Starker Andrang beim Beerenobstseminar des Landesverbandes Obstbau Westfalen-Lippe und der Landwirtschaftskammer NRW am 26.01.2017 in Münster-Wolbeck. Das Interesse an den zahlreichen Vorträgen aus Wissenschaft, Forschung und der Praxis war groß – der 1. Vorsitzende Stefan Kraege, Inhaber von Kraege Beerenpflanzen, freute sich bei der Begrüßung über zirka 200 Anmeldungen.

Publikum beim Beerenobstseminar Münster-Wolbeck

Publikum beim Beerenobstseminar Münster-Wolbeck

Kirschessigfliege und Thrips – die Kakerlaken im Erdbeeranbau?

Die Kirschessigfliege, Drosophila suzukii, ist für viele Anbauer ein Problem und kann zu erheblichen Ernteausfällen im geschützten Anbau führen.

Ein wirksames, zugelassenes Pflanzenschutzmittel ist bislang nicht verfügbar.
Deshalb raten Berater zur Einnetzung der Kulturen, um vor dem Schädling zu schützen.

Stefan Volgenandt, LVWO Weinsberg

Stefan Volgenandt, LVWO Weinsberg

Stefan Volgenandt von der LVWO Weinsberg berichtete über erste Versuchsergebnisse zum Mikroklima bei Volleinnetzung verschiedener geschützter Anbausysteme gegen die Kirschessigfliege.

Die Beeinflussung des Kleinklimas sei gering bis gar nicht gegeben, der klimatische Einfluss der Folienüberdachungen deutlich gewichtiger.

Die ideale Lösung ist die Einnetzung dennoch nicht, so Volgenandt: Zwar biete sie einen effektiven Schutz gegen die Kirschessigfliege.
Zeitgleich beobachtete man aber Probleme bei der Befruchtung und ein stärkeres Auftreten von Blattläusen und Spinnmilben.

Denn Einnetzungen halten nicht nur Schädlinge, sondern auch die Nützlinge von den Kulturen fern.

Die Folge: Fruchtdeformationen und mindere Fruchtqualität.

Der Rat: bei Einnetzung gezielt Nützlinge in den Kulturen einsetzen.

 

Erkennen – bestimmen – handeln

Ralf Jung, Pflanzenschutzdienst LK NRW

Ralf Jung, Pflanzenschutzdienst LK NRW

Sandra Nitsch, Planzenschutzdienst LK NRW

Sandra Nitsch, Planzenschutzdienst LK NRW

Gleiches gelte bei der Bekämpfung von Thripsen, insbesondere des kalifornischen Blütenthrips Frankliniella occidentalis, stellten Ralf Jung und Sandra Nitsch vom Pflanzenschutzdienst der LK NRW ergänzend fest.

Bei Thripsbefall, ist es besonders wichtig, umgehend die Art bestimmen zu lassen, um sofort geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Die heimischen Arten und der kalifornische Blütenthrips sehen sich so ähnlich, dass dies nur im Labor möglich sei.

Gegen die heimischen Thripsarten gäbe es wirksame, zugelassene Pflanzenschutzmittel. Auch der frühzeitige Nützlingseinsatz von Raubmilben sei effektiv.

Bei einem Befall mit F. occidentalis hingegen seien Nützlinge das einzige zur Verfügung stehende Mittel, wiederholte Sandra Nitsch.

 

 

Mehr zum Thema Thripse, Thripsbestimmung und Vorgehensweisen gegen Thripse sehen Sie in unserem Videointerview mit Ralf Jung vom Pflanzenschutzdienst LK NRW

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weitere Videos rund um Erdbeeren und Spargel gibt es auf unserem YouTube-Kanal

Einmaltragende Erdbeersorten

Ludger Linnemannstöns, LK NRW

Ludger Linnemannstöns, LK NRW

Ludger Linnemannstöns, Versuchsleiter Obstbau im Gartenbauzentrum Köln-Auweiler der Landwirtschaftskammer NRW, stellte diverse Versuchsergebnisse vor.

Rumba erwies sich im Freiland als sehr leistungsfähig.

Im Tunnel konnten die Sorten: Flair, Clery, Rumba und Malling Centenary überzeugen.

Zum Thema Pflückleistung konnte Linnemannstöns unter Berücksichtigung der verschiedenen Erdbeersorten und Kulturverfahren insgesamt festhalten:

Im Tunnel steigt die Pflückleistung. Angesichts steigender Kosten (insbesondere Lohnkosten) ein Faktor von zunehmender Bedeutung.

Versuchsübergreifendes Ergebnis:

bei verfrühten Erdbeersorten waren Ertrag, Fruchtgröße und Anteil der Klasse I Ware im Tunnel deutlich besser als in der Doppelabdeckung.

 

 

Seine Anbauempfehlungen

Der Vergleich verschiedener Erdbeersorten unter Berücksichtigung von Geschmack, Aussehen, Ertrag, Anteil Klasse I am Ertrag, Gesamtertrag und weiterer Faktoren ergab:

•    als frühe Sorten im Tunnel eignen sich beispielsweise Flair, Clery und Malling Centenary
•    im Freiland empfehlen sich unter anderem Flair, Clery, Rumba und Elianny
•    als mittelspäte Sorten eignen sich zum Beispiel Elsanta, Sonata und Elegance,
     als Spätsorten Faith (als Ersatz für Florence), Malwina, auch Susette könne man probieren.

Auf Publikumsfragen nach der Geschmacksvarianz der Malling Centenary erklärte Linnemannstöns, dass die geschmacklichen Unterschiede wohl standortabhängig sind.

In Zukunft könne sich das auf die Sortenempfehlung auswirken – man müsse die Sorte eben weiter beobachten.

Ergänzend erläuterte Stefan Kraege, dass Großbritannien nahezu vollständig auf Malling Centenary umstelle.

Erdbeeren werden dort jedoch zu 85-90 % im geschützten Anbau kultiviert und insgesamt sei die dortige Nachfrage zunehmend auf diese Sorte beschränkt – was die Vermehrer in Zukunft vor eine herausfordernde Aufgabe stelle.

Verbraucher aufklären – eine neue Imagekampagne

Jörg Disselborg, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obstbau

Jörg Disselborg, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obstbau

„Obst aus Deutschland“ heißt eine neue Kampagne, die Jörg Disselborg, Geschäftsführer der Bundesfachgruppe Obstbau vorstellte.

Sie dient der Imagestärkung des deutschen Obstbaus und richtet sich an Verbraucher. Ihr Ziel sei es, den Berufsstand in der Medienlandschaft besser darzustellen und auch eine schonungslose Transparenz zu schaffen.

Schließlich habe die Branche es leider „verschlafen“, die Bürgerinnen und Bürger in die moderne Landwirtschaft mitzunehmen, was mit-ursächlich für die enorm romantisierte Darstellung der Agrarbranche sei.

Die fehlende Aufklärung der Bürger über Technisierung, Pflanzenschutz, Tunnelanbau und weiteres werde jetzt mit der Kampagne aufgefangen und nachgeholt.

Journalisten nähmen die neue Anlaufstelle zur Informationsbeschaffung bereits sehr gut an, freute sich Disselborg.

 

 

 

Arbeitszeitfallen

Dr. Renate Spraul, Arbeitswissenschaftlerin

Dr. Renate Spraul, Arbeitswissenschaftlerin

Arbeitswissenschaftlerin Dr. Renate Spraul klärte über Arbeitszeitfallen im Erdbeeranbau auf.

Eine einfache Hochrechnung ließ das Publikum staunen:

Bis zu 3,7 Wochen Arbeitszeit könne es einen Betrieb pro Pflücker und Saison „kosten“, wenn der sogenannte „Übergabegriff“ (die Erdbeere wird beim Pflücken vor dem Ablegen erst von einer in die andere Hand gereicht) sich in den Arbeitsprozess einschleicht.

Um dagegen vorzugehen, lieferte Spraul nützliche und praxisrelevante Tipps rund um Suchen, Qualität, Pflückverfahren, Ergonomie und Ausrüstung sowie der Organisation im Feld.

 

 

 

 

 

 

Mehr zum Thema sehen Sie in unserem Videointerview

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Blütenknospenuntersuchungen

Jan-Niklas Berger, LK NRW

Jan-Niklas Berger, LK NRW

Jan Niklas Berger von der LK NRW stellte ein Verfahren zur Ermittlung von Anzahl und Qualität der angelegten Blütenstände in einer Pflanze anhand mikroskopischer Untersuchungen vor.

Für die Praxis haben seine Ergebnisse vor allem folgende Bedeutung:

Sowohl im Freiland als auch im geschützten Anbau könne mit dieser Methode eine ungefähre Einschätzung des Ertragspotentials und der Fruchtgröße getroffen werden.

Über die Ermittlung des Entwicklungsstands der Blütenanlagen könnten für Gewächshauskulturen sogar Empfehlungen zur optimalen Dauer des Nachheizens im Winter gegeben werden.

Für den Anbauer ganz wichtig:

Schon beim Pflanzenkauf kann er eine belastbare Ertragsprognose erhalten.

 

 

Betriebsvorstellung Erdbeerhof Aschentrup – Pflückkostenanalyse

Dr. Andreas Aschentrup, Erdbeerhof Aschentrup

Dr. Andreas Aschentrup, Erdbeerhof Aschentrup

Dr. Andreas Aschentrups Schlussfolgerungen zur Pflückkostenanalyse:

Abhängig von Sorte und Kulturverfahren ergaben sich Schwankungen in den Pflückkosten.

Vor dem Hintergrund steigender Lohnkosten gewinnen gut pflückbare Bestände an Bedeutung.

Dabei spielt die Sortenwahl eine Rolle: Bei bestimmten Sorten ist eine 30% schnellere Pflücke möglich.

Auch Faktoren wie Pflanzdichte, Rankenmanagement und Begrenzen des vegetativen Wachstums beeinflussen den Ertrag.

Außerdem empfahl er: „Finden Sie die Balance zwischen der Ertragsmaximierung und der Pflückkostenminimierung. 20% erhöhte Pflückleistung gleicht 20% Minderertrag aus“.

 

 

 

Mitarbeitermotivation in Zeiten des Mindestlohn – Böckmann Erdbeeren

Heinz-Adolf Böckmann, Böckmann Erdbeeren

Heinz-Adolf Böckmann, Böckmann Erdbeeren

Heinz-Adolf Böckmann empfahl nicht nur saubere Unterkünfte und regelmäßige gemeinsame Fahrten zum Einkaufen

– eigentlich das kleine Einmaleins eines Arbeitgebers –

sondern stellte auch fest:

„Ein gutes und abwechslungsreiches Freizeitangebot wird in Zukunft immer wichtiger werden“.

Darüber hinaus stellte er ein differenziertes Prämiensystem zur Leistungshonorierung vor.

Auch Low Performer erhalten auf dem Hof eine Chance, indem sie ausgiebige Nachschulungen erhalten.

Das Publikum belohnte Böckmanns Offenheit mit einer interessierten Diskussion.

 

 

 

 

Volker Janssen, Beerenobstbetrieb Frucht Janssen

Volker Janssen, Beerenobstbetrieb Frucht Janssen

Mit einem ausführlichen und detaillierten Einblick in den Beerenobstbetrieb Janssen durch Volker Janssen endete der Beerenobsttag bei anschließenden Gesprächen. 

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