Aufgrund der Covid-19 Pandemie konnte der Bruchsaler Erdbeertag in diesem Jahr nur online stattfinden.

Bis zu 250 Teilnehmer erfuhren in Form eines Webinars Wissenswertes für die nächste Saison.

Der Erdbeertag wird veranstaltet vom Regierungspräsidium Karlsruhe, Landratsamt Karlsruhe und dem Verband Süddeutscher Spargel-u. Erdbeeranbauer e. V. (VSSE).

Auch wir waren dabei und fassen die Vorträge noch einmal für alle zusammen, die leider nicht dabei sein konnten.

 

 

Umstellung eines Sonderkulturbetriebs im Hinblick auf die neue EU-Öko-Verordnung

 

 

Mit der Umstellung eines Betriebes auf Ökolandbau beschäftigte sich zunächst Dr. Georg Eckert.

Dr. Georg Eckert, ABCERT AG Esslingen Bild: Screenshot Bruchsaler Erdbeertag

 

Der Experte von der ABCERT AG Esslingen, einer der größten deutschen Kontrollstellen für die Öko-Zertifizierung, machte klar, das eine Umstellung kein probates Mittel ist, um aus einer Schieflage zu kommen: „Niemand rettet einen wirtschaftlich schlecht dastehenden Betrieb durch die Umstellung auf Öko-Landbau“.

 

 

 

In Deutschland werden derzeit auf ca. 350 ha Erdbeeren im Freiland unter Ökobedingungen angebaut. Die Nachfrage nach Bio-Erdbeeren steigt, allein 2019 kauften Verbraucher von Jahresanfang bis Mai 23 Prozent mehr Bio-Erdbeeren als im Vorjahr (Quelle: AMI).

 

 

Erste Schritte zur Umstellung

 

Wer seinen Betrieb auf ökologisch umstellen will, muss sich zunächst einem Zertifzierungspartner anmelden und einen Kontrolltermin vor Ort vereinbaren.

Der Anbauer muss bis zum Termin der Erstkontrolle

  • konventionelle Betriebsmittel und PSM entsorgen
  • Beratung suchen und Infos sammeln
  • Risiken und Gefahren einer möglichen Kontamination prüfen
  • Anbau planen (vor allem die Fruchtfolge)
  • Betriebsbeschreibung anfertigen
  • Übersicht über Flächen und Lager erstellen

 

Mit dem abschließenden Kontrollvertrag kann dann auch eine Meldung an die zuständige Behörde erfolgen.

Die Kosten hierfür richten sich nach der Größe des Betriebes und den gefundenen Abweichungen, die bei der Kontrolle entdeckt werden. Sie liegen z.B. zwischen 300 und 350 Euro bei einem Betrieb unter 0,5 ha und 600 bis 1000 Euro bei ca. 8ha.

Wichtig: Fördermittel für den ökologischen Anbau bekommt man nur, wenn der gesamte Betrieb umgestellt wird, nicht bei der Weiterführung eines parallelen konventionellen Anbaus auf bestimmten Flächen.

Wer in Substrat anbaut, kann keine Öko-Zertifizierung bekommen, denn die Pflanze muss eine Verbindung zum gewachsenen Boden haben. Dies ginge also nur, wenn sie im Topf mit Substrat an den Verbraucher verkauft würde.

 

 

Umstellung praktisch angehen

 

Für die Umstellung bedarf es folgender Anschaffungen/Maßnahmen

  • Bio- Pflanz-/Saatgut
  • Bio-Düngung
  • Bio-Pflanzenschutz
  • Bodenfruchtbarkeit aufbauen
  • N sammeln
  • Dokumentieren

 

Tipp: In der Datenbank organicXseeds werden alle aktuell in Deutschland verfügbaren und ökologisch vermehrten Sorten von Saat- und Pflanzgutunternehmen eingestellt.
Zusätzlich ist organicXseeds auch eine Plattform, um vegetatives Vermehrungsmaterial (außer Pflanzkartoffeln) anzubieten.

https://www.organicxseeds.de/

 

 

Geduld ist gefragt

 

Die Umstellung benötigt viel Zeit.

In den ersten 12 Monaten dürfen die Produkte nur als konventionell vermarktet werden, ab dem 13. Monat mit der Kennzeichnung „aus der Umstellung“.

Achtung: Für die Direktvermarktung ist dies kein Problem, aber die Umstellungsware lässt sich nur schwer an die Industrie verkaufen.

Ab dem 25. Monat (Pflanzung) kann die Kennzeichnung „Bio“ erfolgen, bei Dauerkulturen ab dem 36. Monat (Ernte).

 

 

 

Abbaubare Folien in den Sonderkulturen zwischen Anspruch und Wirklichkeit

 

 

Dr. Jürgen Bruder Bild: Screenshot Bruchsaler Erdbeertag

 

Mit abbaubaren Folien beschäftigte sich in seinem Vortrag Dr. Jürgen Bruder, der zudem das „Projekt Erde“ der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen e.V. vorstellte  ( siehe auch Beitrag Folienrecycling )

 

 

 

 

 

Bioabbaubare Folie wird in Deutschland derzeit fast ausschließlich bei den Mulchfolien eingesetzt.

Mulchfolien machen generell mit 5700 t den Großteil des Aufkommens von Agrarkunststoffen (insgesamt 27.500 t) für Sonderkulturen aus. 1500t dieser Mulchfolien bestehen bisher aus bioabbaubaren Folien.

Die globale Produktion bioabbaubarer Kunststoffe steigt aber derzeit an.

Bioabbaubare Mulchfolien haben schon heute einen Anteil von 30 Prozent, Tendenz steigend. Dies liegt auch an den gegenüber dem Einsatz von PE Folie niedrigeren Nebenkosten durch den Wegfall der Entsorgung und den Vorteilen für die Umwelt, da bioabbaubare Folien bei optimalem Handling keine Kunststoffemissionen verursachen.

 

Vorteile bioabbaubarer Mulchfolie

  • Kosteneinsparung für Abräumen (keine Saisonarbeitskräfte erforderlich)
  • Kosteneinsparung für Entsorgung
  • keine Akkumulation von Mikroplastik im Boden

 

Nachteile bioabbaubarer Mulchfolie

  • Höherer Preis als PE-Folie (Faktor 1,5 – 2 pro m²)
  • gelegentlich gibt es Probleme bei Verlegeeigenschaften oder Abbauverhalten

 

Besonderheiten

  • Befolgung der Anwenderhinweise, z.B. zum Verlegen oder Lochen wichtig
  • Bioabbaubare Folie ist stets dünner als PE-Folie
  • Geschwindigkeit des Abbaus ist von vielen Umweltfaktoren abhängig

 

Die Bioabbaubarkeit wird nämlich durch technische Faktoren ebenso beeinflusst wie durch die Art des Anbaus und Umweltfaktoren.

 

Technische Faktoren und Art des Anbaus

  • Polymerart sowie Foliendicke, Additive, Farbe
  • Bewässerung
  • Bodenvorbereitung
  • Kontrolle des Mulchens
  • mit Erde bedeckter Folienanteil

 

 

Umweltfaktoren

  • Klimaeinfluss (Regen, UV, Wind etc.)
  • Art der Sonderkultur (Zeit zwischen Pflanzung und Mulchen, physischer Folienkontakt)
  • Beschaffenheit des Bodens (pH, mikrobiologische Aktivität, Feuchtigkeit, Temperatur)

 

Eine Umstellung auf bioabbaubare Folien kann sich also lohnen und wird auch in Zukunft immer wichtiger, wie Dr. Jürgen Bruder sagt: „Der Einsatz bioabbaubarer Mulchfolien ist die aussichtsreichste Option, ein Einsatz von Mulchfolien aus ökologischer und ökonomischer Sicht langfristig zu gewährleisten“.

 

 

Mehr zum Erdbeertag und den Vorträgen gibt es demnächst in Teil 2.

 

 

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