Erdbeertag Bruchsal 2018 Foto: VSSE

Erdbeertag Bruchsal 2018                         Foto: VSSE

 

Aufbau von Bodenfruchtbarkeit, Aktuelles zu Pflanzenschutz und neue Erdbeersorten

Über 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen nahmen am 38. Bruchsaler Erdbeertag am 12. Dezember 2018 teil.
Hauptthemen waren Änderungen und aktuelle Versuchsergebnisse zu Pflanzenschutz, der Aufbau von Bodenfruchtbarkeit sowie die Prüfergebnisse von neuen Erdbeersorten.
Matthias Müller, Betriebsleiter von Sunnehof Beeri, im Thurgau (Schweiz) stellte seinen reinen Beerenanbaubetrieb vor.
Weiterhin wurden digitale Schlagdateien als Hilfestellung bei der neuen Düngeverordnung vorgestellt.

Betriebsvorstellung: Sunnehof Beeri im Thurgau (Schweiz)

Matthias Müller, Betriebsleiter Foto: VSSE

Matthias Müller, Betriebsleiter   Foto: VSSE

Rund 7 000 t Erdbeeren werden jährlich in der Schweiz produziert.
Während der Saison besteht dort ein Grenzschutz für Früchte: Es werden nur dann Erdbeeren importiert, wenn die Bevölkerung nicht mit inländischer Ware versorgt werden kann.
60 % der Erdbeeren kommen als Import außerhalb der Saison auf den Markt.

Mit 14 ha Beerenkulturen ist Sunnehof Beeri ein reiner Beerenproduktionsbetrieb (4 ha Erdbeeren, 7 ha Himbeeren, 1,5 ha Brombeeren, 1,3 ha Heidelbeeren, 20 a Johannisbeeren).
Der Familienbetrieb in zweiter Generation baut alle Kulturen unter Folie, davon 1,7 ha im Doppelfoliengewächsaus an.

In der Saisonspitze beschäftigt der Betrieb 135 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.
Die Saisonarbeitskräfte kommen vor allem aus Polen und Portugal.

Alle Erdbeeren werden auf Stellage kultiviert. 80 % des gesamten Anbaus ist im Substrat.
Durch Verfrühung und Anbau von mehreren Sätzen hintereinander läuft die Produktion soweit wie möglich außerhalb der Schweizer Hauptsaison.
70 t/ha Erdbeeren erzielt der Betrieb durch die Nutzung der Fläche mit zwei Kulturen.
Dabei werden die Pflanzen des zweiten Satzes draußen gepflanzt und zu Blühbeginn in die Stellage umgesetzt.

Vermarktet werden die Beeren über das Früchtehandelsunternehmen Tobi Seeobst, das Migros, Coop und weitere Einzelhändler beliefert, und über den Direktverkauf.
Neben den herkömmlichen 500 g-Schalen setzt Sunnehof Beeri auf Premium-Erdbeeren für Großabnehmer und die Trio-Packung, welche je eine 100-g-Schale gesetzter Erdbeeren, Himbeeren und Brombeeren enthält.
Zielgruppen sind hier gutverdienende Paare ohne Kinder sowie gut situierte Rentner und Rentnerinnen.

Zum Witterungsschutz werden belgische Wandertunnel mit 32 mm Rohren und zusätzlichen Verstrebungen eingesetzt.
Gegen Frost werden die Pflanzen mit Vlies bedeckt, die Tunnel geschlossen und beregnet, bis eine 3 mm Eisschicht entstanden ist.
Bei Hitze werden Hagelschutznetze zur Schattierung eingesetzt.
Durch Wasserrecycling mittels eines Sandfilters hat der Betrieb nur noch 25 % des herkömmlichen Wasserverbrauchs.
Über Betriebsbesichtigungen, Teilnahme an lokalen Messen, Infotafeln und Öffentlichkeitsarbeit informiert der Betrieb Konsumenten über seine nachhaltige Produktionsweise.

 

Aufbau von Bodenfruchtbarkeit

Rolf Kern Landratsamt Karlsruhe Foto: VSSE

Rolf Kern Landratsamt Karlsruhe    Foto: VSSE

Nur wenn die Ernährung der Bodenorganismen kontinuierlich erfolgt, können Bodenstruktur und damit das Porenvolumen für Bodenluft-, Wasser- und Nährstoffdynamik optimiert werden. Eine mangelnde Bodenfruchtbarkeit führt dazu, dass der Boden Wasser unzureichend aufnehmen und speichern kann.
So führt sie bei Starkregen zu Verschlemmungen oder Bodenerosion und bei Hitze zu Austrocknung der Böden mit einhergehenden Ernteausfällen.

Daher ist es wichtig, Humus im Boden wiederaufzubauen.
Zwischenfruchtmischungen dienen nicht nur der Unkrautunterdrückung, sondern sorgen durch unterschiedliche Wurzelausscheidungen für ein vielseitiges Bodenleben und über Photosynthese für Nährstoffe und Antagonisten im Boden.
Eine Direktsaat einer Zwischenfruchtmischung im Juli sorgt beispielsweise für einen geschlossenen Boden binnen vier Wochen und schützt ihn so vor Austrocknung und Überhitzung.
Auch bewirken die Pflanzen durch ihre Wurzelausbildung eine Lockerung des Bodens, so dass keine intensive Bodenbearbeitung notwendig ist.

Leguminosen, alle Getreide-Gräser, Sonnenblumen und Hirse sowie Öllein fördern zudem Mykorrhiza-Pilze, die Nährstoff- und Wasserversorgung der Wurzeln verbessern und so indirekt für höhere Erträge sorgen.
Eine Reduktion der intensiven Bodenbearbeitung wirkt sich positiv auf die Ansiedlung von Regenwürmern aus, die einen beachtlichen Beitrag zur Humusbildung und Bodenlockerung leisten. Deswegen ist, laut Rolf Kern vom Landratsamt Karlsruhe, das Ziel, 600 Regenwürmer pro Quadratmeter zu haben, da diese von Herbst bis Frühjahr 80 dt Ernterückstände in Wurmhumus umwandeln können.

Des Weiteren ist zu bedenken, dass Nährstoff-Verhältnisse stärker im Boden wirken als die Nährstoff-Gehalte, d. h. der Mangel oder Überschuss eines Nährstoffs zieht ein weiteres Ungleichgewicht der anderen Nährstoffe im Boden nach sich.
Besonders hob Rolf Kern hervor, dass ein wichtiges Ziel darin bestehe, das Bodenleben über die Zufuhr von Kohlenstoff „zu füttern“ und damit aufzubauen und zu erhalten.

 

Testung von Erdbeersorten 2017/2018

Wolfgang Bauer, Landratsamt Karlsruhe Foto: VSSE

Wolfgang Bauer, Landratsamt Karlsruhe    Foto: VSSE

Auf dem Lehr- und Versuchsbetrieb Augustenberg wurden verschiedene Erdbeersorten in einem neuen Haygrove-Tunnel (Typ: Gotik) angepflanzt, nachdem der Boden dort bedampft worden war.
Bei der Verkostung im LTZ Augustenberg schnitten ‚Allegro‘, ‚Dream‘ und ‚Renaissance‘ gut ab.
‚Allegro‘ und ‚Dream‘ zeigten so gut wie keinen Mehltau-Befall und kamen zugleich geschmacklich sehr gut an.
‚Allegro‘ hatte nach ‚Alba‘ und ‚Aprica‘ den höchsten Ertrag.
‚Renaissance‘ kommt geschmacklich und optisch gut an, eignet sich wegen ihrer mittleren Erträge, eher kleineren Früchten und der Mehltau-Anfälligkeit eher für den Anbau im Freiland und die Direktvermarktung.
‚Aprica‘ ist vor und mit ‚Clery‘ reif und eignet sich als Ersatz für ‚Alba‘.
‚Flair‘ und ‚Sincerely‘ sind nach der Ernte und bei ungekühlter Aufbewahrung weniger stabil als andere Sorten.

Bei der Sortentestung im Freiland auf Dämmen (Forst) haben nur ‚Sibilla‘, ‚Sonata‘ und ‚Magnus‘ die Höchsterträge von 120 g je Pflücktermin und mehr pro Pflanze erreicht.
‚Sibilla‘, die große, helle und feste Früchte hat, ist im Reifehöhepunkt kurz nach ‚Clery‘ und eignet sich in Ergänzung zu ihr für den LEH.
‚Magnus‘ hat ein gutes Aroma, großes Ertragspotenzial und den Reifebeginn nach dem Reifeende von ‚Clery‘.
‚Susette‘ eignet sich als aromatische, helle Spätsorte.
‚Faith‘ ist eine Sorte für den Nachbau und eignet sich für die Direktvermarktung.

 

Zulassungssituation der Pflanzenschutzmittel im Obstbau und aktuelle Versuchsergebnisse

Arno Fried, Landratsamt Karslruhe Foto: VSSE

Arno Fried, Landratsamt Karslruhe Foto: VSSE

Bei den Insektiziden verlieren mehrere Präparate in naher Zukunft ihre Zulassung, und es bleiben vor allem Bio-Insektizide übrig.
Für folgende Pflanzenschutzmittel wurde die Zulassung bereits widerrufen und die Aufbrauchfrist (AF) festgelegt:

  • Plenum WG (30.01.2020)
  • Fenomenal (14.11.18)

Bereits dieses Jahr ist die AF verstrichen für

  • Discus /Stroby WG
  • Frupica SC

Das Zulassungsende steht bevor für:

  • Primor Gran. (30.04.2019)
  • Calypso (30.04.20)
  • Steward (31.10.20)

Ob eine Verlängerung der Zulassung noch erfolgen kann ist unsicher.

Bei den Akariziden fällt Milbeknock zum 31.07.19 weg.
Beim 2018 wieder zugelassenen Ordoval gegen Spinnmilben bei Erdbeeren sind schon Resistenzen aufgetreten.
Vitisan gegen Botrytis bei Erdbeeren hinterlässt zwar keine Rückstände, zeigte aber nur eine geringe Wirkung.
Bei anderen Kulturen konnte eine gewisse Wirkung gegen den Echten Mehltau nachgewiesen werden.
Botector gegen Botrytis ist nur im Tunnel zu empfehlen, da es in den Versuchen im Freiland nicht so wirksam ist.

Als Alternative zu Basta hat sich bei der Ausläufer-Bekämpfung bei Erdbeeren 2018 das genehmigte Quickdown + Toil mit zwei Behandlungen gut bewährt, aber wirkte unzureichend gegen Ungräser.
Pelargonsäure-Herbizide sind mit mittlerem Ergebnis bei zwei Behandlungen und 3- bis 15-fach höheren Kosten als Quickdown + Toil keine Alternative.
Eine noch in der Entwicklung befindliche Alternative ist die mechanische Entfernung der Ausläufer mit einem Rankenschneider bei circa 5 km/h, 3-4 Überfahrten, circa zwei Stunden Zeitaufwand (20 Euro/ha) und geringen Spritkosten ist das Ergebnis bis auf ein paar stehen gebliebene Ranken gut.

Bei Botrytis zeigt der Einsatz von einem noch nicht zugelassenen Versuchsfungizid Kenja mit einer Behandlung in der Spritzfolge bei den Versuchen 2016 – 2018 im Freiland eine verbesserte Wirkung.
Gegen andere Fruchtfäule wirkt Kenja jedoch unzureichend oder gar nicht.
Die Zulassung für Kenja wird nach Firmenangabe mit einer sehr kurzen Wartezeit bald erwartet.

Als Alternative zu Vertimec gegen Spinnmilben bei Erdbeeren im Freiland hat sich Milbeknock mit nur einer Behandlung und beinahe 100 % Wirkungsgrad im Versuch 2018 positiv hervorgetan.
Floramite 240 SC zeigte erst nach der ersten Behandlung eine mittlere Wirkung und bei den weiteren Bonituren eine sehr gute Wirkung.

 

Fazit zu den Bodendämpfungsversuchen 2015 – 2018

Je schlechter der Boden ist, desto besser ist der Ertrag nach der Bodendämpfung.
Die Bodenmüdigkeit lässt sich erst bei 90 °C aufheben, so dass man auf jeden Fall mit dieser Temperatur und im Zweifel lieber etwas länger dämpfen sollte, um den Effekt zu erreichen.

Bei der Bedämpfung ist darauf zu achten, dass der Boden frisch gelockert wurde, keine Steine vorhanden sind und der Wassergehalt bei 30 % liegt.
Das Wasser zum Bedampfen sollte sauber entkalkt sein, um die Düsen bei der Sandwichdämpfung unter den Hauben nicht zu verunreinigen.

Die Kosten einer Dämpfung des Damms mit einem Halbautomaten liegt bei circa 11 000 Euro/ha.
Der hohe Kosten-, Energie- und Zeitaufwand sind die großen Nachteile der Bodendämpfung.

Hohe Ertrags- und Qualitätssteigerungen konnten mit in den 3-jährigen Ergebnissen erzielt werden.
Deutlich stärkeres Pflanzenwachstum, weniger Verunkrautung an der Pflanze und somit Einsparungen von Lohnkosten für Unkrautbekämpfung stehen als Vorteile dagegen.
Weitere Versuche auch bei kleinen, einreihigen Dämmen sind in Planung.
Laut Arno Fried vom Landratsamt Karlsruhe, kann statt Heizöl auch Biogas verwendet werden, sodass die CO2-Bilanz verbessert werden kann.

Quelle: VSSE e.V.

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