Ukrainer, Serben und Bulgaren haben inzwischen die traditionellen polnischen Erntehelfer auf deutschen Feldern ersetzt.

Seit Mai 2011 besteht eine Arbeitnehmerfreizügigkeit für alle Arbeitnehmer aus den osteuropäischen Ländern Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn, seit 2014 auch für Bulgarien und Rumänien.

Für diese Länder entfällt das aufwändige Arbeitserlaubnisverfahren über die Zentrale Arbeitsvermittlung (ZAV) ebenso wie die Vorschriften über einen maximalen Beschäftigungszeitraum und über die wöchentliche und tägliche Mindestarbeitszeit.

Für die Nicht-EU-Mitgliedsstaaten bedarf es jedoch zumeist Arbeitsvisa.

 

 

Anwerbeabkommen mit Drittstaaten

 

Bürger aus Drittstaaten können derzeit nicht im Bereich der Land- und Forstwirtschaft als Saisonarbeiter beschäftigt werden.

Deutschland hat die so genannte Saisonarbeitnehmerrichtlinie der EU zwar in nationales Recht umgesetzt, dennoch bedarf es konkreter Vermittlungsabsprachen zwischen Deutschland und Drittstaaten, damit Bürger aus diesen Staaten hier beschäftigt werden können.

Aktuell existieren aber keine Vermittlungsabsprachen.

Deshalb gibt es eine Forderung hinsichtlich eines Anwerbeabkommens mit Drittstaaten.

Vor allem die Ukraine, in der eine größere Armut herrscht, ist dabei im Gespräch. Auch Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Weißrussland wären denkbar.

Zum Vergleich: Durchschnittlich verdient ein Arbeiter in der Ukraine monatlich 7,100 Griwna (219€), aber in Polen mit 3,500 Zloty (815€) fast das Vierfache.

Jeder dritte Ukrainer arbeitet angeblich schwarz, bereits zwei Millionen Ukrainer leben inzwischen in Polen, um dort zu arbeiten.

Schon jetzt kommen ukrainische Helfer auch zur Ernte nach Deutschland.

Seit Juni 2017 ist für die Ukrainer die Visumspflicht für die EU-Länder weggefallen – allerdings gilt die visumsfreie Einreise nur für 90 Tage innerhalb eines halben Jahres für touristische und geschäftliche Zwecke.

Deshalb sind es bisher nur Studierende, die laut Gesetz auch aus Ländern außerhalb der EU als Ferienjobber nach Deutschland kommen dürfen.

Eine spezielle Genehmigung brauchen sie dafür nicht.

Laut Zentraler Auslands- und Fachvermittlung der Arbeitsagentur (ZAV) nutzten 2017 rund 6000 junge Ukrainer diese Möglichkeit, um für bis zu 90 Tage in Deutschland zu arbeiten.

Doch nicht immer bringen diese ukrainischen Studenten auch die richtige Einstellung mit.

Für sie ist die Arbeit in Deutschland nur ein Job in ihren Semesterferien, in denen sie neben der körperlichen Arbeit auch das Feiern fest eingeplant haben.

 

 

Informationen Visa Ukraine

Arbeitsagentur Zentrale Auslands- und Fachvermittlung

 

 

 

Visa-Gruppenverfahren

 

Bis einschließlich 2020 besteht zudem die Möglichkeit, Arbeitnehmer aus dem Westbalkan in Deutschland zu beschäftigen, wenn sie ein an den Arbeitgeber gebundenes Visum haben.

In Serbien warten Interessenten derzeit auf einen Termin bei der Deutschen Botschaft bis zu sieben Monate.

Bereits 2018 hat die Deutsche Botschaft in Belgrad in Kooperation mit dem VSSE ein Gruppenverfahren zur Beschleunigung des Prozesses eingeführt.

Die Dauer des gesamten Verfahrens beträgt damit in der Regel drei bis acht Wochen.

Aber es besteht kein Anspruch auf die beschleunigte Bearbeitung, ein rechtzeitiges Eintreffen der Erntehelfer aus Serbien ist deshalb nicht garantiert.

2018 wurden mehr als 440 serbische Arbeitnehmer über dieses Verfahren auf deutschen Spargel- und Erdbeerhöfen vermittelt.

Zu 90 Prozent trafen diese pünktlich zur Ernte ein.

Das Gruppenverfahren soll für 2019 noch effektiver verlaufen, durch frühere Antragstelung.

 

 

Botschaft der Ukraine

VSSE Gruppenverfahren

 

 

 

Kritik am bilateralen Abkommen

 

 

Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) lehnt ein Abkommen zur Anwerbung von Erntehelfern mit Nicht-EU-Staaten entschieden ab.

Sie warnt davor, EU-Wanderarbeiter gegen solche aus Drittstaaten auszuspielen.

„In der Landwirtschaft gibt es ausreichend gute Saisonkräfte aus der EU. Es ist irreführend zu behaupten, Erntehelfer aus östlichen EU-Staaten blieben in ihrer Heimat, weil es dort jetzt wirtschaftlich bergauf gehe. Dahinter steht der leicht zu durchschauende Versuch, das Lohnniveau hierzulande dauerhaft niedrig zu halten“, sagt der Stellvertretende IG BAU-Bundesvorsitzende Harald Schaum.

Die Gewerkschaft macht für den Rückgang der Erntehelfer schlechte Bezahlung und schlechte Arbeitsbedingungen verantwortlich.

„Dabei ist es ganz einfach, Erntehelfer dauerhaft an sich zu binden. Man muss sie nur vernünftig bezahlen. Betriebe, die ordentlich mit den Saisonarbeitern umgehen, klagen bezeichnenderweise nicht über zu wenig Erntehelfer. Ihre Beschäftigten kommen jedes Jahr gern wieder. Leider gibt es auch Betriebe, die die Kolleginnen und Kollegen schlecht bezahlen und sich wundern, wenn sich das in deren Heimatländern herumspricht. Ihr Ruf ist dort ruiniert. Deshalb wollen sie nun in anderen Ländern Erntehelfer anwerben“, so Harald Schaum.

 

Doch diese Ansicht teilen die meisten Hofbetreiber nicht.

 

„Im Beerenbereich finden wir immer noch Leute, da der geschützte Anbau und Stellagen beliebter sind als Tätigkeiten mit viel Bücken. Beim Spargel ist es schwieriger geworden. Momentan haben wir Polen und Rumänen. Wir hatten gehofft, dass sich die Lage durch den Brexit etwas entspannt und wieder mehr kommen, aber das ist bisher nicht geschehen. Die Polen gehen weiterhin lieber nach England. Wir haben es auch mal mit Bulgaren probiert, aber da lief die Kommunikation mit der Vermittlungsagentur nicht gut. Wir wollten zum Beispiel nur Männer für das Spargelstechen, aber es kamen zur Hälfte Frauen, die Leute hatten keine Gummistiefel dabei und falsche Erwartungen von der Arbeit“, berichtet Christoph Werner vom niedersächsischen Spargelhof Werner über seine Erfahrungen.

 

 

 

Lesen Sie demnächst mehr im 5. Teil unserer Saisonarbeiter-Reihe.

 

 

 

 

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