Erntehelfer zu finden wird immer schwieriger.

2010 halfen in Deutschland noch 330.500 Menschen als Saisonkräfte in der Landwirtschaft aus.

Bei der letzten offiziellen Zählung des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2016 waren es nur noch 286.300.

 

Im vergangenen Jahr hat sich das Problem einer Umfrage des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) zufolge verschärft.

Von den 354 deutschlandweit befragten Betrieben sagten 90 Prozent, sie hätten Schwierigkeiten, genügend Erntehelfer zu finden.

Ein Grund dafür ist, dass sich die wirtschaftliche Lage in den bisherigen Herkunftsländern Polen und Rumänien in den vergangenen Jahren verbessert hat und die bisherigen Saisonkräfte auch im eigenen Land genügend gut bezahlte Arbeit finden.

Zudem bieten andere Branchen vom Bau über die Gastronomie bis zur Paketzustellung teils bessere und lukrativere Bedingungen.

 

 

 

Polen

 

 

Das Hauptherkunftsland für ausländische Saisonbeschäftigte war in Deutschland lange Jahre Polen.

Seit Mitte der 1990er Jahre stellten polnische Staatsbürger über 80% aller Saisonarbeiter.

Gab es 2004 noch 286.623 offizielle Vermittlungen polnischer Arbeiter, sank die Zahl bis 2010 bereits auf 177.010.

Da die Saisonarbeiter ab 2011 keine Arbeitsgenehmigung mehr brauchten, liegen keine weiteren offiziellen Zahlen vor.

Der wichtigste Grund für die Wanderung in die Bundesrepublik und in andere westliche EU-Staaten war bisher das Lohngefälle.

So konnten Saisonarbeiter in wenigen Monaten genug Geld verdienen, um sich und ihre Familien in ihrem Heimatland das gesamte Jahr zu finanzieren.

Nach der EU-Osterweiterung haben sich diese Lohnunterschiede in den letzten Jahren jedoch immer stärker angeglichen und werden dies auch weiterhin tun.

Durch die sich in Polen stetig verbessernden Lebens- und Arbeitsverhältnisse bleiben viele Polen lieber in ihrem Heimatland.

Entlang der deutsch-polnischen Grenze gibt es aber immer noch viele Höfe, die polnische Saisonarbeiter beschäftigen.

„Wir leben 5 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Wir haben nur Grenzgänger, die morgens um 5 zur Arbeit kommen und um 11 Uhr zurückkehren, deswegen brauchen sie auch keine Unterkünfte“, erzählt Klaus Moese.

Auf 5 ha baut er in seinem Familienbetrieb Erdbeeren in Stellage und Freiland an und beschäftigt in der Saison rund 25 Polen.

„Bisher hat es gut geklappt, meistens war es für uns aufgrund der Grenznähe einfach, Leute zu finden. Aber wenn wir im vergangenen Jahr vollen Ertrag gehabt hätten, was das Wetter verhindert hat, dann hätten auch wir ein Problem gehabt. Das Potential in Polen ist weniger geworden, die Situation schwieriger. Wir an der Grenze waren bisher verwöhnt, inzwischen müssen wir uns auch mehr bemühen wie die anderen Kollegen in Deutschland.“

Neben dem Werben um Arbeitskräfte ist für den sächsischen Betrieb auch der Wettbewerb mit polnischen Anbietern schwieriger geworden.

„Die Kostenschere wird zunehmend zu einem Problem. Der Mindestlohn steigt, aber unsere Erlöse im Großhandel werden geringer. Bei uns gibt es zudem das Problem, dass polnische Produzenten ihre Erdbeeren auf dem Markt ein Drittel billiger anbieten, da sie keinen Mindestlohn zahlen und günstig Arbeiter aus der Ukraine beschäftigen. Wenn Deutschland allerdings der Ukraine die Grenze öffnen würde, könnte sich die Situation verbessern, da dann diese Arbeiter zu uns statt nach Polen kommen würden, wo sie nur drei Euro die Stunde verdienen“, sagt Klaus Moese.

 

 

Rumänien

 

Parallel zu den sinkenden Zahlen polnischer Saisonarbeiter stiegen die Vermittlungszahlen rumänischer Erntehelfer zunächst deutlich an.

Im Jahr 2011 betrug sie 194.107 und damit sieben Mal so viel wie noch 2004 (27.190).

Für Saisonarbeitskräfte aus den EU-Mitgliedstaaten gibt es seit 1. Juli 2015 keine Zulassungs-beschränkungen mehr.

Arbeitgeber und Arbeitnehmerinnen beziehungsweise Arbeitnehmer können direkt Arbeitsverträge abschließen – ohne Beteiligung der Bundesagentur für Arbeit.

Deshalb gibt es keine offizielle Statistik, mit der der Rückgang der Vermittlungszahlen seitdem festgehalten wurde.

Viele Anbauer berichten aber in den letzten Jahren von Problemen bei der Akquise neuer Erntehelfer.

„Es wird definitiv problematischer, Saisonkräfte zu finden. In Polen ist es richtig schwierig geworden. Die Wirtschaft läuft dort besser, es ist nicht mehr so attraktiv zum Arbeiten nach Deutschland zu kommen. Aber auch bei den Rumänen wird es schwieriger, auch da ist ein Ende abzusehen“, meint Christoph Werner vom Spargelhof Werner im niedersächsischen Dreinste, der auf 300ha Erdbeeren und Spargel anbaut und jährlich rund 500 Saisonkräfte beschäftigt.

Mit einem weiteren kontinuierlichen Rückgang des Einsatzes von Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft rechnet auch der Gesamtverband der deutschen land- und forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände (GLFA).

Es gibt aber auch noch immer Produzenten, die gegenteilige Erfahrungen machen.

„Wir beschäftigen nur Rumänen. Wir bekommen dauernd Angebote von Vermittllungsagenturen und von Einzelpersonen. Viele Arbeiter geben unsere Nummer weiter. Aber hauptsächlich arbeiten wir mit einem festen Vermittler in Rumänien zusammen, und das klappt super. Wenn wir sagen, wir brauchen nächste Woche 50 Personen, dann stehen die auch pünktlich vor der Tür“, berichtet Ivonne Sonntag vom Erdbeerhof Gebesee.

Auf 100ha werden im Thüringischen Gebesee Erdbeeren in Tunnel, Freiland und Damm angebaut – und in der Regel zwischen 300 und 400 Saisonarbeiter jährlich beschäftigt.

 

 

Lesen Sie demnächst mehr im 4. Teil unserer Saisonarbeiter-Reihe.

 

 

 

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