Freckenhorst Spargelseminar Publikum

Freckenhorst Spargelseminar Publikum

Prozessoptimierung, Wirtschaftlichkeit, aber auch nächtliches Stressmanagement – Dies waren nur einige der Themen, um die sich das 24. Spargelseminar in der Katholischen Landvolkshochschule Schorlemer Alst in Freckenhorst drehte.
2018 werden die Freckenhorster Spargeltage – wie auch die Erdbeertage – dort ihr 25jähriges Jubiläum feiern.

Ausgeschlafen in den Saisonstress

Dr. Renate Spraul - Arbeitswissenschaftlerin

Dr. Renate Spraul – Arbeitswissenschaftlerin

„Gut geschlafen?“, begrüßte die Arbeitswissenschaftlerin Dr. Renate Spraul am zweiten Tag ihre Hörer und bezog sich dabei besonders auf die stressreiche Zeit der Spargelsaison.

Denn ist Schlaf ein wichtiges Rüstwerkzeug, um effektiv und vor allem produktiv zu bleiben.

„Als Anbauer verdient man seinen Jahresumsatz während einer kurzen Saison, in der meistens alles drunter und drüber geht. Da müssen Sie natürlich fit sein“,  appellierte Spraul an die Zuhörer.

Ihr Rat: „Finden Sie unbedingt die richtige Lebensbalance. Bauen Sie den Schlaf bewusst auch in Ihre Saisonarbeitszeit ein, denn Schlaf ist keine Totzeit“.

Schlafhygiene sei nicht nur ein neumodisches Wort, sondern ganz essentiell für einen gesunden, ausgewogenen Schlaf und die Leistungsfähigkeit am Tag – und die brauchen Anbauer gerade während der Saison besonders dringend.

Zu einer guten Schlafhygiene zählen beispielsweise:

  • Ein gemütliches Schlafzimmer: „Machen Sie es sich schön!“
  • Keine Ablenkung im Bett, also kein Fernsehen, Smartphone, Tablet oder sonstiges
  • Ruhe: „Wenn Sie in einer lauten Umgebung wohnen, benutzen sie einen Geräuschschutz!“
  • Eine gute und bequeme Matratze und Bettwäsche
  • Kein schweres Essen kurz vor dem Schlafen

Gesund und gut schlafen kann laut Spraul erlernt werden: mit Ritualen, die man einüben kann. „Alkohol und Schlaftabletten helfen nicht dabei, einen gesunden Schlaf zu bekommen. Sie sorgen eher für „Pseudotiefschlafphasen““.

Sprauls klares Statement: „Ins Bett gehört nur Schlaf und Beischlaf und bestenfalls noch etwas zu lesen. Alles andere sollten Sie daraus verbannen“.

Und, ganz wichtig: „Delegieren Sie ihre Aufgaben im Arbeitsalltag. Sie müssen nicht alles alleine und selber schaffen! Schlaf wird meistens als erstes gestrichen, wenn es mal hektisch zugeht. Koffein ist auf Dauer aber keine Lösung“.

Ihr finaler Appell: „Jede Saison ist hart, Ihre Aufgaben und Verpflichtungen immens. Passen Sie deshalb auf sich auf. Denn Schlaf ist ein wichtiger und oft vernachlässigter Faktor beim Thema Gesundheit“.

„Back to the Basics“

Ton Smolders, Produktmanager bei limgroup

Ton Smolders, Produktmanager bei limgroup

Den Titel seines Vortrags wählte Ton Smolders, Produktmanager bei limgroup, ganz bewusst. Das Publikum sollte sich darauf besinnen, dass es bei der Arbeit rund um den Spargel vor allem auf die Grundlagen ankommt.

Sein Hinweis:

„Für die Wurzeln sind die ersten drei Jahre entscheidend. Geht in dieser Zeit etwas schief, bedeutet das Stress für die Pflanze. Ein minderer Ertrag für die Dauer der Spargelanlage ist die Folge“. Dabei betonte er: „Luft ist Leben und Wärme ist Wachstum“.

Stellt man im vierten, fünften oder sechsten Ertragsjahr Schwächesymptome der Anlage fest, sei das oft auf einen Fehler in den ersten drei Jahren des Anbaus zurückzuführen, beschrieb Smolders die Bedeutung der Gesundheit der Pflanze und eines guten Bodens – von Anfang an.

Sein Tipp: „Das wichtigste Werkzeug eines jeden Anbauers ist immer noch der Spaten.

Am besten haben Sie ihn sowieso immer an der Hand oder im Auto“, lachte er. „Dann können Sie nämlich immer und überall graben und gucken.

Gucken ist nämlich immer noch das A und O. Wichtig ist zu wissen, wo die Wurzeln der Pflanze noch hinwachsen können und wie der Boden überhaupt aussieht“, erklärte er nachdrücklich.

Smolders Rat: „Machen Sie eine Bodenanalyse und entnehmen Sie Proben: Das ist ein sehr wichtiges Hilfsmittel. Die Bodenanalyse kann Ihnen zwar nicht sagen, was Sie tun sollen, aber dass Sie gegebenenfalls in eine bestimmte Richtung tendieren sollten“.

„Besinnen Sie sich auf die Basics:

  • Pflanzen Sie nur, wenn das Wetter und der Boden dies erlauben
  • Benutzen Sie frische Pflanzen
  • Lagern Sie optimal
  • Die Wurzeln brauchen Luft
  • Tauchen Sie Jungpflanzen zirka 15 Minuten lang in klares Wasser – dadurch wachsen sie besser“

Sein Fazit: „Vergessen Sie die Basics im Spargelanabau nicht. Was man in den ersten drei Jahren falsch macht, ist im späteren Verlauf oft nicht mehr zu reparieren“.

Verbesserung der Arbeits- und Flächenproduktivität

Joachim Ziegler, Spargelberatung Rheinpfalz

Joachim Ziegler, Spargelberatung Rheinpfalz

Joachim Ziegler von der Spargelberatung Rheinpfalz betonte:

„Die Produktivität muss steigen, damit wir eine Zukunft haben“.

Sein dreiteiliger Vortrag beschäftigte sich mit Verfrühungsfragen, der Pflanztiefe sowie Zukunfts- und Kostenfragen.

Mit verschiedenen Versuchsreihen, die insbesondere die Frage nach einer sinnvollen Methode für eine extreme Verfrühung und einer späten Ernte unter die Lupe nahm, regte Ziegler zahlreiche Diskussionen und Nachfragen im Publikum an.

Die Themen Dreifach- und Doppelbedeckung – auch in der Doppelreihe – behandelte er ausführlich.

Zum Thema Pflanztiefe lieferte Ziegler interessante Versuchsergebnisse:
Bei einem „Hochpflanzversuch“ mit der Sorte „Gijnlim“ wurde die Pflanztiefe zwischen -20 cm, -10cm, 0 = ebenerdig und +10cm, also auf dem Damm, variiert.

Der Versuch wurde sowohl hinsichtlich des Mengenertrages als auch des Markterlöses der Ernte, in dem Menge, Qualität und Erntezeitpunkt der Stangen eingehen, ausgewertet.

Das Ergebnis:

Die Variante -20cm lieferte sowohl den schwächsten Mengenertrag als auch den schlechtesten Markterlös.

 -10cm, 0cm und +10cm lieferten im Durchschnitt der ersten beiden Erntejahre sehr ähnliche Mengenerträge. Die Variante -10cm hatte den besten Markterlös und ab dem vierten Jahr sogar den besten Mengenertrag.

Um dem Thema Flächenknappheit gerecht zu werden, stellte Ziegler abgeschlossene Doppelreihenversuche vor. Danach ermögliche die Doppelreihenpflanzung:

  • eine verbesserte Reihendüngung,
  • einen höheren Ertrag,
  • einen effizienteren Einsatz der Zusatzbewässerung,
  • längere Lebensdauer,
  • einen höheren Gesamtertrag,
  • weniger Folienmeter und
  • eine Reduktion von Erntewegen sowie mehr Stangen pro Meter

 „Ab dem fünften Ertragsjahr lief die Doppelreihe besser als die Einzelreihe. Und in den ersten fünf Jahren lief die Doppelreihe nicht schlechter als die Einzelreihe. Dementsprechend verliere man bei der Nutzung eines Doppelreihensystems keinen Ertrag.

Im Ausblick hielt Ziegler fest:

  • Die Doppelreihen werden in Zukunft eine hohe Bedeutung behalten.
  • Dabei sei der Mindestlohn und die konsequente Lohnsteigerung natürlich eine Daueraufgabe und die größte Herausforderung.
  • Die neue Dünge-VO, die neue Anforderungen an den Spargelanbau mit sich bringen werde, müsse im Hinterkopf behalten werden.

Dieter Weber, LWK Niedersachsen

Dieter Weber, Spargelberatung LWK Niedersachsen

Dieter Weber, Spargelberatung LWK Niedersachsen

„Wir haben es uns nicht nehmen lassen, ihn noch einmal nach Freckenhorst einzuladen“, leitete Mathilde Friederichsen den Abschiedsvortrag von Dieter Weber, Spargelberatung LWK Niedersachsen, ein.

Weber, der in Kürze in Rente geht, stellte zunächst einen Doppelreihenversuch aus den 1990er Jahren in Norddeutschland vor und referierte anschließend über Stangenmängel durch Verbräunung.

Erstmals wurde dieses Phänomen 1992 und dann 1993 festgestellt.

Erste Untersuchungserhebungen ergaben: In den beiden heißen Sommern waren ausschließlich Betriebe betroffen, die mit Antitau- oder mit Schwarzweißfolie arbeiteten.

Vor 1992 ist das Problem der glasigen Spargelstangen mit späterer Braunfärbung nicht bekannt gewesen.
Als Gegenmaßnahme diente daher gezieltes Folienmanagement. Die Erntemenge wurde bei Hitze begrenzt.

Verschiedene Studien konnten noch keine konkreten Rückschlüsse auf die Ursache der Braunfärbung zulassen. Untersuchungen offenbarten jedoch einen erhöhten Aluminium- und Siliziumgehalt der lädierten Gewebepartien.

Außerdem interessant: Je länger die glasigen Spargelstangen im Eiswasser liegen, umso schneller tritt die Braunfärbung auf.

Webers Hinweis: Bei glasigen Stellen an den Spargelstangen bitte keinen Tauchgang der Stangen mehr durchführen und keine lange Lagerung“.

Mit einer ausführlichen Betriebsvorstellung des Spargelhofs Werner durch Hans-Jürgen Werner fand der zweite Tag der Freckenhorster Spargeltage ein gelungenes Ende.


Hier geht´s zu den Videointerviews auf dem Freckenhorster Spargelseminar 2017

Video mit Mathilde Friederichsen – Rückblick und Ausblick Freckenhorster Spargelseminare

Video mit DIeter Weber – Rückblick auf 39 Jahre Spargelberatung

Video mit Hans-Peter Goldnick – “The Spirit of Freckenhorst” – wie finden langjährige Besucher die Spargelseminare

Video mit Ton Smolders – Hinweise zu Grundlagen beim Spargelanbau

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