Insgesamt 23 Vorträge gab es auf der Interaspa praxis 2019 zu hören.

 

In halbstündiger Taktung informierten Mitglieder der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, des Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. und Branchenvertreter über aktuelle Entwicklungen.

Unter anderem gab es Ergebnisse aus den Spargelversuchen 2019 und einen Betriebsvergleich 4.0 im Spargel und Beerenobstanbau, Informationen zur ab 2020 geltenden Bonpflicht, zu Bienen- und Insektenschutz, den Herausforderungen des Arbeitsrechts und zu Substratanbau, Herausforderungen beim Heidelbeeranbau im Topf und zur Lagerung von Heidelbeeren sowie zu Trends im Himbeeranbau.

Auch ein Bericht aus der Arbeit der Versuchsstation Beerenobst in Langförden, Vorträge zu veränderten Vermarktungsstrukturen, Tipps & Tricks für Verkauf, Marketing und Präsentation sowie der Gestaltung von Schildern und Etiketten standen auf dem Programm.

 

Einige weitere interessante Vorträge stellen wir hier im Einzelnen vor:

 

 

Mechanische Bodenbearbeitung und Möglichkeiten der Ausläuferentfernung im Erdbeeranbau

 

Albert Nordmann informiert über mechanische Bodenbearbeitung.                Bild: Kerstin Panhorst

 

Nach dem Wegfall von Basta im Juni 2017 stehen zur Zwischenreihenbehandlung derzeit keine vollwertigen chemischen Totalherbizide zur Verfügung.

 

Die zur Verfügung stehenden Mittel haben gegenüber Basta gewisse Wirkungslücken.

Eine Alternative kann deshalb die mechanische Bearbeitung sein, wie Albert Nordmann in seinem Vortrag erläuterte.

 

 

 

Der Mitarbeiter des Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. stellte die verschiedenen Möglichkeiten der mechanischen Ausläufer- und Unkrautbekämpfung nach der Ernte von Rankenschneiden, Abbrennen, Mulchen, Mähen, Erdbeerfuchs, Fräsen bis zu Grubbern und Hacken sowie der Unkrautbekämpfung mittels Strom vor.

 

Für ihn bilden sich derzeit zwei Varianten der Zwischenreihenbehandlung nach der Ernte heraus:

 

1. Betriebe, die nach der Ernte den Zwischenraum bearbeiten. Zunächst wird hier komplett gemulcht mit Reihenmulcher oder Erdbeerfuchs und dann 1-2-mal bearbeitet, meist mit der Fräse. Nach der letzten Bearbeitung im Herbst folgt dann eine Bodenherbizidgabe.                  

                                                                                                

2. Betriebe, die aus verschiedenen Gründen nicht bearbeiten möchten oder können, arbeiten mit einer Kombination aus Reihenmulcher, Erdbeerfuchs (1 bis 3 mal) und bringen dann auf den frischen Durchtrieb ein- bis zweimal Blattherbizide (Quickdown und Toil und/oder U 46 M-fluid) aus. Im Herbst erfolgt auch hier die Bodenherbizidgabe.

 

 

Himbeeranbau im eingenetzten Folientunnel

 

Kathrin Kramer stellt die Ergebnisse der Einnetzung vor. Bild: Kerstin Panhorst

Kathrin Kramer vom Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. stellte das Demonstrationsvorhaben „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)“ vor.

Die Einnetzung der Kulturen als nicht-chemische Bekämpfungsmaßnahme gegen die Kirschessigfliege wurde mit einem Nützlingseinsatz gegen Spinnmilben und Blattläuse kombiniert

Untersucht wurde auch der Einfluss der Netze auf das Microklima, wozu regelmäßig Temperatur und relative Luftfeuchte gemessen wurden.

Zwar erwies sich der eingenetzte Tunnel durchaus wirksam gegen die Kirschessigfliege, im veränderten Microklima kam es dafür aber zur unerwünschten Bildung von Spinnen, Blattläusen, Eulenraupen und Rußtaupilzen.

 

„Die Entwicklung dieser Populationen im abgeschotteten Tunnel stellt den gesamten geschützten Anbau in Frage“, sagt Kathrin Kramer.

Sie rät deshalb zu einer Kombination aus Regendach und Netzen, die erst dann heruntergelassen werden, wenn die Kirschessigfliege kommt, um sich vor anderen Schaderregern zu schützen.

 

 

Erfahrungen mit eigenem Onlineshop

Über seine Erfahrungen mit eigenem Online-Shop spricht Karsten Indorf.               Bild: Kerstin Panhorst

 

VND-Mitglied Karsten Indorf stellte die Theke der norddeutschen Direktvermarkter vor.

Er selbst nimmt mit seinem Brunkshof am Konzept teil, bei dem die Kunden online Produkte ordern, die sie entweder selbst abholen oder sich nach Hause liefern lassen. 

Indorf gewährte einen Einblick in die Kosten und den Zeitbedarf für den Aufbau und die Führung eines solchen Shops.

„Die Arbeit für den laufenden Betrieb liegt bei etwa 10 Stunden pro Woche und ist überschaubar, außerdem besteht kein finanzielles Risiko. Ich bin sehr optimistisch, dass es langfristig funktioniert, es macht mir sehr viel Spaß!“, sagt der Betriebsleiter.

 

Allerdings räumte er ein, dass bei derzeit 50 Kunden, die Hälfte davon wiederkehrend, zwischen drei bis zehn Bestellungen und einem Umsatz pro Kunde und Woche von durchschnittlich 25 Euro ein wirtschaftliches Arbeiten noch nicht möglich sei.

„Mein Mindestziel sind 1000 € Umsatz pro Abholungstag, damit die 10 Arbeitsstunden pro Woche mit ca. 200 € entlohnt werden. Aber das Konzept ist neu und braucht noch Zeit – deshalb wird es noch ein paar Monate dauern, bis das Ziel erreicht ist“, sagt Indorf.

Von seinen Kunden hat er bisher nur positives Feedback bekommen und durch den Shop „eine unglaubliche Förderung von Transparenz und Kommunikation“ erfahren.

 

 

Pflanzenschutztechnik im Beerenobstanbau

 

Die Pflanzenschutztechnik im Beerenobstanbau thematisiert Jens-Peter Ralfs.                                           Bild: Kerstin Panhorst

 

Jens-Peter Ralfs vom Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. stellte in seinem Vortrag den Einfluss von Wasseraufwandmenge und Tropfenspektrum auf den Spritzbelag in Himbeeren vor.

Bei Versuchen kam heraus, das mit grobtröpfigen Düsen höhere Blattbeläge erreicht werden als mit feintröpfigen Düsen.

Außerdem wurden mit geringeren Wasseraufwandmengen höhere Blattbeläge erreicht als mit höheren Wasseraufwandmengen. Mit einer horizontalen Luftführung wurden zudem höhere gleichmäßigere Blattbeläge erreicht.

 

 

Ralfs umriss zudem technikrelevante Abstandsauflagen sowie die verschiedenen auf dem Markt erhältlichen Assistenzsysteme und Vorgewendeschaltungen für Obstbau-Sprühgeräte.

Im Einzelnen stellte er die Funktionen und Kosten des OptiDrive von ELMED (6.300 €), des SmartSpray (6.500 €) und CleverSpray (3.500 €) von Inovel und des Picore von Sika (2.900 €) vor.

 

 

Wie wirkt sich der Mindestlohn auf den Obstbau aus

 

Spezialisierung, der Marktwert der Ernte und gebundenes Kapital gehören zu den internen Risiken im obstbau.

Dr. Matthias Görgens gibt seine Prognose zur Entwicklung des Mindestlohns.                             Bild: Kerstin Panhorst

Dazu kommen als externe Einflussfaktoren der Klimawandel, die sinkende Nachfrage, Zulassungsauflagen, das Russland-Embargo, die Marktmacht des LEH und natürlich auch der Mindestlohn.

Was der Anstieg des Letzten für die Anbauer bedeutet, beleuchtete Dr. Matthias Görgens vom Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. in seinem Vortrag.

Schon jetzt ist die Arbeit ein hoher Kostenfaktor für jeden Betrieb, fast 36 Prozent der Kosten fallen auf sie.

Bei einer 4prozentigen Steigerung des Mindestlohns im Jahr, wie sie seit 2015 erfolgt, prognostiziert der Experte einen hohen Anstieg der Produktionskosten, der bei den meisten Obstsorten kaum durch einen höheren Verkaufspreis gedeckt werden kann.

Gerade in Kombination mit dem Klimawandel wird laut Dr. Görgens der steigende Mindestlohn und der höhere Verwaltungsaufwand zu einem noch größeren Rückgang im Freilandanbau führen.

Der geschützte Anbau wird sich ausdehnen, doch auf Dauer werden einzelne Kulturen unrentabel werden.

„In Deutschland wird es schwieriger. Aber es ist nicht hoffnungslos. Wir müssen eine Präferenz für deutsches Obst erzeugen. Dass das funktionieren kann, sieht man am Beispiel England“.

 

 

Maschinelle Ernte von Heidelbeeren – Technik und Notwendigkeit

 

Alfred-Peter Entrop stellt die Vor- und Nachteile der maschinellen Heidelbeerernte heraus.           Bild: Kerstin Panhorst

 

Einen Vergleich der Schüttelaggregate Sway und Rotary umriss Alfred-Peter Entrop in seinem Vortrag.

Der Mitarbeiter des Obstbauversuchsring des Alten Landes e.V. stellte zunächst die Unterschiede der Systeme der Firmen BEI, OXBO und Korvan sowie des neuen Air Berry Harvesters von Kokan vor.

In einem Vergleich der Systeme von BEI und OXBO zeigte er die Ernteverluste und die Fruchtfestigkeit bei Handernte und Maschinenernte unter Normal- und Reduktionsschnitt.

Die ungeschnittene Variante in der Handernte lieferte dabei deutlich kleinere und weichere Früchte als im geschnittenen Bereich.

 

Ohne Schnitt war eine gute Durchführung der maschinellen Ernte dabei deutlich erschwert.

„Es ist möglich, mit der Maschine Tafelware zu ernten, aber im Gegensatz zur Handernte werden die Früchte weicher“, sagt Entrop.

Die OXBO (Rotary) erntet im Vergleich verlustfreier ab als die BEI (Sway), aber die OXBO fängt dafür die Früchte schlechter auf aufgrund eines kürzeren Aggregats.

 

 

 

 

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