5G ist vielleicht doch an jeder Milchkanne notwendig.                                                                               Bildmontage: Kerstin Panhorst

 

 

 

Die Digitalisierung schreitet auf deutschen Äckern voran.

Gerade zur Datenerfassung nutzen viele Landwirte schon digitale Tools.

An die Stelle der klassischen Seminare sind längst Webinare getreten.

Und auch das Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) hat gerade erst sein Archiv zum kostenlosen Download geöffnet.

 

Ein Schelm, wer da an den legendären Ausspruch von Anja Karliczek im vergangenen November denkt. „5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig“, sagte die Bundesforschungsministerin.

Deswegen wolle man sich beim Aufbau eines 5G-Kommunikationsnetzes Zeit lassen und insbesondere den ländlichen Raum vernachlässigen.

Die Bundesministerien kreieren damit ein Paradoxon – einerseits treiben sie selbst die Digitalisierung in der Landwirtschaft voran, andererseits schaffen sie nur zögerlich die dafür notwendigen Grundlagen.

Auf Anfrage des ErdbeerSpargelPortals hieß es von der zuständigen Pressestelle nur „Ministerin Karliczek wird sich zu dem Thema nicht äußern“ und es wurde an das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur verwiesen – von dort war leider bisher trotz Nachfrage ebenfalls keine Aussage zu erhalten.

 

 

Gigabit-Netz

 

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit den Telekommunikationsunternehmen flächendeckend in Deutschland Gigabit-Netze zu schaffen.

Sie wird daher die Breitbandförderung in den Gebieten, in denen kein marktgetriebener Ausbau stattfindet, mit Gigabit-Zielen fortführen.

Das Förderprogramm wurde neu aufgelegt und im Verfahren wesentlich vereinfacht. Dies ist der erste wichtige Baustein zur Erreichung der Gigabit-Ziele.

Damit werden alle noch verbliebenen weißen Flecken (verfügbare ≤ 30 Mbit/s) unmittelbar an das Gigabitnetz angeschlossen.

Im Koalitionsvertrag hat sich die Politik zwei Ziele gesetzt:

• Bis Ende 2025 soll ganz Deutschland über Gigabit-Netze versorgt werden.

• Noch in dieser Legislaturperiode sollen alle Gewerbegebiete, Schulen, Krankenhäuser an das Gigabit-Netz angeschlossen werden.

Der ländliche Raum bildet bei dieser Agenda das Schlusslicht, obwohl wiederum andere Einrichtungen genau hier verstärkt auf Online-Angebote setzen.

 

 

Smart Farming

 

Digitale Landwirtschaft, oder auch Smart Farming, wird immer mehr zu einem Thema.

Der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie bei der Feld- und Hofarbeit wird immer präsenter, jedes Jahr kommen neue Geräte und neue Software auf den Markt.

Kaum eine landwirtschaftliche Maschine kommt noch ohne GPS aus.

Mit Computer, Tablet oder Smartphone werden Daten zum Wetter, den Bodenverhältnissen und dem Reifegrad von Pflanzen ausgewertet. Auch die Düngeplanung und deren Dokumentation findet digital statt.

Doch das alles nützt nichts, solange die Äcker und landwirtschaftlichen Betriebe im Funkloch sitzen: Erst, wenn es eine flächendeckende Abdeckung durch Mobilfunknetze gibt, ist Smart Farming durchführbar.

 

 

Webinare

 

Online stattfindende Seminare, so genannte Webinare, gelten schon jetzt als Zukunft des Lernens.

„Mit Webinaren haben alle Interessentinnen und Interessenten die Möglichkeit, an Weiterbildung und Erfahrungsaustausch teilzunehmen. Wenn kein Auto frei ist und es keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt, kommt man oft einfach nicht weg. Gerade im ländlichen Raum dauert die Fahrt zum Seminar nicht selten 2 Stunden. Da lohnen fast nur Tagesseminare. Die Arbeitszeit in landwirtschaftlichen Unternehmen ist knapp bemessen, und das Webinar ist eine realistische Zeit, die ich einrichten kann. Die Inhalte sind kurz und kompakt. Wer will, kann die Präsentation, die wir im Anschluss zur Verfügung stellen, noch einmal für sich durchgehen“, erklärt Heidrun Gerwin-Wegener von der Landwirtschaftskammer NRW.

Die Landwirtschaftskammern bieten bereits viele von ihnen an, die LWK NRW ist beispielsweise vor fünf Jahren mit dem Webinar-Angebot gestartet und führt im Schnitt 5 bis 10 Webinare pro Jahr durch.

Seit diesem Jahr gibt es zudem die „WiN-Cloud“, die das bekannte WiN-Angebot für Frauen im Agrarbereich um eine digitale Variante erweitert.

 

WiN Cloud

 

Benötigt werden für Webinare ein internetfähiger Computer und ein Telefon – aber eben auch eine stabile und schnelle Datenverbindung.

„Tatsächlich haben viele Interessentinnen und Interessenten vorher Sorge, dass die Internetverbindung nicht ausreicht. Wir haben es aber noch nie erlebt, dass die Verbindung nicht aufgebaut werden konnte. Unser Motto: Probieren Sie es aus! Es ist einfacher als gedacht!“, erklärt Heidrun Gerwin-Wegener.

Ein Webinar ist interaktiv und persönlich, weil Teilnehmende und Referent miteinander direkt kommunizieren können, live und kurz, weil es zu einem bestimmten Termin stattfindet und maximal 45 Minuten dauert.

„Der Schwerpunkt liegt zurzeit sicher noch bei den Präsenz-Seminaren. Es ist eben auch schön, Gleichgesinnte zu treffen, sich die Hände zu schütteln und ein Lächeln rüberzubringen. Aber immer knapper werdende Energie- und Zeitressourcen tragen sicher dazu bei, dass mehr Interessierte an Webinaren teilnehmen. Mit zunehmenden Online-Angeboten möchten wir für unsere Kundinnen und Kunden die Digitalisierung ganz praktisch erlebbar machen“, sagt die Expertin.

Bei einem Webinar wählen sich die Teilnehmenden über das Telefon in eine Telefonkonferenz ein und gelangen mit einem Link über den PC oder Laptop in den virtuellen Seminarraum.

Grundsätzlich können Videokameras am PC genutzt werden, so dass Referent, Moderator und Teilnehmer auf kleinen Schaltflächen auf dem Bildschirm zu sehen sind, aber das ist nicht bei allen Angeboten so und auch kein Muss.

Die Zugangsdaten (Teilnehmer-Link und PIN) erhalten die Teilnehmenden einige Tage vor dem Termin per E-Mail zugeschickt.

Auch eine kurzfristige Teilnahme ist meist noch möglich.

 

www.netzwerk-agrarbuero.de

http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/beratung/gqs/index.htm

 

 

BZL-Medien dauerhaft zum kostenlosen Download

 

Auch das Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL) geht inzwischen mit der Digitalisierung voran.

Das Angebot des BZL reicht von Printmedien zu landwirtschaftlichen Themen bis zu umfangreichen Internetseiten.

Ab sofort können über 100 Publikationen im BLE-Medienservice dauerhaft kostenlos heruntergeladen werden.

www.ble-medienservice.de

 

 

Selbst ist der Bauer

 

Einigen Landwirten dauert das Warten auf schnelles Internet zu lange, und  Richt- oder Mobilfunk reichen ihnen nicht aus.

 Deshalb nehmen sie selbst die Sache – oder vielmehr das Glasfaserkabel – in die Hand.

In Absprache mit Netzbetreibern errichten sie Leerohrsysteme, mit Lohnunternehmen oder in Eigenleistung.  

Der Netzbetreiber muss dann nur noch die Glasfaser einblasen und in Betrieb nehmen.

In einigen ländlichen Gegenden haben bereits Nachbarn oder Interessensvertretungen als „Buddelvereine“ solche auch „Fiber to the Bauernhof“ (#FTThof ) genannte Projekte durchgeführt.

Im Kreis Coesfeld, wo sich die ersten „Buddelvereine“ zusammenfanden, surfen mittlerweile in 80 Bauernschaften die Anwohner und Unternehmen mit Höchstgeschwindigkeit.

 

 

Die schöne, neue Welt der Digitalisierung wird also an allen Stellen vorangetrieben – es bleibt nur zu hoffen, dass sie bald auch jeder nutzen kann. Oder sich selbst zu helfen weiß.

 

 

 

 

 

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