In Sibirien könnten in Zukunft Kartoffeln, Weizen, Mais und Soja angebaut werden.

 

 

Der Klimawandel bringt womöglich nicht nur Schlechtes.

Er könnte auch neue Chancen für die Lebensmittelproduktion in Gebieten ermöglichen, die bisher relativ unentwickelt waren.

Mais, Soja, Kartoffeln oder Weizen könnten künftig in Nordkanada oder Sibirien wachsen.

Forscher um den US-Ökologen Lee Hannah sehen im Klimawandel Möglichkeiten für eine wirtschaftliche Entwicklung, die, wenn sie richtig durchgeführt wird, Armut und Ernährungsunsicherheit in einigen wirtschaftlich marginalen Teilen der Welt verringern könnte.

 

 

Globale Verschiebungen

 

Die Wachstumsbedingungen für Pflanzen ändern sich durch den Klimawandel.

Die Forschung hat sich bisher dabei vor allem auf die Auswirkungen des Wandels auf Nutzpflanzen und auf die Lebensmittelproduktion an den bisherigen Standorten konzentriert.

Doch die klimatischen Änderungen können auch Verschiebungen von Kulturen auf globaler Ebene ermöglichen, wie die aktuelle Studie zeigt.

Gebiete, in denen bisher der Anbau schwierig oder unmöglich war, könnten aufgrund des wärmeren Klimas als Standorte in Betracht gezogen werden.

 

Mehrere Kulturen werden sich als Reaktion auf ihre sich ändernde klimatische Eignung in neue Gebiete bewegen, zeigen die Wissenschaftler in ihrer im Fachjournal Plos One veröffentlichten Studie.

Diese Gebiete, die für eine oder mehrere Kulturen neu geeignet werden, sind so genannte klimabedingte Agrargrenzen. Diese Grenzen erstrecken sich über eine Fläche, die mehr als 30% der derzeitigen landwirtschaftlichen Nutzfläche auf dem Planeten entspricht.

 

 

Expansionsmöglichkeiten nutzen

 

Eine der wichtigsten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besteht darin, genügend Lebensmittel für die wachsende Weltbevölkerung zu produzieren, ohne die Ökosysteme zu untergraben.

Die Welt muss voraussichtlich bis 2050 70% mehr Lebensmittel produzieren als bisher. 

Der Klimawandel schafft bereits jetzt neue Möglichkeiten für die Landwirtschaft, um in höheren Lagen und Breiten anzubauen oder längere Vegetationsperioden zu nutzen.

Die durch den Klimawandel verursachten geografischen Verschiebungen der für die landwirtschaftliche Produktion geeigneten Flächen bieten hier weitere Expansionsmöglichkeiten.

In ihrer Studie definieren die Forscher Agrargrenzen als Gebiete, die derzeit nicht für wichtige globale Rohstoffe geeignet sind, aber aufgrund des Klimawandels in Zukunft geeignet sein werden.

 

 

Ausmaß und klimatische Verteilung

 

Die in der Studie definierten klimabedingten landwirtschaftlichen Grenzen bedecken zwischen 10,3 und 24,1 Millionen km2 der Planetenoberfläche.

Pflanzen, die in diesen Grenzen wachsen können, sind in erster Linie kältetolerantere gemäßigte Pflanzen wie Kartoffeln, Weizen, Mais, Soja.

Es wird prognostiziert, dass die Grenzen in den borealen Regionen der nördlichen Hemisphäre und in Berggebieten weltweit am größten sind, da sich Gebiete, die für die Rohstoffproduktion geeignet sind, im Allgemeinen als Reaktion auf steigende Temperaturen nach oben und in Richtung der Pole ausdehnen.

Kanada (4,2 Millionen km2) und Russland (4,3 Millionen km2) beherbergen das größte Gebiet der Agrargrenze. Unter den montanen Regionen haben die Berge Zentralasiens und die Rocky Mountains der USA und Kanadas die größte Grenzfläche (0,1 bzw. 0,9 Millionen km2).

 

 

Nicht nur positive Effekte

 

Allerdings sind mit der uneingeschränkten Entwicklung klimabedingter landwirtschaftlicher Grenzen auch schwerwiegende negative Umweltauswirkungen verbunden. Klimabedingte Agrargrenzen sind laut der Forscher auch eine potenzielle Quelle für neue Treibhausgasemissionen und andere Umweltauswirkungen, einschließlich eines Verlusts der biologischen Vielfalt und eines Verlusts der Wasserqualität für Hunderte Millionen Menschen.

Dies unterstreiche die Notwendigkeit einer nationalen und internationalen Politik zur Steuerung einer nachhaltigen Entwicklung von Strategien mit indigenen Gemeinschaften und anderen lokalen Interessengruppen.

Man müsse nun Strategien erarbeiten, die die potenziellen Vorteile eines sich ändernden Umfelds nutzen, ohne größere Umweltprobleme zu verursachen, schreiben die Forscher.

 

Die ganze Studie findet sich unter https://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371/journal.pone.0228305

 

 

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