Bernd Möllers, LWK NRW (oben links) und Stefan Kraege, 1. Vorsitzender Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe (mittlere Reihe links), begrüßten zahlreiche Referenten zum Seminar.

 

 

Der Landesverband Obstbau Westfalen-Lippe und die Landwirtschaftskammer NRW haben ein digitales Beerenobstseminar abgehalten.

Während es im ersten Teil um die Zukunft der Direktvermarktung, erfolgreiche Betriebswirtschaft trotz steigender Produktionskosten und um die Kalkulation von Preisuntergrenzen bei Beerenobst ging, widmet sich der zweite Teil der Zukunft der Saisonarbeit, chemischem Pflanzenschutz und aktuellen Versuchsergebnisse zu Anbau und Sorten.

Wir waren dabei und fassen das Wichtigste zusammen.

 

 

 

Saisonarbeit 2022, was kommt auf uns zu?

 

 

Einen Überblick über die aktuellen Corona-Bedingungen, Einreisebedingungen und Quarantänebestimmungen für Saisonarbeiter, sowie die 3-G-Regel am Arbeitsplatz, Testpflicht und Co gab Simon Schumacher.

Der Vorsitzende des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer e.V. (VSSE) stieg zunächst mit einem Überblick über die Umfrageergebnisse aus der Branche (Umfrageergebnisse) ein und gab dann einen Überblick über aktuelle Regelungen.

 

Quarantäne

Bei den neuen Quarantäneregeln (Stand 14.1.) müssen geboosteter Kontaktpersonen nicht mehr in Quarantäne
Für nicht dreifach Geimpfte endet die Quarantäne nach 10 Tagen
Ein Freitesten ist nach 7 Tagen mit PCR- oder Antigen-Schnelltest möglich

 

Einreise

Die Regeln der Einreise richten sich je nach der Einstufung des Herkunftslandes.
Derzeit sind Rumänien, Ukraine und Moldau keine Risikogebiete, eine Einreise ist für alle möglich, Ungeimpfte brauchen lediglich einen negativen Test.
Polen, Kroatien, Ungarn, Slowakei, Slowenien und Georgien sind derzeit Hochrisikogebiete, eine digitale Einreiseanmeldung ist für alle notwendig. Ungeimpfte brauchen zusätzlich einen negativen Test und müssen für 10 Tage in Quarantäne, eine Arbeitsquarantäne (5 Tage) ist hier möglich.
Bei Einreise aus einem Virusvariantengebiet ist für alle die digitale Einreiseanmeldung, ein Test und 14 Tage Quarantäne verpflichtend, eine Arbeitsquarantäne ist nicht möglich.

Digitale Einreiseanmeldung: www.einreiseanmeldung.de
Die aktuellen Einstufungen der Gebiete gibt es unter https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete_neu.html

Achtung: Die einzelnen Bundesländer können darüber hinaus eigene Quarantäneregeln aufstellen.

 

Rückreise

Auch bei der Rückreise gilt es einiges zu beachten, erklärt Simon Schumacher.

In Rumänien gilt beispielsweise Deutschland als rotes Gebiet, weswegen Rückreisende sich nicht nur Anmelden müssen, sondern sich als Geimpfte und Genese 5 Tage, als Ungeimpfte 10 Tage in Quarantäne begeben müssen. Ausgenommen von der Quarantäne sind vollständig Geimpfte oder Genesene, die einen höchstens 48 Stunden alten negativen PCR Test vorlegen können.

Bei einer Einreise nach Polen gibt es eine 10-tägige Quarantäne, außer man kann eine vollständige Impfung nachweisen durch einen in der EU zugelassenen Impfstoff, einen Nachweis über eine Erkrankung in den letzten 6 Monaten erbringen oder ein nicht länger als 48 Stunden zurückliegendes negatives PCR- oder Antigen-Testergebnis vorlegen (alles in polnischer oder englischer Sprache)

 

Testangebotspflicht

Arbeitgeber müssen weiterhin 2 kostenfreie Tests pro Woche anbieten. Die Kosten für die Tests trägt der Arbeitgeber, zur Dokumentation reichen die Rechnungen und eine formlose Liste, wer wann von wem getestet wurde. Alle Testformen (auch Selbsttests) sind erlaubt, in Bayern besteht allerdings eine PCR-Testpflicht für SAK.

 

3G Pflicht am Arbeitsplatz

Geimpfte und Genesene müssen ihren Arbeitgebern die Impfung/Genesung einmalig dokumentieren. Personen, die weder geimpft noch genesen sind, müssen täglich ihrem Arbeitgeber einen negativen Test vorlegen. Die Dauer der Testung ist keine vergütungspflichtige Arbeitszeit.
Wer dies verweigert kann nach Mahnungen gekündigt werden.

Um die Impfbereitschaft bei Saisonarbeitern zu erhöhen, empfiehlt Simon Schumacher die Schaffung finanzieller Anreize. Die Zahlung eines einmaligen Bonus ist für Arbeitgeber oft günstiger als die Bereitstellung der 2 vorgeschriebenen Tests pro Woche über die Dauer der Beschäftigung.
Auch könne man als Arbeitgeber Impftermine vereinbaren und einen Transport organisieren sowie Informationen zur Impfung in den jeweiligen Landessprachen bereithalten (diese finden sich u.a. unter https://netzwerk-spargelbeeren.de/dokumentenfinder/).

 

Lohnfortzahlung

Eine Lohnfortzahlung für ungeimpfte ohne Infektion und ungeimpfte Kontaktpersonen in Quarantäne muss der Arbeitgeber nicht leisten.
Für die Lohnfortzahlung an geimpfte/genesene Personen ohne Infektion in Quarantäne sowie für Infizierte muss der Arbeitgeber aufkommen.
Anträge unter http://www.ifsg-online.de/index.html
Allerdings ist für Personen, die ihre Beschäftigung erst aufnehmen, keine Entschädigung möglich. Dafür ist eine Anordnung des Gesundheitsamtes nötig.

 

Änderungen zum Jahreswechsel

  • Bei kurzfristig Beschäftigten muss die Angabe zum Krankenversicherungsschutz an die Minijobzentrale übermittelt werden
  • Bei Minijobs müssen Steuerdaten an Minijobzentrale übermittelt werden (Steuer-ID des Beschäftigten, Steuernummer Arbeitgeber und Art der Besteuerung)
  • Grenzüberschreitende Vermittlung von Arbeitskräften auf Kosten der Arbeitssuchenden nicht mehr möglich, Gebühren müssen von Arbeitgebern getragen werden
  • Automatische Rückmeldung von Vorbeschäftigungszeiten bei kurzfristiger Beschäftigung
  • Mindestlohn ab dem 1.1.2022 auf 9,82 Euro gestiegen, ab 1.7.2022 auf 10,45 Euro. Wann die Erhebung auf 12 Euro eingeführt wird, ist aktuell unsicher, geschätzt wird November 2022.

 

Beschäftigung von Personen aus Drittstaaten

Aus der Ukraine können weiterhin Ferienjobber und Praktikanten beschäftigt werden, durch den Konflikt mit Russland kommt es hier aber laut Schumacher derzeit zu Problemen.
Aus Georgien können über ein Antragsverfahren der Arbeitsagentur derzeit bis zu 450 Personen namentlich oder anonym angefordert werden, aus Moldawien bis zu 2000 Personen anonym.
https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/arbeitskraefte/informationen-arbeitsmarktzulassung

Aus dem Westbalkan steht ein Kontigent von 25.000 Personen zur Verfügung, diese werden per Losverfahren vermittelt.
„Planen sie gut, bereiten sie sich vor und haben sie Mut“, lautet die Devise von Simon Schumacher für die neue Saison.

 

 

Welche Zukunft hat der chemische Pflanzenschutz unter den aktuellen Entwicklungen?

 

Die Rahmenbedingungen für den chemischen Pflanzenschutz werden schlechter, befürchtet Dr. Adrian Engel von der Landwirtschaftskammer NRW. Die Notwendigkeit der Erntesicherung durch Pflanzenschutz wird von weiten Teilen der Bevölkerung und Politik nicht mehr erkannt. Die Auswirkungen der Nahrungsmittelproduktion werden nur negativ dargestellt im Gegensatz zu den negativen Auswirkungen von Urlaubsreisen, Elektroniknutzung und Mobilität. Ein Risikomanagement von Pflanzenschutzmitteleinsatz, so Engel, wird nicht zugelassen.

Auch die Verfügbarkeit wirksamer chemischer Pflanzenschutzmittel insbesondere der Insektizide nimmt national und auf EU-Ebene dramatisch ab, neue Wirkstoffe werden kaum noch zugelassen.
„Diverse wichtige Wirkstoffe fallen weg, neue Mittel sind nicht in Sicht, es muss mit schwächeren Alternativen gearbeitet werden“, resümiert Engel.

Deswegen sei es wichtig, jetzt die Vorteile lokaler Produktion gerade auch mit Hinweis auf CO2 Einsparung durch kurze Transportwege herausstellen. Mit mehr geschütztem Anbau und einem höheren Nützlingseinsatz sowie Rückgriff auf Produkte aus dem „Graubereich“ wie Grundstoffe und Biologicas könne man den negativen Rahmenbedingungen entgegenarbeiten.
Behörden müssten wieder zur Schaffung von Sonderwegen angeregt werden.

Der Experte warf zudem einen Blick auf die aktuelle Pflanzenschutzanwendungsverordnung, die Gesetzgebung zum Insektenschutz und auf aktuelle Änderungen von Zusatzstoffen, die aufgrund des neuen Pflanzenschutzgesetzes aus der Listung herausfallen.

Unter anderem beschäftigte Engel sich auch mit dem Thema Glyphosat. Von dem Verbot von dessen Anwendung sind alleine in NRW 30 % des Obstbaus betroffen. Das Verbot kann aber nicht aus Bewertung und Auflagen abgeleitet werden und muss juristisch geklärt werden, so Engel. Eine Anwendung wäre sonst nur im Einzelfall, wenn andere Maßnahmen nicht geeignet oder zumutbar sind, erlaubt. Eine Anwendung im Obstbau bleibt bei Begründung zulässig, aber nicht in Wasserschutzgebieten, Naturschutzgebieten und auf Streuobstflächen. Ein generelles Anwendungsverbot ist ab dem 1. Januar 2024 vorgesehen.

 

 

Aktuelle Ergebnisse von Sorten- und Anbauversuchen aus Köln-Auweiler

 

Einen Überblick über Frühsorten im Wandertunnel gab Simon Schrey von der Landwirtschaftskammer NRW.

Flair lieferte sehr frühe stabile Erdbeeren mit mittlerem Ertrag und gutem Geschmack. Manchmal waren die Früchte allerdings etwas dunkel, die Pflanze muss sorgfältig gedüngt und gewässert werden.

Glorielle wies eine ähnliche Reifezeit wie Flair auf. Sie lieferte homogene Früchte, zeigte einen schönen Glanz und ein ansprechendes Schalenbild. Sie liefert ähnliche Erträge wie Clery und mehr als Flair, zudem hat sie eine gute Fruchtgröße sowie einen guten bis sehr guten Geschmack.

Die neue Sorte Twist zeigte ein ähnlich frühes Erntezeitfenster wie Flair. Bei einem mäßigen Ertrag lieferte sie aber einen hohen Anteil an vermarktungsfähiger Ware und zeigte eine gute Fruchtgröße (über 21g). Im Freiland wird sie etwas dunkel und hat einen mittleren bis guten Geschmack.

Dahli zeigt sich als interessante neue Frühsorte mit einem vergleichbaren Erntefenster wie Clery. Gute Frucht Qualität, stabile Früchte und ein mittlerer bis guter Geschmack sowie ein ansprechendes Schalenbild mit schönem Glanz zeichnen die Sorte aus. Im Freiland wird sie etwas dunkler als im Tunnel und bringt ein ähnliches Ertragsniveau wie Clery.

Rendezvous zeigte sich als interessante neue Frühsorte mit einer ähnlichen Reifezeit wie Clery. Helle homogene Früchte, etwas weicher als Clery, rundliche Form mit schönem Glanz, sehr schönes Schalenbild und einen mittleren bis guten Geschmack liefert die Sorte. Allerdings kann es zu Problemen mit Mehltau kommen.

Verdi hat als mittelfrühe Sorte eine ähnliche Reifezeit wie Elsanta, liefert einen mittleren bis guten Ertrag mit einem guten Anteil Klasse 1 Früchten, einer langen Ernteperiode und flachem Ernteverlauf. Stabile Früchte mit guter Fruchtgröße, mittlerer bis guter Geschmack, teilweise etwas dunkle Früchte gehören zu ihren Eigenschaften.

Falco zeigt ein ähnliches Erntefenster wie Elsanta, liefert guten bis sehr guten Ertrag, einen hohen Klasse 1 Anteil und stabile Früchte mit schönem Glanz. Manchmal sind die Früchte etwas dunkel und die Erstlingsfrüchte sehr groß, danach konstantes Fruchtgewicht über die gesamte Erntezeit (deutliche Erntespitze).

 

Schrey stellte zudem einen Versuch zur Frühzeitigkeit von Clery in unterschiedlichen Kulturverfahren wie Wandertunnel mit und ohne Vlies, niedrige Substratrinne, Stellage. Doppelabdeckung und Freiland vor.

Mit und ohne Vliesabdeckung im Wandertunnel zeigte die Sorte einen ähnlichen Ernteverlauf und gleichen Ertrag. Ohne Vliesabdeckung war sie in der Erntemitte 1 bis 4 Tage später und zeigte ein deutlich verbessertes Fruchtgewicht. Schrey empfiehlt deshalb die Reduzierung der Vlies Abdeckung, z.B. nur auf Zeiten mit Frostgefahr.

  • Ergebnisse
    Bezogen auf die Erntemitte war der Wandertunnel 22 Tage vor Freiland, Erntebeginn war 32 Tage früher
  • Der Ernteverlauf der Terminkultur auf Stellage im Doppelfolienhaus war weitgehend identisch mit dem Ernteverlauf der Terminkultur in der niedrigen Substratrinne im Einfachfolienhaus.
  • Der höchste Ertrag wurde bei einer Terminkultur aus Stellage im Einfachfolienhaus erzieht
  • Ein Doppelfolienhaus könnte eine Alternative für den Anbau in einer niedrigen Substratrinne sein

 

Auch einen Versuch zum Ertragsverhalten unterschiedlicher Pflanzmaterialien bei der Sorte Favori stellte Schrey vor. Bei warm überwinterten Pflanzen startete die Ernte etwa 1 Woche früher, das Ertragsniveau in der ersten Erntewelle war geringer. Die nachfolgende Erntespitze (Mitte Juni) war 14 Tage früher als bei eingefrorenen Pflanzen.
Für einen gleichmäßigen Ernteverlauf, sagt der Experte, könnte es deshalb sinnvoll sein sowohl warm gelagerte als auch eingefrorene Pflanzen zu nutzen.
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