„Flexible-Unsicherheit“ ist im Zusammenhang mit landwirtschaftlicher Saisonarbeit zum geflügelten Wort geworden.

Erntehelfer kommen für einen befristeten Zeitraum nach Deutschland.

Voraussetzungen dafür sind Flexibilität und Mobilität, im Gegenzug findet aber keine Integration in soziale Sicherungssysteme und in die Gesellschaft des Arbeitslandes statt.

 

 

Immer weniger Interessenten

 

Das Dasein als Saisonarbeiter wird immer unattraktiver, die Erntehelfer fehlen. Anstatt wie früher aus Polen kommen die Saisonarbeiter heutzutage meist aus Bulgarien und Rumänien, Kroatien, Ungarn, Serbien und seit jüngster Zeit auch aus der Ukraine.

Wenn die Hilfskräfte einmal schlechte Erfahrungen bei einem Arbeitgeber gemacht haben, schlecht bezahlt wurden oder in unzumutbaren Unterkünften residieren mussten, kommen sie nicht wieder und die Kunde verbreitet sich in den Herkunftsländern – spätestens bis zur nächsten Saison.

 

 

Initiative Faire Landarbeit

 

2015 riefen gewerkschaftliche Akteure die Initiative Faire Landarbeit ins Leben.

Zu ihr gehören das PECO-Institut, das DGB-Projekt «Faire Mobilität», der Europäische Verein für Wanderarbeiter (EVW), ehrenamtliche Aktive in der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und das Bündnis gegen Menschenhandel (BGMA).

Mit Flyern und Beratungsangeboten in mehreren Sprachen wollen sie sie Arbeiter über ihre Rechte aufklären und besuchen zudem strichprobenartig verschiedene Betriebe. Dabei wurden einige Missstände aufgedeckt:

– Fehlende schriftliche Arbeitsverträge

– Intransparente Aufzeichnungen der Arbeitszeit und Entlohnung

– Unklare Abzüge für Essen, Unterkunft und Zurverfügungstellung des Arbeitsmaterials

– Fehlender oder nicht ausreichender Arbeits- und Gesundheitsschutz

 

 

Projekt Faire Saisonarbeit

 

Das gewerkschaftsnahe Peco-Institut in Berlin hat diese Ergebnisse in einer Studie über die Situation der Erntehelfer veröffentlicht und will nun das Projekt „Faire Saisonarbeit“ etablieren.

Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Erprobung des Konzeptes „Faire Saisonarbeit“ durch ein innovatives Instrument, die Etablierung eines Qualitätssiegels für Betriebe.

Das PECO-Institut e.V., in Kooperation mit Stiftung Soziale Gesellschaft, Industriegewerkschaft Bauen – Agrar – Umwelt und dem Europäischen Wanderarbeiterverband möchte damit den potentiellen Beschäftigten eine Möglichkeit bieten, sich vor schlechten Arbeitsbedingungen zu schützen.

Das Peco-Institut kontrolliert schon jetzt regelmäßig Betriebe auf Arbeitsstandards und kümmert sich um die Rechte der Saisonarbeiter.

Im Zuge des Siegels würden diese turnusgemäß überprüft.

Davon könnten auch die Betriebe profitieren, die durch das Siegel ein erhöhtes Ansehen bei den Arbeitern hätten und dadurch auch mehr Saisonkräfte anwerben könnten.

 

 

Aktueller Bericht

 

Ende Januar legte die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) den Aktionsbericht „Saisonarbeit in der Landwirtschaft“ vorgestellt.

Er fasst die Erfahrungen zusammen, die bei der Beratung von Erntehelfern auf den Spargel- und Erdbeerfeldern im Jahr 2018 gemacht wurden.

„Ein Ergebnis ist dabei sehr deutlich geworden: Während die Landwirtschaft immer moderner wird, spiegelt sich das in den Arbeitsbedingungen der Beschäftigten noch längst nicht überall wieder“, sagte der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum. „Der Bericht dokumentiert Verstöße gegen das Arbeitsrecht auf Kosten der Beschäftigten. Bitter ist es, mitzuerleben, wie die Unwissenheit über ihre Rechte und teils sogar die Angst der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer vor einem Jobverlust ausgenutzt wird.“

 

 

Weiterführende Informationen:

 

https://www.peco-ev.de/

http://www.saisonarbeit.org/

https://www.igbau.de/niedrige-loehne-verleiden-saisonkraeften-die-arbeit.html

 

 

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