Publikum Beerenobstseminar 2018 Münster-Wolbeck. Foto: Tanja Dolic

Publikum Beerenobstseminar 2018 Münster-Wolbeck. Foto: Tanja Dolic


Wie soll die kommende Saison ablaufen? Sind genügend qualifizierte Arbeitskräfte vorhanden und wenn ja, wie halte ich sie im Betrieb? Welche Sorten in welcher Kultur versprechen eine ertragreiche Ernte? Und: Muss gegebenenfalls die Pflanzenschutzstrategie angepasst werden?

Auf diese und weitere Fragestellungen gingen Experten in den Fachvorträgen beim diesjährigen Beerenobstseminar in Münster-Wolbeck ein.

 

Versuchsergebnisse zu Erdbeersorten und Pflanzmaterial – Ludger Linnemannstöns

 

Ludger Linnemannstöne, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Ludger Linnemannstöne, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Pflanztermine und Verfrühungsmöglichkeiten sind wichtige Aspekte beim Anbau von Erdbeeren – schließlich hängt auch davon eine ertragreiche Ernte ab.
Doch mit welchen Sorten, sollte man wie verfahren? Antworten dazu hatte Ludger Linnemannstöns, LWK NRW.

 

Versuchsergebnisse für die Sorte Malling Centenary auf einer Stellagenkultur

 

Bei einer hohen Pflanzdichte mit Frigo A Pflanzen könne man durchaus einen guten Ertrag erzielen, so Linnemannstöns.

Im Versuch ergab sich zudem ein Ertragsvorteil von zirka 30% gegenüber Wartebeetpflanzen.

Seine Prognose:
Eine wirtschaftlich optimale Pflanzdichte könnte bei etwa 30 Pflanzen pro Meter liegen.

Bei verschiedenen Pflanzmaterialien ergab sich:
Schwere Wartebeetpflanzen hatten den höchsten Ertrag.

Mittelschwere Wartebeetpflanzen sowie Traypflanzen ergaben dagegen keinen ausreichenden Ertrag.
Zudem gab es einen guten Zusammenhang zwischen gezählten und prognostizierten Blütenständen, wobei weitere Versuche nötig sind, um die Prognosesicherheit zu erhöhen.

Versuche mit Remontierern zeigten:
Herbstpflanzung und Verfrühung mit einem Wandertunnel sind weiter zu beobachten.

Mit der Sorte Florentina zeigte sich beispielsweise bei einer Pflanzung am 25. August ein 20 Prozent höherer Ertrag als bei einer Pflanzung am 8. September.

Ein optimaler Pflanztermin für remontierende Erdbeeren im Wandertunnel läge zwischen dem 20. bis 25 August.

 

Mangelware Fachkräfte – Was kann ich tun?

 

Hartmut Osterkamp, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Hartmut Osterkamp, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Hartmut Osterkamp, Arbeitnehmerberatung der LWK NRW, gab einen Überblick, wie man als Arbeitgeber attraktiv bleiben kann. Schließlich entscheidet die Arbeitgeberattraktivität darüber, wie erfolgreich ein Betrieb qualifizierte Mitarbeiter gewinnen und langfristig binden kann.

So galt der dringende Rat, sich mit steuer- und sozialversicherungsfreien Zahlungsmöglichkeiten auseinanderzusetzen.

Beispiele dafür sind:

  • Werkzeuggeld
  • Überlassung typischer Berufskleidung
  • Übernahme der Kosten eines Führerscheins
  • Computer- oder Handyüberlassung zu privaten Zwecken (wichtig: Arbeitgeber bleibt Eigentümer des Geräts)
  • Aufmerksamkeiten bis zu 60 € (einschließlich USt) bei persönlichen Ereignissen (Geburtstag o.ä.)
  • Sachbezüge bis 44 €/Monat

Wenn man gute Mitarbeiter habe, müsse man sich auch die Zeit nehmen, sich um diese zu kümmern:
Damit sie weiterhin bleiben und gute Arbeit leisten, riet Osterkamp.

 

Die neue Düngeverordnung

 

Verena Hersping, Beerenobstberatung LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Verena Hersping, Beerenobstberatung LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Eigentlich an den Belangen von Ackerbaubetrieben ausgelegt, stellt die neue Düngeverordnung gerade anbauende Betriebe mit Sonderkulturen vor besondere Herausforderungen.

Wichtige Neuerung:
Es muss eine schriftliche N- und P- Düngebedarfsermittlung vor dem Ausbringen des Düngers erstellt werden, erklärte Verena Hersping LWK NRW.

Der neuen Verordnung unterliegen Freilandkulturen mit und ohne Vliesabdeckung sowie Freilandkulturen im Damm oder Flachkulturen und Kulturen im Wandertunnel.

Bundeslandbezogen sind für Nordrhein-Westfalen derzeit Erdbeeren in geschlossenen Kulturverfahren, in bodenunabhängigen Kulturverfahren, Gewächshauskulturen und Kulturen in stationären Systemen von dieser Aufzeichnungspflicht gemäß der neuen Düngeverordnung befreit, WENN durch eine gesteuerte Wasserzufuhr die Nährstoffauswaschung verhindert wird.

Anhand von der LWK zur Verfügung gestellten Tabellen lässt sich die Bedarfsermittlung festhalten. Grundsätzlich sei zu bedenken:

Seit 2018 werden die maximal erlaubten Überhänge um jeweils 10 kg abgesenkt.

 

Wie geht es weiter ohne Basta?

 

Karl Schulze Welberg, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Karl Schulze Welberg, LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Die Aufbrauchfrist für das nichtselektive Blattherbizid mit Kontakt- und teilsystemischer Wirkung Basta ist seit dem 30.6.2017 abgelaufen.
Doch wie ohne dieses Pflanzenschutzmittel verfahren?

Alternativen zur wirksamen Unkrautbekämpfung zeigte Karl Schulze Welberg, LWK NRW, auf:

Mit mechanischen Methoden wie Mulchen, Fräsen, Schneiden, Hacken, Bürsten oder Grubbern könne man wirksam gegen Unkräuter vorgehen.

Andere Herbizide zeigten in Versuchen zwar auch gute Ergebnisse, kamen jedoch an die Erfolge mit Basta nicht heran.

 

 

 

Abtötung von Ausläufern im Erdbeeranbau: Versuchsergebnisse

 

Sandra Nitsch, Pflanzenschutzdienst LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Sandra Nitsch, Pflanzenschutzdienst LWK NRW. Foto: Tanja Dolic

Nach der Vorstellung verschiedener Versuchsergebnisse konnte Sandra Nitsch, Pflanzenschutzdienst LWK NRW, zusammenfassend feststellen:

Bei starker Ausläuferbildung ist eine mechanische Bekämpfung empfehlenswert.

Bei schwacher Ausläuferausbildung sei die richtige Behandlungsmethode sortenbedingt.

So können Quickdown und Pelargonsäure-Präparate eine wirksame Alternative sein.

Wichtig dabei seien eine gute Benetzung und das Ausbringen VOR dem Einwurzeln der Ausläufer.

Außerdem gab Nitsch den Rat, unabhängig von der Ausläuferbekämpfung Unkrautmanagement zu praktizieren.

 

 

 

 

 

Ernteverfrühung bei Himbeeren durch primocane-Sorten und Kulturtechnik

 

Susanne Früh, OGM Oberkirch. Foto: Tanja Dolic

Susanne Früh, OGM Oberkirch. Foto: Tanja Dolic

Susanne Früh, Anbauberatung Obstgroßmarkt Mittelbaden eG, veranschaulichte anhand von Beispielen aus eigenem Himbeeranbau ihre Erfahrungen mit primocane-Sorten.

Ihre Hinweise:

  • Geschützter Anbau zahle sich aus. So ist eine Verfrühung um bis zu drei Wochen möglich. Ebenso ein besseres Wachstum durch höhere Temperaturen sowie höhere Erträge im Vergleich zum Freiland.

 

  • Tipps zum Frühjahrsertrag:
    Herbstruten stehen lassen. So beginnt der Frühjahrsertrag sehr früh und die Herbsternte verzögert sich. Allerdings ist auch das Risiko an Spätfrostschäden sehr hoch und die Fruchtqualität im Frühjahr je nach Sorte schwächer. Zudem ist ein Rutenmanagement notwendig.
  • Zum Pflanzenschutz:
    Spinnmilben und Blattläuse solle man vor der Blüte bekämpfen. Nützlingseinsatz wird empfohlen.
    Die Himbeerblattmilbe, Himbeerrutengallmücke und Rutenkrankheiten am besten nach der Ernte bekämpfen.

 

Selbstpflücke optimal organisiert – das Himbeerfeld

 

Ingrid Hülskemper-Toews. Foto: Tanja Dolic

Ingrid Hülskemper-Toews. Foto: Tanja Dolic

Großen Applaus erntete Ingrid Hülskemper-Toews für ihre Betriebsvorstellung. Mit viel Engagement, Disziplin und routinierten Arbeitsabläufen bewirtschaftet sie eine Himbeeranlage.

Mit durchstrukturierter Arbeitsweise und einem ausführlichen Briefing nicht nur der Mitarbeiter, sondern auch der Kunden erreicht sie eine erfolgreiche Vermarktung durch Selbstpflücke.

Besonders beeindruckend:

eine zwölfjährige Anlage, mit der Hülskemper-Toews und ihr Team einen stets gleichbleibenden Ertrag erwirtschafteten.

Bedauerlicherweise musste die Anlage nach 12 Jahren wegen eines nicht in den Griff zu bekommenden Pilzes – wahrscheinlich weiße Schmierlaus und Schwärzepilz – aufgegeben werden.

Am neuen Standort liegt nun eine neue Anlage – vielleicht wieder für mindestens 12 Jahre.

 


 

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