In Polen und Rumänien wächst die Wirtschaft, immer weniger Menschen kommen deshalb als Saisonkräfte nach Deutschland.

Um Erntehelfer aus Serbien oder der Ukraine zu beschäftigen, bedarf es monatelanger Visa-Verfahren.

Warum also nicht auf Arbeitskräfte zurückgreifen, die ohnehin schon in Deutschland leben und dringend arbeiten möchten?

In den letzten vier Jahren wurden mehr als 1,5 Millionen Asylanträge in Deutschland gestellt. Alleine im letzten Jahr waren es 186.000.

Die meisten Antragssteller stammen aus Syrien, dem Irak und Iran sowie aus Nigeria.

Rund 40 Prozent von ihnen sind zwischen 18 und 40 Jahren – also im besten Alter für körperliche Arbeit.

 

 

Arbeitserlaubnis

 

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) entscheidet im Asylverfahren über vier Schutzarten: Asylberechtigung, Flüchtlingsschutz, subsidiärer Schutz und Abschiebungsverbot.

Je nach Status gilt dabei ein anderes Recht.

Asylberechtigte erhalten von ihrer Ausländerbehörde eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre.

Dasselbe gilt, wenn die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt worden ist.

Nach frühestens drei Jahren kann unter bestimmten Voraussetzungen, wie etwa der Sicherung des Lebensunterhalts und ausreichende deutsche Sprachkenntnisse, eine Niederlassungserlaubnis erteilt werden.

Drei Monate nach der Antragstellung auf Asyl können sie eine Arbeitserlaubnis beantragen.

Während der ersten Monate gilt eine eingeschränkte Arbeitserlaubnis, nach 15 Monaten entfällt diese Beschränkung.

Anerkannte Asylbewerber, die vom Bundesamt einen positiven Bescheid erhalten haben, dürfen grundsätzlich uneingeschränkt als Beschäftigte arbeiten.

Nicht beschäftigt werden dürfen Flüchtlinge, die kürzer als drei Monate in Deutschland registriert sind, ausreisen müssen oder demnächst abgeschoben werden.

Dazu zählen auch Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsstaaten (z.B. Länder des westlichen Balkans, Senegal, Ghana).

Ist nur ein Abschiebungsverbot festgestellt worden, entscheidet die Ausländerbehörde im jeweiligen Einzelfall, ob eine Genehmigung zur Ausübung einer Beschäftigung erteilt wird.

Wurde ein Arbeitsverbot für einen Asylbewerber ausgesprochen, bleibt ihm der deutsche Arbeitsmarkt verschlossen.

Ein solches Verbot gilt beispielsweise stets für den Zeitraum der Erstaufnahme.

Auch Flüchtlinge aus sicheren Herkunftsländern dürfen in der Regel nicht arbeiten.

Ob eine Genehmigung erteilt wurde, steht auf der Aufenthaltserlaubnis und gegebenenfalls einem Zusatzblatt.

In einigen Fällen muss eine Beschäftigung bei der Ausländerbehörde beantragt werden, Informationen im Einzelfall gibt es unter der Telefonnummer 0800 4 5555 20 (gebührenfrei).

 

 

Fördermöglichkeiten

 

Wer sich entscheidet, Flüchtlinge zu beschäftigen, kann verschiedene staatliche Förderungen in Anspruch nehmen.

Ein Eingliederungszuschuss kann bei der Bundesagentur für Arbeit beantragt werden.

Für Geduldete und Asylbewerber ist der Zuschuss nach drei Monaten möglich, für Flüchtlinge mit Aufenthaltserlaubnis sofort.

Der Eingliederungszuschuss beträgt für 12 Monate maximal 50 Prozent des gezahlten Entgeldes und soll die Eingliederung von schwer vermittelbaren Arbeitnehmern erleichtern.

 

Informationen zur Förderung bei Arbeitsaufnahme

 

Mit einer sechs- bis zwölfmonatigen Einstiegsqualifizierung (EQ) sollen Bewerber mit Sprach- und Bildungsdefiziten auf einen Ausbildungsplatz vorbereitet werden.

Dafür muss ein Antrag bei der Bundeagentur für Arbeit gestellt werden, der zusätzlich von der Ausländerbehörde genehmigt werden muss.

Während des Zeitraums der Einstiegsqualifizierung muss der Arbeitgeber keinen Mindestlohn zahlen.

 

Informationen zur Förderung von Auszubildenden

 

 

Motivation

 

Neben den Sprachkursen, um die erforderlichen Deutschkenntnisse zu erwerben, benötigen die Flüchtlinge auch einen Nachweis über die Sicherung ihres Lebensunterhalts, um dauerhaft in Deutschland bleiben zu können und ihre Familien nachzuholen.

Eine Tätigkeit kann sich positiv auf das Bleiberecht in Deutschland auswirken, da sie als Integrationsleistung verstanden werden kann.

Für hochqualifizierte Fachkräfte ist es inzwischen dank der Blauen EU Karte einfacher geworden, einen Job zu finden, für „normale“ Arbeiter oder Ungelernte ist es immer noch schwierig.

Nur jeder vierte Flüchtling findet einen Job.

Der Wille zur Arbeit ist bei vielen Flüchtlingen vorhanden, auch der Mindestlohn schreckt sie nicht ab, eine Tätigkeit aufzunehmen.

 

 

Probleme

 

Generell suchen die Flüchtlinge eine langfristige Arbeit, um dauerhaft ihren Status in Deutschland zu sichern.

Deshalb ist die 70-Tage-Regelung bzw. die Beschäftigung nur für eine Saison für einige problematisch.

Auch bevorzugen es die Flüchtlinge oder Asylbewerber, in städtischen Zentren zu wohnen und möchten meist nicht hinaus auf die Höfe in die Unterkünfte für Saisonarbeiter ziehen.

Problematisch gestaltet sich auch das Zusammenarbeiten der unterschiedlichen Kulturen. Für serbische Frauen ist zum Beispiel das Seite an Seite arbeiten mit einem Moslem ein vor allem von ihren Ehemännern nicht gern gesehener Zustand.

Zudem ist die sprachliche Verständigung ein Minuspunkt: Auf den Feldern wird bisher überwiegend polnisch, rumänisch und serbisch gesprochen, so dass zum einen der Flüchtling nicht mit kommunizieren, zum anderen aber auch nicht seine Deutschkenntnisse verbessern kann, was wiederum für eine dauerhafte Integration wichtig wäre.

 

Weitere Informationen des BAMF

Weitere Informationen der Arbeitsagentur

 

 

Projekt „Willkommenslotsen“

 

Die Landwirtschaftskammern unterstützen potentielle Arbeitgeber in allen Fragen rund um die Beschäftigung von Geflüchteten und bieten kostenlose Beratung zu diesem Thema an.

So genannte „Willkommenslotsen“ der Landwirtschaftskammern helfen gezielt beim Umgang mit den Abweichungen vom „normalen“ behördlichen Procedere.

Begleitet wird dabei der gesamte Bewerbungs- und Einstellungsprozess.

 

http://www.landwirtschaftskammern.de/

 

 

 

Lesen Sie demnächst mehr im 7. Teil unserer Saisonarbeiter-Reihe.

 

 

 

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