Der Spargeltag im Kongresszentrum in der Messe Karlsruhe stieß wieder auf großes Interesse. Bild: Kerstin Panhorst

 

 

Im Rahmen des Messeduos expoSE und expoDirekt hat das Regierungspräsidium Karlsruhe auch wieder gemeinsam mit dem Landratsamt Karlsruhe und dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer VSSE den 32. Spargeltag veranstaltet.

Wir waren dabei und fassen das Wichtigste aus den Vorträgen zusammen.

 

 

Pflanzung einer Spargelanlage auf Dämmen

 

Christian Befve. Bild: Kerstin Panhorst

 

Über eine Verbesserung von Frühzeitigkeit, Durchwurzelung und Drainage durch die Pflanzung einer Anlage auf Dämmen sprach Christian Befve.

 

 

 

 

 

Der französische Spargelberater stellte die Vorteile einer solchen Pflanzung in den Fokus:

  • Steigerung der Erträge durch das Angebot von möglichst viel gutem Boden zur Erhöhung der Wurzelmasse
  • Sicherung des Wasserabflusses bei starken Regenfällen
  • Schaffung von maximal viel lockerem Boden beim Dämmen
  • Förderung des Austriebs der Pflanze durch schnellere Erwärmung
  • Erleichterung der mechanischen Bearbeitung während der Vorbereitung
  • Erleichterung der Durchfahrt von Maschinen und Vollerntern
  • Verringerung oder Verhinderung des Hochwachsens des Rhizoms durch die tiefe Durchwurzelung im lockeren, belüfteten und entwässerten Boden

 

Bei dieser Art der Pflanzung spielt vor allem die Pflanztiefe eine große Rolle.

 

Bei einer erhöhten Pflanzung gibt es Christian Befve zufolge

  • Einen besseren Ertrag durch mehr Wurzelmasse aufgrund von mehr Volumen an gutem Boden
  • Verbesserte Frühzeitigkeit durch schnellere Erwärmung des Dammes
  • Verbesserten Wasserabfluss, da das vom Damm abfließende Wasser sich in der Gasse sammelt

 

Folgende Bedingungen müssen bei einer Anlage auf Dämmen erfüllt werden:

  • Verbreiterung der Gasse um ausreichend Boden für die Erstellung eines hohen Damms zur Verfügung zu haben
  • Vor der Errichtung des Damms die Gasse abgraben, um einen Teil des Bodens an den Fuß des Dammes zu bringen
  • Dammpflug in ausreichender Größe

 

Um eine gute Etablierung von Spargelanlagen auf Dämmen zu erzielen, bedarf es außerdem:

  • Einer Betrachtung des Bodenprofils bis zu einer Tiefe von 1,5m
  • Einer Bodenanalyse: 0 bis 0,40m und 0,50 bis 1,0m
  • Homogener, tiefer, gesunder Boden, möglichst weit vom Grundwasserspiegel entfernt
  • Einbringen des guten Oberbodens aus der Gasse in die Reihe
  • Spatenmaschine mit tiefer und homogener Einarbeitung von organischem Material zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit und der Mikroorganismen
  • Große Reihenabstände für höhere Rentabilität (verbesserte Durchlüftung/Sonneneinstrahlung, höhere Effizienz bei Behandlungen, bessere Zugänglichkeit, Einsparungen bei Erntearbeit etc.)
  • Kontrollierte Bewässerung
  • Klimamanagement

 

 

 

Freilandversuche zum Spargelanbau/ Bodenleben unter Folienabdeckung

 

Dr. Carmen Feller. Bild: Kerstin Panhorst

Den Einfluss verschiedener Bodenadditive im Nachbau und Untersuchungen zum Bodenleben unter Folienabdeckung stellte Dr. Carmen Feller vor.

Die Wissenschaftlerin am IGZ, dem Leibniz-Institut für Gemüse- und Zierpflanzenbau in Großbeeren, berichtete zunächst von den Auswirkungen verschiedener Additive in Feld- und Gefäßversuchen.

 

 

Zufuhr organischer Substanzen (Champost/Kompost)

  • Wachstumsförderung durch Gaben von ligninreichem Kompost und Champost nachgewiesen
  • Starke Wirkung durch Addition pathogen unterdrückender Mikroorganismen
  • Ergebnisse standortabhängig inkonsistent (Freiland)

Biofumigation (Senfmehl)

  • Nachgewiesene Hemmung bodenbürtiger Schadpilze (Freiland und Gefäß)

Inokulation mit nützlichen Mikroorganismen

  • Führte an Jungpflanzen zur Wachstumsförderung an Spargel in Nachbauböden (Freiland und Gefäß)

 

Fimonit (Tonminerale)

  • Verbesserung der Wachstumsbedingungen auf leichten Böden
  • Bildung stabiler Ton-Humus Komplexe und Förderung der Mikroorganismen (Freiland)

 

Bei den Gefäßversuchen gab es eine 125% höhere Biomasse bei Pflanzen in gedämpften verglichen mit unbehandeltem Boden (unabhängig vom Additiv), darüber hinaus zeigten die Additive keine signifikante Verbesserung des Wachstums. Es gab nachbaubedingte Wachstumshemmungen an den Standorten, ebenso eine Belastung v.a. mit Fusarium sp. und Phytium sp.

Bei den Feldversuchen (IGZ und Beelitz) war die Pathogen-Belastung im Boden mit einjähriger Anbauphase höher als in dem mit einer Anbauphase von 5 Jahren. Bei den Additiven war beim IGZ eine Steigerung des Ertrags v.a. durch Senfmehl und Micosat zu beobachten, in Beelitz waren positive Tendenzen für Champost erkennbar, aber nicht statistisch signifikant.

Bei den Sorten war außerdem im Vergleich mit Gijnlim und Ravel Ramires an beiden Standorten die schwächere Sorte.

 

 

Bodenleben und Folienabdeckung

 

Anhand von Bodenproben konnte nachgewiesen werden, dass durch Folienauflage weder das Bodenleben noch die Bodenfruchtbarkeit verschlechtert.

Aufgrund der veränderten Temperatur im Foliengedeckten Damm war unter schwarzer Folie teilweise eine signifikant höhere Fraßaktivität zu verzeichnen als im unbedeckten Damm
Unter weißer Folie war die Fraßaktivität oft niedriger.

Insgesamt konnte keine negative Auswirkung der Folie festgestellt werden.

 

 

 

Aktuelle Spargelversuchsergebnisse und -projekte vom Queckbrunnerhof

 

 

Joachim Ziegler. Bild: Kerstin Panhorst

Das gesamtbetriebliches Dammtemperaturmanagement in Bleichspargel mit der Folienmanager-App auf der ISIP-Plattform www.isip.de stellte Joachim Ziegler vor.

Der Leiter der Abteilung Gartenbau am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz erklärte die Nutzung des webbasierten Services zur schlagspezifischen Vorhersage von Bodentemperaturen unter den wichtigsten Foliendeckungssystemen im Bleichspargelanbau.

Dieses bundesweit verfügbare Flächenmanagement ermöglicht eine Kontrolle sämtlicher Folienflächen im Betrieb. Eine kostenlose Freischaltung ist seit diesem Jahr möglich, auch eine Stemphyliumprognose ist künftig damit möglich.

 

Erste Erfahrungen haben ergeben:

  • Hohe Übereinstimmung der Temperatur-Kurvenverläufe
  • Leichte Überschätzung der absoluten Werte bei der thermodynamisch besonders komplexen Dreifachbedeckung
  • Dammtemperatur Prognosen können nur dann gerechnet werden, wenn die DWD Wetterprognosen vor Ort vorliegen

 

Ziegler begleitet auch das Versuchswesen auf dem Queckbrunnerhof in Schifferstadt und hatte erste Ergebnisse zu Nachbauversuchen mit Grünspargel auf Lehmboden mitgebracht.

ASD Varianten

  • Rechtzeitiges Tiefspaten vor der Pflanzung erscheint sinnvoll
  • Varianten mit 5 und 20 t Herbie72/ha tendenziell gut
  • Negativbefund von Fusarium-Aktivitäten in Kontroll- und Maximalvarianten

Maßnahmen Wirkung im Pflanzjahr

  • Deutliche Wachstumsimpulse bei Ca+B-Kombinationen und Vivisol-Variante, gefolgt von MYC 2500/Bentonit-JP-Tauchbehandlung
  • kein Effekt auf 1. Ernte

Tauchbeizung Switsch

  • Positive Wachstumsimpulse auch auf jungfräulichen Standort, jedoch kein Mehrertrag
  • Sämtliche ASD-Varianten mit Switch-Tauchbeize

 

 

 

Phosphor – ein wichtiger Nährstoff und seine Optimierung im Spargelanbau

 

Dr. Ludger Aldenhoff. Bild: Kerstin Panhorst

Mit den Folgen von Über- oder Unterversorgung mit Phosphor beschäftigte sich Dr. Ludger Aldenhoff.

 

Der Spargelberater des Beratungsdienstes Spargel und Erdbeeren e.V. (BDSE) stellte die Wichtigkeit einer ausreichenden Phosphor-Versorgung im Spargel heraus:

  • Ein visueller Mangel ist selten, oft liegt ein „versteckter Hunger“ vor, der nur durch Wurzel- Bodenproben nachgewiesen werden kann.
  • Eine Phosphor-Aufnahme ist aber auch bei guten Bodengehalten nicht sicher, sie ist abhängig von vielen Faktoren wie pH-Ewert, Trockenheit, Schichten etc.
  • Deswegen rät Dr. Aldenhoff dazu, Immer mindestens 2 Bodenschichten zu beproben.
  • Nicht nur der Mangel, auch eine Überversorgung kann problematisch werden: Denn eine Phosphor Überversorgung führt zu Cu- und Zn-Mangel mit zahlreichen Folgeproblemen.

 

Einen wichtigen Tipp zur Düngung hatte der Spargelberater auch dabei: Der Einsatz von Kompost ist praktisch wieder machbar. In der bisherigen DüV war keine Anrechnung von Aufdüngung mit Phosphor in der Nährstoffbilanz möglich, aber seit 2021 ist keine Nährstoffbilanz mehr nötig, sondern ein Vergleich aller eingesetzten Dünger und Summe der Bedarfsermittlungen. Eine Düngebedarfsermittlung zur Vorbereitung im Spargelanbau ist deshalb möglich und gerechtfertigt.

 

 

Regenerative Landwirtschaft – Erste Erfahrungen im Spargelanbau

 

Robert Courth. Bild: Kerstin Panhorst

Von Erfahrungen mit regenerativer Landwirtschaft beim Spargelanbau im Rafzer Feld berichtete Robert Courth.

Der Rheinländer ist verantwortlich für die Anbauleitung des Rafzer Spargelhof (Jucker Farm AG) in der Schweiz.

Seit 3 Jahren arbeitet er dort mit Ansätzen der regenerativen Landwirtschaft.

 

 

Die 5 Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft kann der Betrieb im Spargelanbau aber nur bedingt umsetzen

  1. Biodiversität in und über dem Boden – Gründüngung und Weizensaat in den Zwischenreihen
  2. Minimale Bodenstörung – im Spargelanbau kaum zu erfüllen
  3. Dauernd durchwurzelter Boden – Spargel als Dauerkultur und Zwischenreihensaat
  4. Dauernd bedeckter Boden – Zwischenreihensaat
  5. Integration von Tieren – Düngung mit Terra Preta (bestehend aus Pferdedung, festem Gärgut, Pflanzenkohle, Gesteinsmehl, EM und Melasse)

 

Erste Erfahrungen mit regenerativer Landwirtschaft haben aber im Spargelanbau bereits zu positiven Ergebnissen geführt.

Der dauerhaft durchwurzelte Boden ermöglicht eine erhöhte Wasseraufnahme während der Stechperiode (z.B. bei Starkregen), eine bessere Befahrbarkeit während des Stechens mit den Spargelspinnen.

Dazu kommen eine Verhinderung von Bodenverdichtungen und Verschlämmung, ein verbesserter Humusaufbau und insgesamt eine bessere Durchwurzelung.

 

 

 

 

 

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