Substratsysteme. Foto: Tanja Dolic

Substratsysteme. Foto: Tanja Dolic


Geschützter Anbau wird in immer mehr Betrieben zum Usus. Wer sich dort für eine Substratkultur entscheidet, muss sich nicht nur mit der richtigen Fertigation, sondern mit einer weiteren Frage beschäftigen: Stellage, Substratdamm oder Foliensackkultur?

Bernd Möllers, Verena Hersping und Simon Schrey von der Landwirtschaftskammer NRW widmeten sich ausführlich diesen Themen – im Seminar über Fertigation einer Substratkultur im Beerenobst.

 

Substratsysteme

 

Prinzipielles

Grundsätzlich sei der Anbau einer Substratkultur mit einer Kulturschutzeinrichtung wie Gewächshaus, Regenkappe oder Folienhaus verbunden, erklärten die Referenten.

Bernd Möllers, Verena Hersping, Simon Schrey (v.l.), LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Bernd Möllers, Verena Hersping, Simon Schrey (v.l.), LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Nach ihren Erfahrungen von Versuchsstationen und Hofbesuchen nannten sie folgende Eckdaten zum Anbauverfahren für Erdbeeren:

  • Frigo, A+ oder Wartebeetpflanzen
  • 6 – 12 Pflanzen pro Meter
  • Reihenabstand 1,25 – 1,40 Meter
  • Tunnelbreiten 6,0 – 9,5 Meter, Stehwandhöhe 40 – 110 Zentimeter
  • Ein- oder mehrschiffige Tunnel, gut verschließbar, windstabil
  • Frühanbau: thermische Folie, Sommeranbau: diffuse Folie
  • Lüftung meist von Hand: aber Automatisierung nimmt zu

 

Systeme

Substratsysteme. Foto: Tanja Dolic

Substratsysteme. Foto: Tanja Dolic

Kistensystem, Rinnensystem oder Foliensackkultur? Ebenerdig, auf Stellage, aufgehängtem System oder Substratdamm?  – Möglichkeiten gibt es viele, wie Bernd Möllers aufzeigte.

Bei der Wahl des richtigen Systems sollten die Gegebenheiten vor Ort berücksichtigt werden. Die Wahl des Substrats ist stark abhängig von Kulturverfahren und -dauer, den Ansprüchen der Pflanzen, des Gießwassers und der Bewässerung, der Topfgröße, aber auch der Erfahrung des Anbauers.

Wichtigster Hinweis:

Vor dem Einstieg in eine Substratkultur zunächst die Wasserqualität analysieren lassen!

Nur wenn das zur Verfügung stehende Wasser (Brunnenwasser, Stadtwasser (Achtung: Entnahmerechte beachten), Regenwasser, Grundwasser, Oberflächenwasser) eine ausreichende Nährstoffbilanz und Qualität aufweist, lohnt sich die Investition in eine teure Substratkultur.

Mit einem praktischen Beispiel und einer kurzen Chemiestunde erklärte Simon Schrey die Notwendigkeit einer Gießwasseranalyse ausführlich und anschaulich.
Grund: Betriebsleiter sollen eine Gießwasseranalyse auch verstehen können, wenn sie die Ergebnisse erhalten.

 

Substrate

Substrat. Foto: Tanja Dolic

Substrat. Foto: Tanja Dolic

Substrat. Foto: Tanja Dolic

Substrat. Foto: Tanja Dolic

Substrate. Foto: Tanja Dolic

Substrate. Foto: Tanja Dolic

 

 

 

 

 

 

 

Torf, Weißtorf, Schwarztorf, Perlite, Kokos und Holzfaser – vor dem Kauf solle man sich gut über die verschiedenen Substrate informieren, erklärte Bernd Möllers.

Gut zu wissen:

  • Substrat sollte in der Regel feucht gehalten werden
  • Wenn sich das Wasser auspressen lässt, ist das Substrat in der Regel zu nass
  • Bei der Bestellung zirka 30% mehr Substrat bestellen, als Topfvolumen zur Verfügung steht – durch Andrücken benötigt man in der Regel mehr Substrat
  • Keine Herbizidanwendung (vor allem kein Glyphosat)
  • Substrat immer überdacht bzw. bedeckt lagern
  • Substrat immer schriftlich mit den gewünschten Anforderungen bestellen – und vorab ein Muster davon anfordern
  • Nach dem Pflanzen kurz angießen

 

Sollwerte, Grenzwerte des Gießwassers und Berechnung der Düngermenge

 

Verena Hersping, Beratung Beerenobstanbau LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Verena Hersping, Beratung Beerenobstanbau LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Die Düngung in einer Substratkultur ist hauptsächlich deshalb so enorm wichtig, weil im geringen Substratvolumen das Nährstoff- und Wasserspeichervermögen begrenzt ist.

Die Ernährung der Pflanzen findet also ausschließlich über die Düngung statt. Jeder Nährstoff muss der Pflanze gezielt zugeführt werden.

Die Vorteile dabei: Über die Steuerung der Nährstoffe lässt sich das Pflanzenwachstum gezielt beeinflussen.

Sollwerte – Wasserwerte = Düngung

Die Sollwerte des Nährstoffbedarfs variieren je nach Kultur, Entwicklungsphase und Sorte. Durch die Änderung der Sollwerte kann man gezielt Einfluss auf das Wachstum und die Fruchtqualität nehmen, erklärte Verena Hersping.

 

Tipp:
Die Kontrolle von EC-Wert, pH-Wert und Bewässerungshäufigkeit sollten täglich erfolgen – mit Messgeräten, aber auch durch Blickanalyse. „Schauen Sie sich Ihre Pflanzen an“, gab Hersping den Hinweis. Schnelltests für pH- und EC-Wert helfen bei der Optimierung der Düngergaben.
Mit diesen Kontrollen kann man auch gezielt gegen Wachstumsstörungen vorgehen.
Diese seien häufig durch falsche Bodenfeuchte oder eine längere Abweichung vom Soll-EC- oder -pH-Wert bedingt.

Die Steuerung der Bewässerungsintensität sei auch abhängig von der Drainwassermenge – eine tägliche Kontrolle und das Aufzeichnen der Tropf- und Drainwassermengen daher erforderlich, betonte sie.

Empfehlung: Der erste Bewässerungsdurchgang am Tag sowie an sehr heißen Tagen auch weitere, kann auch ohne Drain erfolgen.

Hilfreich bei der Fertigation:

  • mechanische Proportionaldosierer
  • elektrische Steuerung über Düngecomputer
  • Stammlösungsbehälter
  • druckkompensierende Tropfer mit Mikroschlauch und Spieß als Einzeltropfer
  • druckkompensierende Tropfschläuche

 

Probenentnahme

 

Probeentnahme. Foto: Tanja Dolic

Probeentnahme. Foto: Tanja Dolic

Simon Schrey führte im Praxisteil die richtige Entnahme von Gießwasser-, Substrat-, und Pflanzenproben vor.

Generell gilt:

  • Alle verwendeten Gegenstände sollen vor der Probeentnahme gründlich gereinigt werden.
  • Proben unmissverständlich beschriften: Zusatzangaben über die Kultur, den Entwicklungsstand etc. erleichtern die Interpretation der Untersuchungsergebnisse.
  • Proben schnellstmöglich verschicken – eine Lagerung bei Raumtemperatur verfälscht die Ergebnisse, und selbst eine kurzzeitige gekühlte Lagerung ist nur bedingt möglich.

 

Merke:

Fehler bei der Probeentnahme lassen sich im Nachhinein nicht durch eine sorgfältige Messung korrigieren.

 

Was kostet eine Substratkultur

 

Fachgespräche mit dem Publikum. Foto: Tanja Dolic

Fachgespräche mit dem Publikum. Foto: Tanja Dolic

Mit einer ausführlichen Kostenkalkulation veranschaulichte Bernd Möllers die Kosten für den Einstieg in eine Substratkultur.

Zusammengefasst:

  • Stellagen im geschützten Anbau bieten eine gute Möglichkeit, langjährig am gleichen Standort Erdbeeren in guten Qualitäten zu produzieren.
  • Die Gestehungskosten liegen im Vergleich zu bisherigen Verfahren sehr hoch. Deshalb sollte die Liquidität gesichert sein.
  • Das Verfahren im Substratanbau muss sicher beherrscht werden, um die nötigen hohen Erträge zu erzielen.
  • Die Produktionskosten sind zurzeit (noch) höher als im Freiland oder Wandertunnel. Daher ist eine betriebsindividuelle Kalkulation besonders wichtig.

Im Substratanbau kann man mit Durchkulturen oder Remontierern eine bessere Rendite erzielen: Aber nur wenn die Vermarktung passt.


 

 

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