Auch der Pfälzer Spargeltag des Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz musste in diesem Jahr digital stattfinden.

Beim Online-Web-Seminar gab es Vorträge zur Düngeverordnung, der Stoffstrom-Bilanz, zum Dammtemperaturmanagement via App.

Auch Versuchsergebnisse zu Blattkrankheiten und Nährstoffversorgung standen auf dem Programm.
Wir waren dabei und fassen das wichtigste zusammen.

 

 

Düngeverordnung

 

Mit den seit 1. Mai 2020 geltenden Änderungen auf allen Flächen, den neuen Regeln für Gefährdete Gebiete und einem Excel-Programm für die Düngebedarfsermittlung beschäftigte sich Kerstin Mahler (DLR Rheinpfalz).

 

Allgemeine Neuheiten

Neu bei der Düngebedarfsermittlung:

  • Überschreitung der DBE bei Nachdüngung max. 10 % (vorher keine Begrenzung)
  • Bildung des Betriebsertrags Ø der letzten 5 Jahre (vorher Ø der letzten 3 Jahre)Berechnung der Phosphatabfuhr mit Phosphatgehalten der Tabellen 1-3 Anl. 7 (vorher keine Vorgabe)

 

Neue Aufzeichnungspflichten :

  • Jede Düngung innerhalb von 2 Tagen mit Feldbezeichnung/-größe, Düngerart/-menge, Menge Gesamt-N/-P2O5, verfüg. N (organ. Dünger) (vorher keine Aufzeichnungspflicht)
  • (erstmals zum 31.03.2022) Jährliche betriebliche Gesamtsumme bis 31. März Folgejahr für ermittelten N-und P2O5-Düngebedarf, ausgebrachte Mengen Gesamt-N und -P2O5 (vorher Nährstoffvergleich)

 

Neue Anwendungsverbote:

  • N-und P2O5-haltige DBKP auf gefrorenen Böden. Ausnahme: Kalkdünger mit P2O5-Gehalt < 2 %(vorher bis zu 60 kg N ges.wenn Boden tagsüber auftaut)
  • Phosphathaltige Düngemittel mit P2O5-Gehalten > 0,5 % TM vom 01.12. -15.01. (vorher keine Vorgaben)
  • Festmist von Huf-und Klauentieren vom01.12. -15.01 (vorher 15.12. -15.01.)
  • Ammoniumcarbonat als Düngemittel, Bodenhilfsstoff, Kultursubstrat oder Pflanzenhilfsmittel (vorher kein Verbot)

 

Oberflächengewässer

Neue Auflagen auf geneigten Flächen:

  • bei 5% Hangabneigung keine Düngung auf den ersten 3 m und auf 20 m zur BOK
  • bei 10% Hangabneigung keine Düngung auf den ersten 5m und auf 20m zur BOK (galt zuvor schon)
  • bei 15% Hangabneigung keine Düngung auf den ersten 10m und auf 30m zur BOK

 

Auflagen auf restlichem Hangneigungsbereich

Unbestellt

  • sofortige Einarbeitung

Bestellt

  • sofortige Einarbeitung
  • entwickelter Bestand
  • nach Mulch-oder Direktsaat
  • entwickelte Untersaat bei Reihenabstand >= 45 cm

 

Änderungen bei organischen und organ.-mineral. Düngern

  • Flächendurchschnittliche Obergrenze von 170 kg N ges/ha und Jahr ohne Anrechnung der Flächen mit N-Düngungsverbot (vorher kein Abzug dieser Flächen)
  • Erhöhte N-Mindestwirksamkeit im Ausbringjahr bei Rindergülle, flüssiger Biogasanlagengärrückstand 60 % (vorher 50 %), Schweinegülle 70 % (vorher 60 %)
  • Zufuhrverluste N ges. bei Wirtschaftsdüngern fallen weg

 

Neue Regeln für Nitratbelastete Gebiete

Stickstoffreduktion

  • Max. 170 kg N ges/ha u. Jahr aus org./org.-mineral. Düngern pro Schlag/Bewirtschaftungseinheit (vorher wie auf allen Flächen betriebsbezogen)
  • Max. 80 % des ermittelten N-Düngebedarfs im Flächendurchschnitt (20%-Regel) (vorher keine Reduzierungsauflage)

 

Herbst-/Winterbegrünungspflicht

Aussaaten oder Pflanzungen nach dem 01.02. dürfen nur dann gedüngt werden (Nges.> 1,5 % TM), wenn im Herbst des Vorjahres eine Zwischenfrucht angebaut wurde – kein Umbruch vor dem 15.1.!

Ausgenommen sind Flächen, die im Vorjahr nach dem 01.10. beerntet wurden und mit jährlichen Niederschlagsmengen < 550 mm im langjährigen Mittel (kann unter https://geobox-i.de geprüft werden)

 

Excel-Programm zur Düngebedarfsanmeldung

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

PGRpdiBjbGFzcz0iX2JybGJzLWZsdWlkLXdpZHRoLXZpZGVvLXdyYXBwZXIiPjxwPjxpZnJhbWUgc3JjPSIvL3d3dy55b3V0dWJlLmNvbS9lbWJlZC94UkIyRURPOXUxOCIgd2lkdGg9IjU2MCIgaGVpZ2h0PSIzMTQiIGFsbG93ZnVsbHNjcmVlbj0iYWxsb3dmdWxsc2NyZWVuIj48L2lmcmFtZT48L3A+PC9kaXY+

 

Weitere Informationen zum vorgestellten Excel Programm zur Düngebedarfsanmeldung gibt es unter

https://www.düngeberatung.rlp.de/Internet/global/themen.nsf/b81d6f06b181d7e7c1256e920051ac19/775d103c7a33b18ac125857c00486804?OpenDocument

 

 

Stoffstrom-Bilanz rückt näher

 

Den aktuellen Sachstand zur Novellierung des Gesetzes zur Stoffstrom-Bilanz stellte Dr. Carmen Feller (IGZ Großbeeren) vor.

Ziel der Stoffstrombilanz ist es, Nährstoffflüsse in landwirtschaftlichen Betrieben transparent und überprüfbar abzubilden.

Eine Evaluierung der Stoffstrombilanzverordnung läuft derzeit, der Bericht wird bis spätestens 31. Dezember 2021 als Vorlage an den Deutschen Bundestag gehen. Voraussichtlich ab dem 1. Januar 2023 sind dann die Zufuhr von Nährstoffen in den Betrieb und die Abgabe von Nährstoffen aus dem Betrieb in Betrieben mit mehr als 20 Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche oder mehr als 50 Großvieheinheiten je Betrieb in einer Stoffstrombilanz zu erfassen und zu bewerten. Bisher galt dies nur für Betriebe mit Tierhaltung.

In der Stoffstrombilanz müssen Nährstoffzufuhr und Nährstoffabgabe aufgezeichnet werden.

 

Nährstoffzufuhr

  • Düngemittel insgesamt sowie Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft/ sonstige organische Düngemittel
  • Bodenhilfsstoffe
  • Kultursubstrate
  • Pflanzenhilfsmittel
  • Futtermittel
  • Saatgut einschließlich Pflanzgut und Vermehrungsmaterial (nur für Getreide, Mais, Kartoffeln, Körnerleguminosen!)
  • Landwirtschaftliche Nutztiere
  • Stickstoffzufuhr durch Leguminosen
  • Sonstige Stoffe

 

Nährstoffabgabe

  • Pflanzliche Erzeugnisse
  • Tierische Erzeugnisse
  • Düngemittel insgesamt sowie Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft / sonstige organische Düngemittel
  • Bodenhilfsstoffe
  • Kultursubstrate
  • Pflanzenhilfsmittel
  • Futtermittel
  • Saatgut einschließlich Pflanzgut und Vermehrungsmaterial
  • Landwirtschaftliche Nutztiere
  • Sonstige Stoffe

 

Unterschiede zum flächenbezogenen Nährstoffvergleich

 

Nährstoffvergleich

  • für die Feldabfuhr wird der Rohertrag heran gezogen
  • Unvermeidliche Verluste und erforderliche Zuschläge werden berücksichtigt(z.B. Spargel 60 kg N/ha)

 

Stoffstrombilanz

  • Nur Menge, die den Betrieb verlässt (Schalen, Abschnitte und Bruch verbleiben im Betrieb)
  • Zur Zeit keine unvermeidlichen Verluste berücksichtigt

 

 

Sonstiges

Die jeweiligen Nährstoffzufuhren und Nährstoffabgaben gem. StoffBilV sind spätestens 3 Monate nach der jeweiligen Zufuhr und Abgabe aufzuzeichnen.

Spätestens 6 Monate nach Ablauf des Bezugsjahres sind die Ausgangsdaten und Ergebnisse aufzuzeichnen.

Die Aufzeichnungen und Belege sind sieben Jahre aufzubewahren.

Bei steuerlich getrennten Betriebsteilen müssen innerhalb der Betriebsteile ggf. Lieferscheine/Rechnungen erstellt werden, damit die Nährstoffzufuhren und -abgaben dem richtigen Betrieb zugeordnet werden.

 

Bewertungsverfahren

Es gibt zwei Bewertungsverfahren, aus denen betroffene landwirtschaftliche Betriebe ein Verfahren wählen können:

1. Bewertung der dreijährigen betrieblichen Stoffstrombilanz (Bruttobilanz) mit einem zulässigen Bilanzwert in Höhe von 175 kg Stickstoff je Hektar

2. Bewertung der dreijährigen betrieblichen Stoffstrombilanz auf der Grundlage der Berechnung eines zulässigen dreijährigen Bilanzwertes nach Anlage 4 der Verordnung (betriebsindividueller Wert).

 

Dr. Carmen Feller sieht für den Gemüsebau durch die Stoffstrombilanzverordnung viele Probleme:

  • Einhaltung der zulässigen N-Salden nur möglich mit spezifischer Anpassung für Gemüse
  • Organische Düngung, insbesondere von Komposten eingeschränkt
  • Dokumentation der Nährstoffe N und P, die den Betrieb verlassen extrem aufwändig
  • P-Düngung auf Flächen in Gehaltsklasse D teilweise und in E vollständig eingeschränkt

 

 

Pflanzenschutzversuche zu Blattkrankheiten

 

Der Spargelrost wird wieder zunehmend zum Problem, berichtet Dr. Sebastian Weinheimer (DLR Rheinpfalz). Längere Zeit schien die Krankheit kurz vor dem Aussterben zu stehen, doch inzwischen tritt der Rost wieder häufiger auf.

Gründe dafür können laut Weinheimer der Wegfall von Wirkstoffen, weniger Spritzfolgen, anfällige Sorten, schlechte Pflanzenernährung und schlechte Witterung sein.

Er stellte verschiedene Versuche mit und ohne Kupfer zur Rostbekämpfung vor.

 

Fazit:

  • Cu alleine schlechte Wirkung
  • Cu mit richtigem Partner gute Wirkung
  • 1 Behandlung mit rostaktivem Mittel reicht nicht aus
  • 2 Behandlungen bestenfalls mit Wirkstoffwechsel gut
  • Elatus plus wäre eine Bereicherung
  • Auf die Ernährung achten. Mangel (Zink!) macht anfälliger

 

 

Vitale und widerstandsfähige Spargelpflanzen

 

Mit Ernährungsmängeln und optimaler Nährstoffversorgung beschäftigte sich anschließend Dr. Ludger Aldenhoff (BDSE) näher.

Dabei legte er vor allem ein Augenmerk auf den Zusammenhang einer Mangelversorgung mit Zink und den Befall mit Läusen.

 

Fazit:

  • das Verstehen der vielen Zusammenhänge von Pflanzenernährung und Gesundheit steht noch ganz am Anfang
  • durch die zunehmende Problematik in der Zulassung PSM werden andere Faktoren (Sorte, Ernährung etc.) immer wichtiger
  • ein Mangel führt wohl grundsätzlich zu einem höheren Risiko der Anfälligkeit für Blattkrankheiten, Schädlinge oder bodenbürtige Krankheiten
  • Spargel zeigt ausgeprägten „versteckten Hunger“ der nur durch Boden- oder Wurzelproben sichtbar wird

 

 

Kurzberichte zu aktuellen Spargelprojekten

 

Joachim Ziegler (DLR Rheinpfalz) stellte unter anderem Versuche zu Foliensystemen und Dammtemperaturmanagement mit “webQE” vor.

 

Folien

Bei Versuchen zu Foliensystemen zeigte sich, dass Doppelfolien-KT-TE keine echte Alternative zum normalen Kleintunnelsystem DDD sind und das grüne Dammfolie die Verfrühung verstärken kann.

Bei der Verspätung hingen ist das Temperaturmanagement weiter schwierig.

 

WebQE

„WebQE“, ein Web-basiertes Dammtemperatur und -Ertragsmanagement für Anwendern ist gestartet. Entwickelt wurde die Plattform vom IGZ Großbeeren, ISIP Bad Kreuznach und dem DLR Rheinpfalz.

WebQE

  • ermöglicht eine kostenfreie, gesamtbetriebliche Dammtemperaturkontrolle
  • stellt Wetterdaten (interpoliert auf 1 x 1 km²) und Rechenleistung bereit
  • will bundesweit den Dammtemperaturverlauf bei allen Anbauflächen und Foliensystemen kontrollierbar machen ohne Sensoreinheiten, inkl. Temperaturprognose und Folienanpassung für Heute und Morgen
  • soll eine Ertragsschätzung für frühe und späte Sorten bieten (noch in Arbeit)
  • ist eine einfache App für Browser u. Smartphone, die einen Handlungsbedarf für Bedeckung über Piktogramme signalisiert
  • ist für alle Standardbedeckungssysteme (D, DD, DDD, KT TE + WST) geeignet
  • bietet Folienmanagement wahlweise manuell oder automatisch und nach Sorte
  • soll Warnmeldungen per SMS und Email senden (in Vorbereitung)

Eine Registrierung ist ab sofort auf der ISIP-Plattform möglich unter https://www.isip.de/isip/servlet/isip-de/entscheidungshilfen/gartenbau/spargel/folienmanager

 

 

Verwandte Beiträge


Generic filters

Search
Generic filters
Search
Generic filters

Immer frische News -
mit unserem Newsletter

Hier in unseren Newsletter eintragen und immer aktuelle News vom ErdbeerSpargel Portal erhalten.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen - ein Bestätigungsmail geht Ihnen zu.