Auch in diesem Jahr müssen besondere Regeln bei der Einreise, Unterbringung und Testung von SAK beachtet werden. Bild: Kerstin Panhorst

 

Der Impfstoff ist da, aber lange noch nicht für alle zugängig. Deshalb wird Covid-19 auch für die kommende Saison weiter ein Thema sein.

Im Webinar „Saisonarbeit unter Bedingungen von Corona“ der Zeitschrift „Gemüse“ gab es deshalb nun Informationen zu aktuellen Arbeitsschutzregelungen, Hygienekonzepten, Reisebedingungen und zum Umgang mit potentiellen Infektionsfällen.

Rund 300 Teilnehmer lauschten den Ausführungen der Referenten Simon Schumacher, VSSE, Roland Kelemen, SVLFG und Susanne Woischwill, TK-Saisonexpertin.

Auch wir waren dabei und fassen das Wichtigste zusammen.

 

 

Einreise, Quarantäne, SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel und Testpflicht

 

 

Simon Schumacher, Geschäftsführer des Verbands der süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) blickte zunächst auf die vergangene Erntesaison mit dauernd wechselnden Rahmenbedingungen und Vorschriften zurück. Danach erläuterte er die aktuelle Situation und gab einen Ausblick auf die zukünftige Lage.

 

Einreise

 

Der Transit durch Ungarn und Österreich ist derzeit möglich. Ein Transitformular ist dafür nicht zwingend erforderlich, einen Arbeitsvertrag mit zu führen wird aber empfohlen.

Das BMI, erklärt Schumacher, plane verschärfte Grenzkontrollen zu Hochrisikogebieten wie z.B. Tschechien.
In Rumänien und Polen gibt es bisher nur stichprobenweise Kontrollen, für diese reicht die Vorlage der Ersatzmitteilung oder der DEA Nachweis (PDF-Datei von www.einreiseanmeldung.de)

Vor der Einreise muss die Anmeldung der SAK unter www.einreiseanmeldung.de erfolgen, Diese Daten werden an das zuständige Gesundheitsamt übermittelt. Die Anmeldung ist max. 3 Tage vor Einreise möglich, das Tool ist aber momentan noch nicht auf Rumänisch verfügbar.

Wer nicht selbst seine SAK anmelden möchte, kann als Alternative eine Ersatzmitteilung (früher: Aussteigerkarte) ausfüllen lassen.

Diese können die SAK an der Grenze direkt der Bundespolizei übergeben oder per Post senden an

Deutsche Post E-Post-Solutions Gmbh
Aussteigerkarte
69990 Mannheim

 

Wer weder die Ersatzmitteilung abgibt noch die digitale Einreiseanmeldung vornimmt, muss 250 Euro Sicherheitsleistung zahlen – wegen eines Verstoßes gegen die CoronaEinreiseVerordnung.

Achtung: Rückreise Rumänien

Ab dem 12. Februar müssen alle nach Rumänien Einreisenden aus einem Risikogebiet auch einen negativen PCR Test vorweisen. Der Test darf max. 72Std. vor der Einreise erfolgen.

Zudem gilt für Rumänien eine 14-tägige Quarantäne bei Rückreise.

„Ich hoffe mal, dass es die Leute nicht abschreckt“, sagt Simon Schumacher.

 

 

Testpflicht

 

Für alle Personen aus Risikogebieten muss frühestens 48h vor oder spätestens 48h nach Einreise ein Test erfolgen. Das Ergebnis muss in Papierform 10 Tage aufgehoben werden.

Ausnahme: Personen aus Hochinzidenzgebieten wie Westbalkan, Tschechien oder Slowenien müssen den Test zwingend vor Anreise durchführen.

Das Testergebnis muss auf Englisch, Deutsch oder Französisch übersetzt vorliegen. Die Kosten kann man den SAK erstatten, muss man als Arbeitgeber aber nicht.

Tipp von Simon Schumacher:
Den Test am besten schon in Rumänien machen lassen (der VSSE empfiehlt verschiedene Anbieter auf https://www.vsse.de/), dann reisen Infizierte nicht ein und man muss keine Sonder-Maßnahmen vor Ort zur Quarantäne ergreifen.

Er empfiehlt die Anreise mit privaten PKW oder Charterbussen, in die man nur SAK mit negativem Schnelltest einsteigen lässt und in denen auch keine Personen, die nicht zur Arbeitsgruppe gehören, mitfahren. Allerdings, warnt Schumacher, sind Testergebnisse inzwischen auch kaufbar, man hat wenig Kontrolle über die Richtigkeit. Hier sollte man selbst den Anbieter auswählen (s.o.).

Bei der Anreise mit Linien- oder Kleinbussen ist hingegen aufgrund des engen Raumes und des Kontaktes zu anderen eine Infektion möglich. Diese zeigt sich dann nicht direkt nach Ankunft, sondern erst nach Ablauf der Inkubationszeit und kann sich bis dahin im Betrieb ausbreiten.

Laut einem Gerücht aus Rumänien sollen ab Anfang März Reise- und Linienbusunternehmen versuchen, ungenehmigte Busse nicht mehr ausreisen zu lassen bzw. Ungarn deren Grenzübertritt nicht mehr zulassen.

 

 

 

Quarantäne

 

Es gilt eine Quarantänepflicht (unterschiedlich nach Bundesland) von durchschnittlich 10 Tagen.

Die Quarantäne kann frühestens am 5. Tag bei negativem Test vorzeitig beendet werden

Die Möglichkeit einer Arbeits-Quarantäne gibt es jetzt auch wieder in allen Bundesländern (unterschiedliche Regelungen beachten).

Diese muss vorher der zuständigen Behörde gemeldet werden, und eine Dokumentation der gruppenbezogenen betrieblichen Hygienemaßnahmen muss erfolgen.

 

 

SARS-CoV-2-Arbeitsschutzregel

 

Teams

Es müssen feste Teams mit max. 4 Personen gebildet werden. Eine Gruppenvergrößerung auf 15 Personen ist aber möglich, wenn die eingesetzte Technologie (Erntemaschinen, Sortieranlagen etc.) dies erfordert. Dies muss zuvor mit den zuständigen Ämtern abgesprochen werden.

 

Schlafräume

Bei Arbeitsgruppen ist eine Belegung mit bis zu 8 Personen/Schlafraum bzw. 4 Personen im Container (bei 6 bzw. 6,75qm pro Person) möglich.

 

Sonstige Räume

Bei Gemeinschaftsräumen und Arbeitsräumen müssen 10m² pro Person eingehalten werden. Wenn Abstände nicht eingehalten werden können, ist das Tragen einer medizinischen Schutzmaske Pflicht. Bei FFP2 Masken müssen Tragezeiten beachtet werden, deshalb sollte man lieber medizinische (OP)-Masken nehmen.

 

Zusätzliche Maßnahmen für Räume

  • Desinfektionsmittel (min. 1 pro Zimmer) und Einmalhandtücher für Bad/Küche müssen zur Verfügung gestellt werden.
  • Reinigungspläne für Gemeinschaftseinrichtungen sind zu erstellen.
  • Alle Räume müssen regelmäßig gelüftet werden.
  • Das Waschen von Wäsche und Spülen von Geschirr hat bei mindestens 60° zu erfolgen. Tipp von Simon Schumacher: mit dem Gesundheitsamt abklären, ob anstelle von Geschirrspülern auch Wasserkocher zur Desinfektion von Geschirr ausreichen.

 

Transporte

Transporte zwischen Unterkunft und Einsatzort sollten nur in den jeweiligen Teams oder mit halber Auslastung der Fahrzeuge und mit Mund-Nasen-Schutz erfolgen.

 

 

Infektionsfälle

 

Im Verdachtsfall ist eine Isolation des gesamten Teams und aller Kontaktpersonen nötig.
Zusätzlich zum Arzt muss auch das Gesundheitsamt informiert werden.

Wem aufgrund der Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes als Ansteckungs- oder Krankheitsverdächtiger oder Träger von Krankheitserregern die Ausübung seiner Erwerbstätigkeit verboten ist, hat ein Recht auf Entschädigung.
In Baden-Württemberg gilt dies auch für SAK, auf Bundesebene, berichtet Schumacher, sei dies aber noch unklar.

Anträge auf Entschädigung können gestellt werden unter http://www.ifsg-online.de

 

Tipps für die kommende Saison

 

Simon Schumacher rät:

  • Risiko splitten! Sofern ein Einreiseland zum Virusvariantengebiet wird, kann eine Aufteilung der Herkünfte der SAK das Risiko minimieren
  • Corona-Antigen-Schnelltests mit geschultem Personal selbst organisieren, z.B. mobile Teststation kommen lassen
  • Vergrößerung der Gruppengröße von 4 auf 15 vorher mit Gesundheitsamt klären
  • beachten, dass es womöglich keine Verlängerung der kurzfristigen Beschäftigungsdauer in diesem Jahr auf 5 Monate geben wird, und mehr Personal einplanen
  • beachten, dass ukrainische Studenten nur in den Semesterferien (ab Ende Juni) beschäftigt werden dürfen
  • Verkaufspersonal evtl. wegen Infektionsschutz verjüngen
  • Selbstpflücke prüfen
  • Ernte verspäten bzw. nicht verfrühen
  • evtl. Mietverträge anpassen wg. reduzierter Zimmerbelegung
  • Container: Errichtungserlaubnis statt Baugenehmigung bzw. prüfen, ob fliegende Bauten (genehmigungsfrei) möglich sind
  • Freistehende Hotels und Gasthöfe anfragen
  • einheimische gute SAK von 2020 wieder mobilisieren
  • Prämien für Corona-Freiheit ausloben: Bonuszahlung, wenn es bis Ende Saison keinen Corona-Fall gab
  • positive Testergebnisse nutzen: wer bereits infiziert war (nachgewiesen durch Test min. 21 Tage bis max. 6 Monate vor Einreise), ist von der Quarantänepflicht ausgenommen, so lange er keine Symptome aufweist!

 

Simon Schumacher rät zu einer guten Vorbereitung der Saison und zu einem regelmäßigen Austausch mit den zuständigen Gesundheitsämtern. Sollten diese telefonisch schwer erreichbar sein, empfiehlt er die Kontaktaufnahme per Mail, da man so dokumentieren kann, dass man versucht hat, sie zu kontaktieren.

Generell hat der VSSE-Sprecher aber Hoffnung auf willige Arbeitskräfte aus dem Ausland für diese Saison: „Die Arbeitslosenquote seit Corona in Rumänien steigt, auch in Polen sehen wir eine ähnliche Tendenz. Die Arbeitnehmerverfügbarkeit könnte zunehmen“.

 

 

 

Erläuterung und Erstellung eines Hygiene-Konzepts

 

 

Als Koreferent ging Roland Kelemen von der SVLFG insbesondere auf rechtliche Regelungen hinsichtlich der Hygienekonzepte ein.

Um die rechtlichen Anforderungen zu erfüllen, reiche es in der Regel aus, die Hygienemaßnahmen einzuhalten, wie sie im SARS-COV-2-Arbeitsschutzstandard beschrieben sind.

Ergänzt und konkretisiert wird der Standard von branchenspezifischen Hilfestellungen der Berufsgenossenschaften und Unfallkassen. Diese branchenspezifischen Hilfestellungen reichen in der Regel aus, sagt der Experte, aber man sollte die Auflagen der jeweiligen Bundesländer beachten.

Nähere Informationen dazu gibt es unter www.svlfg.de/corona-saisonarbeit

 

Mustervorlage

Roland Kelemen hat ein Muster eines Hygienekonzepts auf der Grundlage der Bekämpfungsverordnungen der Länder erstellt, das auf der Webinar-Seite
zum Download bereit steht und für jeden Betrieb individuell angepasst werden kann.

 

Direktvermarktung

Für Betreiber von Hofläden etc. wird zudem ein Parkplatzkonzept benötigt.
Um den Abstand von 1,5m zwischen den Kunden sicherzustellen und die Kundenfrequenz zu steuern (pro 20qm Geschäftsfläche 1 Kunde zulässig), muss die Anzahl der Parkplätze auf die zulässige Kundenanzahl verringert werden.

 

 

 

Krankenkasse und SAK

 

 

Als weitere Koreferentin gab Susanne Woischwill als Saisonexpertin der Techniker Krankenkasse Informationen zum neuen Kassenwahlrecht, elektronischen Gesundheitskarten und vereinfachtem Anmeldeverfahren für Saisonkräfte.

 

Kassenwahlrecht

 

Das Kassenwahlrecht wurde zum 1. Januar 2021 vereinfacht.
Es gibt keine Mitgliedsbescheinigung in Papierform mehr für den Arbeitgeber.

 

DEÜV Meldungen

Bei den DEÜV Meldungen ist das Kennzeichen „Saisonarbeitnehmer“ wichtig. (Definition Saisonarbeitnehmer: Personen, die vorübergehend für ein bis acht Monate für eine befristete, abhängige Beschäftigung nach Deutschland kommen.)
Denn eine Anmeldung durch den Arbeitgeber ist nicht automatisch die Anmeldung der Versicherten, deswegen wird immer auch ein Mitgliedsantrag geschickt. Dies macht bei SAK aber keinen Sinn. Wenn der Haken bei „Saisonarbeitnehmer“ gesetzt wird, wird kein Antrag geschickt und die Kasse nimmt es den Landwirten ab.

 

Gesundheitskarten

Viele Landwirte wollen keine Gesundheitskarten für ihre SAK. Aber die Karten haben auch Vorteile. Zum einen geben sie den SAK ein Sicherheitsgefühl, zum anderen sind sie für fünf Jahre gültig. Sie werden jeweils bei Ausreise deaktiviert und erst beim ersten Benutzen in Deutschland im Lesegerät beim Arzt wieder aktiviert.

Da die Karten mit Aufwand verbunden sind (Fotos müssen gemacht werden), möchten die meisten Landwirte keine Karten. Stattdessen sind auch Arzt-Ersatzbescheinigungen per Post oder Mail möglich.
Dazu müssen nur die Kerndaten der SAK (Name, Geburtsdatum, Herkunftsland, Geburtsort, Beschäftigungsbeginn etc.) in einer Excel-Liste per Mail, Telefon oder Fax an die Krankenkasse übermittelt werden.

 

 

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