Wenn es um den Klimawandel geht, ist die Landwirtschaft Opfer und Täter zugleich.

Die Auswirkungen des Klimawandels wie Extremwetter, steigende Temperaturen, Stürme und lange Trockenzeiten beeinträchtigen schon jetzt die Landwirtschaft.

Gleichzeitig ist sie global betrachtet selbst für ihn mitverantwortlich: bis zu einem Drittel der Treibhausgase weltweit stammen aus der Landwirtschaft.

Dabei sind vor allem Methan-Emissionen aus der Tierhaltung, das Ausbringen von Wirtschaftsdünger (Gülle, Festmist) sowie Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden als Folge der mineralischen und organischen Stickstoffdüngung die größten Verursacher.

Das Abholzen von Waldflächen, die Trockenlegung von Mooren und Feuchtgebieten zur Gewinnung landwirtschaftlicher Flächen tragen ebenfalls maßgeblich zur Erderwärmung bei.

Derzeit wird deshalb ein neues Klimaschutzgesetz diskutiert. Ein erster Entwurf von Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert von der Landwirtschaft, ihre Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens ein Drittel gegenüber 1990 zu reduzieren.

Doch wie können Landwirte aktiv zum Klimaschutz beitragen und was haben sie selbst davon?

 

 

Bereits Beitrag geleistet

 

Dass mehr Klimaschutz in der Landwirtschaft möglich ist, zeichnet sich bereits ab:

Seit 1990 – dem Bezugsjahr des ersten Klimaschutzabkommens, des Kyoto-Protokolls – hat die deutsche Landwirtschaft die Treibhaugasemissionen bereits von rund 79,4 Mio. t CO2-Äquivalent auf 65,2 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent im Jahr 2016 gesenkt.

Dies entspricht einer Reduzierung der Emissionen um 18 Prozent.

Ein Abbau der Tierbestände, verbunden mit Effizienzsteigerungen in der landwirtschaftlichen Produktion, hat dazu geführt, dass die Treibhausgasemissionen gesenkt und gleichzeitig die Produktion gesteigert werden konnte.

Die Landwirtschaft produziert heute also mehr und belastet das Klima dabei deutlich weniger als noch 1990.

 

 

Weitere Möglichkeiten der Landwirtschaft zum Klimaschutz

 

Es gibt diverse sinnvolle Maßnahmen, die gleichzeitig für gute Erträge und für Klimaschutz sorgen.

Nachfolgend eine Auswahl:

 

Maßnahmen zur Erhöhung der Stickstoffeffizienz

 

Mehr als 50 Prozent der reaktiven Stickstoffverbindungen gelangen in Deutschland über die Landwirtschaft in die Umwelt.

Mineralische und organische Stickstoffdünger werden zur Steigerung von Erträgen bei guter Qualität genutzt – und um ausreichend Nährstoffe nachzuliefern und die Bodenfruchtbarkeit zu erhalten.

Wird mehr gedüngt als von den Pflanzen entzogen wird, entstehen Stickstoff-Überschüsse.

Diese können Wasser- und Land-Ökosysteme belasten sowie Klima, Luftqualität und die Biodiversität beeinträchtigen.

Zudem wandeln Bodenbakterien Stickstoffverbindungen zu Lachgas um, das die Ozonschicht schädigt.

Wird der ausgebrachte Stickstoffdünger nicht durch die Pflanzen aufgenommen, kann er in Grund- und Oberflächengewässer oder die Luft ausgetragen werden.

Dort gefährdet er als Nitrat das Grundwasser und trägt zur Nährstoffüberversorgung (Eutrophierung) von Oberflächengewässern und Landökosystemen bei.

Eine niedrige Stickstoffeffizienz kann aber nicht nur zu Stickstoffüberschüssen sondern auch zur Gewinnreduzierung durch Verschwendung führen.

 

Eine Erhöhung der Stickstoffeffizienz lässt sich erzielen durch:

  •  Düngerbedarfsermittlung nach Ertragspotenzial
  • Optimierung des Zeitpunkts und der Technik der Düngemittelausbringung
  • Berücksichtigung des Bodenvorrats (leicht und schwer verfügbarer Stickstoff) und der Nachlieferung, insbesondere bei organischer Düngung
  • Optimierung der Lagerung organischer Dünger einschließlich baulicher Maßnahmen zur Reduzierung gasförmiger Stickstoffverluste
  • Optimierte Fruchtfolge und Zwischenfruchtanbau

 

 

Humusaufbau der Ackerböden zur Speicherung von Kohlenstoff

 

Ein weiterer wichtiger Bestandteil von klimafreundlicher Landwirtschaft ist der systematische Aufbau des Humusgehaltes im Boden.

Humus besteht zur Hälfte aus Kohlenstoff, der aus dem Kohlendioxid der Luft stammt.

Durch eine Erhöhung des Humusgehalts im Boden wird daher die Atmosphäre vom Treibhausgas Kohlendioxid entlastet.

Humus speichert nicht nur Kohlenstoff im Boden, sondern erhöht zugleich dessen Fruchtbarkeit und die Fähigkeit, Wasser zu speichern.

Ackerboden hat normalerweise einen deutlich geringeren Anteil an Humus und damit an Kohlenstoff als Wald und Dauergrünland.

Durch die Ackernutzung verringert sich also der Kohlenstoffgehalt im Boden, CO2 wird freigesetzt.

Eine Steigerung des Humusgehaltes kann durch den Verbleib von genügend Pflanzenresten in Form von Wurzeln, Stoppeln, Stroh oder Blättern, die nicht abgeerntet werden, sondern als Reststoffe auf dem Acker verbleiben.

Denn Wurzeln werden deutlich besser zu Humus umgebaut als Stroh oder organischer Dünger.

Eine permanente Begrünung der Äcker ist deshalb sinnvoll.

Der Anbau von Zwischenfrüchten im Winter, die im Frühjahr untergearbeitet werden, hat noch weitere Vorteile: Sie nehmen Nitrat aus dem Boden auf und verhindern so die Auswaschung ins Grundwasser.

Zudem schützt ihre Pflanzendecke im Winter den Boden vor Erosion.

 

 

Düngemanagement

 

Eine unsachgemäße, überhöhte Düngemittelgabe insbesondere von sauren Düngemitteln (wie zum Beispiel Ammoniumsulfat) kann zu einer beschleunigten Bodenversauerung beitragen.

Damit verbunden sind gleichzeitig Veränderungen der Bodenstruktur und der Lebensbedingungen für Bodenmikroorganismen.

In der Folge kann dies Einfluss auf die Bodenfruchtbarkeit und auf die Erträge und die Qualität der pflanzlichen Produkte haben.

Mineraldünger, insbesondere Phosphatdünger, aber auch organische Reststoffdünger wie Klärschlämme enthalten darüber hinaus Schwermetalle (vor allem Uran und Cadmium).

Eine Überdosierung von Düngemitteln führt also keinesfalls zu besseren Erträgen, sondern ist von Nachteil für den Anbauer.

Neben der Menge des eingebrachten Stickstoff- oder Kalkdüngers bestimmen Faktoren wie Klima, Temperatur, Eigenschaften des Bodens und die Düngetechniken die Höhe der verursachten Treibhausgasemissionen.

Treibhausgasemissionen könnten durch eine Verbesserung der N-Produktivität reduziert werden.

Durch die Bestimmung des Düngebedarfs von Pflanzen, die Einbeziehung der Humusbilanz und die Analyse der Nährstoffgehalte der organischen Dünger können N-Überschüsse reduziert werden.

Rechentools wie „Tekla“ (Treibhaus-Emissions-Kalkulator-Landwirtschaft) zeigen auf einfache Weise Möglichkeiten auf, die Klimaeffizienz in der Tier- und Pflanzenproduktion zu verbessern.

Das Ergebnis wird in Kohlendioxid-Äquivalenten angezeigt.

Das Tool „Hunter“, das bisher ausschließlich für den Pflanzenbau zur Verfügung steht, bilanziert neben dem Klima auch die Parameter Humus, Nährstoffe und Energie.

 

 

Maßnahmen für mehr Klimaschutz

 

Nicht immer ist der Klimawandel schlecht für die Landwirtschaft.

Gerade in gemäßigten Breiten wird der Klimawandel in Zukunft durch den Temperaturanstieg neue Anbaumöglichkeiten eröffnen.

Ein höherer CO2-Gehalt in der Atmosphäre hat zudem einen positiven Düngeeffekt für landwirtschaftliche Kulturen.

Der Weltklimarat (IPCC) geht in seinem Sachstandsbericht aber mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass die negativen Einflüsse des Klimawandels auf die Nahrungsmittelproduktion die positiven Effekte überwiegen werden.

Wenn der Klimawandel weiter geht, wird es zwingend auch zu massiven Ernteschäden und Totalausfällen durch Wetterextreme kommen.

Durch eine klimaschonenderen Bodenbewirtschaftung könnte dies verlangsamt werden.

Zudem können durch bestimmte Maßnahmen auch die Bodenqualität, der Ertrag und die Qualität der Produkte langfristig gesteigert werden.

 

Eine klimafreundliche Landwirtschaft könnte folgende Punkte beinhalten:

 

  • Ackerland sollte nicht brach liegen, sondern stetig begrünt sein
  • es sollte nicht mehr und nicht tiefer gepflügt werden als nötig
  • Erntereste sollten in den Boden eingearbeitet werden, anstatt offen zu verrotten oder zu
    verbrennen
  • Agrarforstwirtschaft mit der Integration von Bäumen in die landwirtschaftliche Produktion
  • Reduzierung des Einsatzes von Kunstdüngern
  • systematische Aufbau des Humusgehaltes im Boden
  • Klimabilanz erstellen
  • Düngemanagement

 

 

 

 

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