Die Meldung verbreitet sich wie ein Lauffeuer: Die Spargel- und Beerenanbauer in Deutschland wollen ihren osteuropäischen Erntehelfern Impfangebote direkt auf den Höfen unterbreiten.

Wie der Stand der Planungen ist und wie solch ein Impfangebot aussehen könnte hat uns Frank Saalfeld, Geschäftsführer des Netzwerks der Spargel- und Beerenverbände, erzählt.

 

 

Wie kommt es zu der Idee?

 

Saalfeld: Der Hintergrund ist die Einführung einer allgemeinen Impfflicht. Momentan sieht es zwar nicht mehr danach aus, als ob sie kommt, aber wir wollen vorbereitet sein. Viele größere Betriebe haben uns gesagt das Risiko einer Impfflicht sei zu groß, sie befürchten, dass dann weniger osteuropäische Arbeitskräfte kommen. Kleinere Betriebe wollen hingegen oft eine Impfflicht, da es die Abläufe erleichtert werden und dauernde Testungen wegfallen. Wir haben beschlossen uns auf keine Seite zu stellen und die Idee der Impfangebote entwickelt. Wir haben ja auch eine soziale Verantwortung gegenüber unseren Saisonarbeitskräften. Viele kommen aus den entlegenen Gebieten z.B. in Rumänien, wo es kaum medizinische Versorgung gibt und keine Impfmöglichkeiten.

 

 

Wie sollen die Impfangebote aussehen?

 

Saalfeld: Wir arbeiten zusammen mit einer Krankenkasse und wollen flexible Angebote je nach Region und nach Betriebsgröße anbieten. Wenn die Anreisewelle losgeht, würde man von Süden nach Norden impfen, im Schnitt liegen 10 Tage zwischen dem Erntebeginn. Zu Beginn hatten wir befürchtet, dass wir nicht genug Impfende finden können, die in der Lage dazu sind, aber nach den ersten Medienberichten haben uns verschiedene Impforganisationen kontaktiert und signalisiert, dass sie das schaffen können.

 

 

Mit welchen Impfstoffen würde geimpft?

 

Saalfeld: Ursprünglich wollten wir mit Johnson& Johnson impfen, weil dann keine Zweitimpfung nötig wäre. Aber das hat sich ja geändert, in Deutschland gilt man inzwischen mit nur Johnson & Johnson nicht mehr als vollständig geimpft. Im Rest der EU sieht das anders aus, wir müssen jetzt abwarten, ob es sich in Deutschland auch noch ändern wird oder ob für die Saisonarbeiter als aus dem Ausland einreisende EU-Bürger die EU-Richtlinien gelten. Außerdem kommt noch in diesem Monat der neue Impfstoff von Novavax (Anm. d. Red.: Novavax wurde kürzlich als fünfter Corona-Impfstoff in der EU zugelassen. Der Protein-Impfstoff bzw.  Totimpfstoff wird im Abstand von ca. drei Wochen gespritzt). Den kennt man bereits in Ländern wie Polen, Bulgarien und Rumänien und hätte deshalb wahrscheinlich weniger Probleme mit der Akzeptanz. Wir müssen auch gucken, was mit denen ist, die bereits in ihrer Heimat mit Sputnik geimpft wurden, ob das hier anerkannt werden kann.

 

 

 

Wie sollen die Saisonarbeitskräfte von der Impfung überzeugt werden?

 

Saalfeld: Die Teams sollen mit einem Dolmetscher aus den Herkunftsländern unterwegs sein, der den Arbeitern dann alles erklärt und ihre Fragen beantwortet. Zudem sollen die Betriebe im Vorfeld den Saisonkräften schon mit ihren Arbeitsunterlagen den Aufklärungs- und Anamnesebogen in ihrer Landessprache mitschicken, dann können wir anhand der ausgefüllten Bögen schon abschätzen wie viel Impfstoff wir brauchen.

 

 

Wie geht es jetzt weiter?

 

Saalfeld: Wir werden zusammen mit Ärzten einen Impfplan erstellen, wer theoretisch womit wann geimpft werden kann. Wir stehen auch in Kontakt mit dem Ministerium und werden versuchen Novavax für die Erntehelfer zu bekommen. Außerdem werden wir bei den Betrieben den Bedarf abfragen, um einschätzen zu können wie viele Geimpfte und Ungeimpfte SAKs kommen. Dann müssen wir noch die Infos an die Betriebe rausschicken, damit diese sie auch an die Arbeiter weiterleiten können. Wir haben jetzt noch gut 4 Wochen Zeit für die konkrete Umsetzung.

 

 

 

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