Bayerischer Erdbeertag 2017

Bayerischer Erdbeertag 2017 alle Fotos von Marion Deichmann

In Weihenstephan trafen sich auf Einladung des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes e.V. am 7. März zahlreiche süddeutsche Anbauer zur bayerischen Erdbeertagung 2017. Organisator und Moderator war Theo Däxl vom Bayerischen Bauernverband.

Schon in der Begrüßungsrede kam der Erdbeerpreis zur Sprache, der noch öfter Thema sein sollte: Karl-Ludwig Rostock, stellvertretender Präsident des bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes ermutigte die Anwesenden, ihre Produkte zu angemessenen Preisen zu verkaufen.

Ausblick eines Praktikers

Hermann Bayer

Hermann Bayer

„Grüß Gott meine Damen und Herren, ich bin der Erdbeer-Bayer aus Kronach“, begann Hermann Bayer, der seit 1986 Erdbeeren anbaut, seinen Saisonrück- und Ausblick aus der Sicht eines Praktikers.

Freimütig berichtete er von persönlichen Anbaufehlern und Rückschlägen, aber auch den daraus gezogenen Konsequenzen.

So lässt er seit mittlerweile drei Jahren von einer meteorologischen Agentur dezidierte Wetterprognosen für seinen Betrieb erstellen. Grund dafür sind schwere Schäden, die er durch Spätfröste zu beklagen hatte.

Auch der hohen Disziplin beim Lüften, die mittlerweile auf dem Bayer-Hof herrscht, war ein Schaden vorangegangen. „Papa, da haben wir zu spät das Vlies weggekriegt!“ kommentierte sein Junior, der die Produktion leitet, vor Jahren einen Erdbeerbestand mit enormen Pilzdruck.

Als Maßnahme zur Qualitätssicherung auf den Selbstpflückfeldern ließ Bayer 2016 nach den vielen Regenfällen enorme Mengen an Verderb herauspflücken. Nun warf er die Frage auf, wie lange das angesichts steigender Löhne noch machbar sei.  „Die Ware in der Direktvermarktung muss teurer werden“, forderte er.

Sein Ausblick und Tipp:

  • Mehr werben, um höhere Preise durchsetzen zu können, auch mit Social Media
  • Angesichts steigender Lohnkosten das Kulturverfahren überdenken. „Bleiben wir am Boden, wo man 2 Kisten/Std. pflückt, oder gehen wir in die Höhe mit 4 bis 4,5 Kisten/Std.?“
  • Mehr geschützter Anbau bei den Betrieben, „die weiter machen wollen die nächsten 10 bis 20 Jahre“.
  • Kühlsysteme erneuern und dafür 20 bis 30% Zuschuss durch Energie-Effizienz-Programme der EU in Anspruch nehmen 

Mikroklimatische Wettervorhersagen

Christian König

Christian König

Mikroklimatische Wettervorhersagen zur lokalen Vermeidung von Spätfrostschäden in Erdbeeren stellte Christian König von der Agentur Wetter-Klima-Umwelt vor.
Königs Prognose für die Tendenz im Raum Bayern in Kurzform:

  • Durchschnittstemperaturen rauf
  • Niederschlagsmenge runter
  • Zunahme von Wetterextremen

Dennoch: „Die Spätfrostgefahr bleibt trotz Erwärmung erhalten!“ mahnte der Diplom-Forstwirt, denn der Blühbeginn wandere kalendarisch nach vorne.

Er warnte davor, sich nur auf „sexy Data“ von der Smartphone App oder aus dem Internet zu verlassen: Die tatsächlichen Temperaturen am Feld seien meist niedriger als die an den meteorologischen Messstationen. Denn diese befinden sich in aller Regel in der Nähe von Siedlungsgebieten.

Neben den regionalen Messdaten müsse auch die Großwetterlage zur Beurteilung der Frostgefahr hinzugezogen werden, was König anhand eines Beispiels mit kalter Polarluft in Lauerstellung anschaulich verdeutlichte.

Daneben spielten auch mikroklimatische Kriterien eine Rolle.

Sein Fazit:

In Zusammenarbeit mit einem Wetterdienst erstellte betriebsspezifische Vorhersagen bergen großes Potential zur Vermeidung von Spätfrostschäden.

Nachbau auf müden Standorten

Alexander Zimmermann

Alexander Zimmermann

Alexander Zimmermann trug einen Zwischenbericht zu Versuchen vor, die er und Klaus-Peter Gerhard, beide Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Obstbau Veitshöchheim, durchgeführt hatten.

Die Standorte, in die die Erdbeerpflanzen gesetzt wurden, waren mit Phytophthora cactorum, Verticilliumwelke und Schwarzwelke belastet.

Es wurden Varianten mit verschiedenem Pflanzmaterial unter Gaben von Phosfik, Pflanzsubstrat, Kleegrassilage, Mikroorganismen oder Kompost untersucht.

Fazit:

  • Phosfik kann Ertrag und Fruchtqualität fördern
  • Gutes Pflanzmaterial ist wichtig, besonders auf Nachbaustandorten
  • Starkwüchsige Sorten wie Faith oder Malwina sind für Nachbau besser geeignet

Zukünftig wollen die Forscher dieselben Varianten noch einmal testen, aber auch weitere Sorten und Bodenbehandlungen mit einbeziehen. Untersuchungen auf Nematoden und Rückstände der phosphorigen Säure sind ebenfalls geplant.

 

Wirtschaftlichkeit der Erdbeerproduktion

Thomas Riehl

Thomas Riehl

Die Wirtschaftlichkeit der Erdbeerproduktion unter zunehmend schwierigen Rahmenbedingungen beleuchtete Thomas Riehl vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Kitzingen.

Alljährlich erreichen die Erdbeerpreise zwischen KW 23 und 26 ihren saisonalen Tiefpunkt, wie Thomas Riehl anhand einer Grafik verdeutlichte.

In einer Musterkalkulation kam er für eine einjährige Frigokultur auf Produktionskosten von mindestens 2,40 €/kg inkl. Erntekosten. Bei einem Ertrag von nur 150 dt/ha lägen diese sogar bei 2,60 €/kg.

Riehl setzte die vier größten Einflussfaktoren auf den Deckungsbeitrag in Reihenfolge:

  • Preis
  • Stundenlohn der Saison-Arbeitskräfte
  • Ertrag
  • Pflückleistung

„Der Einfluss des Preises auf den Deckungsbeitrag ist 25 mal so hoch wie der der Kosten für Pflanzenschutzmittel“, unterstrich Thomas Riehl.

Sein Tipp:

  • Betriebsspezifische Kosten ermitteln
  • Wo möglich, direkt vermarkten („Magie des Preises“)
  • In frühen Gebieten verfrühen, als Direktvermarkter auch in späteren, um das Vermarktungsfenster zu vergrößern
  • Auch kostenintensive Anbauformen, wie Wandertunnel oder Hochstädter-System, können wirtschaftlichen Erfolg verbessern
  • Keine Flächenausweitung im Freilandanbau

 

Aktuelles zum Pflanzenschutz

In Vertretung für die erkrankte Susanne Probst, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, referierte Thomas Riehl auch über Aktuelles zum Pflanzenschutz. Er erläuterte zunächst die Zulassungssituation.

Riehl riet, bei der Pflanzenschutzstrategie für Erdbeeren 2017 auf folgende drei Dinge achten:

  • Die Sekundärstandards des Lebensmitteleinzelhandels
  • Die Wirksamkeit der Mittel
  • Das Resistenzmanagement, vor allem bei Fungiziden

Seine Empfehlung zur Resistenzvorbeugung

  • Drei Blütenbehandlungen genügen
  • Wirkstoffe grundsätzlich nicht häufig anwenden, resistenzgefährdete nur ein- bis zweimal je Saison
  • Wirkstoffmenge nicht absenken
  • Botrytis nur in der Blüte chemisch bekämpfen

Anschließend stellte er eine Spritzfolge vor, die alle diese Kriterien erfüllte.

Detaillierte Informationen zum Thema gibt es auf den Internetseiten der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft und auch per Info-Fax des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, der „Obst-Info-Franken“.

www.lfl.bayern.de

Kirschessigfliege

Karlheinz Geipel

Karlheinz Geipel

Erste Versuchsergebnisse zur Bekämpfung der Kirschessigfliege in Beerenobst stellte Karlheinz Geipel, LfL Freising, vor.

Der Befallsdruck durch die KEF war 2016 höher als 2015.

Eine Kirschanlage, die innerhalb einer 5m hohen Netzwand 2015 befallsfrei geblieben war, wies 2016 etwa 50 Prozent des Befalls der Kontrollparzelle auf. Allerdings ist der letzte Sommer sehr windig, streckenweise sogar stürmisch gewesen.

Mit einem Versuch in der Sorte Jive konnte das Mittel „Benevia“ einen Befall nicht verhindern. Die Früchte waren nicht madenfrei.

Geipel wies darauf hin, wie wichtig das Entfernen reifer Früchte aus der Anlage sei. „Wer sich selbst eine Zucht anlegt, kommt hinterher nicht mehr gegen an!“ warnte er.

Untersuchungen zur Tagesaktivität der KEF in Himbeeren ergaben, dass sich die Tiere nur morgens bis ca. 8 Uhr und abends wieder ab ca. 21 Uhr in der Fruchtzone aufhielten. Dazwischen waren sie im unteren Bereich der Pflanzen zu finden.

Deshalb soll dort versuchsweise eine Behandlung mit Spintor erfolgen, um Rückstände auf den Früchten zu vermeiden.

Zur Kontrolle der Früchte auf KEF-Larven empfahl Karlheinz Geipel folgendes Verfahren:

  • 50 g Kochsalz in 500 ml Wasser lösen
  • Früchte hineingeben
  • Nach 15 bis 30 Minuten haben die Larven die Früchte verlassen und sind in der Salzlösung zu erkennen.

 

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