12. Ahlemer Profi-Tag Spargel. Foto: Tanja Dolic

12. Ahlemer Profi-Tag Spargel. Foto: Tanja Dolic

Eine gut funktionierende Direktvermarktung war in diesem Jahr Hauptthema des Ahlemer Profi-Tags Spargel. Auch Themen wie eine reibungslose Betriebsübergabe, gutes Marketing und Tipps zur Überwindung des inneren Schweinehunds standen auf dem Programm.

Der Appell an alle Teilnehmer: netzwerken, kommunizieren und die eigene psychische Ausgeglichenheit nicht vernachlässigen – für einen gut funktionierenden Betrieb und gute Erträge.

Dr. Horst zum Eschenhoff, Fachbereichsleiter im Bereich Gartenbau der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, begrüßte zahlreiche Stamm- aber auch neue Gäste.

Rückblick auf die Spargelsaison 2017

Fred Eickhorst, Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen. Foto: Tanja Dolic

Fred Eickhorst, Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen. Foto: Tanja Dolic

„So früh wie nie und ein ständiges Auf und Ab“, beschreibt Fred Eickhorst, Geschäftsführer Vereinigung der Spargelanabauer in Niedersachsen e.V., die Spargelsaison 2017 kurz und treffend.  
Die Saisonbilanz: „Für die meisten wohl zufriedenstellend. Ich würde sagen: gut“, erklärt er.

Sein Appell für die Zukunft: Imagepflege.
„Wir müssen für mehr Akzeptanz sorgen und stärker in die Kommunikation mit der Bevölkerung treten“, fasst er zusammen.

 

Junger Betriebsleiter/junge Betriebsleiterin – was nun?

Anne Dirksen, Sozioökonomische Beratung LWK Niedersachsen. Foto: Tanja Dolic

Anne Dirksen, Sozioökonomische Beratung LWK Niedersachsen. Foto: Tanja Dolic

Oftmals ist es die erste große Herausforderung für junge Hofnachfolger, als neuer Chef akzeptiert zu werden.

Anne Dirksen, Sozioökonomische Beratung LWK Niedersachsen, gab Tipps für junge Betriebsleiter nach der Hofübernahme.
„Stellen Sie sich die Fragen: Was will ich eigentlich für meinen Betrieb, für die Familie und für mich“, riet sie.

Besonders wichtig nach der Hofübernahme: Junge Betriebsleiter müssen in ihrer Rolle als neuer Chef ankommen.
Dazu zählt auch, dass sie auch von der älteren Generation so behandelt werden. „Es geht nicht mehr, dass sie ihr Kind in der Gegenwart von Mitarbeitern maßregeln“, so Dirksen.

Ihr eingehender Appell an alle: „Auch eine Maschine braucht ab und zu mal Wartung und Pflege. Vergessen Sie Ihre Familie nicht“.

 

Konfliktpotenziale senken

„Reden ist Gold!“, erklärte sie. Eine gute Kommunikation ist ein wichtiger Erfolgsfaktor. Zu einer solchen gehört eine vernünftige „Streitkultur“ ebenso wie eine vernünftige „Fehler-Kultur“.

„Bitte seien sie nicht nachtragend! Ein Fehler darf dem anderen nicht noch ewig vorgehalten und wieder und wieder vorgeworfen werden“.

Außerdem: Wenn die Führung im Betrieb durch den Nachfolger anders gehandhabt wird, solle man versuchen das zu akzeptieren.
So zitierte Dirksen dazu einen Meisteranwärter „Wenn meine Zeiteinteilung eine andere ist, als die meiner Eltern war, will ich das nicht ständig rechtfertigen müssen“.

Ihr Fazit: Zu einem gut funktionierenden Betrieb gehört auch immer das persönliche Gleichgewicht des Betriebsleiters. Handeln Sie also rechtzeitig und schon bei den ersten Warnsignalen.

Dirksens Vortrag endete mit einem eingängigen Zitat von Albert Einstein: „Die reinste Form des Wahnsinns ist, alles beim Alten zu lassen – und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert“.

 

Mitarbeiterfindung und -bindung

Referenten und Veranstalter beim Ahlemer Profi-Tag Spargel 2017. Foto: Tanja Dolic

Referenten und Veranstalter beim Ahlemer Profi-Tag Spargel 2017. Foto: Tanja Dolic

Was ist der König ohne sein Volk?

Auch ein Betrieb funktioniert nur mit geeigneten und motivierten Mitarbeitern – so viel ist klar.
Doch gute Mitarbeiter zu finden ist oft schwer. „Fachkräftemangel!“ tönt es aus aller Munde.

Es hat ein Wandel in den Rollen stattgefunden. Der Betrieb ist vom Anwerber zum Bewerber geworden. Auf diese Arbeitsmarktsituation müssen sich die Betriebe nun einstellen. Denn je qualifizierter ein Bewerber ist, desto schwieriger ist er auch zu bekommen, referierten Heinke Blankenforth und Matthias Brandner, LWK Niedersachsen.

Sie gaben Tipps zur richtigen Mitarbeiterfindung und -bindung.

Zum ohnehin herrschenden Fachkräftemangel in der Branche komme hinzu, dass manch andere Branche gern Arbeitnehmer aus der Landwirtschaft abwirbt. „Jedem ist bekannt, dass der Landwirt ein Allrounder ist“, gab Brandner zu bedenken.

Offener und transparenter solle kommuniziert werden, dass die Landwirtschaft auch eine Branche mit attraktiven Löhnen ist, riet der Experte.

Doch wie findet man nun einen geeigneten Bewerber?

Generation (wh)y

Im Idealfall entwickelt sich das Unternehmen zu einer Arbeitgebermarke. Die Grundlage für eine gelungene Mitarbeiterakquise sei dabei, als Unternehmen attraktiv zu sein.

Besonders wichtig:
die Anforderungen der heutigen Führungskräfte sind mit der sogenannten Generation Y (engl. Wy oder umgspr. why für warum?) eng verknüpft.
Diese Generation – etwa Jahrgang 1980 bis 2000 – ist im Informationsüberfluss aufgewachsen.

Sie sei es gewohnt Dinge zu hinterfragen und auf Augenhöhe mit dem Gesprächspartner zu kommunizieren, erklärt Blankenforth.
So stehen auch bei der Arbeitsplatzwahl eine selbstbestimmte Arbeitswelt, -ort, und -zeit sowie Kommunikation auf partnerschaftlicher Ebene und ein attraktives Arbeitsumfeld im Vordergrund.

Karriere sei für diese Generation nicht unbedingt alles.

Der Rat der Experten:
„Analysieren Sie, was sich die zukünftigen Führungskräfte von einer Arbeitsstelle wünschen – und gehen Sie darauf ein“.

 

Zeitgemäße Gestaltung von Hofläden und Verkaufsständen

Daniel Kükenhöhner, Innenarchitekt. Foto: Tanja Dolic

Daniel Kükenhöhner, Innenarchitekt. Foto: Tanja Dolic

Wieso kauft der Kunde meine Ware?
Große Warenhäuser bedienen sich zur optimalen Kundenführung und Warenpräsentation ganzer Mannschaften von Psychologen.
Warenauslagen, Lichtverhältnisse und Wege werden aufwändig optimiert.
Ziel: Der Kunde soll sich möglichst wohl fühlen – und natürlich die Ware kaufen.

Was für große Handelsketten und Warenhäuser gilt, hat für Hofläden ebenso Gültigkeit.

Daniel Kükenhöhner ist Schreinermeister und Innenarchitekt bei der Petzinger GmbH und Co. KG. Er gab elementare Tipps zur einladenden Gestaltung von Hofläden und Verkaufsständen.

Vertrauen zum Kunden schaffen: mit Authentizität

„Sie müssen Ihre Kunden abholen. Marketing wird in Zukunft immer wichtiger“, erklärt er.

Dazu zählt ein einheitliches Branding (Logo, Schriftzug etc.) ebenso wie die Bindung zum Kunden. So könne man mit persönlichen Fotos eine vertraute Atmosphäre schaffen.

Für eine gute Kundenführung gelte: Die Größe der Verkaufsfläche ist nicht entscheidend. Kundenfreundliche Gestaltung von Frischetheke und Kassenbereich ist sowohl für Hofladen wie auch Verkaufsstand wichtig.

Auch dort gelte: Der Kunde muss die Ware shoppen wollen. Dies erreicht man mit attraktiver Positionierung – Struktur und Klarheit sind dabei entscheidend.
Ebenso mit Licht. „Sparen Sie bitte nicht an einer guten Beleuchtung“, riet Kükenhöhner.

 

Der innere Schweinehund

Jürgen Petersen, Gedächtnis- und Motivationstrainer. Foto: Tanja Dolic

Jürgen Petersen, Gedächtnis- und Motivationstrainer. Foto: Tanja Dolic

Unliebsame Aufgaben finden sich auf jeder To Do-Liste. Für die einen ist es bürokratischer Papierkram, für die anderen der Vorsatz, mehr Sport zu treiben oder einfach mal den Schreibtisch aufzuräumen.

Solche und ähnliche Aufgaben werden nur allzu gerne verschoben. Das größte Problem dabei: der ureigene innere Schweinehund.

Wie man den porcus canis interior (lat. innerer Schweinehund) überwindet und die unliebsamen Aufgaben endlich anpackt, erklärte der Gedächtnistrainer und ehemalige Landwirt Jürgen Petersen.

Zeitfresser Prokrastination (zu Deutsch Aufschieberitis)

Und warum fällt es einem so schwer, manche Dinge einfach zu erledigen? „Ganz einfach: Das menschliche Gehirn mag einfach keine Veränderungen“, stellte Petersen kurz fest. Da helfe nur ein Plan und die Entscheidung, tatsächlich mit der Aufgabe zu beginnen.

72 Stunden Regel

„Die Entscheidung, etwas tun zu wollen, ist in ein paar Sekunden getroffen. Wie etwa den Schreibtisch aufräumen oder mit dem Sport anfangen. Das Entscheidende ist aber: FAngen Sie innerhalb der nächsten 72 Stunden an“, betonte Petresen.

„Beispiel Sport:
Fangen Sie am ersten Tag mit einer Minute an und laufen Sie auf der Stelle. Am Folgetag machen Sie zwei daraus. Und innerhalb eines Monats sind sie bei einer 30 minütigen Sporteinheit. Und wenn Sie dann zufrieden sind – Belohnen nicht vergessen“.

 

Guerilla Marketing – Chance für Hofläden?

Juliane Müller, Messe- und Veranstaltungsmanagerin. Foto: Tanja Dolic

Juliane Müller, Messe- und Veranstaltungsmanagerin. Foto: Tanja Dolic

Klingt nach Kriegstechnik, ist es in gewisser Weise auch: die Guerilla-Taktik im Marketing.

Juliane Müller, Messe- und Veranstaltungsmanagerin, sammelte während ihres Studiums Verkaufserfahrungen in einem Hofladen.
Auf dem Profi-Tag Spargel erklärte sie, worauf es bei der Guerilla-Taktik ankommt.

Wichtig seien vor allem die zielgruppengerechte Ansprache und der Überraschungseffekt. Ohne hohe Kosten könne man mit einfachen und kreativen Methoden die Aufmerksamkeit potentieller Kunden gewinnen. Beispielsweise können kreative Aufsteller bereits ausreichen, um die Zielgruppe zu überraschen und auf sich aufmerksam zu machen.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem alten und knallig angesprühten Fahrrad, auf dem ein Schild mit dem Hofladen-Logo angebracht ist?

Ihr Fazit:

Guerilla Marketing ist nicht nur für urbane Unternehmen zielführend. Mit ein wenig Kreativität ist diese Methode auch für die Kundengewinnung in Hofläden und Verkaufsständen geeignet.

 

Betriebsvorstellung und Schlussworte

Die Betriebsvorstellung des Hofs Oelkers von Bernd Oelkers und eine Kurzvorstellung verschiedener Projekte der Landwirtschaftskammer Niedersachsen von Beratern und Fachbereichsleitern rundeten die Veranstaltung ab. 


 

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