Im April lancierten Forschende von Agroscope und der Universität Zürich das Citizen-Science-Projekt «Beweisstück Unterhose», jetzt wurden die eingegrabenen Hosen wieder ausgebuddelt. Ziel der Aktion ist es, die Bodenqualität schweizweit zu erfassen. Bild: Gabriela Braendle

 

 

 

Privatgärtner und Landwirte in der Schweiz vergraben Unterhosen und Teebeutel auf ihren Feldern, Wiesen und Beeten. Die Schweizer sind nicht etwa verrückt geworden – sie nehmen an einem wissenschaftlichen Experiment teil.

Forschende von Agroscope und der Universität Zürich haben das bislang grösste Citizen-Science-Projekt zur Erforschung der Bodenqualität in der Schweiz lanciert. Dabei soll die Gesundheit des Bodens systematisch erfasst werden. In der Schweiz ist es bislang das grösste Projekt seiner Art. Zwischen Genf und dem Engadin werden total 2000 Proben entnommen und Messungen gemacht.

Über eintausend Freiwillige haben dazu im April Unterhosen in ihren Gärten, Wiesen oder Äckern vergraben. Nun werden sie wieder ans Tageslicht geholt. Ihr Zustand offenbart, wie es dem Schweizer Boden geht.

 

 

Je zersetzter die Unterhose, desto gesünder der Boden

 

Dabei greift das Projekt mit dem Titel «Beweisstück Unterhose» auf eine etwas ungewöhnliche Messmethode zurück. Die ersten 1000 Anmeldungen bekamen ein Paket mit zwei Paar Baumwollunterhosen zugeschickt. Für alle weiteren Interessierten wird eine Anleitung zur Verfügung gestellt, wie man die Untersuchungen selbstständig durchführen kann.

Die Unterhosen werden auf dem Acker, der Wiese oder im Garten vergraben. Nach zwei Monaten werden sie wieder ausgebuddelt. Je schneller die Baumwollunterhosen abgebaut werden, desto mehr Lebewesen sind im Boden aktiv und desto gesünder ist der Boden. Dank des Projekts lassen sich viel mehr Daten erheben, als wenn die Wissenschaftler das alles alleine machen müssten.

 

 

Teebeutel mit Unterhosen vergleichen

 

Unterhosen werden bereits seit einigen Jahren in Kanada von Landwirten als einfacher Zeiger für die Bodengesundheit eingesetzt. «Doch bislang wurde nicht überprüft, ob diese Methode auch wissenschaftliche Standards erfüllt. Niemand weiss, wie genau sie ist und ob es tatsächlich eine klare Beziehung zwischen der Abbaurate der Unterhosen und der Bodenqualität gibt», sagt Projektvorsitzender Marcel van der Heijden, Ökologe bei Agroscope und der Universität Zürich.

Um das herauszufinden, vergraben die Teilnehmenden zusätzlich verschiedene Teebeutel. «Diese sind in der Bodenforschung gut etabliert. Man weiss, wie lange es geht, bis sich verschiedene Teesorten zersetzen. Das können wir dann mit der Baumwolle der Unterhosen vergleichen», sagt Franz Bender, Leiter des Projekts. Dazu werden die verrotteten Unterhosen fotografiert und digital ausgewertet. «Dadurch lässt sich der Zersetzungsgrad präzise feststellen», sagt Bender. Die freiwilligen Bürgerforscherentnehmen zudem eine Bodenprobe, welche dann zusätzliche Informationen über die Bodenqualität liefern kann.

 

 

Erste Ergebnisse

 

Zwei Monate haben die Unterhosen inzwischen im Schweizer Boden verbracht. Nun ist es an der Zeit, diese wieder auszugraben. Doch was da aus der Erde kommt, erinnert nur noch vage an Unterwäsche.

«Milliarden von Bodenlebewesen haben an jeder einzelnen Unterhose gefressen und den Baumwollstoff in neuen Humus und Nährstoffe für die Pflanzen umgewandelt», sagt Studienleiter Marcel van der Heijden von Agroscope und der Universität Zürich. Dabei gilt: umso hässlicher, desto besser. «Je zerfressener und unkenntlicher die Unterhose aussieht, desto aktiver ist das Bodenleben», erklärt Franz Bender, Koordinator des Projektes.

Die freiwilligen Helfer schicken die Überreste ihrer ausgegrabenen Unterhosen nun an Agroscope. Dort, im Labor, wird ihr Zersetzungsgrad anhand digitaler Scans genau gemessen. Ebenso werden die ebenfalls mitgelieferten Bodenproben analysiert. Besonders interessierte Laienforschende können im Labor an der Analyse sogar mitarbeiten. «Dank der Mitarbeit der vielen Freiwilligen schaffen wir es hoffentlich, ein umfassendes Bild der Qualität der Schweizer Böden zu erhalten», sagt Pia Viviani, Spezialistin für Citizen Science.

 

Je schneller die Baumwollunterhosen abgebaut werden, desto mehr Lebewesen sind im Boden aktiv und desto gesünder ist der Boden. Foto: Gabriela Braendle

 

 

Die wertvollste Ressource der Welt ist bedroht

 

Ohne den Boden wäre für uns Menschen das Leben auf der Erde nicht möglich. Boden ist die Grundlage für Nahrungsmittelproduktion und Rohstoffe, filtert Wasser und schützt vor Naturgefahren. Zudem ist er die Heimat von Billionen kleinster Lebewesen. Sie machen ein Viertel der weltweiten Artenvielfalt aus. Ihre Fülle und Produktivität zeichnen gesunde Böden aus.

Diese wertvollste aller Ressourcen ist jedoch weltweit stark gefährdet – auch in der Schweiz. Erosion, zu hoher Einsatz von Agrochemikalien und Überbauung verringern die produktive Bodenfläche jeden Tag. Weltweit wird jedes Jahr eine Fläche zweieinhalb Mal so gross wie die Schweiz so stark degradiert, dass auf ihr keine Landwirtschaft mehr betrieben werden kann.

 

 

https://www.beweisstueck-unterhose.ch/

 

 

 

 

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