Der heiße Sommer 2018 hat bei vielen Landwirten massive Probleme verursacht. Mit der Beantragung von Dürrehilfen lassen sich die massiven Ernteverluste aber kaum ausgleichen.

 

Der Klimawandel und die globale Erwärmung bescherten Deutschland 2018 mit einer Jahresmitteltemperatur von 10,5 Grad Celsius das wärmste Jahr seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881.

Und auch in Zukunft muss mit trockenen, heißen Wetterperioden gerechnet werden.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) bietet deshalb künftig neue Langfristprognosen von Dürregefahren an, die durch ein neues Modell aus Wetterprognose und Berechnung der Bodenfeuchte bis zu sechs Wochen im Voraus Landwirte vor Dürre warnen können.

 

 

Tägliche Berechnung der Bodenfeuchte

 

Der DWD berechnet schon jetzt täglich die Bodenfeuchte für verschiedene Kulturen und Böden.

Die Karten zur aktuellen Bodenfeuchtesituation in Deutschland in der Schicht 0 bis 60cm unter Graswerden sind für die zwei Standardbodenarten lehmiger Sand (leichter Boden) und sandiger Lehm (schwerer Boden) berechnet.

Die Bodenfeuchte ist der Wassergehalt der oberen Bodenschicht. Sie bezeichnet das Wasser, welches durch hygroskopische und kapillare Kräfte entgegen der Schwerkraft in den oberen Bodenschichten (0 bis 2 m) festgehalten wird.

 

 

Wetterextreme bleiben

 

Der Trend der Erwärmung ist global ungebrochen. Stabile Wetterlagen mit lang andauernden Niederschlagsdefiziten werden mit dem fortlaufenden Klimawandel wahrscheinlicher, und künftig muss häufiger mit Dürre in Deutschland gerechnet werden.

„Es ist also ausgesprochen wichtig für unsere Bauern, sich an den Klimawandel und häufigere Wetterextreme wie Dürre anzupassen. Der Deutsche Wetterdienst ist dabei ein langjähriger Partner. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Wäre die Dürre des Jahres 2018 mit der Technik von heute vorhersagbar gewesen, können Dürren künftig prognostiziert werden?“, fragte sich Prof. Dr. Paul Becker auf der Klimapressekonferenz des DWD in Berlin.

Der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes stellte auf der Konferenz eine neue Langfristvorhersage vor, die Landwirten bis zu sechs Wochen im Voraus die Bodenfeuchte vorhersagt und über potentielle Dürregefahr informiert.

„Ich bin optimistisch, dass die Landwirtschaft damit künftig Ertragsausfälle vermindern und ihren Ressourceneinsatz gezielt steuern kann–zum Beispiel in dem sie Dünger dann ausbringt, wenn noch ausreichend Feuchtigkeit für seine Aufnahme im Boden vorhanden ist. Ein weiteres Beispiel ist der gezielte Einsatz von Pflanzenschutzmaßnahmen, welche an die bevorstehende Witterungssituation angepasst werden können“, sagt Becker.

 

 

DWD bietet nach erfolgreichem Test demnächst Dürreprognose an

 

Klassische Wettervorhersagen decken in der Regel einen Zeithorizont von bis zu maximal zwei Wochen ab.

Als Grundlage dient dabei die Erfassung des aktuellen Zustands der Atmosphäre zu einem bestimmten Zeitpunkt.

Allerdings pflanzen sich kleinste Fehler beim Anfangszustand bei der schrittweisen Berechnung des künftigen Wetters immer weiter fort.

Dadurch wird die Vorhersagbarkeit immer schlechter, je weiter man in die Zukunft blickt.

Da es aber für die Landwirtschaft nicht unbedingt entscheidend ist, wieviel Regen vom Himmel fällt, sondern wieviel Wasser den Pflanzen im Boden zur Verfügung steht, wird diese unsichere Prognose um die Bodenfeuchte ergänzt.

Denn die Bodenfeuchte ist eine sich nur langsam verändernde Speichergröße.

„Unsere Annahme war: Die Trägheit des Bodens könnte bei der Vorhersage von Dürren für 3 bis 6 Wochen im Voraus vorteilhaft sein. Um diese Hypothese zu überprüfen, haben wir die 6-Wochen-Vorhersagen mit unserem Bodenwasserhaushaltsmodell gekoppelt. Das Ergebnis ist erfreulich“, sagt Becker „Vergleicht man die Bodenfeuchtevorhersagen mit der tatsächlichen Bodenfeuchte, ist eine deutlich größere Übereinstimmung zwischen Vorhersage und Beobachtung als bei der Niederschlagsprognose erkennbar“.

 

 

Die Abbildung stellt die vorhergesagte (obere Reihe) und tatsächliche (untere Reihe) Bodenfeuchte dar. Die rote Farbe zeigt an, dass der Boden sehr trocken ist und die Bodenfeuchte einen für die Pflanzen kritischen Wert unterschreitet. Auch in den ockerfarbenen Bereichen ist mit Trockenstress zu rechnen. Je größer der Kreis ist, desto besser stimmt die Vorhersage mit den tatsächlichen Wertendes Bodenfeuchte (untere Reihe) überein. Quelle: DWD

 

 

Die im Juni 2018 in großen Teilen Deutschlands anhaltende Dürre hätte mit den heute verfügbaren Instrumenten den Ergebnissen zufolge schon Mitte Mai 2018 – also 6 Wochen vorher – mit guter Qualität vorhergesagt werden können.

Dadurch hätte man zwar nicht sämtliche Ertrags- und Qualitätseinbußen vermeiden, aber sich bei der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen frühzeitig auf die Trockenheit einstellen können.

Der wirtschaftliche Schaden wäre so wohl geringer ausgefallen.

„Deshalb werden wir unsere neue Sechswochenvorhersage für die Bodenfeuchte nach weiterer sogfältiger Prüfung so schnell wie möglich operationalisieren und der Landwirtschaft zur Verfügung stellen“, kündigte Becker bei der Konferenz an. Ein genaues Datum steht bisher nicht fest.

 

 

 

 

 

 

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