Männliche Kirschessigfliege, Drosophila suzukii.                                                    Foto: Dr. Silke Benz

 

 

Wein- und Obstbauern beobachten mit Sorge die Ausbreitung der Kirschessigfliege (KEF).

Der aus Asien importierte Schädling stürzt sich gerne auf violette, reife Früchte und kann damit ganze Ernten gefährden.

Eine chemische Bekämpfung ist kurz vor der Ernte meist schwierig und Hygienemaßnahmen führen auch nicht immer zum gewünschten Erfolg.

Als wirksamer Schutz gegen die Kirschessigfliege sind deshalb Netze eine gute Alternative.

Seit 2017 beteiligt sich die Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen (NRW) deshalb am Demonstrationsvorhaben: Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii).

 

 

Das Projekt

 

Das Projekt wird durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Als Projektträger fungiert die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).

Die Koordination erfolgt durch das Julius-KühnInstitut (JKI). Weitere Projektbeteiligte sind die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg.

In den ausgewählten sieben Demonstrationsbetrieben aus NRW soll über eine Projektdauer von 5 Jahren gezeigt werden, wie ein praktischer Einsatz von Netzen gegen die Kirschessigfliege (KEF) im Obstbau erfolgen kann und welche Schwierigkeiten und Kosten dadurch entstehen.

Ziel ist es, die Insektenschutznetze mit einer Maschenweite von 0,8 x 0,8 mm als „nicht Chemische Pflanzenschutzmaßnahme“ und Strategie gegen die Kirschessigfliege (Abb. 1) einzubauen und zu etablieren.

Im Süßkirschenanbau sind Überdachungssysteme zum Schutz gegen Regen und Hagel Standard. Diese können durch eine Einnetzung der Seiten und Stirnflächen aufgewertet werden.

Bei Beerenkulturen, wie Himbeeren oder Brombeeren, können die Netze ohne großen Aufwand an den Tunnelseiten angebracht werden. Im Heidelbeeranbau dominiert die Freilandproduktion.

Hier sind für eine Überdachung mit Einnetzung als Strategie gegen die KEF höhere Investitionskosten einzuplanen.  

Dabei amortisiert sich eine Investition durch zusätzliche Pflückleistung an Regentagen sowie den möglichen Anbau hochpreisiger Sorten.

 

 

Die Ergebnisse

 

Seit Projektbeginn haben mittlerweile sieben Betriebe durch die Betreuung der Landwirtschaftskammer NRW, in Netze gegen die KEF in den Kulturen Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren und Süßkirschen investiert.

Die erfolgreiche Abwehr des Schädlings und die Minimierung des Fruchtbefalls werden in Abb. 2 und Abb. 3 als Ergebnis aus den Jahren 2017 und 2019 dargestellt.

Es ist deutlich zu sehen, dass sich der Einsatz der Netze (0,8 x 0,8 mm) an Heidelbeeren oder Himbeeren bewährt hat. In den anderen Kulturen und Jahren zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Dies wird durch Fangzahlen der adulten KEF innerhalb und außerhalb des Netzes, bestätigt, siehe Abb. 4.

Besonders der Spätbefall kann durch den Netzeinsatz um 1-2 Wochen verschoben werden, sodass die Ernte noch rechtzeitig abgeschlossen und ein Befall verhindert werden kann.

 

Abbildung 2: Larvenanzahl der Kirschessigfliege (KEF) in 30 Früchten je Variante und Woche in Heidelbeeren der Sorte Liberty. Varianten: Ohne Netz und Variante Netz mit Netzbespannung Maschenweite 0,8 x 0,8 mm, weiß. Erntefenster 18.07-29.08.2017.

Abb. 3: Fruchtbefall /Anzahl der Kirschessigfliegen (KEF) Larven in Himbeeren der Sorte Glen Ampel im Erntefenster 21.06.-12.08.2019. Wöchentliche Fruchtbonitur von Anzahl n = 30. Einnetzungszeitraum vom 14.05-28.8.2019. Varianten: Ohne Netz, Regenkappen und Variante Netz mit Netzbespannung Maschenweite 0,8 x 0,8 mm, weiß.

Abb. 4: Anzahl der adulten Kirschessigfliegen (KEF) in der Fallenflüssigkeit Apfelessig/Wasser (1:1) bei wöchentlicher Bonitur in Himbeeren Glen Ampel. Varianten: Ohne Netz, Regenkappen und Variante Netz mit Netzbespannung Maschenweite 0,8 x 0,8 mm, weiß. Darstellung ab Zeitraum Beginn Ernte 21.06 bis Mitte September 2019 nach Netzabbau (28.08.2019).

 

 

 

Die Versuche haben gezeigt, dass Netze eine erfolgreiche Bekämpfungsstrategie gegen die KEF sind und sie die Erträge der Kulturen sichern.

Die erhöhte Anbausicherheit durch die Netze, sowie die erfolgreiche Beratung und der Austausch mit den Anbauern, führten zu einem reduzierten Insektizideinsatz gegen die KEF.

Dies ist im Hinblick auf die vom Verbraucher gewünschte Ware ohne Pflanzenschutzmittel bzw. die vom LEH geforderten reduzierten Wirkstoffe eine wertvolle Maßnahme. Auf diese Weise wird der Nationale Aktionsplan zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln erfolgreich umgesetzt.

Bei einem DEMETER-Betrieb hat sich die Volleinsetzung besonders bewährt. Er wird 2020 seine komplette Anlage einnetzten und erweitert damit die bisherige Modellfläche. Allgemein nimmt die Nachfrage der Anbauer nach den Insektenschutznetzen 0,8 x 0,8 mm zu.

 

 

Demonstrationsvorhaben verlängert

 

Aufgrund der positiven Effekte wurde das Demonstrationsvorhaben um weitere 2 Jahre bis Januar 2022 verlängert.

Eine wichtige Aufgabe bleibt die Organisation von Begehungen und die Öffentlichkeitsarbeit, um für die Einnetzung gegen die KEF zu werben (siehe Hoftage Abb. 5).

Aus diesem Grund ist im nächsten Jahr  wieder ein Informationstag auf dem Mönchhof in Burscheid (Betrieb Stamm, Heidelbeeren) geplant. Der Hoftag auf dem Mönchhof, Großhamberg 13, 51399 Burscheid beginnt am 2.07.2020 um 14:00 Uhr, Dauer ca. 1,5 h.

Im Winter werden die Projektergebnisse zudem auf dem ökologischen Beerenobsttag in Münster präsentiert.

Der 5. Ökobeerenobsttag findet am Donnerstag, den 13. Februar von 9 bis ca. 16.30 Uhr im Bildungszentrum für Landwirtschaft und Gartenbau, Münsterstr. 62-68 in 48167 Münster statt.

 

Abb. 5: Eingenetzte Himbeeranlage mit Schleuse vom Obsthof Korn, Welver. Links: Arne Korn, rechts: Dr. Silke Benz

 

 

Kontakt und Zusatzinfos:

 

Die Förderung des Vorhabens erfolgt aus Mitteln des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft aufgrund eines Beschlusses des deutschen Bundestages.

Die Projektträgerschaft erfolgt über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung. FKZ: 2815MD500

 

Kontakt:

Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Pflanzenschutzdienst

 Dr. Silke Benz

Gartenstraße 11

50765 Köln-Auweiler

Telefon: 0221 5340-498

Fax:      0221 5340-402

Mobil:     +49 15151851907

Email.: silke.benz@lwk.nrw.de

Das Demonstrationsvorhaben „Einnetzen von Obstkulturen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii)“ online:

http://droso-demo-netz.julius-kuehn.de

https://www.landwirtschaftskammer.de/gartenbau/beratung/obstbau/artikel/kirschessigfliege.htm

 

 

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