Immer an der Wand lang: beim Vertical Farming wird in die Höhe statt auf der Fläche angebaut.

 

 

 

Immer mehr Menschen leben auf unserem Planeten. Boden wird zum raren Gut.

 

Die knapper werdenden natürlichen Ressourcen machen überall ein Umdenken nötig.

 

Indoor-Landwirtschaft wird ein immer größeres Thema, es wird überall nach neuen Anbaumöglichkeiten auch an ungewöhnlichen Orten gesucht.

 

Gewächshäuser unter Wasser  oder neuerdings auch im Luftschutzbunker gibt es bereits, sogar einen Anbau in der Antarktis versucht man schon.

Einige Firmen stellen zudem die Landwirtschaft auf den Kopf oder lehnen sie vielmehr an die Wand: sie betreiben vertikalen Anbau.

 

 

 

Die Idee

 

Hochhäuser sind die Vorbilder für den übereinander gereihten Anbau.

Die Insel Manhattan und ihr historischer Bauplan standen Pate für die Idee des vertikalen Anbaus.

 

Wissenschaftler fragten sich: Wie passt eine der bevölkerungsreichsten Städte der Welt mit 1,7 Millionen Menschen in ein 23 Quadratkilometer großes Inselgebiet?

 

Die Antwort war simpel: Als es nicht mehr genügend Platz gab, um nach außen zu wachsen, wuchs die Stadt nach oben.

 

Publik wurde die Idee vor allem durch den U.S.-amerikanischen Wissenschaftler Dr. Dickson Despommier, der mit seinem 2010 erschienene Buch „The Vertical Farm: Feeding the world in the 21st Century“ seine Vision des vertikalen Anbaus verbreitete.

 

 

 

 

 

 

 

Erfolgreiche Vertikal-Farmen

 

Aktuell findet der Anbau vor allem in ausgedienten Fabrik- und Lagerhallen statt.

Kimbal Musk, Bruder des Tesla-Gründer Elon Musk, ist einer der größten Investoren im Bereich des Vertical Farmings. Seine Firma Square Roots stellt ausrangierte Schiffscontainer in New York für den Anbau zur Verfügung.

Auf der Größe eines Fußballfeldes baut unter anderem die Firma Plenty ihre vertikalen Farmen in extra errichteten 20-Fuß-Türmen (ca. 6 Meter) an und erzielt so angeblich Erträge, die bis zu 350-mal höher sind als die des produktivsten Outdoor-Equipments.

Im Inneren bewerten Computer- und Überwachungstechnologien die Anlagen und ermöglichen optimale Bedingungen in allen Wachstumsstadien. Infrarotgitter überwachen zudem die Bedingungen des Innenhofs.

Die Firma AeroFarms in Newark (New Jersey) hat auf einer Fläche von mehr als 2.300 Quadratmetern in einer ehemaligen Stahlfabrik ihre Indoor-Farm errichtet, in der jeden Tag rund 10.000 Kopfsalate geerntet werden.

Schätzungen zufolge entspricht dieser Wert dem Hundertfachen der Ernte, die auf derselben Fläche einer horizontal angelegten Farm gewonnen werden könnte.

In der Kleinstadt Jackson im US-Bundesstaat Wyoming wurde mit „Vertical Harvest“ eine der modernsten vertikalen Farmen errichtet, in der neben Salaten und Kräutern auch Tomaten angepflanzt werden und die rund 50.000 Kilogramm Obst und Gemüse für die Kleinstadt und das umliegende Tal Jackson Hole produziert.

 

 

Erste Ansätze in Deutschland

 

Auch in Deutschland kommt das Vertikale Anbauen voran.

In Berlin gibt es bereits kleinere Projekte, in München produziert die Firma Agrilution vertikale Farmen für die eigene Küche, die nicht größer als ein Kühlschrank sind.

In immer mehr Supermärkten stehen vertikale Kräuterschränke.

Allerdings haben sich ihre so gennanten Plantcubes –  geschlossene Ökosysteme mit Saatmatten, kontrolliertem Licht und Klima sowie einer automatisierten Bewässerung für ca. 3000 Euro das Stück- seit der Markteinführung im März 2019 nicht genügend verkauft. Der ostwestfälische Hausgerätehersteller Miele hat gerade erst den insolventen Münchner Gewächsschrank-Hersteller übernommen.

Als erstes Indoor-Farming Leuchtturmprojekt wird noch in diesem Jahr in Oberhausen auf dem Dach des neu gebauten Jobcenters unter der Dachmarke „inFARMING“« der „ALTMARKTgarten“ umgesetzt.

Und in immer mehr deutschen Supermärkten stehen mittlerweile vertikale Kräuterschränke, in denen die Kunden selbst ernten können.

In einer aktuellen Studie der Universität Göttingen haben Wissenschaftler gerade erst die Akzeptanz solcher vertikalen Anbaumethoden beim Kunden erforscht.

Zwar hatten bisher nur 7 Prozent der befragten 482 Konsumenten von vertikaler Landwirt-schaft gehört, die Hälfte der Teilnehmer würde jedoch frische Produkte aus solchen vertikalen An-bausystemen kaufen.

 

 Hier geht es zur Studie.

 

 

 

 

Vorteile von Indoor-Landwirtschaft

 

Aufgrund ihrer geringen Standfläche und ihrer autarken Umgebung können vertikale Anbautürme fast überall aufgestellt werden: direkt auf einem sonst unfruchtbaren Land, nur einen Steinwurf von jedem größeren Stadtzentrum entfernt und auch in Ländern, in denen der Zugang zu Erzeugnissen bisher äußerst begrenzt war.

Durch die Kombination bewährter Pflanzenwissenschaften und transformativer Technologien entfernt die Indoor-Landwirtschaft die natürlichen Einschränkungen von Sonne und Saisonalität bei der Ernte von Obst und Gemüse.

Die Produkte können so auf Land angebaut werden, das früher aufgrund seines Klimas oder seines Bodens unwirtlich war oder in Gebieten, wo Ackerboden nicht in ausreichender Fläche verfügbar ist.

Wachstumseffizienz wird in Ländern wie China, die fast ein Fünftel der Weltbevölkerung mit weniger als 10 Prozent des Ackerlandes ernähren müssen, absolut notwendig.

Die Möglichkeit, einen vielfältigeren Pflanzenmix mit 99 Prozent weniger Wasser als die traditionelle Landwirtschaft anzubauen, ist für Regionen mit begrenzten Wasserressourcen wie dem Nahen Osten eine Revolution.

Beim vertikalen Anbau muss zwar die Sonnenenergie durch entsprechende LED-Lampen ersetzt werden, aber dank einer Nährstofflösung, die herkömmliche Erde substituiert, ist der Wasserbedarf gering.

Lokale, gut zugängliche Produktion bedeuten zudem weniger Zeit-, Transport- und Lagerkosten.

 

 

Kritik an Indoor-Landwirtschaft

 

Einer der offensichtlichsten und wichtigsten Kritikpunkte an der Landwirtschaft in Innenräumen ist der Energieverbrauch.

Denn sowohl für den Bau der Vertikalen Farmen als auch für den Betrieb (Licht, Heizung, Be- und Entlüftung sowie Klimatisierung der Anlage) sind große Mengen an Energie notwendig.

Die meisten Firmen möchten allerdings ihre Daten dazu nicht veröffentlichen, in der der Energieverbrauch ihrer vertikalen Farmen im Vergleich zu regulären Betrieben verglichen wird.

Deshalb ist unklar, ob diese neue Anbautechnik wirtschaftlich gesehen wirklich eine Alternative zur horizontalen Pflanzung bietet.

 

 

 

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