Dirk Buchmann, Michael Nierkamp, Ralf Große Dankbar (v.l.)

Zu Beginn der Spargelsaison rückt Ralf Große Dankbar, Spargelberater bei der LWK NRW, mehrfach und regelmäßig auf den Betrieben an.

Seine Aufgabe: die Erntehelfer in einer effizienten und einheitlichen Stechtechnik schulen. Wir haben ihn einen Tag lang begleitet.

Wenn die Temperaturen auf Frühlingsniveau steigen, bricht der Spargel langsam durch die Dämme.

Dann wird es für die Betriebsinhaber Zeit, ihre Erntehelfer anreisen zu lassen. Viel Zeit für die Vorausplanung bleibt bei dem schwer berechenbaren Gemüse nicht.

Gerade in diesem Jahr ist durch einen erstaunlich frühen und anhaltenden Temperaturanstieg die Spargelsaison weit in den März gerückt. In vielen Hofläden findet man bereits eine große Auswahl an Spargel. Offizieller Saisonstart ist erst am 6. April 2017.

Richtige Technik für hohen Ertrag                                                                                                                                   

Spargel

Um das Angebot an HKL I-Ware möglichst hoch zu halten, muss auf den Betrieben bei der Optimierung des allerersten Arbeitsschrittes angesetzt werden: dem Stechen.

Dafür müssen die Erntehelfer aber geschult sein – am besten vom ersten Tag und ersten Stich an.

„Nichts ist schlimmer, als wenn sich falsche Bewegungseinläufe eingeschlichen haben.

Sich diese wieder abzugewöhnen ist sehr schwierig. Darum ist es besser, gleich von Anfang an mit einer bewährten Technik zu arbeiten“, erklärt Große Dankbar.

„Dadurch kann man eine Menge Ertrag gewinnen. Viele wissen nämlich gar nicht, wie eine Spargelpflanze aussieht, und wieviel sie mit der falschen Technik beim Stechen kaputt machen können“, erklärt der studierte Diplom-Agrar-Ingenieur.

„Wichtig ist auch immer, dass Dolmetscher dabei sind, die übersetzen können“, lächelt er.

„Dabei ist mir meistens sogar lieber, es sind externe, die nichts mit Spargel zu tun haben. Da bin ich mir dann sicherer, dass genau das übersetzt wird, was ich sage. Unbeteiligten fällt es leichter, ihre eigene Meinung aus dem Spiel zu lassen.“

 

Learning by doing – Schulung vor Ort

 

Ralf Große Dankbar und Achim Schipper

Ralf Große Dankbar und Achim Schipper

Welchen Wissensstand die Erntehelfer haben, erfährt Große Dankbar meistens erst vor Ort.

Die Schulung ist sehr praktisch gestaltet und findet direkt auf dem Feld statt.

„Ich muss mich auf jede Gruppe neu einlassen und gucken, wie der Stand ist“.

Auf dem Spargelhof Schippers erklärt Betriebsleiter Achim Schippers bei der Begrüßung, dass in dieser Saison viele Erntehelfer angereist sind, die zum ersten Mal Spargel stechen.

Dementsprechend setzt Große Dankbar bei der Schulung an.

Schritt für Schritt erklärt er die Technik, mit der ab sofort einheitlich auf dem Betrieb gestochen wird.

 

Messer

 

Ralf Große Dankbar und ein Schulungsteilnehmer

Ralf Große Dankbar und ein Schulungsteilnehmer

Es ist sehr wichtig, dass die Messer richtig gehalten werden. Der Griff muss fest von der Hand umschlossen sein. So werden Schwielen und Druckstellen vermieden.

Die Bedeutung der Markierung am oberen Messerende: Auf dieser Höhe hat der Spargelkopf in dem Moment zu sein, wenn zugestochen wird.

Nur so hat die Stange die richtige Länge.

 

Spargelpflanze

 

Wie eine Spargelpflanze unter dem Damm aussieht, veranschaulicht Große-Dankbar, indem er mit bereits gestochenen Stangen eine Pflanze im Damm nachbaut.

So erkennt jeder gut, was sich unter der Erde und neben einer gerade aufragenden Spargelspitze verbirgt.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

 

Graben

 

Spargelstechtechnik

Graben

Auch Graben will gelernt sein.

Früher wurde die Spargelpflanze ganz ausgegraben, bevor gestochen wurde.

So konnte man zwar darauf schauen, dass man nur eine Stange sticht und keine weitere verletzt, aber es war auch sehr arbeitsintensiv.

Mit Große Dankbars Technik reichen zwei bis dreimal Graben aus.

Dabei sollte man darauf achten, die Erde auf dem Damm zu lassen und sich nicht vor die Füße zu schaufeln.

Das macht zusätzlich Mühe beim Schließen des Damms.

 

Körperhaltung

 

Auch die richtige Körperhaltung ist enorm wichtig – dem Rücken zuliebe.
So geht’s: 

  • Mit den Fußspitzen gerade vor dem Damm stehen
  • Zirka im 90°C Winkel gebeugt über dem Spargel arbeiten

Betriebsleiter und Vorarbeiter sollten stets darauf achten – und die Erntehelfer gegebenenfalls immer wieder auf die richtige Körperhaltung hinweisen.

 

Stechen, ohne zu beschädigen

 

Spargel stechen

Die Spargelpflanze treibt nicht nur eine Stange aus: Im Umfeld einer sichtbaren Stange können sich zehn oder mehr weitere Stangen befinden.

Hier heißt es also: Vorsicht!
Schließlich will man ja auch morgen noch Spargel stechen.

Die oberste Regel für einen gelungenen Stich ist daher: erst ein, dann zwei Finger Abstand.

Das Messer wird mit einem Finger Abstand zum Spargel gerade in den Boden geführt, bis der Spargelkopf die Markierung erreicht hat. Dann wird das Messer auf zwei Finger Abstand vom Spargel wegbewegt. Erst danach wird kurz zugestochen.

„Kurz“ ist sehr wichtig, damit man nicht zu weit durch den Spargel hindurchsticht und eine sich dahinter befindende Stange verletzt.

„Mit dieser Technik gibt es nicht nur heute, sondern auch morgen Spargel. Und übermorgen. Und das bedeutet: mehr Arbeit. Und mehr Arbeit bedeutet mehr Geld. Für den Chef und für euch“, sorgt Große Dankbar für verständnisvolles Lachen bei den Zuhörern.

 

Bruch vermeiden

 

Das Ziel bei jeder Ernte ist: möglichst wenig Bruch.

„Wichtig ist, das Verständnis dafür zu wecken, möglichst wenig beim Stechen kaputt zu machen“, erklärt Große Dankbar als Nächstes.

Mit einer kleinen Fragerunde veranschaulicht der Spargelberater die Ertragsmenge, die beim falschen Stechen verloren geht.

Das Ergebnis:

Bei einem Stangengewicht von 60-70 Gramm und zirka 15.000 bis 25.000 Spargelpflanzen pro Hektar ist beim Kaputtstechen nur einer Stange pro Pflanze hochgerechnet mit einem Ertragsverlust von bis zu 1,5 Tonnen Spargel pro Hektar zu rechnen.

Diese Rechnung macht bei den Zuhörern Eindruck.

Um die Schulung nicht allzu theoretisch wirken zu lassen, zeigt Große Dankbar den Teilnehmern gerne in übertriebener Weise, wie es auf gar keinen Fall geht. „Diese Art ist immer sehr einprägsam“, lacht er später.

Hier ein kurzes Beispiel:

 

Bruch in die Kiste

 

Spargel

„In den Feldreihen finden wir oft viele Spargelköpfe. Diese können aber noch verkauft werden.

Das zu vermitteln ist ein schwieriges und sensibles Thema, gerade wenn Sprachbarrieren im Spiel sind. Hier ist der Betriebsleiter gefragt.

Wichtig ist, zu vermitteln, dass Bruch beim Stechen zwar unschön ist, aber vorkommen kann.

Dabei ist die Kommunikation ausschlaggebend.

Schimpfen ist keine Lösung – so landet der Spargelkopf nur am Feldrand“, betont Große Dankbar.

„Zum Bruch kommt es meist, wenn beim Stechen zeitgleich am Spargel gezogen wird – das kann mit unserer Technik minimiert werden“.

Wichtig ist also die Reihenfolge, auch wenn nur Millisekunden dazwischen liegen:

  1. Graben
  2. Ein Finger Abstand
  3. Zwei Finger Abstand
  4. EIN Stich
  5. Gegebenenfalls Positionswechsel des Messers (wenn der Spargel krumm ist) und EIN weiterer Stich. KEIN STOCHERN!
  6. dann erst die Stange herausziehen

Vorbildliche Kontrolle – eingreifen, helfen, verbessern, loben

 

Eine gute und vor allem konsequent durchgeführte Stechtechnik hat vor allem auch mit guter Vorarbeit und Kontrolle zu tun.

Nur wer sie regelmäßig überprüft und bei den Erntehelfern vor Ort eingreift, hilft und verbessert, setzt am Ende eine einheitliche Technik durch.

 

Zielgruppenorientierte Schulungen

 

Ralf Große Dankbar und Stephan Kisters

Ralf Große Dankbar und Stephan Kisters

Nicht auf jedem Betrieb führt Große Dankbar eine umfangreiche Schulung durch. Es kommt immer auch auf den Wissensstand der Erntehelfer an. Die bis jetzt angereisten Erntehelfer auf dem Spargelhof Kisters haben schon einiges an Erfahrung gesammelt. Und das sieht man sofort.

Die Stechtechnik wird von nahezu Jedem einwandfrei ausgeführt.

„Hier reicht es dann, die Leute zusammenzurufen und ein paar Kleinigkeiten noch mal zu erklären, nachdem ich sie eine Weile einfach beobachte. Wer es gut macht, der braucht nicht noch einmal eine ganze Theoriestunde“, beschreibt Große Dankbar.

Über die gute Arbeit seiner Erntehelfer ist auch Betriebsinhaber Stephan Kisters erfreut.

„Wo wir oft optimieren können, ist der Punkt mit dem krummen Spargel. Wichtig ist, dass man nach dem ersten Stich neu gräbt und die Position für das Messer wechselt.

Hier sind die Erntehelfer oft so in ihrem Arbeitstempo, das sie anfangen zu „stochern“ anstatt nach dem ersten Stich von einer neuen Position anzusetzen – was wiederum andere Stangen kaputtmachen kann.

Ralf Große Dankbar und Michael Nierkamp

Ralf Große Dankbar und Michael Nierkamp

Dann sind die Vorarbeiter und Betriebsleiter gefragt: Eingreifen, helfen, erklären und vormachen ist hierfür die Lösung.“

Auf dem Spargelhof Schulte-Drevenack lässt sich Betriebsleiter Michael Nierkamp jedes Mal von Große Dankbar die Technik erneut zeigen.

Besonders die Schritte, die bei einigen Erntehelfern noch nicht zu 100 Prozent sitzen.

So kann Nierkamp jederzeit selbst bei Fehlern eingreifen und verbessern.

Bis Ralf Große Dankbar in ein paar Wochen erneut zur Schulung anrückt –  wenn weitere Erntehelfer nachgekommen sind.

Um eine möglichst ertragreiche Ernte zu unterstützen…

 


 

Hier geht´s zur Fotostrecke: Spargel stechen will gelernt sein

 

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