Die Situation auf deutschen Äckern spitzt sich zu.

Osteuropäische Erntehelfer kommen nicht mehr ins Land und die Ernte droht auf den Feldern zu verderben.
Britta und Kristian Wichmann wollen deshalb die Politik wachrütteln.

Die Betreiber des Hof Wichmann in Bassum haben einen offenen Brief an den niedersächsischen Landtag zur Situation der Saisonarbeit und den Vorschriften seitens der Kommunen verfasst.

Sie sehen weltweite katastrophale Folgen, verknüpft mit dem Ausbleiben der Ernte.
Von Kollegen gab es dafür große Zustimmung, von Seiten der Politik fehlt bisher eine Antwort.

 

 

Aktuelle Situation

 

Der Hof Wichmann baut auf 130 Hektar unter anderem Erdbeeren, Bleichspargel und Grünspargel an.

Über die Saison verteilt arbeiten normalerweise 400 Erntehelfer aus Polen und Rumänien auf dem Hof, in diesem Jahr sind erst 30 vor Ort.

„Ich weiß noch nicht mal, ob ich meine Stände oder Spargelhäuschen für die Direktvermarktung dieses Jahr überhaupt aufbauen soll oder direkt zu machen soll“, sagt Kristian Wichmann im Gespräch mit dem ErdbeerSpargelPortal.

 

 

Helfer aus Deutschland keine echte Alternative

 

Aus Osteuropa kann er derzeit keine Helfer bekommen, und die von vielen vorgeschlagenen deutschen Arbeitskräfte sieht er nicht als Alternative.
Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe liegen in ländlichen Regionen.

Schüler, Studenten, Asylbewerber und Kurzarbeiter haben aber meist kein eigenes Auto zur Verfügung, und der öffentliche Nahverkehr ist durch die Corona-Pandemie bereits eingeschränkt worden.

Viele Busse und Bahnen fahren nach Sonntagsfahrplan und somit definitiv nicht zu den für die Ernte typischen frühmorgendlichen Zeiten. Außerdem ist jede Nutzung des Nahverkehrs riskant.

Durch den großen Publikumsverkehr auf dem Hof erhöht sich zudem die Ansteckungsgefahr.

Während osteuropäische Arbeiter auf den Höfen leben und meist abgeschottet unter sich bleiben, würden deutsche Helfer täglich pendeln und könnten so das Virus auf dem Arbeitsweg, untereinander, auf den Höfen und in den eigenen Familien weiter verbreiten.

Über Portale im Internet bieten viele ihre Hilfe an, meistens sind es aber Studenten aus den Städten.

„Wenn das funktionieren soll, dann nur nach dem australischen Modell des Shoe-Pickings, bei dem jedes Jahr Studenten ins Land kommen. Dann müsste man zum Beispiel die Studenten in Hofnähe unterbringen, vielleicht in den derzeit geschlossenen Hotels, und die Politik müsste ihnen zusichern, deren Mieten in den Städten zu finanzieren, so lange sie sich auf dem Land aufhalten“, meint Kristian Wichmannn.

Um das Kontaktverbot einzuhalten, könnten bei einem Pendlermodell hingegen auch nicht allzu viele Menschen gleichzeitig bei der Ernte eingesetzt werden.

Den Mindestabstand von zwei Metern kann man auf dem Spargelfeld vielleicht noch einhalten, im Erdbeertunnel oder auf landwirtschaftlichen Maschinen wird das schon fast unmöglich.

Auch die logistische Organisation könnte schwierig werden.

„Unsere Erntehelfer wohnen am Hof und stehen für zwei bis drei Monate immer auf Abruf bereit. Kommt ein Regenschauer, können wir für zwei Stunden pausieren und danach weiterarbeiten. In den Pausen können sie sich in ihren Unterkünften aufhalten“ schreibt Wichmann.

Auch die Eignung der Helfer stellt er in Frage, denn viele Schüler sind noch minderjährig, und viele Arbeiten sind ihnen körperlich nicht zuzumuten.

„In den 90er Jahren, in denen wir 10% Arbeitslosigkeit hatten, wurde den Betrieben politisch auferlegt, deutsche Mitarbeiter bevorzugt einzustellen. Dieses Vorhaben ist gnadenlos gescheitert“, sagt Wichmann. „Und jetzt fehlen uns ja auch noch die Vorarbeiter, die ihnen zeigen können, wie es geht“.

 

 

Existenzen und Versorgung in Gefahr

 

Ohne die Saisonarbeiter sind die Existenzen vieler landwirtschaftlicher Betriebe in Gefahr, ebenso die Versorgung mit frischen Lebensmitteln.
Dadurch könnte es doch noch zu dem lange von der Politik bestrittenen Versorgungsengpass kommen, vor allem, da die Situation in Italien, Spanien und Frankreich auch nicht anders ist.

Da Deutschland aber über genug finanzielle Ressourcen verfügt, würde dann vermutlich aus anderen Ländern, aus Südamerika, Afrika und Indien, zugekauft.

„Das wäre eine humanitäre Frechheit. Wir würden in unserer europäischen Arroganz die Lebensmittel auf unseren Feldern verrotten lassen und sie denen weg kaufen, die sie selbst benötigen. Schon heute sterben täglich weltweit 24.000 Menschen den Hungertod, diese Situation würde sich noch verschlechtern,, wenn Europa und auch die USA verstärkt importieren“, sagt Wichmann.

Außerdem würde man dadurch noch mehr Menschen zur hungerbedingten Flucht aus ihrer Heimat zwingen.

 

Der Hof Wichmann ist nur einer von zahlreichen betroffenen Betrieben.

Wie sieht es bei Ihnen aus, wie gehen Sie mit der Situation um?

Schreiben Sie uns, diskutieren Sie mit! Die Stimme der Landwirtschaft muss gehört werden!

 

 

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