LWK NRW in Münster-Wolbeck                                                                                                 Alle Fotos: Heike Sommerkamp

 

Rechtliche Anforderungen an LEH-vertriebene Lebensmittel

Margret Peine

Margret Peine

Über Hygiene- und Qualitätsanforderungen sowie über Zertifizierungen referierte Margret Peine von der LWK NRW.

Denn sobald ein Lebensmittel verarbeitet oder über den LEH vertrieben wird, gelten dafür mehr Vorschriften als bei der unbearbeiteten Abgabe ab Hof.

Ihr Tipp: Sicherheit statt Risiko…

…bei der Produkthaftung

Jeder Lieferant haftet für seine Produkte. Nicht nur bei fahrlässig oder böswillig bedingten Mängeln: „Auch dann, wenn man es gar nicht wissen konnte“. Daher riet Peine dringend, für alle eingesetzten Rohstoffe, Verpackungen usw. die Rückverfolgbarkeit sicherzustellen, um im Haftungsfall die Haftung ggf. weiterreichen zu können.

…bei den Hygieneanforderungen

„ ‚Das habe ich nicht gewusst‘ reicht nicht: Sie haben eine Informationspflicht“, mahnte Peine zum Studium der Vorschriften.

In schneller Folge streifte sie die relevanten, verbindlichen EU-Verordnungen:

  • VO (EG) 178/2002: Allgemeine Grundlagen des Lebens- und Futtermittelrechts
  • VO (EG) 852/2004: Grundlagen der Lebensmittelhygiene
  • VO(EG) 853/2004: Spezifische Hygienevorschriften für Lebensmittel tierischen Ursprungs
  • VO(EG) 2073/2005: Einhaltung mikrobiologischer Kriterien

„Der Verbraucher darf keinen Ekel empfinden darüber, wie mit dem Lebensmittel umgegangen wurde“, führte Peine aus. Darunter falle neben groben Hygieneverstößen auch das Haar im Käse.

 

Margret Peine

Margret Peine

Auch die nationalen Verordnungen stellte sie kurz vor:

  • LFGB: Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch
  • LMHV: Lebensmittelhygieneverordnung
  • Tier-LMHV: Tierische Lebensmittel-Hygieneverordnung
  • IfSG: Infektionsschutzgesetz

Der LEH fordert von seinen Lieferanten manchmal sogar Maßnahmen, die über das gesetzliche Maß hinausgehen: „Oft fordert der Handel ein HACCP-Konzept, obwohl ein Hygienekonzept ausreichend gewesen wäre“, hat die Referentin beobachtet.

Man solle den Absatz über den LEH trotzdem ins Auge fassen, riet sie: „Die Anforderungen steigen oft erst im Laufe der Jahre. Anfangs brauchen Sie erst mal nur den Artikelpass“, berichtete sie.

Folgendes erwarte der LEH grundsätzlich von seinen Lieferanten:

  • Lebensmittelsicherheit
  • Einhaltung aller gesetzlichen Anforderungen
  • Einhaltung der vereinbarten Qualität

 

Ansichten eines Einzelhändlers

Mit Markus Scholz hatten die Organisatoren auch einen selbstständigen EDEKA-Händler als Referenten gewonnen.

„Nicht der Handel will die Zertifizierungen, der Verbraucher will sie – über die Gesetze“, reagierte er direkt auf seinen Vorredner.

Bei seinen drei Märkten ist ihm die Ausrichtung als regionaler, moderner Nahversorger wichtig. Aber nicht zu abgehoben: „Wir versuchen, nicht Feinkost zu sein“.

Markus Scholz

Markus Scholz

Dass Konsumenten in Umfragen manchmal anderer Meinung sind als später beim Einkauf, hat Scholz bei der Neueinrichtung des neuen EDEKA-Marktes in Sassenberg miterlebt: „Das, was der Verbraucher vorher gewünscht hat, hat er hinterher mit Füßen getreten“.

Sein Standpunkt zur Preisgestaltung regionaler Produkte ließ die Teilnehmer aufhorchen: „Mich interessiert nicht, was ein Produkt kostet – mich interessiert, wofür ich es verkaufen kann“, erklärte er.
Der Grund: „Regionale Produkte werden Sie zukünftig überall finden, und es wird ausreichend Ware geben – wir suchen die besseren Produkte“.

Die Qualität von Lebensmitteln sei inzwischen generell gut: „Alle sind vergleichbar, der Billigste bekommt den Zuschlag. Aber wenn wir es schaffen, unsere Lebensmittel emotional aufzuladen, können wir uns da absetzen“, erläuterte Scholz. „Wir müssen den Mehrwert unserer Produkte bestimmen. Wir müssen die Leute nicht mehr satt machen: Wir müssen ihnen Appetit machen“.

Markus Scholz

Markus Scholz

Folgerichtig sprach sich Scholz gegen Rabattschlachten aus: „Wir müssen zurück zu den alten Preisen“. Zwar nähmen seine Märkte an Sonderangebotsaktionen der EDEKA teil. „ Aber wir sagen den Kunden: Das sind die Kartoffeln aus dem Angebot – wir empfehlen Ihnen diese hier.“

Aus Überzeugung: Denn mit dem Sonderangebot könne man kein Geld verdienen, keine Abgrenzung zu anderen Supermärkten erreichen, keine Wertschöpfung generieren und die regionale Gesellschaft nicht unterstützen. „Wenn ich nur noch die ägyptische Kartoffel verkaufe, dann habe ich demnächst niemanden mehr, der bei mir einkauft“, erklärte er unter dem zustimmenden Nicken der Zuhörer.

Bei seinen regionalen Lieferanten setzt Scholz auf langfristige Geschäftsbeziehungen: „Ich bin doch froh, wenn ich dort nächstes Jahr wieder die gleiche Qualität zu kaufen bekomme“, versicherte er und bekräftigte nochmals: „Alle in der Produktionskette müssen ihren Nutzen in der Wertschöpfung haben.“

 

 

Praxisbeispiel: Leonhard Große Kintrup, lokale Vermarktung von Milch und Milchprodukten

„Es ist erfrischend, zu erleben, wie er mit Herzblut Kaufmann ist und wie er die Wahrheit benennt“, zollte er seinem Vorredner Anerkennung.

Leonhard Große Kintrup

Leonhard Große Kintrup

Die auf seinem „erweiterten Familienbetrieb“ erzeugten Milchprodukte vermarktet Große Kintrup seit 17 Jahren regional. Neben Milch, laktosefreier Milch, Joghurt und Quark auch Münsterländer Stippmilch, eine regionale Spezialität: „Dafür kennt man uns“.

Die Produktvielfalt ist entstanden, um im Haustürgeschäft mehr Umsatz pro Stopp generieren zu können. Die über die Verkaufsfahrer entstehende persönliche Kundenbindung sieht er als Vorteil. Inzwischen beliefert er aber auch Supermärkte, und sein Hof ist für Kunden offen. Auch das Kälberdorf und der Kuhstall. „Wir müssen zeigen, dass das, was wir tun, gut und richtig ist“, begründete er.

Dass der Einkaufstrend von der Haustür zum LEH schwenkt, sieht Große Kintrup, der inzwischen auch den Lebensmitteleinzelhandel beliefert, gelassen: „Früher musste man uns suchen, heute sind wir im Supermarkt zu finden – da, wo der Großteil der Verbraucher einkauft“, führte er aus.

„Würden Sie heute noch einmal mit der regionalen Vermarktung anfangen?“ lautete eine Publikumsfrage. „Heute ja, aber nicht noch mal vor 17 Jahren“, antwortete Große Kintrup offen. „Die ersten Jahre waren schon sehr anstrengend.“ Denn damals sei man noch mitten in der Geiz-ist-geil-Zeit gewesen. „Für Direktvermarktung ist die Zeit heute besser denn je – wenn sogar schon der Handel darauf anspringt… Eine bessere Lokomotive können Sie sich doch nicht wünschen.“

 


 

Hier geht´s zu Teil 1: Auf in den EInzelhandel?

Hier geht´s zu Teil 3: Auf in den Einzelhandel?

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