Arno Ruffer, Fachanwalt für Steuerrecht, Geschäftsführer BSB Münster, setzte sich in seinem Vortrag mit dem Wegfall der Umsatzsteuerpauschalierung auseinander.

 

 

Statt in der Landvolkshochschule Freckenhorst mussten pandemiebedingt auch die 29. Freckenhorster Beerenobst-Tage in diesem Jahr online stattfinden. Mehr als 60 Teilnehmer ließen sich per Zoom über Neuigkeiten zu Anbau, Beschäftigung und Co. Informieren.
Auch wir waren dabei und haben einige der Vorträge besucht.

 

 

Aktueller Stand zu Arbeitsrecht, Sozialversicherung und Einreisebestimmungen

 

Marion von Chamier, Ass. jur., Geschäftsführerin d. Arbeitgeberverbandes der Westf.-Lipp. Land- und Forstwirtschaft e. V., Münster, gab einen ausführlichen Überblick über den aktuellen Stand zu Arbeitsrecht, Sozialversicherung und Einreisebestimmungen.

Im Hinblick auf die Corona-Bestimmungen empfahl sie aufgrund der wöchentlichen Änderungen bei Einreise, Anmeldung und Quarantäne je nach Einstufung des Herkunftslandes als Risiko-, Hochrisiko- oder Virusvariantengebiet einen regelmäßigen Blick auf die Webseite des RKI und für Informationen zu zugelassenen Impfstoffen auf der Seite des Paul Ehrlich Instituts.

Marion von Chamier hatte dabei zunächst gute Nachrichten: derzeit gibt es keine Virusvariantengebiete und eine Arbeitsquarantäne ist weiterhin möglich (endet nach 5 Tagen).
In einer Umfrage bei den Beerenobsttagen befürworteten viele Teilnehmer zudem eine gezielte Impfkampagne für Saisonarbeitskräfte, die bisher der Impfung oftmals kritisch gegenüberstanden.

Neben dem Thema Corona dominierte auch der Mindestlohn den Vortrag. Eine Erhöhung von den derzeit 9,82 Euro/Stunde auf 10,45 Euro zum 1. Juli ist beschlossen, ein Übergangstarifvertrag für die Landwirtschaft steht noch in den Sternen. Wann die Erhöhung auf 12 Euro kommt, steht laut Marion von Chamier nicht fest, die neue Regierung schweigt laut ihrer Aussage dazu. Allerdings steht in einem aktuellen Gesetzesentwurf und nach erst vor wenigen Tagen getätigten Aussagen von Minister Heil der 1. Oktober als Datum im Raum.

Ob eine befristete Verlängerung der Kurzfristigen Beschäftigung (70-Tage-Regelung) wie im vergangenen Jahr erneut möglich sein wird, ist noch ungewiss.

Kurzfristig beschäftigt werden können, darauf wies von Chamier mit Nachdruck hin, aber nur nicht berufsmäßig tätige Personen, bei denen die Beschäftigung eine untergeordnete wirtschaftliche Bedeutung hat.
Bei Beschäftigten aus dem Ausland wird diese Beurteilung nach Fallgruppen (Schüler, Studierende, Hausmänner etc.) vorgenommen.

Um sicher zu gehen, sollten sich Arbeitgeber einen Einkommensnacheis am besten auch von im Haushalt mit den Arbeitern lebenden Personen vorlegen lassen. Denn falls ein Haushalt nicht nachweisen kann, wovon er lebt, ist er in Deutschland als sozialversicherungspflichtig einzustufen.

Bei Studenten braucht es keinen Einkommensnachweis, dafür muss eine Immatrikulationsbescheinigung im Original in amtlicher Übersetzung vorliegen. Außerdem dürfen Studenten nur in den Semesterferien arbeiten bzw. nicht mehr als 20 Std pro Woche da sie sonst berufsmäßig arbeiten (Ausnahme: abends und am Wochenende).

Bei der Kurzfristigen Beschäftigung kann der Arbeitgeber inzwischen frei entscheiden, ob er die 3 Monate oder 70 Arbeitstage nutzt.
Wichtig: Es besteht eine Melde und Nachweispflicht der Arbeitgeber über Krankenversicherungsschutz der MA seit dem 1.1.2022.

 

 

Die Umsatzsteuerpauschalierung fällt weg – auch für mich?

 

Arno Ruffer, Fachanwalt für Steuerrecht, Geschäftsführer BSB Münster, setzte sich in seinem Vortrag mit dem Wegfall der Umsatzsteuerpauschalierung auseinander. In Deutschland habe man in den letzten 30 Jahren ein sehr bürokratiearmes System gehabt, in anderen europäischen Ländern allerdings nicht. Deswegen sei es zu Anzeigen aus Frankreich gekommen, die zu den heute laufenden Verfahren und der Änderung geführt haben.

Eine Pauschalierung ist nur noch möglich, wenn die Gesamtumsatzgrenze von 600.000 Euro netto jährlich nicht überschritten wird. Ruffer gab zu bedenken, dass der Umsatz dabei nicht auf die landwirtschaftlichen Umsätze beschränkt ist, sondern dass auch alle anderen Umsätze wie Miet- und Pachtumsätze oder auch Erlöse aus Stromverkauf aus PV Anlagen, Direktvermarktung etc. mit eingerechnet werden müssen.

Wer eine Pauschalierung trotz höherer Umsätze erhalten möchte, kann zu einer Aufteilung des Betriebs greifen. Allerdings müsse so eine Aufteilung auch tatsächlich und nicht nur auf dem Papier durchgeführt werden. Dies müsse vertraglich abgesichert und durch eine Trennung der Betriebsführung – es ist jeweils ein eigner Rechtsträger erforderlich – sichtbar werden. Außerdem muss nachgewiesen werden, dass die Motivation nicht steuerlich war, sondern die Aufteilung aus außersteuerlichen Gründen erfolgt. Ruffer rät dazu diese Gründe auch schon in die Präambel des Vertrags reinzuschreiben um den Grund für die neue Strukturierung bei einer Betriebsprüfung direkt sichtbar ist.

 

 

 

Was muss alles rund um den Anbau dokumentiert werden?

 

Mit einem Impulsvortrag läutete Verena Hersping, Beerenobstberaterin der LWK NRW, das Praxis-Forum: „Raus aus dem Doku-Dschungel: Habe ich den Überblick über meinen Betrieb?“ ein. Schon jetzt gibt es viele Dokumentationspflichten in den Betrieben und es werden gefühlt immer mehr, sagte Hersping. Die Gründe für Dokumentationen sind dabei so vielfältig wie die Möglichkeiten von deren Umsetzung.
Während viele Dokumentationen vom Gesetzgeber gefordert sind, sind andere Vorgabe der Vermarkter oder werden aus eigenem Betriebsinteresse vorgenommen.

Buchhaltung, Rechnungen, Lieferscheine, Qualitätssicherung, Lohnabrechnungen, Arbeitszeitdokumentationen oder Vorsteuer, aber auch die Schaffung von Transparenz für Kunden und eine Öffentlichkeitsarbeit sind Gründe für mehr oder weniger freiwillige Dokumentationen.

Beim Anbau liegen die Hauptaugenmerke auf Pflanzenschutz, Düngung und Saisonarbeit, auch Erträge oder Pflückleistung können dokumentiert werden, um den eignen Betrieb besser im Blick zu haben.

Beim Pflanzenschutz liegt der Fokus auf der Anwendung, Sachkunde, dem Erntebeginn und Wartezeiten sowie Lager- und Bestandslisten.

Verena Hersping gab Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Formen der Dokumentation (Handschriftlich, mit IT-Programmen/Geräten oder Ackerschlagkarteien) zu Bedenken, die von technischen Voraussetzungen über schlechte Lesbarkeit, preis, mobile Anwendbarkeit, Einarbeitungszeiten und Co reichten.

Eine Universallösung gibt es nicht. „Die Methode muss zum Betrieb passen“, sagte die Expertin bevor sie zum Austausch zu Erfahrungen, Umgangsstrategien und Ideen zum Thema in Kleingruppen (in Break Out-Rooms) einlud.

 

 

 

 

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