Rund 150 Teilnehmer kamen zum Beerenobstseminar nach Münster-Wolbeck.                                                               Bild: Kerstin Panhorst

 

 

 

Mit den Worten „Wir leben in einer Zeit, in der wir Landwirte schlagfertig sein müssen“ begrüßte Martin Dahlmann die rund 150 Teilnehmer des Beerenobstseminars in Münster-Wolbeck.

 

Martin Dahlmann, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NRW, begrüßte die Besucher. Bild: Kerstin Panhorst

 

Durch die Änderungen gesetzlicher Rahmenbedingungen, den Klimawandel und die damit bedingten Wetterextreme seien besondere Maßnahmen zum Schutz der Kulturen vonnöten, so der Vizepräsident der Landwirtschaftskammer NRW.

Einige solcher Schutzmaßnahmen, Tipps zum Umgang mit verschiedenen Krankheitserregern, Bewässerungstechniken, neuen Entwicklungen im Verpackungsgesetz und der Düngeverordnung sowie weitere interessante Themen fanden sich im anschließenden Vortragsteil wieder.

 

 

 

 

 

 

Schwarze Wurzelfäule im Beerenobst

 

 

Prof. Dr. Roland Weber (LWK Niedersachsen) referierte zunächst über „Die Schwarze Wurzelfäule im Beerenobst, eine Krankheit mit vielen Erregern“.

Während die Symptome der schwarzen Wurzelfäule schon seit geraumer Zeit bekannt sind, ist ihr Erreger bisher nicht eindeutig identifiziert worden.

Die Symptome bei Erdbeeren – rote Blätter, Kleinfrüchtigkeit, Wuchshemmung und Nekrose – sind meistens mit Stress durch Trockenheit und Staunässe verknüpft.

Als häufigsten und wichtigsten Erreger der schwarzen Wurzelfäule konnten Wissenschaftler des Obstbauzentrums Jork nun in Norddeutschland den Pilz Cylindrocarpon ausmachen.

Prof. Dr. Roland Weber, LWK Niedersachsen.                         Bild: Kerstin Panhorst

Dieser tritt an Erd- und Himbeeren auf, weist eine hohe Pathogenität auf und wird anscheinend auch mit Jungpflanzen eingeschleppt.

 

Roland Weber rät deshalb zu verschiedenen Kontrolloptionen, um eine Ausbreitung zu vermeiden. Da der Erreger im Boden verbleibt, sollten Jungpflanzen nicht in die Ausfalllöcher gesetzt werden: Eine Neupflanzung in Befallsherde führt zum schnellen Tod der Pflanzen.

Zudem empfiehlt sich eine Beprobung der Fläche auf Nematoden (Fadenwürmer), die Vektoren für bodenbürtige Schadenpilze sind und Krankheiten übertragen und ausbreiten können.          

Eine Möglichkeit zur Nematodenkontrolle könnte eine Zwischenkultur mit Tagetes sein.

Allerdings liegen hierfür noch keine Versuchsergebnisse für Erdbeeren vor.

Stress durch Trockenheit und Staunässe sollte vermieden werden; dann können sich unter Umständen sogar betroffene Pflanzen wieder erholen. „Eine befallene Fläche ist nicht unbedingt dem Untergang geweiht“, sagt der Experte.

 

 

Fungizidresistenzen bei Botrytis

 

In seinem zweiten Vortrag beleuchtete Prof. Dr. Roland Weber „Fungizidresistenzen bei Botrytis im Beerenobst, Status und Perspektiven“.

Derzeit ist eine Ausbreitung multi-resistenter Stämme zu beobachten.
Ein intensiverer Fungizideinsatz sei allerdings kein Wirkmittel dagegen, sondern verschlimmere die Situation. „Wenn multiresistente Stämme im Feld bereits vorhanden sind, reichert jedes Fungizid diese Stämme weiter an und wir bekommen umso höhere Resistenzanteile, je häufiger wir spritzen“.

Ein weniger häufiger Einsatz der Fungizide reduziert hingegen den selektiven Vorteil multiresistenter Stämme und bringt auf lange Sicht mehr Fungizidwirkung.

Zur nichtchemischen Kontrolle von Botrytis empfiehlt der Experte zudem

  • das Auspflücken und Entfernen befallener Früchte, vor allem zu Beginn der Ernte
  • moderate Düngung
  • einen ausreichenden Pflanzabstand
  • ausreichende Belüftung
  • Tropfbewässerung statt Überkopfberegnung

 

 

 

 

Erdbeermehltau

 

 

Keine große Rolle spielen Resistenzen hingegen beim Erdbeermehltau.
In seinem Vortrag „Erdbeermehltau 2018 – Besonderheiten und Konsequenzen für die Zukunft“ betrachtete Ralf Jung (PSD LWK NRW) zunächst die unterschiedlichen Auswirkungen des Pilzes bei verschiedenen Anbauarten.

 

Ralf Jung, PSD LWK NRW. Bild: Kerstin Panhorst

Im geschützten Erdbeeranbau ist ein deutlich frühzeitiger Befall gegenüber dem Freiland zu erkennen.

Im Freiland, wo der Erdbeermehltau sich zuerst an einer Wölbung der Blätter nach oben, kleinen roten Flecken und einer Sporenbildung auf der Blattunterseite zeigt, hat ein leichter Befall keine Auswirkungen auf Blüten und Fruchtbildung im nächsten Jahr.

Im geschützten Anbau ist ein Befall hingegen sofort massiv bemerkbar: Sporen drücken sich aus den Blättern heraus und befallen Blatt, Blatt- und Blütenstiel.

 

Ratsam ist es, bei Befall frühzeitig mit Mehltaubehandlungen zu beginnen und biologische Fungizide wie z.B. Kumar einzusetzen.

 

Besonders im vergangenen Jahr sei es durch die vielen Sonnenstunden im heißen Sommer vermehrt zu Mehltaubildungen gekommen.

„Echte Mehltaupilze sind Sonnenanbeter“ sagt der Experte.

 

 

Lohnt sich eine Stellagenkultur?

 

„Muss ich wirklich in die Stellagenkultur bei Erdbeeren investieren?“ fragte sich Ludger Linnemannstöns (LWK NRW) in seinem Vortrag.

Anhand eines Beispiels berechnete er die mit der Umstellung auf Stellage verbundenen Kosten für einen Musterbetrieb für remontierende Kulturen, Durch- und Terminkulturen.

Ludger Linnemannstöns, LWK NRW.                                    Bild: Kerstin Panhorst

 

Wichtig sei, sich bewusst zu werden, welche Erlöse in einem Betrieb tatsächlich in einem bestimmten Zeitraum auftreten, um eine Entscheidung pro oder kontra Stellage zu treffen.

„Ich glaube, dass es bei den remontierenden Erdbeeren richtig ist, umzustellen“, fasste Linnemannstöns zusammen.

Stellagenkulturen werden, prophezeit der Experte, in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen.

Die Investitionskosten und die Kapitalbindung sind aber erheblich, daher ist immer eine sorgfältige einzelbetriebliche Prüfung vor der Umstellung nötig.

Die Produktionskosten liegen, außer bei remontierenden Erdbeeren, auch bei weiter steigenden Löhnen vorläufig noch höher als bei einer Freilandproduktion.

 

 

 

Versuchsergebnisse zu einmaltragenden Erdbeersorten

 

Simon Schrey, LWK NRW. Bild: Kerstin Panhorst

 

Über aktuelle Versuchsergebnisse zu einmaltragenden Erdbeersorten referierte Simon Schrey.

 

Der Mitarbeiter der LWK NRW stellte unter Anderem folgende Sorten vor:

 

 

 

 

 

 

Für den Tunnelanbau:

  • Clery (Stabile Frucht, mittlerer bis guter Ertrag, durchschnittlicher Geschmack, robuste Pflanze, für Nachbau geeignet, aber empfindlich gegen Botrytis)
  • Rendezvous (Helle, homogene und stabile Früchte, rundliche Form mit schönem Glanz, schönes Schalenbild, guter Geschmack)

Im Bereich Freiland:

  • 10-50-01 von Flevoberry (Frühsorte, gute Fruchtqualität, mittlerer Geschmack, guter Ertrag und Klasse 1 Anteil)
  • Allegro (Robuste und wüchsige Pflanze, gut für Nachbau, gutes Aussehen und guter Ertrag mit gutem Klasse 1 Anteil, stabile und feste Früchte mit langen Fruchtständen, aber mittlerer Geschmack und eventuellen Problemen mit Colletotrichum)
  • Lola (stabile Früchte mit mittlerem bis gutem Geschmack, gutes Shelf-Life und schönes Schalenbild, Ertrag aber unterdurchschnittlich).

 

Außerdem stellte Schrey noch einen Vergleich vor, zwischen

  • Elsanta (Probleme im Klasse 1 Anteil und der Fruchtgröße)
  • Sonsation (Tiefsitzender Kelch, Fruchtgröße klein, zu weich)
  • Elegance (Geschmack eher flach, anfällig gegen Botrytis)

 

Im Bereich Stellage stellte Schrey zudem Alternativen zu Elsanta vor:

  • die neue Sorte Limalexia (Gutes Wachstum, guter Ertrag, wenig Krüppelfrüchte, mittlerer Geschmack, schöner Glanz, helles Fruchtfleisch, Fruchthaut etwas weich)
  • Opera (Gutes Wachstum, hoher Anteil vermarktungsfähiger Ware, große runde Früchte mit schön Glanz, teilweise etwas weiche Fruchthaut)

 

 

Gesicherte Wasserentnahmen

 

Vor allem im Hitzesommer 2018 hatten viele Produzenten Probleme mit der Bewässerung.

In seinem Vortrag „Wie komme ich an Wasser? Risikosteuerung durch gesicherte Wasserentnahmen“ beschäftigte sich Markus Staden (Kraege Beerenpflanzen) mit den Vor- und Nachteilen verschiedener Wasserquellen.

Markus Staden, Kraege Beerenpflanzen.            Bild: Kerstin Panhorst

Stadtwasser sei zwar sauber, immer vorhanden und habe keine Erschließungskosten, allerdings seien die Kosten sehr unterschiedlich, oft nicht genug Kapazität in der Spritze und mit Druckabfällen sowie hohen Auflagen zu rechnen.

Ein Regenrückhaltebecken böte hingegen Sicherheit und Planbarkeit, habe aber erhebliche Kosten für den Bau, die Beschränkung auf einen Standort, einen erhöhten Pflegebedarf auch wegen möglicher Algenbildung und den zusätzlichen Leitungsbau als Nachteile.

Oberflächenwasser sei hingegen schnell und flexibel und ohne Erschließungskosten nutzbar.
Eine Nutzung führe jedoch oft zur öffentlichen Diskussion z.B. mit Angelvereinen. Zudem ist es nur limitiert vorhanden, bringt oftmals Verunreinigungen mit sich und unterliegt strengen Auflagen.

Durch Brunnenwasser käme man dafür an sauberes, eigenes Wasser – an vielen Standorten mit kurzen oder sogar ohne Leitungen.
Dagegen stünden auf der Negativseite hohe Erschließungskosten, ein aufwendiges Genehmigungsverfahren und die Beschränkung auf eingetragene Flächen.

Gemeinsam mit Siegfried Elmer (Elmer Brunnenbau) stellte Markus Staden zudem die erforderlichen Schritte zum Bau eines Brunnens vor, von der Antragstellung über die Standortwahl, Probebohrungen, Wasserbedarfspläne bis zu verschiedenen Pumpen und möglichen Kosten.

 

 

Wasserbevorratung durch Speicherbecken

 

Siegmar Wolff, Siwoplan. Bild: Kerstin Panhorst

Die Wasserbevorratung durch Speicherbecken stellte Siegmar Wolff (Siwoplan) vor.

Der Experte erläuterte Gründe, die für ein Wasserbecken sprechen, und zeigte wichtige Schritte bei der Realisierung auf:

  • Entwurf und der Grundlagenermittlung
  • Genehmigungsplanung
  • Bauleitung und Erdarbeiten
  • verschiedene Varianten der Folienabdichtung und mögliche technische Ausstattungen (Befüll- und Entnahmeleitungen, Filter, Überlaufrohre, Einzäunungen sowie Bepflanzungen und Begrünungen).

 

 

Sonstige Themen

 

 

Leonie Hagenkamp, Landservice LWK NRW.                                       Bild: Kerstin Panhorst

 

 

Unter dem Motto „Das Verpackungsgesetz gilt: Anforderungen an die Betriebe“ fasste Leonie Hagenkamp (Landservice LWK NRW) noch einmal alle Fakten zur Systembeteiligungspflicht und zu den Lizenzkosten sowie zum Eintrag im Verpackungsregister zusammen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Verena Hersping, LWK NRW. Bild: Kerstin Panhorst

Über die „Anpassungen der Düngeverordnung: Was gilt 2019?“ referierte Verena Hersping (LWK NRW).

Sie fasste die Rahmenbedingungen für eine Düngebedarfsermittlung für verschiedene Kulturverfahren und auch deren Befreiung davon zusammen: z.B. Erdbeeren in geschlossenen Kulturverfahren oder bodenunabhängigen Kulturverfahren, in Gewächshauskulturen und stationären Folientunneln – wenn durch eine gesteuerte Wasserzufuhr die Nährstoffauswaschung verhindert wird.

 

 

 

 

 

In seinem Referat unter dem Motto „Erdbeeren, Himbeeren, Heidelbeeren; zusätzliche Anreize für die Kunden“ zeigte Volker Feiser (Spargelhof Feiser) zudem verschiedene Möglichkeiten zur Verkaufssteigerung in der Direktvermarktung auf.

 

 

 

Die Pausen nutzten die Teilnehmer zum ausführlichen Austausch.                                                                                                                     Bild: Kerstin Panhorst

 

 

 

 

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