Extremwetter und Corona haben in diesem Jahr die Ernte maßgeblich beeinflusst.

Das zeigt sich auch im Erntebericht 2020, den das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft jetzt vorgestellt hat.

Grundlage des Berichts sind – anders als bei den bisher vorgestellten Ernteprognosen – die tatsächlich festgestellten Erträge der bisher ausgewerteten Probeflächen aus allen Teilen des Bundesgebiets.

Für diese repräsentative Ertragsermittlung werden jedes Jahr mehrere tausend Felder herangezogen.

 

 

Allgemeine Ergebnisse des Ernteberichtes 2020

 

Die Ernte 2020 ist erneut unter schwierigen Witterungsbedingungen herangewachsen – es gab teilweise wieder Schäden durch Wetterextreme.

Aufgrund der Corona-Pandemie fand und findet die Ernte unter veränderten Rahmenbedingungen statt.

Hiervon sind die handarbeitsintensiven Sonderkulturen – also Gemüse, Obst, Wein und Hopfen – stärker betroffen als die Ackerkulturen.

Witterungsbedingte Schäden gab es in diesem Jahr vor allem durch Spätfröste im April und Mai, eine ausgeprägte Frühjahrstrockenheit und einen regional immer noch anhaltenden Mangel an Bodenfeuchtigkeit.

Die Hitzewelle Anfang August verursachte zudem Sonnenbrand bei Obst und Trauben.

 

 

Ernteergebnisse Obst und Gemüse

 

Bei Obst und Gemüse fällt die Ernte fast durchweg geringer als im Vorjahr aus.

Dies ist einerseits auf Ertragseinbußen infolge von Spätfrösten und Trockenheit zurückzuführen, andererseits auf das Fehlen von Erntehelfern aufgrund der Corona-Situation.

Die stark steigende Verbrauchernachfrage während des Lockdowns führte zeitweise zu einem starken Preisanstieg. Die Versorgung war jedoch jederzeit gesichert.

Die Gemüsepreise sind inzwischen unter das Vorjahresniveau gesunken, nachdem sich die Nachfrage wieder normalisiert hat.

 

 

Kleinere Spargelernte wegen Flächenrückgang und Corona

 

Hinsichtlich der Anbauflächen ist Spargel die wichtigste Freilandgemüseart in Deutschland, gefolgt von Kohlgemüse, Möhren/Karotten und Speisezwiebeln.

Bis zum Jahr 2018 wurden die Spargelflächen (Summe aus im Ertrag stehenden Flächen und Junganlagen, die noch nicht beerntet werden) kontinuierlich ausgeweitet bis auf rd. 28 500 ha; dies war nahezu eine Verdoppelung gegenüber dem Jahr 2000.

Dieser Trend setzte sich nicht fort, nachdem 2018 die Erzeugerpreise stark eingebrochen waren. Die im Ertrag stehende Spargelfläche nahm 2019 im Vergleich zum Vorjahr um knapp 2 % ab und verringerte sich nach den vorläufigen Angaben aus der Gemüsevorerhebung in diesem Jahr nochmals um knapp 5 % auf rd. 21 900 ha. Dieser doch recht deutliche Rückgang in der Erntesaison 2020 muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Flächen nicht mehr produktiv sind und nicht anderweitig genutzt werden. Möglicherweise wurden sie – zumindest teilweise – in diesem Jahr wegen fehlender Arbeitskräfte und/oder Absatzmöglichkeiten nicht beerntet.

Aus einigen Regionen wurde zudem berichtet, dass die Erntequalität (Stangendicke) unter der Trockenheit der Vorjahre und des Frühjahrs gelitten habe und auf den betroffenen Flächen die Ernte schon vor dem offiziellen Saisonende am 24. Juni beendet worden sei.

Wegen Corona fiel die Gastronomie als Hauptabnehmer von Spargel in dieser Saison weitgehend aus. Dafür flossen deutlich größere Mengen in den Absatz an Privathaushalte.

Berichten zufolge verbuchten Wochenmärkte, Hofläden und mobile Verkaufsstände spürbare Nachfragezuwächse. Wegen der knappen Arbeitskräfte setzten einige Betriebe sogar auf die Alternative „Spargel selber stechen“.

In der Saison 2020 wurde nach den vorliegenden vorläufigen Angaben insgesamt rd. 106 400 t Spargel geerntet. Damit fällt die Ernte um 19 % geringer aus als im Vorjahr.

Mit rd. 26 500 t (-5 % gegenüber 2019) wurde der meiste Spargel in Niedersachsen gestochen, gefolgt von Brandenburg mit rd. 19 100 t (-12 %) und Nordrhein-Westfalen mit rd. 18 600 t (- 17 %). Besonders starke prozentuale Rückgänge der Erntemengen gegenüber dem Vorjahr waren in Bayern mit 33 % und in Baden-Württemberg mit 26 % zu verzeichnen.

Aufgrund der verringerten Erntemengen kam es in der Spargelsaison trotz der fehlenden Nachfrage aus der Gastronomie nicht zu Überangebotsphasen.

Die Erzeugerpreise lagen höher als im Vorjahr; allerdings standen diesen auch höhere Kosten im Zusammenhang mit den Corona-Schutzmaßnahmen gegenüber.

 

 

Erdbeeren: geschützter Anbau nimmt zu

 

Die Erdbeersaison 2020 wurde geprägt durch höhere Produktionskosten (bedingt durch Corona-Auflagen), geringere Erntemengen und eine gute Nachfrage.

Zulegen konnte vor allem die Direktvermarktung. Auch die Selbstpflücke stieß wieder auf größeres Verbraucherinteresse und bot manchen Betrieben eine Möglichkeit, auf den Erntehelfermangel zu reagieren.

Die Erdbeerernte im Freiland wird auf rd. 99 000 t geschätzt und dürfte damit um 13 % geringer ausfallen als im Vorjahr bzw. um gut ein Viertel niedriger als im Durchschnitt der letzten sechs Jahre.

Neben den Ertragseinbußen durch Spätfröste und Trockenheit im Frühjahr, die regional die Blüten schädigten, wirkt sich die weitere Abnahme der ertragsfähigen Anbaufläche im Freiland auf bundesweit 10 800 ha (-7 % gegenüber 2019) aus; dies ist die geringste Fläche seit 2003.

Während im Freiland die Erdbeerernte ihren Höhepunkt überschritten hat, ist noch bis zum Herbst heimische Ware aus geschütztem Anbau (z. B. Folientunneln) verfügbar. Die unter diesen Produktionsbedingungen erzeugten Mengen werden erst im Herbst mit der Gemüseerhebung erfasst und das Gesamtergebnis der Erdbeerernte im kommenden Jahr veröffentlicht.

Wie schon seit längerem in der Erdbeererzeugung zu beobachten, wächst zum Schutz vor Hagel- oder Regenschäden und anderen negativen Witterungseinflüssen (z. B. Sonnenbrand) sowie vor Schädlingen auch bei anderen Obstarten seit einigen Jahren die Bedeutung des geschützten Anbaus.

 

 

Strauchbeeren zunehmend nachgefragt

 

Der Anbau von Strauchbeeren, die aufgrund ihres positiven Gesundheitsimages zunehmend nachgefragt werden, wurde auch im vergangenen Jahr wieder ausgeweitet, allerdings nicht mehr so stark wie in den Vorjahren.

Bundesweit werden auf rd. 9 400 ha verschiedene Strauchbeerenarten kultiviert. Ein Drittel dieser Fläche entfällt auf Kulturheidelbeeren.

Wegen der besonderen Bodenansprüche (niedriger pH-Wert) der Sträucher konzentrieren sich zwei Drittel der Heidelbeeranbauflächen in Niedersachsen.

Eine besonders kräftige Anbauausdehnung, allerdings von niedrigem Ausgangsniveau, erfuhren zuletzt die Aroniabeeren, die vor allem in Brandenburg und Sachsen angebaut werden.

Da die Ernte von Strauchbeeren mit hohem Handarbeitsaufwand verbunden ist, benötigen die spezialisierten Betriebe viele Saisonarbeitskräfte und mussten sich mit den Corona-bedingten Auflagen arrangieren.

Offizielle Ernteergebnisse aus der diesjährigen Strauchbeerenerhebung werden Anfang 2021 vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Bei den meisten Beerenarten dürfte die Ernte 2020 schwächer ausfallen als im Vorjahr.

So gab es bei den Aroniabeeren in den Hauptanbaugebieten massive Frostschäden, die teilweise zum Totalausfall geführt haben.

In den Heidelbeerplantagen wurde teilweise ein verringerter Fruchtansatz bedingt durch Alternanz beobachtet, und es gab regional auch Schäden durch Spätfröste und Hagel.

Vor diesem Hintergrund gehen Marktbeobachter davon aus, dass die letztjährige Rekordernte um 20 bis 30 % unterschritten werden könnte.

Gemäß der AMI-Saisonvorschau, einer Befragung der wichtigsten Erzeugermärkte, wird auch bei Johannisbeeren und Himbeeren von einer geringeren Erntemenge als im Vorjahr ausgegangen.

 

Den gesamten Erntebericht gibt es hier zum Download:
https://www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Landwirtschaft/Pflanzenbau/Ernte-Bericht/ernte-2020.pdf?__blob=publicationFile&v=4

 

Quelle: BMEL

 

 

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