Referenten bei der 46. GKL Jahrestagung. Foto: Tanja Dolic

Referenten bei der 46. GKL Jahrestagung. Foto: Tanja Dolic

 

Recycling-Nachfrage steigt – anbauende Betriebe nehmen Recyclingprojekte sehr gut an.

Ohne Folie geht es kaum noch. Weniger Pflanzenschutzmittel und mehr resistente Schädlinge machen den geschützten Anbau unumgänglich – leider leidet oft das Betriebsimage.

Umweltverschandelung lautet oft der Vorwurf.
Denn die Rückführung ausgedienter Folien in den Wertstoffkreislauf ist zwar vielen Landwirten ein Anliegen, aber nach wie vor schwierig.

Doch wohin mit diesen Folien?

Folglich standen sinnvolle Recyclingsysteme im Blickpunkt der 46. Jahrestagung der Gesellschaft für Kunststoffe im Landbau e.V. (GKL), die am 10. und 11. Oktober im Bildungszentrum Münster-Wolbeck stattfand.

System ERDE – Sammlung und Recycling von landwirtschaftlichen Erntefolien

 

Thomas Neck, RIGK GmbH. Foto: Tanja Dolic

Thomas Neck, RIGK GmbH. Foto: Tanja Dolic

Thomas Neck, RIGK GmbH, stellte ein bundesweites Rücknahmesystem für Agrarfolien vor: ERDE (Erntekunststoff Recycling Deutschland), unterstützt von verschiedenen Agrarfolienherstellern.

„Bisher ist die Rücknahme und Verwertung von Agrarfolien „nur“ über die Folienhersteller möglich gewesen. Bei über 10.000 Tonnen Kunststoff, die im Wesentlichen aus Agrarfolien bestehen, ist das zu wenig“, erklärt Neck.

Wie ERDE funktioniert

Mit inzwischen 288 Sammelstellen funktioniert ERDE als Bring-System. Ein- bis zweimal jährlich liefern die anbauenden Betriebe ihre gereinigten Folien bei den Sammelstellen.

Die Kosten für die Annahme der gelieferten Folie bestimmt jede Annahmestelle selbst – sie liegen jedoch deutlich unter denen von Müllverbrennungsanlagen.
„Wir haben bisher von keinem Landwirt gehört, dass die Kosten bei den Annahmestellen zu hoch seien. Und ein zufriedenes Gefühl, weil die Folien einem Recyclingsystem zugeführt und nicht einfach verbrannt werden, gebe es obendrein“, beschreibt Neck die Rückmeldungen.

Auf verschiedenen Kanälen wie Internet, Aushänge, Messen, Flyer etc. informiert die Initiative über Termine und Sammelstellen. 2016 sammelte sie bereits 5.400 Tonnen Agrarfolie.

Die Abnahmekriterien: Besenrein und ohne Fremdstoffe wie Netze und Garne müssen die Folien sein. Der Qualitätscheck erfolgt vor Ort durch Mitarbeiter der RIGK GmbH. Silo- und Stretchfolien müssen in separate Container sortiert werden.

Die strikte Trennung von Silo- und Stretchfolien ist nötig, weil die Folien zwei unterschiedliche Polyethylene (Kunststoffe) enthalten: LDPE (Silofolie) und LLDPE (Stretchfolie). Die Verwertung dieser Kunststoffe muss getrennt erfolgen.

Nach der Rücknahme wird die Folie zu Blöcken gepresst und zum Recyclingunternehmen gebracht. Dort wird die Folie gewaschen, geschreddert, getrocknet und dann zu feinen Flakes verarbeitet. Aus den Flakes wiederum entstehen sogenannte Kunststoffspaghetti – die schließlich wieder verkauft und dann zu neuen Kunststoffprodukten verarbeitet werden können.

Necks Fazit:

Das System wird gut angenommen. In Zukunft sollen auch Gewächshaus-, Tunnel-, Spargel- und Mulchfolien integriert werden.

Verwertung von Obstbaunetzen am Bodensee

 

Der Bedarf an Hagelschutznetzen im Obst- und Sonderkulturenbau steigt kontinuierlich. Deren Entsorgung und Verwertung wird aufgrund von steigenden Umweltschutzvorgaben und Anforderungen in der Entsorgungswirtschaft immer schwieriger.

In einem Pilotprojekt hat die RIGK GmbH im Raum Bodensee Hagelschutznetze gesammelt und so weit aufbereitet, dass ein wertstofferhaltendes Recycling möglich wurde.

Die Ergebnisse:

  • Das Testrecycling der Netze bei einem spezialisierten, europäischen HDPE-Verwerter verlief positiv.
  • Zur Anbringung der Hagelschutznetze verwendete Fremdstoffe (Haken, Metallketten, Querseile etc.) erschweren die stoffliche Verwertung des Kunststoffes HDPE, aus dem die Hagelschutznetze bestehen.
  • Für das Recycling bestehen strenge Annahmekriterien. Besenrein und frei von HDPE-fremden Materialien müssen die Netze sein – bei der Lieferung an Müllverbrennungsanalagen gibt es solche Kriterien nicht.
  • Die ersten Erfahrungen zeigen: Die strengeren Bedingungen beim Recycling akzeptieren die Obstbauern anstandslos – denn das Verfahren ist
    1. nicht teurer und
    2. das gute Gefühl, die Netze einem Kreislauf zugeführt zu haben, gibt es inklusive.

Fazit der RIGK GmbH:
Bisher konnten am Bodensee zirka 45 Tonnen sortenreine Hagelschutznetze ohne Beanstandungen stofflich wiederverwertet werden.

Das neue Rücknahme- und Verwertungssystem wird weiter ausgebaut. „Insbesondere der positive Umweltschutzaspekt als Chance zur Imageverbesserung der Landwirtschaft kommt sehr gut an“, so Neck.

Recycling von Spargelfolien: Firma Böckenhoff

 

Bernhard Böckenhoff, Böckenhoff Folien GmbH, Foto: Tanja Dolic

Bernhard Böckenhoff, Böckenhoff Folien GmbH, Foto: Tanja Dolic

Bernhard Böckenhoff von der Böckenhoff Folien GmbH stellte sein firmeneigenes Folienverwertungssystem vor.

Sein Ziel: einen Kreislauf bilden und somit eine regionale und damit kostengünstige und vor allem umweltschonende Verwertung anbieten.

Denn:
Der Trend „regional“ gelte nicht nur für den Lebensmitteleinkauf – auch in Sachen Recycling werde das immer wichtiger.

Derzeit seien durch den Export von Altfolien in Billiglohnländer wie China, Thailand oder Litauen die Frachtkosten höher, als der Erlös aus der sauberen Folie – nicht zuletzt, weil der anhaftende Sand dort nur deponiert werden kann.

Die Nachfrage nach schnellen und umweltschonenden Recyclingmethoden sei da und werde von den anbauenden Betrieben sehr gerne genutzt, so Böckenhoff.

Seinen Kunden bietet er die kostenfreie Rücknahme ausgedienter Spargelfolie an, wenn sie vom Sand gereinigt ist.

Hier schneiden die Betriebe schon während der Ernte maschinell die Taschen auf.

Folien-Flakes. Foto: Tanja Dolic

Folien-Flakes. Foto: Tanja Dolic

Durch die Bewegung der Folie bei der Ernte rieselt der Sand erfahrungsgemäß innerhalb von ein bis zwei Wochen aus den Taschen.

Nach der Ernte zieht man die ausgedienten Folien mit Hilfe des Wickelluchses auf Rohre.

Mit dem eigens entwickelten Schredder, der dem hohen Sandanteil standhält, verarbeitet Böckenhoff die Folie zu groben Flakes.
Diese lassen sich anschließend besser vom Sand säubern als feine Flakes.

Anschließend verarbeitet Böckenhoff die Flakes zu feinem Granulat. Unter Zugabe von HDPE und Masterbatch wird dieses kostengünstig zu neuen Tropfschläuchen verwertet, welche die Kunden erwerben können – der „Böckenhoffsche Kreislauf“.

Folieneinsatz im Grünspargel

 

Joachim Ziegler, DLR Rheinpfalz, Foto: Tanja Dolic

Joachim Ziegler, DLR Rheinpfalz, Foto: Tanja Dolic

Joachim Ziegler, DLR Rheinpfalz, klärte die Tagungsteilnehmer über den Folieneinsatz im Grünspargel auf.

Spargel ist die umsatzmäßig wichtigste Gemüseart in Deutschland. Die langjährigen Versuche vom DLR Rheinpfalz führten zu folgenden Ergebnissen:

  • Bei offenem Boden mit 10 Zentimeter Minidamm ist Einfachabdeckung mit Thermotaschenfolie über einem Kleintunnel Standard.
    Dies gewährleistet auseichend Pflanzenhygiene, Frostsicherheit und Verfrühungsqualität, wenn zusätzlich Unkrautmanagement und Krauthygiene optimiert werden.
  • Versuche und Praxiserfahrungen mit transparenten und schwarzen Biomulchfolien konnten die Erwartungen nicht bestätigen.
  • Einfach- und Zweifachabdeckungen mit Folien-Kleintunnel verlängern die Gesamterntesaison um drei bis vier Wochen.

Folientunnel im Beerenobstanbau

 

Ludger Linnemannstöns, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Ludger Linnemannstöns, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Ludger Linnemannstöns, Beerenobstberater der Landwirtschaftskammer NRW, stellte in seinem Vortrag diverse Tunnel verschiedener Hersteller vor, wie sie im Versuchszentrum Köln-Auweiler stehen.

Trend und Neuheiten bei Gewächshausfolien

 

Christoph Beyer, FVG GmbH. Foto: Tanja Dolic

Christoph Beyer, FVG GmbH. Foto: Tanja Dolic

Christoph Beyer, FVG GmbH, stellte Neuheiten bei Gewächshaufolien vor. Der bundesweite Trend geht in den geschützten Anbau. Deswegen sei es notwendig, mit Weiterentwicklungen und Neuheiten zu reagieren.

 

Am zweiten Seminartag wurden neben einer Exkursion folgende Themenfelder behandelt:

  • Gefahren und Störungen von Strom-Freileitungen durch verwehte Folien und Vliese (Johannes Hacks, Westnetz GmbH)
  • Haftungsrisiko Folienverwehungen (Anne Schneider, Gemeinnützige Haftpflichtversicherung (HAVA) Kassel)
  • Folieneinsatz in der Spargel- und Beerenproduktion: Im Spannungsfeld zwischen Notwendigkeit und öffentlicher Ablehnung (Simon Schumacher, VSSE)

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