Ein Mosaik aus natürlichen Lebensräumen und kleinräumigen und vielfältigen Anbauflächen sind laut den Autoren sowohl in der konventionellen als auch in der ökologischen Landwirtschaft der Schlüssel, um Artenvielfalt zu fördern. Bild: Tibor Hartel

 

Ist der ökologische Landbau die grundlegende Alternative zur konventionellen Landwirtschaft, um die Biodiversität in Agrarlandschaften zu fördern?

Ein internationales Forschungsteam unter Leitung der Universität Göttingen stellt dies in Frage. Ein landschaftliches Mosaik aus natürlichen Lebensräumen und kleinräumigen und vielfältigen Anbauflächen sind laut den Autoren sowohl in der konventionellen als auch in der ökologischen Landwirtschaft der Schlüssel, um Artenvielfalt großflächig zu fördern.

Politische Entscheidungsträger sollten dies anerkennen, um einen entsprechenden Paradigmenwechsel in der Landwirtschaft zu erreichen, so die Forderung.

Die Stellungnahme ist in der Fachzeitschrift Trends in Ecology and Evolution erschienen.

 

 

 

Größerer Flächenbedarf schlecht für Artenvielfalt

 

 

Die Zertifizierung der ökologischen Produktion beschränke sich weitgehend auf das Verbot synthetischer Agrochemikalien, kritisiert das Forschungsteam. Dies führe zu begrenzten Vorteilen für die Biodiversität, aber zu hohen Ertragsverlusten, obwohl die Landwirtschaft intensiver und spezialisierter wird.

„Mit Öko-Zertifizierung bewirtschaftete Flächen haben zwar ein Drittel mehr Arten, erreichen aber nicht das Ertragsniveau konventionellen Anbaus, so dass für den gleichen Ertrag mehr Fläche benötigt wird“, erläutert Erstautor Prof. Dr. Teja Tscharntke, Abteilung Agrarökologie der Universität Göttingen.

Mit dem größeren Flächenbedarf verschwinde aber der Vorteil für die Artenvielfalt. Zudem sei es ein Mythos, dass Öko-Landbau keine Pestizide einsetzt.

„Pestizide sind erlaubt, solange sie als natürlich gelten. Beispielsweise im Weinbau, bei Obstplantagen und auch bei Gemüse wird großflächig und wiederholt gespritzt, wobei Kupfermittel die zentrale Rolle spielen, obwohl sie sich im Boden anreichern“, so Tscharntke.

 

 

 

Monokulturen auch im Ökolandbau

 

 

Zudem habe sich ein Großteil des Öko-Landbaus weit entfernt vom Idealismus der Gründerjahre.

„Öko-Landbau erfolgt nicht immer in idyllischen Familienbetrieben. Öko-Monokulturen sind oft ähnlich groß wie bei konventionellen Betrieben, und Gemüse wird oft unter Glas angebaut, auf Kosten der Artenvielfalt.“

Im mediterranen Raum würden ganze Landschaften für den Gemüseanbau mit Plastikplanen abgedeckt und damit zerstört – mit einem stark ansteigenden Anteil an Öko-Zertifizierung.

 

 

 

Biodiversität anders fördern

 

 

„Landschaften mit Anbau-Vielfalt, kleinen Feldern und zumindest einem Fünftel naturnaher Lebensräume können sehr viel stärker die Biodiversität fördern als die reine Öko-Zertifizierung“, betont der Agrarökologe.

„Landschaften mit kleinen Feldern und langen Rändern weisen ein Vielfaches an Arten auf als Landschaften mit großen Feldern, und sind in der ökologischen wie konventionellen Landwirtschaft gleichermaßen zu realisieren.“

Als Beispiel führt er Landschaften an, deren Felder einen Hektar statt sechs Hektar groß sind: „Diese können sechs Mal so viele Pflanzen- und Insektenarten beheimaten. Abwechslung beim Anbau kann zudem die Artenzahl verdoppeln und die biologische Schädlingskontrolle wie auch die Bestäubungsleistung stark erhöhen.“

Auch wenn der Green Deal der EU bis 2030 einen Anteil von 25 Prozent ökologischer Landwirtschaft vorsieht, sei immer noch notwendig, die 75 Prozent konventionelle Landwirtschaft in die Biodiversitäts-Strategie mit einzubeziehen.

 

 

 

 

 

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