Traktorsternfahrt 2019                                                                                                                                                                                                             Bild: Polizei Thüringen

 

 

 

Bundesweit organisieren sich Landwirte, weil sie von der derzeitigen Umwelt- und Landwirtschaftspolitik die Wirtschaftskraft und den sozialen Frieden im ländlichen Raum in Deutschland gefährdet sehen.

Sie rufen zu Großkundgebungen der Landwirte auf, stellen bundesweit symbolisch grüne Kreuze auf Äckern auf, gerade erst wurde wieder eine Protestfahrt nach Berlin unternommen.

Vor allem eine Bewegung – „Land schafft Verbindung“ – hat dabei in kürzester Zeit zahlreiche Anhänger gefunden.

 

 

Die Bewegung

 

Nach den Ankündigungen der Bundesregierung, neue Gesetzespakete an den Start zu bringen und nachdem den Landwirten sogar gedroht wurde, Strafzahlungen der Alterssicherung der Landwirte anzulasten, wurde am 1. Oktober 2019 die Facebook-Gruppe „Land schafft Verbindung“ gegründet.

Innerhalb weniger Tage nach Gründung hatten sich auf Facebook schon mehr als 10 000 Menschen in der Gruppe „Land schafft Verbindung“ zusammengefunden.

Zum heutigen Zeitpunkt sind nun etwa 15.000 Menschen bei Facebook und ca. 100.000 bei WhatsApp zusammen.

 

 

Die Aktionen

 

Als erste Aktion plante die Gruppe eine Zentralveranstaltung am 22. Oktober 2019 auf dem Münsterplatz in Bonn.

Mit hunderten von Traktoren, Bussen und Autos reisten die Demonstranten an, um zu zeigen, was sie von der aktuellen Politik halten.

An dieser Kundgebung nahmen sowohl die Landwirte, die grüne Branche, als auch Bürger teil, die den Agrarsektor unterstützen.

Anlässlich der Umweltministerkonferenz gingen die Landwirte am 14.11. erneut auf die Straße, dieses Mal trafen sie sich auf dem Hamburger Gänsemarkt.

Am 24. November startete eine Staffelfahrt Richtung Berlin, wo sich am 26. November mehr als 1000 Landwirte mit Traktoren zur Kundgebung am Brandenburger Tor einfanden.

 

 

Die Ziele

 

Die Gruppe hat ihre dringlichsten Ziele in drei Punkten formuliert:

 

  1. Regional statt zunehmende Importe!

Die Umsetzung des Agrarpaketes wird für die Landwirte mit erheblichen Einschränkungen und deutlichen Mehrkosten bei sinkenden Erträgen verbunden sein.

Dadurch wird die regionale Lebensmittelproduktion, die gesellschaftlich immer wieder gefordert wird, weiter geschwächt.

Das Resultat: Der Lebensmittelimport wird steigen – und zwar ohne Einfluss auf ökologische und soziale Standards im Herkunftsland.

Das schadet nicht nur den Landwirten, sondern entspricht auch nicht den Wünschen der Verbraucher.

Darüber hinaus muss die gesellschaftliche Forderung nach mehr Arten- und Tierschutz auch immer mit Antworten nach der Finanzierung dieser durch die Gesellschaft verknüpft werden.

 

  1. Kooperation statt Verbotspolitik!

Landwirte stehen für Insekten- und Naturschutz, für sauberes Grundwasser und gesunde Lebensmittel, für eine klimaschonende Landwirtschaft und Tierwohl in den Ställen.

Bereits heute gibt es zahlreiche Aktivitäten und Kooperationen, um Tierwohl sowie Artenschutz nachhaltig und wissenschaftlich basiert weiterzuentwickeln und zu stärken.

Aber machbar ist dies nur unter sinnvoller Abwägung von Ökonomie, Ökologie sowie unter Berücksichtigung der sozialen Strukturen.

Diesen Weg kann man nur miteinander beschreiten, nicht gegeneinander.

Das Agrarpaket wurde durch die Bundesministerien ohne vorherigen Dialog mit der Branche, aber vor allem ohne eine der Tragweite entsprechenden Folgenabschätzung für die ländlichen Räume, die Versorgungssicherheit mit regionalen Lebensmitteln sowie die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft erarbeitet.

Dagegen verwahren sich die Gruppenmitglieder und nicht gegen das Agrarpaket generell.

Sie fordern ein Schluss der Verbotspolitik und eine echte gesellschaftliche Kooperation.

 

  1. Lebendiges Land statt Land ohne Leben!

Die Landwirte befürchten, dass die Umsetzung des Maßnahmenpaketes den negativen Strukturwandel in der Landwirtschaft weiter anheizen wird.

Das ist für die heute noch vielfach regional verankerte Landwirtschaft in vielen Bundesländern und somit für viele Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, aber auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen, eine reale Gefahr.

Aktuell arbeiten zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern in ca. 4.700 landwirtschaftlichen Betrieben über 25.000 Menschen.

Hinter jedem einzelnen Arbeitsplatz in der Landwirtschaft stehen sieben weitere Jobs in den vor- und nachgelagerten Wirtschaftsbereichen.

Gerade in Mecklenburg-Vorpommern ist jeder Arbeitsplatz im ländlichen Raum wertvoll.

Diese Arbeitsplätze halten die Menschen in den Dörfern und machen die ländlichen Räume liebens- und lebenswert.

Nicht selten sind es Landwirte in den Dörfern, die Feuerwehrmann, Bürgermeister, Schneeschieber und Bauer zugleich sind.

 

 

Die Forderungen

 

Zur Erreichung dieser Ziele fordert „Land schafft Verbindung“ …

 

  1. …, dass die gesellschaftlichen Wünsche nach mehr Umwelt- und Tierschutz durch die gesamte Gesellschaft finanziell getragen werden, denn für echte Veränderungen benötigen wir ein Miteinander!
  2. …, dass Zielkonflikte zwischen dem Erhalt einer regionalen Lebensmittelproduktion und den steigenden Umwelt- und Tierschutzmaßnahmen endlich durch die Politik benannt werden.
  3. …, dass die Ursachen des Insektenrückgangs ergebnissoffen, wissenschaftlich basiert und nicht allein auf die Landwirtschaft beschränkt (z.B. LED, UMTS, Wetterschwankungen, Vergrünung) erforscht werden, denn nur so können wir mehr Insektenschutz erreichen.
  4. …, dass landwirtschaftliche Flächen in Schutzgebieten auch zukünftig nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch erfolgreich bewirtschaftet werden können. Hier sind smartere Lösungen als plumpe Verbote gefragt.
  5. … eine Reduzierung des landwirtschaftlichen Flächenverbrauches von 70ha/Tag in Deutschland sowie der dauerhaften Flächenversiegelung, denn auch das ist Natur- und Insektenschutz.
  6. …, dass bestehende Tierwohlprogramme gefördert und weiterentwickelt werden, anstatt neue Label zu schaffen, denn davon gibt es schon jetzt zu viele.
  7. …, eine objektive Untersuchung der auffälligen Nitrat-Messstellen, damit endlich zwischen landwirtschaftlichen und NICHTlandwirtschaftlichen Verursachern unterschieden werden kann und wir Verbesserungen erreichen.
  8. … die Erweiterung des Nitrat-Messstellennetzes zu einem repräsentativen Messnetz, wie es auch in anderen europäischen Staaten besteht und Meldung dieser repräsentativen Daten an die EU, damit in Europa gleiche Maßstäbe für alle bestehen.
  9. …, dass Schwachstellen im kommunalen und industriellen Abwassernetz, wie z.B. bestehende Direkteinleitungen in Flüsse, benannt und beseitigt werden.
  10. … eine Binnendifferenzierung innerhalb der roten Gebiete, damit Maßnahmen zielgenau ergriffen werden können.
  11. … die Möglichkeit zu einem echten Vertragsnaturschutz, damit wir auch mit Naturschutz unseren Lebensunterhalt bestreiten können.
  12. …, dass importierte Waren mindestens dem deutschen gesetzlichen Standard entsprechen, andernfalls sollte der niedrigere Standard  gekennzeichnet werden
  13. … eine klare Herkunftskennzeichnung für landwirtschaftliche Produkte, auch in verarbeiteten Lebensmitteln, damit Verbraucher regionale Produkte leicht erkennen und kaufen können.
  14. … eine Reduktion des bürokratischen Aufwands für die Landwirte, damit Tierwohl, Natur- und Umweltschutz praktikabel sind und wieder Spaß machen.

(Alle Forderungen stammen von derSeite https://landschafftverbindung.de/was-wir-wollen/

 

 

Weitere Infos unter https://landschafftverbindung.de

 

 

 

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