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Die Marktrelevanz von Regionalität und Saisonalität steigt.
Sollte man deshalb im Spargelanbau Bodenheizungen zur Ernteverfrühung einsetzen?

„Qualitätsspargel aus Deutschland“ gilt für Liebhaber des elfenbeinfarbenen Edelgemüses seit jeher als das Gütemerkmal schlechthin. Der Verbraucher verbindet damit höchste Qualität und einen umweltfreundlichen, ressourcenschonenden Anbau. Wenn sie diesen Slogan jedoch bereits Anfang März an den Marktständen der lokalen Gemüsebauern entdecken, reagieren viele Kunden  ungläubig oder fragen erstaunt nach.

Ein wenig sind sicherlich auch die milden Winter der letzten Jahre an der Vorverlegung des Saisonstarts „schuld“. Doch dass die ersten regional geernteten Stangen inzwischen schon zum meteorologischen Frühlingsanfang Anfang März in den Verkaufsregalen auftauchen, während das Wetter draußen neben frühsommerlich anmutenden Sonnentagen auch noch Schnee und Eis bereithält, ist dem anbautechnischen Fortschritt geschuldet.

„Die deutsche Spargelsaison startet doch eigentlich erst Ende April, oder?“

Auch wenn er noch so ungläubig nachfragt: Der Verbraucher ist längst daran gewöhnt, das ganze Jahr über alle möglichen Obst- und Gemüsesorten im Handel vorzufinden. Außerhalb der Saison greift er zur Importware. Viele einheimische Produzenten haben inzwischen mit saisonverlängernden Maßnahmen auf die ganzjährige Nachfrage reagiert.

Einerseits begrüßt der kritische Endverbraucher die zeitliche Ausweitung des heimischen Angebots: Hier liest er von ausgebeuteten Arbeitskräften in manchen südländischen Anbaugebieten, dort von Trinkwasserknappheit in mediterranen Regionen, die mancherorts von Ackerbewässerung mittels illegaler Brunnen verschärft oder gar verursacht wurden. Auch die oft sehr langen Transportwege nach Mitteleuropa und die damit verbundenen Emissionen geraten immer stärker ins Bewusstsein des Konsumenten. Eine steigende Zahl von Verbrauchern möchte sich ökologisch und sozial korrekt verhalten und schaut beim Gemüsekauf inzwischen gezielt aufs Herkunftsland.

Die hiesigen Erzeuger freut das: Nachdem es jahrelang als höchst lukrativ galt, Erzeugnisse mit Biosiegeln auf dem Markt zu etablieren, suggeriert inzwischen bereits ein saisonales, regional angebautes Produkt dem Kunden, dass er ein biologisch und ethisch einwandfreies Erzeugnis erhält.

Ein Blick auf die Technik: Wie umweltfreundlich ist der verlängerte Anbau?

Die zeitliche Ausweitung von Regionalität und Saisonalität im Obst- und Gemüseanbau funktioniert zu einem großen Teil mittels geschützten Anbaus. Dessen Verfahren werden kontinuierlich weiterentwickelt. Inzwischen reichen die sogenannten Verfrühungstechniken vom Anbau unter Folie über das Setzen in Dämmen und/oder Substratkulturen mit künstlichen Bewässerungssystemen bis hin zur Integrierung aufwändiger Bodenerwärmungssysteme.

Leider benötigt diese Freiluft-Bodenheizung viel Energie: Die Wurzelstöcke der Pflanzen werden durch ein unterirdisches Warmwasserleitungssystem stimuliert. Zwar erfassen auf dem Feld verteilte Temperaturfühler die Wärmeausbreitung im Erdreich und ermöglichen eine exakte Energiezufuhr. Doch die Frage bleibt, ob kurze Transportwege in punkto Ressourcenschonung etwas nützen, wenn im Gegenzug deutlich mehr Energie dafür aufgewendet wird, den Spargel durch Wärmezufuhr zum vorzeitigen Wachsen zu bringen. Führt diese Entwicklung die offensichtlichen Vorzüge saisonaler und lokaler Erzeugnisse nicht eigentlich ad absurdum?

Und was meint Ihr? Diskutiert mit!

 

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