Wie funktioniert Carbon Farming, trägt es zur Klimaneutralität in der Landwirtschaft bei, und welche Rolle spielen dabei Humuszertifikate? Über diese und andere Fragen gibt Dr. Carsten Paul in einem Opinion Paper Auskunft. © Katharina Richter / ZALF

 

 

Die Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft lassen sich in absehbarer Zeit nicht auf null reduzieren. Um das europäische Ziel der Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen, müssen daher Maßnahmen ergriffen werden, die der Atmosphäre CO2 aktiv entziehen.

„Carbon Farming“ ist eine dieser Maßnahmen, doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Wie wirkt sich Carbon Farming aus, wie kann es finanziert werden, und was sind die Probleme mit den sogenannten „Humuszertifikaten“? Darum geht es in dem kürzlich erschienenen Opinion Paper von Dr. Carsten Paul, Wissenschaftler am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF).

 

 

Carbon Farming – Was ist das?

 

 

Böden haben ein großes Potential, durch die Erhöhung des Humusgehaltes mehr Kohlenstoff zu speichern und damit der Atmosphäre CO2 zu entziehen.  Landwirte können gezielt Maßnahmen ergreifen, um den Humusgehalt im Ackerboden zu erhöhen, also Carbon Farming betreiben.

Unter Carbon Farming versteht man eine Form der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, die darauf abzielt, die Menge des im natürlichen System gespeicherten Kohlenstoffs zu erhöhen, und dadurch der Atmosphäre CO2 zu entziehen.
 Dabei geht es hauptsächlich um den Erhalt von Kohlenstoff in organischen Böden (ehemalige Moorböden), bzw. um eine Anreicherung der Kohlenstoff-Vorräte in mineralischen Böden (alle anderen Böden). Bei organischen Böden ist hierzu ein Ende der Entwässerung und eine Umstellung auf eine an nasse Standorte angepasste Bewirtschaftung notwendig. Auch bei den mineralischen Böden ist gut bekannt, wie sich eine Erhöhung der Kohlenstoff-Vorräte bewerkstelligen lässt: Zu den besonders praxistauglichen Maßnahmen zählen der Anbau von
Zwischenfrüchten, das Belassen zusätzlicher Ernterückstände auf dem Feld, der Anbau von mehrjährigen und von tiefwurzelnden Kulturen, der Anbau von Leguminosen, das Anlegen von Hecken, sowie die Etablierung von Agroforstsystemen.

Oft wird in diesem Zusammenhang auch die pfluglose Bodenbearbeitung (no-till) genannt, allerdings ist die Wirksamkeit dieser Maßnahme für eine Steigerung des Kohlenstoffgehaltes umstritten. Zwar steigen bei pflugloser Bearbeitung die Kohlenstoffgehalte im Oberboden, das heißt in den oberen 30 Zentimetern, im Unterboden können sie dafür aber fallen. Ob über das ganze Bodenprofil betrachtet eine Kohlenstoffanreicherung erfolgt oder nicht, ist unklar.

Im Opinion Paper gibt Dr. Carsten Paul Einblicke darüber, wie Carbon Farming in der Praxis funktioniert und welche direkten und indirekten Vorteile sich daraus für die Landwirtschaft und das Ökosystem ergeben, aber auch, welche Schwierigkeiten damit verbunden sind.

 

 

 

Humuszertifikate – Was ist das?

 

 

Einen weiteren Fokus legt Carsten Paul auf Humuszertifikate: ein Geschäftsmodell, bei dem Landwirte über humuserhöhende Maßnahmen CO2-Zertifikate generieren, die als Emissionsausgleich an Unternehmen verkauft werden.

Humuszertifikate sind ein privatwirtschaftliches Geschäftsmodell, dass finanzielle Anreize für Carbon Farming bietet. Dabei schließen Landwirte für Flächen, auf denen sie die Kohlenstoffgehalte erhöhen möchten, einen Vertrag mit einem spezialisierten Unternehmen. Dieses erfasst die über einen festgelegten Zeitraum erfolgte Kohlenstoffzunahme im Boden, rechnet sie in CO2-Äquivalente um, und erstellt ein Zertifikat. Der Anreicherungszeitraum beträgt dabei in der Regel zwei bis fünf Jahre. Landwirte erhalten pro Tonne CO2-Äquivalent einen festgelegten Preis. Üblich sind in Deutschland aktuell Preise in der Größenordnung von 20 bis 40 Euro pro Tonne.

Der Klimanutzen dieses Ansatzes ist jedoch zweifelhaft, so Paul, stattdessen verweist er auf nachhaltige Alternativen zur Förderung von Humusaufbau und Humuserhalt.

 

Dr. Carsten Paul forscht am ZALF im Rahmen des BMBF-Forschungsprojekts “BonaRes – Boden als Nachhaltige Ressource für die Bioökonomie” zu Carbon Farming und Humuszertifikaten.

 

Hier gibt es das Opinion Paper zum Download.

 

 

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