Zuhörer beim Vortrag auf der Fruchtwelt Bodensee am 23. Februar 2018.  Foto: Heike Sommerkamp

Zuhörer beim Vortrag auf der Fruchtwelt Bodensee am 23. Februar 2018. Foto: Heike Sommerkamp

 

Dr. Matthias Görgens vom Obstbauzentrum Esteburg in Jork referierte zur Klimaentwicklung und deren Auswirkungen auf den Obstbau, mit Schwerpunkt auf der zukünftigen Entwicklung von Extremwetterlagen.

Insgesamt wird das Wetter laut Prognosen wärmer, nasser und extremer werden.

Dr. Matthias Görgens

Dr. Matthias Görgens  Foto: Heike Sommerkamp

„Der Obstbau wird sich noch viel mehr mit Temperaturen jenseits der 30°C auseinandersetzen müssen“, blickte er in die Zukunft, „auch schon in Mai, Juni und Juli werden wir mit Hitze zu tun haben“.

Mit der Erwärmung haben „neue“ Schaderreger den Weg über die Alpen nach Norden gefunden, neben dem Apfelwickler auch die Kirschessigfliege. „Sie kam bis 2008/9 nur südlich der Alpen vor, hat inzwischen den Weg bis nach Norddeutschland gefunden und schädigt dort das Weichobst“, berichtete der Niedersachse.

Während Süddeutschland, wenn sich die Prognosen bewahrheiten, Trockenheitsprobleme bekommen könnte, sei Norddeutschland zukünftig eher Nässe ein Problem.

Angesichts zunehmender Sturmheftigkeit riet Görgens generell zu mehr Stabilität bei Aufbauten im Feld, z.B. Rankhilfen: „Ich muss jetzt in der Statik einiges bedenken.“

„Beim Hagel gibt es keine Prognosemodelle.“ Aktuell wird er aber auch in Norddeutschland häufiger und damit zunehmend zum Thema.
Deutschlands Süden ist aktuell besser gerüstet. So war 2015 zum Beispiel 39,22% der Apfel-Anbaufläche Baden-Württembergs mit Hagelnetzen ausgestattet, aber nur 0,55% der Apfel-Anbaufläche Niedersachsens.

Die Frosttage werden laut Prognosen insgesamt in der Zukunft eher zurückgehen als ansteigen – doch durch die immer früher einsetzende Obstblüte ist die Gefahr von Blütenfrostschäden dennoch gegeben, zeigte Görgens auf.

Beim Frostschutz – hier rüstet der Süden gerade auf – ist klar der Norden Vorreiter. „Sie haben hier im Süden bislang wenig Frostschutzberegnung und versuchen gerade, Alternativen zu finden“, sagte Görgens – und stellte die Entwicklung der Frostschutzberegnung an der Niederelbe vor:

 

Frostschutzberegunung an der Niederelbe

Eisumhüllte Apfelblüte nach Frostschutzberegnung  Foto: Lämpel

Eisumhüllte Apfelblüte nach Frostschutzberegnung     Foto: Lämpel, Wikimedia commons

Schon in den Fünfzigern gab es erste Geländeheizungen, Heizkerzen ab den Sechzigern und in den Siebzigerjahren, heute undenkbar, sogar Versuche mit Rauchbildung zur Frostabwehr.
Die ebenfalls in den Siebzigern gestartete Frostschutzberegnung existiert dagegen bis heute: „75% der Anlagen an der Niederelbe können frostschutzberegnet werden“, erklärte Görgens. Die dabei entstehende Dunstglocke schütze alle Flächen gegen den Blütenfrost.

Politik und Verwaltung unterstützen den gemeinschaftlichen Frostschutz im Raum Niederelbe: „Man hat sich auf vereinfachte Verfahren geeinigt“. So seien Baumaßnahmen in kurzer Zeit umsetzbar.

Zum Beispiel Teiche als Wasserreservoir, mit ökologisch sehr wertvollen Flachwasserzonen. „Wir sind begeistert, und die Biologen, mit denen wir die Teiche zusammen gestalten, auch.“ Die Wasserzuteilung der Beregnung regeln eigens gegründete Beregnungsverbände.

Die Kosten so einer Beregnungsanlage errechnete Görgens in einem Beispiel auf vier Cent je Kilogramm Äpfel. „Was ist das schon, wenn ich damit meine Anlagen schützen kann?“ gab er zu bedenken und betonte: „Das ist wie eine Risikoversicherung“.

 

 

Die Klimaentwicklung halte durchaus Chancen bereit:
Durch längere Wachstumsperioden sei der Anbau neuer Sorten und sogar neuer Kulturen möglich.
Neue Schadinsekten und –pilze allerdings auch.

 

Fazit:

Angesichts des extremeren und variableren Klimas braucht es angewandte Forschung und Beratung.
„Die muss man haben, fördern und unterstützen“, betonte Görgens.
So könne die Anpassung des Obstbaus gelingen – mit neuen Sorten, angepassten PSM-Strategien und Ertragssicherung durch Frost- und Hagelschutz.

 

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