In kurzen Videos erläuterten die LWK-Berater wie hier Ludger Linnemannstöns Ergebnisse aktueller Versuche.

 

 

 

 

Rundgänge über die Versuchsanlagen und persönliche Beratungsgespräche, aber auch die Ausstellung neuer Produkte und Anbauverfahren sind das Herz des Auweiler Tunneltags.

Doch auch die alle zwei Jahre stattfindende Veranstaltung der Landwirtschaftskammer NRW konnte in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie leider nicht in gewohnter Form vor Ort stattfinden. Stattdessen gab es eine digitale Version.

Wir waren dabei und haben uns virtuell umgeschaut.

 

 

 

Alles (fast) wie immer

 

Eine erste Veränderung gab es gleich zu Beginn – auch wenn diese nichts mit der Pandemie zu tun hatte. Statt des erkrankten Ludger Linnemannstöns begrüßte sein Kollege Simon Schrey die Besucher an den Bildschirmen und führte als Moderator durch die Veranstaltung.

Und das gleich zweimal, denn aufgrund der großen Nachfrage gab es den Tunneltag gleich doppelt in einer Nachmittags- und einer Abendversion.

 

 

Berichte zur aktuellen Situation

 

Als erstes berichteten Albert Nordmann (Norddeutschland), Uli Herm (Rheinland) und Markus Litterst (Südwesten) über die aktuelle Situation bei Erdbeeren in ihren verschiedenen Anbauregionen.

Generell, so die Experten, hätten die Pflanzen die späten Fröste und den Wintereinbruch im Februar gut überstanden. Durch Doppelabdeckungen im Freiland und ständiges Auf- und Zudecken habe das Blattwerk allerdings stark gelitten.

Dennoch erwarte man keine großen Einbußen bei der Erntemenge. In Tunnel und Gewächshaus sieht die Lage gut aus, alle Regionen verzeichnen eine gute Streuung der Ernte durch unterschiedliche Anbauverfahren.

 

 

Rundgänge virtuell

 

Auch in der Online-Version mussten die bis zu 120 Teilnehmer pro Veranstaltung nicht auf einen Rundgang verzichten.

Statt einer physischen Tour gab es diesmal kurze, vorproduzierte Videos von den einzelnen Standorten der Versuchsanpflanzungen mit Fachinformationen zu Themen wie Verfrühter Anbau von Erdbeeren, Erdbeersorten, Stellagenkultur, Anbau und Sorten bei Himbeeren, ökologische Produktion, Anbau von Heidelbeeren und Haskap oder Nützlingseinsatz bis hin zu einem Überblick über die verschiedenen auf dem Markt befindlichen Tunneltypen.

Wir geben einen kleinen Einblick in einige der Vorstellungen:

 

 

Frühsorten im Vergleich

 

Zuerst nahm der im Video noch gesunde Ludger Linnemannstöns die Zuschauer mit in einen Verfrühungstunnel.

Mit ca. 1 Woche deutlich später als in den Vorjahren sei die Sorte Flair dieses Mal erntereif geworden. Glorielle habe sich gut entwickelt und erweist sich als interessant für Direktvermarkter, da ihre Fruchthaut zwar weich sei, der Ertrag und die Größe aber gut.

Spannend könnte auch die Sorte 34207C von Kraege werden, die sehr schöne, feste und stabile Früchte hervorbringt, bisher aber nicht durch einen hohen Ertrag auffiel.

Auch Clery kam in diesem Jahr einige Tage später zur Ernte, Rendezvous deutlich später.

 

 

Gewächshaus

 

In einem umgerüsteten Gewächshaus stellte Linnemannstöns diese Version des geschützten Anbaus vor. Generell sei in Gewächshäusern die Produktionskapazität begrenzt und man müsse vor allem die Statik genau prüfen, um herauszufinden, ob dort Stellagen gehängt werden oder zum Beispiel auch Verstrebungen herausgenommen werden können, um mehr Lichteinfall zu bekommen.

Derzeit herrscht im Gewächshaus in Auweiler eine Temperatur von 17° am Tag und 8° in der Nacht. Wichtig sei es, diese Temperatur langsam zu steigern und ab der Pflanzung im Januar über einen Zeitraum von 5 bis 6 Wochen hochzuheizen, um Streß bei den Pflanzen zu vermeiden.

Im Versuch sei die Sorte Rendezvous zwar deutlich früher erntebereit, brachte aber keine ausreichende Ertragskapazität, um das teure Anbauverfahren im Gewächshaus auszugleichen. Zudem zeigte sie sich anfällig für Mehltau.

Malling Centenary erwies sich hier als deutlich besser und mit beeindruckender Qualität – allerdings sollte darauf geachtet werden, das eine ausreichende Anzahl an Blütenständen pro Pflanze (mind. 4-5) vorhanden sind, um einen optimalen Ertrag von 4,5 bis 5kg pro Laufmeter zu erzielen. Auch Sonsation überzeugte mit schöner Fruchtfarbe und gutem Ertrag, war aber später erntereif und ist deshalb für den Frühanbau nicht so geeignet.

 

 

Nützlingseinsatz

 

Eine praktische Anleitung zum Nützlingseinsatz gab es in einem anderen Video. Raubmilben können als Streu- oder Tütenware ausgebracht werden. Gerade beim Streu ist es wichtig, am Anfang nicht zu viel Ware auszubringen, ca 100 Tiere pro Laufmeter sind empfohlen.

Da die Dosierung für Ungeübte nicht immer einfach ist, sollte man mit einer geringen Streuöffnung beginnen und bei Windstille arbeiten, um große Streuverluste zu vermeiden. Vor dem Ausbringen sollten die Streudosen etwas geschüttelt werden, um das Material zu lockern.

Bei Tütenware sollte zur Prophylaxe je eine Tüte auf zwei Laufmeter ausgebracht werden. Bei Befall kann dies auf 1 Tüte je Laufmeter erhöht werden.

Die Tüten sollten möglichst in die Blattschnüre gehängt werden und ihr perforierter Bereich nicht nass werden. Außerdem sollten sich die Blätter der Pflanzen berühren, um eine Übertragung auf die gesamte Kultur zu vereinfachen.

Bei länger gelagerter Ware empfiehlt sich vor Ausbringung ein Blick ins Innere mit Lupe oder Mikroskop (dafür gibt es auch Handy-Apps), um nachzuprüfen, ob noch Aktivität vorhanden ist.

 

 

Haskap

 

Die Haskap oder Blaue Heckenbeere ist bisher noch nicht weit verbreitet in Deutschland. Mit ihrem interessanten Geschmack, der je nach Sorte von süß bis bitter reicht und ihrem extrem hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt passt, sie aber gut in den derzeit stark nachgefragten Superfood-Trend.

Die Pflanze ist relativ anspruchslos, was die Bodenverarbeitung angeht und gedeiht bei ph-Werten zwischen 5 und 9. Sie ist außerdem anspruchslos, was den Pflanzenschutz angeht und deshalb sehr geeignet für den biologischen Anbau. Allerdings ist sie auf Fremdbestäubung angewiesen und muss mit einem Bestäubungspartner gepflanzt werden. Interessant ist hier z.B. die Kombination aus Boreal Blizzard und Boreal Beast als Bestäubungspartner, auch wenn beim letzteren die Früchte sehr weich sind. Wer sehr süße Früchte möchte, ist bei der Sorte Vicky gut bedient.

Das Erntefenster für Haskap beginnt Anfang Mai und reicht bis weit in den Juli hinein, allerdings muss, je später es wird, mit einem Befall von KEF gerechnet bzw. Gegenmaßnahmen müssen ergriffen werden. Ebenso empfiehlt sich gerade in kleineren Anlagen ein entsprechender Vogelschutz.

Zwei bis drei Ernten sind bei der Haskap generell möglich. Allerdings muss die Reife per Messung des Brix-Wertes (ca. 15 %) ermittelt werden, da die Blaufärbung alleine noch nichts über den Reifegrad verrät.
Eine Handpflücke ist nicht zu empfehlen, teilmechanische Pflückhilfen wie Schüttler aus der Oliven- oder Kaffeeernte funktionieren gut.

Da die Früchte nicht stabil auf der Ladentheke zu halten sind – ähnlich der Brombeere – ist die Haskap für die Direktvermarktung weniger geeignet.
Ihre Stärken hat die Haskap als Tiefkühlware oder als Produkt für die Vermarktung, unter anderem in Saft, Marmelade, in getrockneter oder Pulverform oder bei der Eisherstellung.

 

 

Chat mit Beratern

 

Im Anschluss an den Rundgang hatten die Teilnehmer noch die Möglichkeit sich mit dem Beratungsteam der Landwirtschaftskammer NRW zu verschiedenen Themen in Chat-Räumen auszutauschen.

Konkrete Fragen zu Erfahrungen und Tipps zu Erdbeersorten (Simon Schrey, Bernd Möllers), Anbautechniken bei Erdbeeren (Uli Herm), Anbautechniken und Sorten bei Himbeeren (Ulli Bußmann, Verena Hersping) und Strauchbeeren (Karl Schulze Welberg, Manfred Fischer) sowie Nützlingseinsatz und ökologischer Anbau (Steffen Finder, Andrea Sausmikat) oder Pflanzenschutz (Dr. Adrian Engel, Ralf Jung, Denise Helms) wurden in Kleingruppen beantwortet.

 

 

 

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