Mehr als 60 Teilnehmer kamen zu den inzwischen 27. Freckenhorster Spargel-Tagen.                                                               Bild: Kerstin Panhorst

 

 

Mehr als 60 Interessierte kamen zu den inzwischen 27. Freckenhorster Spargel-Tagen.

Vom Montag, den 3. Februar bis Mittwoch, den 5. Februar fand die Fachtagung mit bundesweitem Austauschforum für Spargelanbauer in der katholischen Landvolksschule Schorlemer Alst Freckenhorst in Warendorf statt.

 

Wir waren dabei und haben einige interessante Vorträge zusammengefasst.

 

In Teil 2 berichten wir über das Praxisforum der Spargel-Tage mit einer Warp-Konferenz zum Thema „Erntehelfer finden, binden, halten“.

 

 

Spargelrost und Schädlinge

 

Dr. Ludger Aldenhoff referierte zu Spargelrost und Schädlingen. Bild: Kerstin Panhorst

 

Mit Spargelrost und Schädlingen beschäftigte sich Dr. Ludger Aldenhoff in seinem Vortrag.

 

Der Spargelberater beleuchtete bevorstehende neue Herausforderungen, die durch die Veränderung der Witterung und der Einschränkung der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln auf die Anbauer zukommen.

 

Durch die zunehmend trocken-warmen Bedingungen kommt es zu immer mehr Spargelrost, und das Risiko für Spargelläuse steigt.

 

 

 

Die Bekämpfung wird zeitgleich schwieriger, da immer mehr Pflanzenschutzmittel wegfallen: AmistraOpti (Aufbrauch bis 20.5.2020), Danadim (Aufbrauch bis 30.6.2020) und Calypso (Achtung: vorgezogener Aufbrauchstermin 2.2.2021 statt wie bisher 30.10.2021!).

Mospilan könnte aber nach seiner erwarteten Wiederzulassung 2021 eine Alternative für Calypso sein.

 

Als besonders rostanfällige Sorten zeigen sich derzeit beim Grünspargel Steiniva, Primaverde und Xenolim, beim Bleichspargel Cumulus, Prius und Vitalim.

Es sind, bei steigender Tendenz, viele anfällige Anlagen zu finden, wodurch ein höheres Risiko für eine stärkere Verbreitung besteht.

Durch die höheren Temperaturen in Deutschland ist der „Schönwetterpilz“ nicht länger nur im Süden ein Problem, sondern breitet sich auch im Norden zunehmend aus.

Wegen einer weiten und schnellen Verbreitung der Sommersporen ist eine Kontrolle benachbarter anfälliger Anlagen bei einem Befall immer sinnvoll, so der Experte.

Aufgrund der langen Inkubationszeit und spezieller Ansprüche für eine Infektion ist eine Vorhersage des aktuellen Risikos eines Befalls kaum möglich.

„Es ist nicht vorhersehbar, in welcher Region es knallen wird, es ist reiner Zufall“, sagt Aldenhoff.

In Infektionsversuchen zu Rost zeigte sich, dass nur kurative Wirkstoffe eine sichere Wirkung haben; der Spargelberater empfiehlt, sie in Kombination mit vorbeugenden Wirkstoffen zur Blüte zu geben.

Zudem sei die gute und vollständige Einarbeitung alten Laubs für die Vermeidung von Primärinfektionen unabdingbar.

Um Sommerinfektionen zu vermeiden, sollte immer mindestens ein vorbeugender Wirkstoff (z.B. Polyram, Cuprozion, Funguran) gegeben werden, bei akutem Befall auch ein kuratives PSM (z.B. Score, Ortiva).

Das Risiko für Spargelläuse steigt zudem wieder. Die Eier der Schädlinge können in altem Laub überwintern, schlüpfen im Frühjahr und vermehren sich meist im Juli oder September massenhaft. Der Spezialschädling, der nur an Spargel zu finden ist, ist grün-bepudert und unterscheidet sich von anderen Läusen durch das Fehlen der Hinterleibröhrchen (Antennen).

Die Läuse sind nur an jüngerem Gewebe aktiv, weswegen sich durch ihre Toxine neue (Bonsai-)Triebe bilden, an denen ein Befall erkannt werden kann. Eine falsche Nährstoffversorgung der Pflanzen kann das Risiko des Befalls steigern.

Zur Behandlung von Spargelläusen eignen sich nur Mittel, die langsam im Bestand verdampfen, da die Läuse für eine direkte Appellation zu tief in den Pflanzen sitzen und nicht direkt besprüht werden können.

Bei Spargelfliegen wird der Wegfall von Danadim Progress am 30.6.2020 zum Problem, da bisher noch kein Ersatzprodukt auf dem Markt ist.

„Das, was uns bleibt, wirkt nicht“, erklärt Ludger Aldenhoff. Als alternative Maßnahme rät der Experte, möglichst keine Pflanzungen direkt neben junge Anlagen vorzunehmen, zu weniger anfälligen Topfpflanzungen und eventuell späteren Pflanzungen, besserem Häckseln im Boden und der Bekämpfung der adulten Fliegen nach dem Schlupf.

 

 

Hofübergabe

 

„Wie gelingt die Hofübergabe?“ fragte sich Peter Jantsch.

Der Diplom-Agraringenieur und systemische Coach widmete sich in seinem Vortrag diesem oft belastenden Prozess: „Viele Hofübergaben scheitern nicht an betrieblichen Schwierigkeiten, sondern an Schwierigkeiten in und zwischen den Beteiligten. Deshalb muss den emotionalen Anteilen letztlich genau so viel Raum eingeräumt werden wie den rechtlichen oder finanziellen.“

Für eine gelungene Hofübergabe ist deshalb Kommunikation unumgänglich. Die Beteiligten sollten sich über ihre Sorgen und Bedürfnisse austauschen, schon lange im Vorfeld der notariellen Übergabe. Rund zwei Jahre solle man sich nach Jantsch Zeit lassen für diesen Prozess.

 

Grundsätzliche Bedingungen für das Gelingen einer Hofübergabe sind laut Jantsch:

  • Rechtzeitig beginnen, miteinander zu reden
  • Spielregeln des Miteinanders gemeinsam festlegen
  • Eine Streitkultur entwickeln
  • Einander zuhören und verstehen
  • Verschiedene Verantwortungen im Prozess klären
  • Lebenswerk würdigen
  • Trennen von Menschen und Betrieb
  • Abgebende benötigen eine attraktive Vision für den anstehenden Lebensabschnitt

 

 

 

Wetterextreme

 

Über die Einstellung auf künftige Wetterextreme von Hitze über Trockenheit bis zu Unwettern referierte Thomas Gehrke.

Die Buschbrände in Australien, plötzliche Regenfälle in Afrika sowie Hagel- und Sandstürme seien globale Zeichen des Klimawandels.

Aber auch in Deutschland findet der Agrarwissenschaftler aus dem Vorstand der Vereinigten Hagelversicherung aus Gießen Anzeichen dafür, unter anderem den Anstieg der durchschnittlichen Lufttemperatur um 1,5 Grad.

Über künftige Wetterextreme referierte Thomas Gehrke von der Vereinigten Hagel.                      Bild: Kerstin Panhorst

Die heißen Tage werden mehr, die Gefahr von Sonnenbrand-, Hitze- und Trockenschäden steigt.

Durch die warmen Winter komme es zudem zu einem fehlenden Kältereiz in Dauerkulturen, woraus ein ungleichmäßiger Austrieb resultiert.

Niederschlagsanomalien wie Starkregen könnten außerdem das Defizit der letzten Jahre nicht auffüllen, im Osten Deutschlands und im Rhein-Main-Gebiet sind Dürreschäden wahrscheinlich.

Auch die Prognosen für 2020 seien alles andere als positiv, fehlende Bodenfeuchte in tieferen Schichten werde zum Problem.

„Wenn wir ein drittes Dürrejahr kriegen sollten in Deutschland, wird es viele Betriebe in die Knie zwingen“, sagt Thomas Gehrke.

Starkregen werde ebenfalls immer mehr zum Problem, es gibt deutliche Hinweise auf eine Zunahme, allerdings keine Vorhersagemodelle.

Laut Klimarisikoindex gehört Deutschland neben Japan und Indien zu den drei am stärksten von Wetterextremen betroffenen Ländern.

In fast allen Staaten der EU gibt es eine Prämienförderung für Versicherungen, nur in Deutschland beteiligt sich der Staat nicht an der Risikofürsorge: „Deutschland ist Schlusslicht in Europa beim Risikomanagement“.

Um in Zukunft besser auf extreme Wetterlagen vorbereitet zu sein, helfe nur ein Ausbau des Netzes der Wetterstationen, um mit größeren Datenmengen eine bessere Vorhersage zu gewährleisten, so der Experte.

 

 

 

Grünspargel

 

Mit der professionellen Erzeugung von Grünspargel beschäftigte sich Jürgen Schulze.

Grünspargel wird bei den Deutschen immer beliebter. Waren 2015 noch 9,5 Prozent der Spargeleinkäufe grün, so sind es 2019 bereits 13,7 Prozent. Doch nur 5,6 Prozent davon stammen aus Deutschland, der Rest ist Importware.

Der meiste Grünspargel wird bisher im LEH verkauft, bei der Direktvermarktung sieht der Spargelberater noch Potential.

Aufgrund des hohen Konkurrenzdrucks am Bleichspargelmarkt könne der Grünspargel eine Alternative oder auch Ergänzung sein, der Vielfalt am eigenen Stand ermöglicht und die Türen zu Händlern öffnet, die nur kombiniert Grün- und Bleichspargel nehmen.

Auch die Schwankungen der Erzeugermarktpreise sind beim grünen Spargel geringer als beim Bleichspargel.

Zudem eigne er sich für den Anbau an Grenzstandorten.

Grundsätzlich gelten aber ähnliche Standortanforderungen wie beim Bleichspargel. Da es zu hohem Druck mit Spargelkäfer kommen kann, sollte Grünspargel möglichst am Rand gepflanzt werden.

Allerdings ist Grünspargel oft anfälliger gegenüber Laubkrankheiten. Dem kann durch Tunnelanbau entgegengewirkt werden.

 

 

 

Direktvermarktung

 

Dr. Horst zum Eschenhoff sprach über seine Erfahrungen aus 20 Jahren Direktvermarktung. Bild: Kerstin Panhorst

Über seine Erfahrungen aus 20 Jahren Direktvermarktung mit Blick in die Zukunft referiert Dr. Horst zum Eschenhoff.

Der frühere LWK-Mitarbeiter aus Hemmingen sieht zwei Zukunftschancen für die Vermarktung: zum einen die Betriebe als gelistete Lieferanten des LEH, zum anderen als Vertrauenspartner von Privatkunden.

Der LEH sei vor allem für Betriebe mit großen Anbauflächen und großen Schlägen interessant, denen die Direktvermarktung zu teuer und zu aufwändig ist.

 

 

 

 

Allerdings sind die stark asymmetrischen Machtverhältnisse in den Geschäftsbeziehungen ein Nachteil, die Preise sinken und die Importware gewinnt immer mehr an Qualität und ist eine große Konkurrenz.

Um seinen Betrieb als Vertrauenspartner von Privatkunden zu etablieren, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden.

Die Produkte müssen nicht nur in bester Qualität und superbem Geschmack vorhanden sein, es muss auch eine moderne Inszenierung von Produkten, die es so nicht im Supermarkt gibt, erfolgen.

Ein gut geschultes Verkaufsteam, das die Betriebsidentität lebt, freundlich und hilfsbereit ist, ist ebenfalls unabdingbar.

Zudem muss ein Vertrauensverhältnis zu den Kunden aufgebaut werden. Dafür müssen deren Wünsche und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Im Gegenzug kann man sich so eine Community aufbauen.

 

Als Erfolgsfaktoren für die Direktvermarktung sieht Dr. Horst zum Eschenhoff:

  • Gute Standorte für die Stände
  • Begeisterte Mitarbeiter
  • Regionaler Familienbetrieb
  • Besonders bevorzugte Produkte
  • Gute Organisation und klare Strukturen
  • Emotionale Kundenbindung
  • Wenig Reibereien in Team und Familie
  • Eindeutige Betriebsphilosophie

 

 

 

Bodenverbesserungsmittel

 

Einen Praxisversuch mit einem Bodenverbesserungsmittel für mehr Wachstum in Spargeljunganlagen stellte Christine Müller vor.

Einen Praxisversuch für mehr Wachstum in Spargeljunganlagen stellte Christine Müller vor. Bild: Kerstin Panhorst

Die Mitarbeiterin des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten aus Kitzingen hat dafür das organische Bodenverbesserungsmittel Vivisol Minigran untersucht, das neben der organischen Substanz Bacillus-Arten enthält.

Die schnell abbaubare organische Substanz gewährleistet eine bessere Anwachsphase, zeigen ihre Versuche.

Nach dem 1. Standjahr wurde der Zuckergehalt in den Wurzeln und das Wurzelwachstum erheblich gefördert.

Auch der Stickstoffgesamtgehalt und Nitratgehalt in den Wurzeln wurde gesteigert.

Bei einer Gabe von 300kg/ha Vivisol wurde die größte wachstumsfördernde Wirkung im ersten und zweiten Standjahr erzielt.

Auch im zweiten Jahr spiegelte sich die Wachstumsförderung wider, der Ertrag und die Anzahl der Stangen konnten auch hier erheblich gesteigert werden.

 

 

 

 

Die nächsten Freckenhorster Spargel-Tage finden vom 8. bis 10. Februar statt.

Anfang Februar 2021 soll zudem auch eine neue zweitägige Tagung mit dem Schwerpunkt Heidelbeeranbau stattfinden.

 

Im Video ziehen Organisator Hinrich Niemann und LVHS-Bereichsleiterin Karin Ziaja ihr Fazit zur diesjährigen Veranstaltung.

 

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