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Im geschützten Anbau fühlen sie sich wohl und werden so zunehmend zum Problem im Erdbeeranbau: Thripse – besonders der Kalifornische Blütenthrips Frankliniella occidentalis.

Deshalb widmete das Versuchszentrum Gartenbau (VZG) in Köln-Auweiler dem Schadinsekt einen Nachmittag.

Zunächst lenkte Elisabeth Götte, seit 17 Jahren Fachfrau im Zierpflanzenschutz, den Blick zu den Rosen. „Rosen haben standardmäßig den kalifornischen Blütenthrips“, verwies sie auf langjährige Erfahrung mit dem Schädling.

Elisabeth Götte

Elisabeth Götte

Ihre Erfahrungen:
Gelb- oder Blautafeln zeigen am Jahresanfang erst ab KW 12–14 den Befall an. „Die erwachsenen Tiere sind aber da. Sie verkriechen sich“, hat Götte beobachtet.

Die Winterkälte der hiesigen Breiten habe eine dezimierende, aber keineswegs ausrottende Wirkung.

Thripse entwickeln sich ab 8-10 °C, je wärmer es ist, desto schneller. Kühles Wetter beschert ihnen allerdings eine längere Lebenszeit: Sie können „im Winter 3 Monate locker überleben“.

Chemischer Pflanzenschutz ist keine Option: „Der Motor des Nützlingseinsatzes im Zierpflanzenanbau sind die fehlenden Möglichkeiten (im chemischen Pflanzenschutz, Anm. d. Red.)“, erklärte Götte.

„Diese Thripse, die wir uns in den Betrieben rangezüchtet haben, die sind schon hart…“

Nach aktuellen Untersuchungen sei der hiesige kalifornische Blütenthrips (Frankliniella occidentalis) bereits zu 70% multiresistent, weitere 10% zeigten eine Einzelresistenz. In einigen Gegenden Deutschlands seien sogar 100% resistent, so die Referentin.

Auch Nützlinge haben es beim Thrips nicht einfach. „Thripse sind extrem wehrhaft und total kräftig“, hat Götte beobachtet.

Raubmilben der Gattung Amblyseius könnten, je nach Art, den Schädling nur in dessen ersten oder max. zweiten Larvenstadium erbeuten, L3 und L4 seien sie nicht mehr gewachsen.

Deshalb müsse der Einsatz frühestmöglich erfolgen.

Blick durchs Mikroskop: Ralf Nörthemann und Eva Jansen

Betrachten Nützlinge durchs Mikroskop: Ralf Nörthemann und Eva Jansen

Zudem seien „Thripse selten die bevorzugte Nahrung“ der Raubmilben. Auf gewachsenem Boden, wo viel andere Nahrung locke, seien diese deswegen keine Option.

Die Raubwanze Orius laevigatus sei kräftiger, allerdings nach Göttes Erfahrungen im Gewächshaus nicht zu etablieren: Schnell sei der teure Nützling „aus den Lüftungsklappen rausgeflogen“.

Geruchsstoffe und Pheromone hatten nach ihrer Beobachtung „nie einen Effekt“.

Auch mit Nematoden hat Götte in Rosen keine Bekämpfungserfolge erzielt. Allerdings hat sie gehört: „In Erdbeeren soll es funktionieren, in Chrysanthemen auch“.

Ihre Strategie für Rosen:

  • Früh im Jahr (ab Heizstart) auf Verdacht rund 200 Amblyseius cucumeris/m² ausbringen
  • Alle 2 bis 4 Wochen wiederholen
  • Bei Befall wöchentlich rund 200 Raubmilben/m² ausbringen: Wenn sie ab der 12. Kalenderwoche auf den Tafeln kleben, „dann hau ich einfach rein“.

Ganz wichtig auch die Hygiene:

„Im Notfall wird eine stark betroffene Kultur komplett geräumt“, erzählte Götte.

Dabei käme bis auf die Pflanzen, denen alle Blüten gekappt würden, „alles raus“, auch Streu usw., in Plastiksäcken.

Diese solle man gut zugebunden einen heißen Sommertag über aufheizen lassen, um die Thripse darin sicher abzutöten. Erst dann solle man den Inhalt auf den Kompost geben, empfahl die Referentin.

Ralf Jung

Ralf Jung

„Wir nähern uns in unserer Kulturführung immer mehr der Zierpflanzengärtnerei an“, schlug Ralf Jung den Bogen zum geschützten Erdbeeranbau.

Um bei Thripsbefall früh gegensteuern zu können, sei ein kontinuierliches Monitoring wichtig:

„Man sollte mindestens einmal in der Woche schauen“: In alle Pflanzenteile, nicht nur in die Blüten.

Dabei solle man durchaus Blüten auseinandernehmen und am Blütenboden schauen.

Den Zeitaufwand veranschlagte er mit 30 Minuten je Hektar. Die Ergebnisse sollten kontinuierlich erfasst werden, empfahl der Referent.

Bei Verdacht auf Frankliniella occidentalis solle man sofort „das ganze Nützlingsprogramm auffahren“, riet er.

Zur Festlegung der anschließenden Bekämpfungsstrategie sei die Bestimmung der Thripsart wichtig.

Die könne mit Sicherheit nur im Labor ermittelt werden, was ein paar Tage dauern könne. Ein erster Nützlingseinsatz müsse aber unverzüglich erfolgen.

Für den Amblyseius cucumeris-Einsatz empfahl er in den einjährigen Erdbeerkulturen „andere Zahlen als bei Rosen“:

Ende März/Anfang April zunächst eine Tüte je 2 lfm, dann alle 2 Wochen Streuware ausbringen mit 100 Tieren/lfm.

Bei Befall solle man „immer wieder gegenchecken“ – und wöchentlich 100 Tiere je Laufmeter ausbringen. „Diese Aufwandmenge reicht vollkommen aus“, meinte Jung.

Und die Raubwanze Orius insidiosus? „Es kann vollkommen in die Hose gehen, es kann auch funktionieren“, so Jung, „dabei ist es ein richtig teures System“.

Deshalb sinnierte er, ob ein intensiverer Raubmilbeneinsatz eine Alternative sein könne.

Was tun, wenn die Kultur andere Schädlinge aufweist?

Die Option zum Nützlingseinsatz sollte man sich offen halten, riet Jung, „denn es gibt definitiv kein chemisches Präparat gegen den kalifornischen Blütenthrips“.

Vom Gebrauch von Pyrethroiden riet er deshalb ab: „Die hauen alles was Nützling heißt aus dem Sattel, und das locker für 10 Wochen“.

Nicht jedes PSM setzt die Nützlinge komplett außer Gefecht. Gegen Blattläuse gibt es Optionen: „Pirimor und Raubmilben klappt ganz gut“.

Und: „mit einem Neudosan-Einsatz konnten wir vielen Betrieben über die Ernte helfen“. Bei Spinnmilben dagegen „bleibt nur Floramite“.

Ralf Jung über Thripsbekämpfung – Hier geht’s zum Video

Ludger Linnemannstöns

Ludger Linnemannstöns

„Wir müssen es dem Thrips schwer machen“, forderte Ludger Linnemannstöns. Der findet offenbar über Winter aufgebrachte Folie, niedrige Stellagen und Substratdämme bei remontierenden Erdbeeren behaglich.

Gegensteuern könne man mit jährlichem Substratwechsel, höheren Stellagen mit Graseinsaat oder Folienabdeckung darunter sowie mit genereller Sauberkeit im Tunnel.

Folie solle man nicht vor Anfang Februar aufziehen, riet Linnemannstöns. Und: „Von My-Pex würde ich im Moment eher abraten“ – lieber Gras einsäen.

Beim Nützlingseinsatz solle man „den richtigen Zeitpunkt nicht verpassen“, warnte er: „Lieber ein gutes Monitoring und früher reinhauen (mit Amblyseius cucumeris, Anm. d. Red.) als später den teuren Orius“.

Linnemannstöns‘ Schlusswort: „Ich denke, in Zukunft wird im geschützten Anbau kein Weg daran vorbeigehen, sich mit Nützlingsstrategien zu beschäftigen“.

 

 


Zum praktischen Umgang mit Nützlingen referierte Hans Walkenhorst von Koppert Biological Systems.

Den Bericht dazu gibt es hier:

Mit dem Nützling auf Du – so klappt es mit dem Ausbringen

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