Mit dem Recycling von Folien beschäftigen sich derzeit viele Unternehmen und Verbände der Branche.                                                     Bild: Kerstin Panhorst

 

 

 

Ohne Folie geht es kaum noch.

Weniger Pflanzenschutzmittel und mehr resistente Schädlinge sowie Extremwetterlagen machen den geschützten Anbau meist unumgänglich.

Beim Export von Altfolien in Billiglohnländer wie China, Thailand oder Litauen sind aber die Frachtkosten höher, als der Erlös aus der sauberen Folie – nicht zuletzt, weil der anhaftende Sand dort nur deponiert werden kann.

Die Weiter- und Wiederverwendung der im Spargel – und Erdbeeranbau dringend benötigten Kunststofffolien ist in jedem Anbaubetrieb wichtig – zum Wegwerfen sind die Folien viel zu hochwertig.

Deshalb beschäftigen sich innerhalb der Branche zahlreiche Unternehmen und Verbände mit neuen Ansätzen zum umweltfreundlicheren Recycling der Folien und machen dabei große Fortschritte.

 

 

Entsorgung kann teuer werden

 

Die meisten Entsorger setzen eine Mindestmenge bei Abholung von Folien voraus.

Oft empfiehlt sich deshalb die gemeinschaftliche Entsorgung mit anderen Betrieben.

Normalerweise muss der Anbauer das zu entsorgende Produkt besenrein übergeben, was für viele einen großen Aufwand bedeutet.

Die Preise zur Entsorgung schwanken stark, eine Spargelfolie kann mehr als 150 Euro pro Tonne kosten, eine Tunnelfolie lässt sich schon unter 50 Euro recyclen.

 

 

Sonderkonditionen bei Verbänden

 

Einige Verbände bieten ihren Mitgliedern Sonderkonditionen an, so auch die Vereinigung der Spargelanbauer in Niedersachsen e.V. und der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE), die zusammen mit der AFA Nord GmbH günstigere Preise anbieten.

„Wir freuen uns, dass durch die Zusammenarbeit mit AFA- Nord ein schlagkräftiger Abnehmer von Verfrühungsfolien in den Startlöchern steht. Das Recycling von PE-Folien steht dort an erster Stelle.  
Damit können wir gegenüber der kritischen Öffentlichkeit nun belegen, dass die inländische Produktion nicht zu den oft zitierten „Plastikbergen“ führt, sondern die wertvollen Rohstoffe wieder verwendet werden“, sagt Simon Schumacher vom Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V.

„Wir hoffen, dass dies nur ein Anfang von vielen Lösungen ist und würden uns weitere Anbieter im ganzen Bundegebiet in für Folienrecycling wünschen. Der Bedarf ist da.“

 

 

Recycling weiter schwierig

 

Die Rückführung ausgedienter Folien in den Wertstoffkreislauf ist zwar vielen Landwirten ein Anliegen, aber nach wie vor schwierig.

Die Recycling-Nachfrage steigt und verschiedene Anbieter suchen nach Lösungen.

 

 

Rücknahmesystem ERDE

 

Das Rücknahmesystem ERDE (Erntekunststoffe Recycling Deutschland) wird von verschiedenen Agrarfolienherstellern unterstützt.

Gerade erst hat die IK-Initiative ERDE sich verpflichtet, 65 Prozent aller in Deutschland auf den Markt gebrachten Silo- und Stretchfolien bis zum Jahr 2022 zu sammeln und zu recyceln.

Bisher werden nur 25 Prozent der Silo- und Stretchfolien von ERDE gesammelt und recycelt.

Rund 70 Prozent dieser gesammelten Agrarfolien werden in Deutschland recycelt, die übrigen 30 Prozent im EU-Ausland.

Die gebrauchten Folien werden zu wertvollen Rohstoffen, unter anderem für neue Agrar- und Baufolien, Bewässerungsschläuche und Müllbeutel.

Das ERDE-System basiert auf einer Vielzahl von Sammelstellen, die von den Mitgliedern der Verbände des Agrarhandels und der Lohnunternehmen in Zusammenarbeit mit dem Systembetreiber RIGK GmbH aufgebaut wurden.

Landwirte und Lohnunternehmen leisten durch sortenreine Trennung von Folien sowie durch die Vorreinigung einen aktiven Beitrag zum Recycling.

 

 

Neues von Karl Moormann

 

Wer seine Folien selbst nicht reinigen möchte oder kann, wird bei Karl Moormann fündig. Für den Inhaber der AHV Holzverwertung ist es zwar nur eine Nebenbeschäftigung, doch mit seiner Maschine zum Folienrecycling hat er erste Erfolge erzielt und einige Aufträge abgewickelt.

„Das Verfahren ist für kleine Mengen noch zu teuer, deswegen haben wir extra eine Halle angemietet, in der wir die Folie von mehreren Spargelbauern sammeln und dann zusammen aufbereiten können“, erzählt Moormann.

 

 

Karl Moormann (links) erklärt seine Maschine bei der Interaspa praxis 2017. Bild: Heike Sommerkamp

 

Die Besonderheit bei Moormann ist, dass seine Maschine Erd- oder Sandanhaftungen, die mit der Folie hineingelangen, sauber voneinander trennt.

Der Erzeuger muss sie nicht wie bei anderen Recyclingkonzepten zuvor komplett reinigen.

 

„Ca 80 Prozent sind Mineralierung und 20 Prozent Folie, die Erde wird zu Mutterboden aufbereitet in einem Torfwerk das daraus Blumenerde recycelt. Die Folie geht zum Kunststoffrecycling an eine andere Firma“, erklärt Moormann.

 

 

 

 

 

 

Karl Moormann stellte seinen Lösungsansatz erstmalig auf der Interaspa Praxis 2017 vor. 

 

 

 

 

 

Eigentlich stammt er aus der Recyclingbranche – seine Schwester machte ihn auf das Problem der anbauenden Betriebe aufmerksam.

Ungefähr 1000 Tonnen hat Moormann inzwischen bereits gesammelt, die Nachfrage steigt.

Mit seiner Maschine ist die Aufbereitung von bis maximal 35 Tonnen in der Stunde möglich, die Geschwindigkeit ist abhängig von der Aufwicklung – ob kernlos oder auf einer Stange.

„Wir haben Anfragen aus ganz Deutschland, nehmen derzeit aber nur aus der Region an“, sagt Moormann.

Geplant ist zu expandieren, vier Standorte sollen auf Dauer in Deutschland eingerichtet werden, an denen die Folie gesammelt wird. „Wir würden dann mit der Maschine kommen und das Material aufbereiten. Bis auf 2 Prozent können wir alles recyclen und dem Kreislauf wieder zuführen“, erklärt Moormann.

Die von ihm aufbereitete Menge ist allerdings abhängig davon, wieviel der Wiederverwerter der aufbereiteten Folie abnimmt.

 

 

 

 

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