Im Rahmen der Spargel-Tage diskutierten die Teilnehmer bei einer Warp-Konferenz in Kleingruppen.                                          Bild: Kerstin Panhorst

 

 

Pflanzenschutzmittel und Klimawandel gehörten ebenso wie Hofübergabe und Grünspargelanbau zu den Themen der inzwischen 27. Freckenhorster Spargel-Tage.

Vom Montag, den 3. Februar bis Mittwoch, den 5. Februar fand die Fachtagung mit bundesweitem Austauschforum für Spargelanbauer in der katholischen Landvolksschule Schorlemer Alst Freckenhorst in Warendorf statt.

 

Dieses Mal gab es neben dem traditionellen Vortragsprogramm auch eine Warp-Konferenz, die sich in Form eines Speed-Datings mit dem Thema Saisonarbeitskräfte beschäftigte und eine SWOT-Analyse zu Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen der Branche.

Mit einem Impulsvortrag startete dieses Praxisforum „Erntehelfer finden, binden, halten“.

 

 

Saisonkräftemanagement – Worauf kommt es heute und in Zukunft an?

 

Claudia Jennewein von der Andreas Hermes Akademie Bonn referierte zum Saisonkräftemanagement. Bild: Kerstin Panhorst

Wie und wo kann man Saisonkräfte finden, wie kann man sie langjährig an sich binden? Diese Fragen beschäftigen nicht nur die Spargelbranche schon lange.

Claudia Jennewein, Trainerin der Andreas Hermes Akademie Bonn, gab dazu in ihrem Vortrag Tipps und machte auf Probleme aufmerksam.

„Um Menschen zu erreichen, muss man ihre Befindlichkeiten und Orientierungen, ihre Werte, Lebensziele, Lebensstile und Einstellungen genau kennen lernen, muss man die Lebenswelten der Menschen von innen heraus verstehen, gleichsam in sie eintauchen. Nur dann bekommt man ein wirklichkeitsgetreues Bild davon, was die Menschen bewegt und wie sie bewegt werden können“, lautet der Grundsatz der Expertin.

Dafür dürfe man die Saisonarbeiter nicht aus unserem Wertesystem, in dem Ratio, Wissenschaft und Leistung ausschlaggebend sind, betrachten, sondern aus ihrem. In diesem sind Hierarchien wichtig, ebenso Treue, Loyalität, Regeln und Ordnung.

 

 

Verschiedene Nationalitäten bräuchten deshalb verschiedene Führungsstile, während z.B. ein aus Rumänien stammender Arbeiter klare Strukturen wie eine Checkliste braucht, die er abarbeiten kann, benötige jemand aus Portugal einen Sinn hinter seiner Tätigkeit, einen Grund.

 

Während bei allen Arbeitern die Grundmotivation in der Bezahlung bestünde, sei es an Management und Betriebsführung, diese Motivation zu steigern. Dazu bedarf es drei Grundhaltungen:

1. Optimismus und eine gezeigte Begeisterung für den eigenen Betrieb,
2. Akzeptanz der Mitarbeiter und ihrer Eigenarten,
3. Lösungsorientierung.

 

Eine gute Kommunikation und Wertschätzung der Mitarbeiter ist für Claudia Jennewein die Grundlage für eine gute Zusammenarbeit. Dies fange schon bei der Begrüßung der Saisonarbeiter an, die am besten vom Chef selbst mit Handschlag willkommen geheißen werden. Um die Wertschätzung aufrecht zu halten, sei ein Ansprechen mit Namen ein absolutes Muss. Bei zu vielen Saisonarbeitern können deshalb Namensschilder von Vorteil sein.

Bei der Kommunikation ist der durch die verschiedenen Sprachen entstehende Verlust an Informationen nicht zu unterschätzen. Deshalb sollten Arbeitsabläufe und Co. immer auch mit Bildern erläutert werden, Haus- und Hofregeln in schriftlicher Form in jeweiliger Landessprache ausgehändigt werden.

 

Motivationsmittel sind zudem

  • die Steigerung des körperlichen Wohlbefindens durch einen attraktiven Arbeitsplatz, Arbeitskleidung, Pausen, Aufenthaltsräume, gutes Betriebsklima, kleine Gesten wie ein Eis an heißen Tagen oder kühle Getränke
  • die Vermittlung von Sicherheit durch faire Arbeitsverträge, Arbeitssicherheit, Informationen und Transparenz im Betrieb, pünktliches Entlohnen und Optimismus
  • die Förderung von Gesellschaft durch gelebte Gesprächskultur im Unternehmen, regelmäßige Gruppenbesprechungen, Unterbindung von Mobbing, Off-the-Job Aktivitäten wie ein Grillabend oder ein Picknick, Interessensbekundungen für persönliche Mitarbeiterschicksale
  • die Wertschätzung durch persönliche Begrüßung, das Erfragen von Meinungen und Wünschen, eine herausfordernde Aufgabenstellung, Prämien und Zulagen für überdurchschnittliche Leistungen

 

 

 

WARP-Konferenz

 

Zum zweiten Mal fand bei den Spargel-Tagen auch eine Warp-Konferenz statt. Eine Warp-Konferenz ist eine Art Speed-Dating. Ihr Ziel ist ein schneller, themenbezogener Informationsaustausch innerhalb kürzester Zeit, also quasi mit dem aus Star Trek bekannten Warp-Antrieb, der die Teilnehmer mit Überlichtgeschwindigkeit weiterbringen soll.

Leitfragen zum Umgang und Gewinn von Saisonarbeitskräften beschäftigten die Teilnehmer. Bild: Kerstin Panhorst

Bei den Spargel-Tagen tauschten sich in einem festgelegten Zeitrahmen jeweils vier Teilnehmer anhand bestimmter Leitfragen aus.

Die Gesprächsteilnehmer berichteten sich gegenseitig über die Zahl ihrer Erntehelfer, wie sie diese finden, aus welchen Ländern sie kommen und welche Probleme es gibt. Themen wie Kommunikation, Unterbringung, Verpflegung, Entlohnung, Engpässe und Fluktuation, Unterkunftsarten, Einhaltung von Hofregeln, Abrechnungssystemen und Motivationssteigerung standen dabei im Fokus.

„Das ist vor allem interessant für diejenigen, die im Plenum nicht so gerne sprechen. In der kleineren Gruppe kommt jeder zu Wort und kann sich einbringen und man kann Probleme aus dem eigenen Betrieb ansprechen und sich praxisbezogen austauschen“, sagt Organisator Hinrich Niemann.

Zum Abschluss der WARP-Konferenz wurden einige aus den Gesprächen entstandene Fragen gesammelt und mit Trainerin Claudia Jennewein diskutiert.

Dabei spielte vor allem der Umgang mit dem Thema Alkohol eine größere Rolle. Was soll man tun, wenn Saisonarbeiter zu betrunken zur Arbeit sind? Für Claudia Jennewein ist bei einem ersten Verstoß eine Abmahnung zu extrem, sie rät zu einer Verwarnung. Diese sollte aber in einem datierten und von beiden Parteien unterschriebenen Protokoll festgehalten werden.

Auch das vorzeitige Abreisen von Saisonarbeitern beschäftigte viele Teilnehmer. Claudia Jennewein rät deshalb zu einem Zeitpunkt der Beschäftigung, an dem es gut läuft, eine Liste ausfüllen zu lassen in der die Arbeiter ihr Abreisedatum eintragen.

Die Praxis, Kosten für Unterkünfte geltend zu machen für die komplette Saison trotz vorzeitiger Abreise, hält sie rechtlich hingegen für nicht durchsetzbar.

 

 

SWOT-Analyse

 

Mit einer SWOT-Analyse beschäftigten sich die Spargelberater, Referenten und Firmenvertreter. Bild: Kerstin Panhorst

 

Während die Betriebsleiter in der WARP-Konferenz über Saisonarbeitskräfte diskutierten beschäftigten sich die bei den Spargel-Tagen anwesenden Referenten, Firmenvertreter und Spargelberater mit einer SWOT-Analyse der Branche.

 

Eine SWOT-Analyse soll Strengths (Stärken), Weaknesses (Schwächen), Opportunities (Chancen) und Threats (Risiken) aufzeigen.

 

 

 

 

Das Ergebnis:

 

Stärken

  • Gesundes Produkt
  • Lecker
  • Einfach zuzubereiten
  • Erstes frisches Gemüse im Frühjahr
  • Saisongemüse
  • Immer in Kundennähe
  • Kontakt zum Verbraucher
  • Exklusives Produkt

 

Schwächen

  • Personalintensiv
  • Arbeitsintensiv
  • Einzelkämpfertum
  • Wenig Kommunikation in der Branche
  • Abhängigkeit vom LEH
  • Preisabhängigkeit
  • Wetterabhängigkeit
  • Mit hohen Investitionen verbunden

 

Chancen

  • Junge Generation von Anbauern kommt
  • Regionalität
  • Bessere CO2 Bilanz als Importprodukte
  • Gutes Image
  • Superfood/Ernährungstrends aufnehmen
  • Grünes Bild vermitteln
  • Umweltbewusstsein
  • Kontakt zum Verbraucher nutzen
  • Mehr Transparenz für mehr Glaubwürdigkeit
  • Modern gestalten
  • Soziale Medien nutzen
  • Technische Weiterentwicklung und Automatisierung

 

Risiken

  • Arbeitskräfte (Qualität und Quantität)
  • Wetter
  • Krankheiten
  • Politik und Verbote/Verordnungen zu Pflanzenschutz und Düngung

 

 

Die nächsten Freckenhorster Spargel-Tage finden vom 8. bis 10. Februar statt.

Anfang Februar 2021 soll zudem auch eine neue zweitägige Tagung mit dem Schwerpunkt Heidelbeeranbau stattfinden.

 

 

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