Das Niedrigstwasser in der Elbe in Dresden im Jahr 2018 zeigt deutlich die zunehmenden Dürreperioden. Foto: André Künzelmann / UFZ

 

 

 

Die Temperaturen sind hoch, Niederschläge bleiben aus.

Auch der Sommer 2020 verspricht wieder ein Dürre-Sommer zu werden, in dem die Landwirtschaft um ihre Ernte und ihre Existenz zittern muss, während der Rest von Deutschland schwitzt.

Auch 2018 und 2019 waren schon Extremsommer. Die Häufigkeit und das Ausmaß außergewöhnlicher, aufeinanderfolgender Sommer-Dürren dürften aber bis zum Ende des Jahrhunderts in Mitteleuropa noch weiter zunehmen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht reduziert werden.

Das zeigt eine Studie unter Leitung von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ).

 

 

Zweijährige Dürre außergewöhnlich

 

Seit dem Frühjahr 2018 befindet sich ein großer Teil Europas inmitten einer außergewöhnlichen Dürre.

Ein deutsch-tschechisches Wissenschaftlerteam unter Leitung des UFZ hat nun die beiden Dürrejahre 2018/2019 in die Reihe langfristiger globaler Klimadaten der letzten 250 Jahre eingeordnet.

Dabei zeigte sich, dass es seit 1766 in Mitteleuropa keine zweijährige Sommer-Dürre dieses Ausmaßes gegeben hat.
Mehr als 50 Prozent des Ackerlandes war davon betroffen.

“Es ist wichtig, dass wir die Bedeutung von Dürren in aufeinander folgenden Jahren erkennen und einen ganzheitlichen Rahmen zur Modellierung des Risikos entwickeln”, betont Dr. Rohini Kumar, einer der Autoren, die Relevanz der Studie.

 

 

Vorhersage mit Klimasimulationsmodellen

 

Um vorherzusagen, wie häufig solche Dürren in den kommenden Jahrzehnten auftreten könnten und welchen Einfluss Treibhausgasemissionen darauf haben, nutzten die Autoren Klimasimulationsmodelle.

Die Auswirkungen zeigen sie anhand von drei Szenarien zukünftiger Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2100, den sogenannten “Repräsentativen Konzentrationspfaden” (RCPs).

Bis zum Jahr 2100 wird in der Forschung von einem mittleren globalen Temperaturanstieg zwischen 1,8 (mit einer Schwankungsbreite von 1,1-2,9) und 4,0 (mit einer Schwankungsbreite von 2,4-6,4) Grad Celsius ausgegangen.

Bei der Modellierung von Klimaszenarien, die den höchsten Anstieg der Treibhausgase bis zum Jahr 2100 annehmen (RCP 8.5), prognostizieren die Autoren eine Versiebenfachung der Anzahl zweijähriger sommerlicher Dürreperioden in Mitteleuropa in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts (2051-2100).

Die Projektionen legen auch nahe, dass sich die von der Dürre betroffenen Ackerflächen fast verdoppeln werden – auf mehr als 40 Millionen Hektar.

Nimmt man einen moderaten Anstieg der Treibhausgaskonzentrationen (RCP4.5) an, verringert sich die Zahl der zweijährigen Sommer-Dürren im Vergleich zum RCP 8.5-Szenario um fast die Hälfte und die davon betroffene Ackerfläche um 37 Prozent, prognostizieren die Wissenschaftler.

Werden niedrige Treibhausgaskonzentrationen (RCP2.6) angenommen, dann nimmt die erwartete Häufigkeit von zweijährigen Sommerdürren sogar um über 90 Prozent ab. Die Zahl der dürregefährdeten Ackerflächen verringerte sich entsprechend um 60 Prozent.

 

 

Weniger Treibhausgase mindern Dürrerisiko

 

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine wirksame Minderungsstrategie für die Emission von Treibhausgasen dazu beitragen könnte, das Risiko häufigerer und ausgedehnterer aufeinanderfolgender Sommer-Dürren in Mitteleuropa zu verringern.

Die Forschungsarbeit wurde im Rahmen des bilateralen Projekts XEROS (eXtreme EuRopean drOughtS: multimodel synthesis of past, present and future events) durchgeführt und durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Czech Science Foundation gefördert.

Weiterführende Forschungsarbeiten, die ein hydrologisches Modell auf der Grundlage von Bodenfeuchtigkeitsschätzungen (SMI-Index) verwenden, sollen diese Ergebnisse weiter konkretisieren.

 

Her geht’s zur Studie: Vittal Hari, Oldrich Rakovec, Yannis Markonis, Martin Hanel & Rohini Kumar: Increased future occurrences of the exceptional 2018-2019 Central European drought under global warming, Scientific Reports, https://www.nature.com/articles/s41598-020-68872-9

 

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