Die häufig vorkommende Steinhummel Bombus lapidarius beim Blütenbesuch auf Weißklee auf Weideflächen des Kieler Versuchsguts Lindhof. © Henriette Beye, Uni Kiel

 

 

Das Insektensterben, insbesondere der Wildbienen, zu denen auch Hummeln zählen, wird in der breiten Öffentlichkeit diskutiert und Maßnahmen wie Bienenhotels und Wildblumenflächen im privaten und öffentlichen Bereich sollen urbane und ländliche Räume insektenfreundlicher gestalten. Dennoch ist der Artenschwund bis jetzt nicht gestoppt.

Durch das Insektensterben ist auch die Landwirtschaft unmittelbar betroffen, da Wildbienen wie z. B. Hummeln durch ihre Bestäuberleistung zur Steigerung der Erträge vieler Kulturarten beitragen.

 

 

Was kann die Landwirtschaft tun?

 

 

„Die Aufwertung von Agrarlandschaften ist ein Schlüsselfaktor, um dem Rückgang der Insekten entgegenzuwirken“, sagt Professor Tim Diekötter, von der Abteilung Landschaftsökologie an der CAU.

Landwirte könnten beispielsweise artenreiche Blühstreifen am Rand ihrer Felder anlegen, um Wildbienen Nahrungsressourcen anzubieten. Darüber hinaus ist die Erhöhung des Anteils naturnaher Flächen Diekötter wichtig. „Dennoch bleibt ein großer Flächenanteil, der landwirtschaftlich intensiv genutzt wird und wenig Ressourcen und Lebensraum für Wildbienen bietet.“

Was kann also getan werden, um diese intensiv genutzten Flächenanteile im Sinne der Biodiversitätsförderung bei gleichzeitiger landwirtschaftlicher Erzeugung nachhaltiger zu gestalten? Die Forschenden Henriette Beye und Katharina Lange der CAU (Abteilung Grünland und Futterbau/Ökologischer Landbau – Professor Friedhelm Taube, Abteilung Landschaftsökologie – Professor Tim Diekötter) haben auf dem Versuchsgut Lindhof Wildbienen auf Kleegrasweiden erfasst. Henriette Beye hat die Erhebungen im Rahmen ihrer Doktorarbeit durchgeführt und veröffentlicht.

 

Kleegrasweiden im Vergleich

 

 

Für das Projekt „Öko-effiziente Weidemilcherzeugung“ wurden auf dem Lindhof artenreiche Kleegrasweiden untersucht, die neben dem typischen Weidelgras noch Klee- und Kräuterarten umfassen. Im Sommer, wenn es auf den Flächen blüht, hat Henriette Beye in Zusammenarbeit mit der Studentin Katharina Lange mehrmals in definierten zeitlichen Abständen mit einem Kescher Wildbienen auf den Weideflächen gefangen und im Labor auf Artniveau bestimmt.

Außerdem wurden Blühflächen mit denselben Artenmischungen angelegt, die nicht beweidet wurden, um das maximale Potential des Blütenangebots zu ermitteln; zusätzlich wurden konventionell genutzte Grünlandflächen als Vergleichsvarianten untersucht. Insgesamt waren die in dieser Studie vorkommenden Arten hauptsächlich Generalisten, also häufig vertretene Arten.

Um Spezialisten und neben Hummeln auch anderen Wildbienenarten Nahrungsressourcen anzubieten und so stabile und diverse Artengemeinschaften zu unterstützen, sind nach Aussage der Forschenden zusätzlich zum Klee noch morphologisch abweichende Blütenpflanzen notwendig. Diese könnten auf den Kleegrasweiden des Lindhofs etabliert werden.

 

 

Intensiv genutzte Agrarflächen aufwerten

 

 

Aus diesen Ergebnissen folgt, dass Kleegrasweiden mit zusätzlichen Futterkräutern ein Werkzeug darstellen können, um intensiv genutzte Agrarflächen aufzuwerten.

„Bisher spielen solche Flächen fast ausschließlich im ökologischen Landbau eine Rolle, aber mit einer entsprechenden Förderung des Anbaus auch für konventionelle Betriebe, gäbe es ein Potential von bis zu 500.000 Hektar in Deutschland“, stellt Professor Friedhelm Taube, wissenschaftlicher Leiter des Lindhofs fest. Vorherige Studien im Projekt „Öko-effiziente Weidemilcherzeugung Lindhof“ konnten zeigen, dass die Kleegrasmischungen hohe Futter- und Proteinerträge mit reduzierten Treibhausgasemissionen und Stickstoffauswaschungen verbinden.

Dadurch haben sie einen positiven Effekt auf die Bodenkohlenstoffspeicherung und das Mikrobiom des Bodens. Gemeinsam mit den positiven Effekten auf Hummeln stellen sie somit ein breites Spektrum an Ökosystemdienstleistungen (Multifunktionalität) in Verbindung mit der Erzeugung hochwertiger Weidemilch bereit.

 

 

 

Verwandte Beiträge


Suchen
Generic filters
Search
Generic filters
Search
Generic filters

Immer frische News -
mit unserem Newsletter

Hier in unseren Newsletter eintragen und immer aktuelle News vom ErdbeerSpargel Portal erhalten.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen - ein Bestätigungsmail geht Ihnen zu.