Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf die Frischfruchtbranche?

In einem von der Fruitnet Media International herausgegebenen und der Fruit Logistica gesponserten Sonderbericht wird erklärt, wie sich die Corona-Pandemie auf die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse, den Vertrieb, das Marketing und das Kaufverhalten auf den wichtigsten Verbrauchermärkten der Welt ausgewirkt hat.

Der 32-seitige Report kombiniert Analysen von Schlüsselakteuren der Frischfruchtbranche mit Einblicken von Fruitnets internationalem Expertenteam und enthält Nachrichten, Kommentare und Analysen zu drei Schlüsselbereichen – Märkte, Angebot und Logistik.

 

 

Lieferung wird schwieriger

 

Die Pandemie kann für die Frischfruchtbranche sowohl Chance als auch Risiko sein, heißt es im Bericht.
Die Frage, wie lange die Coronavirus-Krise noch andauern wird, sei dabei der entscheidende Faktor.

Die Nachfrage der Verbraucher nach Obst und Gemüse, prophezeit Autor Mike Knowles, könnte durchaus steigen, da gesundheitliche Bedenken das Kaufverhalten nach der Pandemie beeinflussen.

Aber die wirtschaftliche Depression könnte ebenso zu einem Rückgang führen.

In beiden Fällen wird die Lieferung dieser Produkte schwieriger aufgrund von Komplikationen bei Logistik und Transport, mangelndem Arbeitskräfteangebot für die Ernte und Verarbeitung von Produkten sowie verschiedenen anderen neuen Maßnahmen, die zu höheren Kosten führen.

 

 

Produktion wird teurer

 

In einer Anfang Mai vom Branchenverband Freshfel Europe veröffentlichten Einschätzung wird detailliert dargelegt, welche kurz- und langfristigen Auswirkungen die Krise auf sie und ihre Mitglieder hat. Dies ist vor allem durch die Eindämmungsmaßnahmen wie Reisebeschränkungen und soziale Distanzierung zurückzuführen.

Für Erzeuger und Verpacker machen Sofortmaßnahmen die Produktion und Lieferung von frischem Obst und Gemüse langsamer, schwieriger und teurer.

Für Logistikdienstleister und Distributoren ist der Zeit- und Geldaufwand für die Anpassung der Lieferketten bereits beträchtlich.

 

 

Online-Handel und Lieferservice als Alternative

 

Zugleich gab es während der Krise eine Verschiebung von der Gastronomie und dem Foodservice-Sektor in Richtung der Supermärkte.

Die Wiedereröffnung von Foodservice-Filialen, also von Geschäften, die einen Außer-Haus-Verkauf anbieten, bietet Unternehmen, die stark von diesem Vertriebskanal abhängig sind, einen Hoffnungsschimmer, aber sie bedeutet noch keine Rückkehr zur vorherigen Normalität.

Bis zur Entwicklung eines Impfstoffes könnten die Distanzierungsmaßnahmen weiter bestehen. Gastronomiebetriebe dürften inzwischen weiterhin nicht die volle Kundenzahl bedienen und müssten mit Umsatzeinbußen rechnen.

Viele Kunden scheuen auch noch vor Besuchen in Restaurants und Co. zurück.

Während Einzelhändler einen Anstieg der Online-Nachfrage verzeichneten, haben viele Foodservice-Betreiber deshalb auch neue Verbindungen zu Verbrauchern hergestellt.

Eine Lieferung nach Hause ist für immer mehr Supermärkte und Restaurants zur Alternative geworden, allerdings konkurrieren dort viele Unternehmen miteinander.

 

 

Versorgungsbasis könnte schrumpfen

 

Für diejenigen Produzenten und Händler, die mit neuen Beschränkungen zu kämpfen haben, werden die Herausforderungen nicht so schnell verschwinden.

Wie die Käufer, die geduldig vor Supermärkten warten, müssen sich auch Obst- und Gemüseunternehmen anstellen für das, was sie brauchen – Arbeiter, Transport, Verpackung, Kraftstoff usw. Und wenn sie an die Spitze dieser Warteschlangen kommen, werden sie auch mehr bezahlen müssen, heißt es im Bericht.

Die größte Gefahr bestünde dabei darin, dass diese höheren Kosten nie wirklich verschwinden.
Sie könnten gleich mehrere negative Auswirkungen zur Folge haben: einen eingeschränkteren Zugang zu Krediten, versäumte Zahlungen und ein Anstieg der Kosten für Betriebsmittel und Rohstoffe.

Die weltweiten Lieferanten von frischem Obst und Gemüse werden Zeit brauchen, um sich anzupassen.
In einigen Fällen wird die Versorgungsbasis schrumpfen, prophezeit Knowles.

Ein positiver Effekt könnte hingenen eine stärkere lokale, regionale und saisonale Versorgung sein.

 

 

Kostensteigerungen begrenzen

 

Noch ist unklar, was zum Beispiel mit Verpackungen passiert und ob langfristig eine größere Nachfrage nach vorverpackten Produkten besteht.

In Deutschland, so Stephan Weist, Direktor der Frischwarenkategorie der Rewe Group, habe das Unternehmen während der Sperrung keinen nennenswerten Anstieg der Nachfrage nach verpackten Artikeln festgestellt, aber anderswo scheint dies der Fall gewesen zu sein. Die Verpackungsunternehmen selbst sind davon überzeugt.

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird der Druck zum Recycling und die Investition in neue Verpackungsmaschinen zunehmen. Langfristig laufen Lieferanten, die keinen Weg finden, diese Kostensteigerungen zu begrenzen oder über Einsparungen oder Preiserhöhungen zu kompensieren, Gefahr, Marktanteile zu verlieren.

Mechanisierung, Automatisierung und Digitalisierung gewinnen mehr an Bedeutung, der Bedarf an stärker integrierten Lieferketten und Produktionssystemen ebenfalls.
Fusionen und Übernahmen werden in Zukunft größere Versorgungszentren und leistungsfähigere Dienstleister schaffen.

Es mag eine neue Normalität für das globale Frischwarengeschäft entstehen, heißt es als Fazit im Bericht, aber die alten Regeln für Angebot und Nachfrage werden den Markt weiterhin regulieren.

 

Den kompletten Bericht gibt es zum Download unter fruitnet.com/reports.

 

 

 

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