbar, aber das Thema Corona wird die Branche trotz beginnender Impfungen weiter beschäftigen.
Regionale Unterschiede werden die Planung weiter erschweren und heute sind vermutlich noch nicht die zur Saison geltenden Rahmenbedingungen bekannt.

 

Aktueller Stand Quarantäne und Einreise SAK

  • SAK unter www.einreiseanmeldung.de vom Arbeitgeber anzumelden
  • spätestens 48 Std. nach Einreise muss ein Negativtest vorliegen (früheste Testung 48h vor Anreise)
  • Bei Einreise aus Hochrisikogebiet muss Negativtest mitgeführt werden
  • Tests sind nur durch medizinisch geschultes Personal durchführbar
  • 10-tägige Absonderungspflicht kann durch Vorlegen eines Negativtests nach mind. 5 Tagen verkürzt werden (in den Bundesländern gelten teilw. verschiedene Regelungen)
  • Kontaktvermeidungen außerhalb der Gruppe (Arbeitsplatz, Kantine, Unterkunft) müssen beachtet werden
  • Einreise aus sog. Virusvarianten-Gebiet keine Arbeitsquarantäne = keine Arbeit möglich. Negativtest nach 5 Tagen möglich. Rumänien und Polen sind derzeit nicht in dieser Gruppe

 

Planung der Saison 2021

Schulze empfiehlt eine Analyse der Saison 2020 hinsichtlich der Flächen und ihrer Erträge und der aufgetretenen Probleme bei SAK Unterbringung und Direktvermarktung.

Planung der neuen Saison bei Normalwitterung

  • Welche Flächen sind wirtschaftlich?
  • Welche Flächengröße ist sinnvoll bei begrenzter Verfügbarkeit von SAK?
  • Welche Erträge sind von diesen zu erwarten?
  • Welche Absatzwege sind sinnvoll (gewinnbringende Erlöse, keine Kommissionsgeschäfte)?
  • Sind die erwarteten Erträge darüber abzusetzen?
  • Ist eine Mechanisierung zur Einsparung von Arbeitskräften sinnvoll?

 

Tipps zur Planung

Unterkünfte unter Einbezug der geltenden Corona-Bestimmungen sollten früh genug geplant werden, ebenso die Anreise der SAK und der innerbetriebliche Transport.

Auch Feldtoiletten sollten rechtzeitig reserviert werden, da es dort 2020 zu Engpässen kam.

Informationen zur Einhaltung der Hygieneanforderungen für Mitarbeiter, Kunden und Besucher sollten möglichst in Form von Piktogrammen oder mehrsprachig erstellt werden.

 

 

Weitere Infos

Das Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) hat in dem Papier “Rahmenbedingungen für Saisonbeschäftigte in der Landwirtschaft seit dem 1. Januar 2021 im Hinblick auf den Arbeits- und Gesundheitsschutz und die Coronabedingten Vorgaben” Fragen des Arbeitsschutzes, der Einreise und auch die gemeinsamen Linien der Länder bei den Quarantäneregeln zusammengefasst.
Aktuelles Informationspapier des BMEL zu Rahmenbedingungen für Saisonbeschäftigte,

 

 

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