Anfang des Monats hat die Bundesregierung das Aktionsprogramm Insektenschutz beschlossen.

Damit soll das Insektensterben gestoppt und die Artenvielfalt geschützt werden.

Betroffen davon sind auch viele Landwirte, da es unter anderem auch eine Änderung des Naturschutz-, und Pflanzen- und Düngerechts beinhaltet.

Außerdem enthält es klare Vorgaben für eine umwelt- und naturverträgliche Anwendung von Pestiziden und eine deutliche Reduzierung des Eintrags von Pestiziden und anderen Schadstoffen in Insektenlebensräume.

Ab 2021 soll zudem die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen verboten werden.

Im Folgenden stellen wir die wichtigsten Maßnahmen vor, ebenso eine Umfrage der Fachgruppe Gemüsebau, die sich an die betroffenen Anbauer richtet.

 

 

Insektenlebensräume fördern

 

 

Insektenlebensräume und Strukturvielfalt in der Agrarlandschaft sollen im Aktionsprogramm gefördert werden durch 

 

  • einen substantiellen Mindestanteil nicht-produktiver Flächen in der Agrarlandschaft, die nicht in erster Linie für die landwirtschaftliche Erzeugung genutzt werden, sondern vor allem als möglicher Lebensraum für Insekten dienen (Brachen, Feldraine, blüten- und kräuterreiche Säume, Hecken und andere Kleinstrukturen)

 

  • angemessene Entlohnung von Landwirten für die freiwillige Bereitstellung und Bewirtschaftung von Flächen für den Biodiversitätsschutz, z.B. bei Verzicht des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln

 

  • räumliche Steuerung agrarökologischer Maßnahmen auf Grundlage bestehender landwirtschaftlicher oder naturschutzfachlicher Fachplanungen (z.B. Biotopverbundplanungen, kommunale Landschaftsplanung) zur Verbesserung der funktionalen Zusammenhänge der Lebensräume in der Agrarlandschaft

 

  • Förderung des Einsatzes insektenfreundlicher Mahdregime und -techniken und Förderung der Beweidung

 

 

 

Verbot von Pestiziden

 

 

Anwendungen von Pestiziden sollen gemindert werden. Dazu gehört:

 

  • ein Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden mit besonderer Relevanz für Insekten in ökologisch besonders schutzbedürftigen Bereichen ab 2021.

 

  • ein Verbot der Anwendung von Herbiziden sowie biodiversitätsschädigenden Insektiziden in FFH-Gebieten, Naturschutzgebieten, Nationalparks, Nationalen Naturmonumenten, Naturdenkmälern und gesetzlich geschützten Biotopen.
    Außerdem gilt das Verbot in Vogelschutzgebieten mit Bedeutung für den Insektenschutz, die von den Ländern in eigener Zuständigkeit bestimmt werden.
    Die Länder sollen ermächtigt werden, zum Gesundheitsschutz oder zur Walderhaltung im Kalamitätsfall Waldflächen von dem Verbot auszunehmen.

 

  • verbindliche Festlegung eines bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln einzuhaltenden Mindestabstands zu Gewässern, ausgenommen kleine Gewässer von wasserwirtschaftlich untergeordneter Bedeutung.
    Ein Abstand von fünf Metern, wenn die Abstandsfläche dauerhaft begrünt ist, sonst von 10 Metern im Pflanzenschutzrecht, wobei die Länder in gewässerreichen Niederungsgebieten abweichende Abstandsregelungen vorsehen können.

 

 

Auf der Seite https://geodienste.bfn.de/schutzgebiete?lang=de kann überprüft werden, ob die eigenen Flächen in einem der genannten Gebiete liegen.

 

 

Glyphosat mindern

 

 

Der Bund wird mit einer systematischen Minderungsstrategie ab 2020 den Einsatz glyphosathaltiger und wirkungsgleicher Pflanzenschutzmittel durch Änderung der Pflanzenschutz-Anwendungsverordnung deutlich einschränken und den Einsatz glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel bis 2023 komplett beenden.

Dazu gehört:

 

  • verbindliche Beendigung der Anwendung von glyphosathaltigen Pflanzenschutzmitteln zum Stichtag 31. Dezember 2023

 

  • Verbot der Anwendung glyphosathaltiger und wirkungsgleicher Pflanzenschutzmittel über die in 4.1 genannten Gebiete hinaus auch in Kern- und Pflegezonen von Biosphärenreservaten sowie in Wasser- und Heilquellenschutzgebieten, soweit in diesen das Pflügen nicht gesetzlich oder vertraglich ausgeschlossen ist.

 

  • bis zum Stichtag substantielle Reduzierung der ausgebrachten Mengen glyphosathaltiger Pflanzenschutzmittel, u.a. durch Anwendungsverbote im Haus- und Kleingartenbereich und für Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, sowie ein Verbot der Anwendung vor der Ernte und deutliche Beschränkungen

 

 

 

Neue Düngeregelung

 

 

Mit dem Aktionsprogramm sollen die Stickstoffüberschüsse und damit die Stickstoffemissionen sowie die Schadstoffbelastung von Böden und Gewässern weiter reduziert werden.

 

Im Einzelnen durch:

 

 

  • Begrenzung der Aufbringung flüssiger organischer Düngemittel auf Grünland im Herbst auf 80 kg N/ha

 

  • Erhöhung des Gewässerabstandes ohne Düngung von jetzt 5 m auf 10 m und unmittelbare Einarbeitung des Düngers in hängigem Gelände ab 15% Hangneigung

 

  • Erhöhung des Gewässerabstandes ohne Düngung von 1 m auf 2 m Meter bei Flächen zwischen 5 % bis 10 % Hangneigung

 

  • Verpflichtung zur Aufteilung der Düngegabe ab einer Hangneigung von 10 %, wenn der Düngebedarf mehr als 80 kg N/ha beträgt

 

  • Verkürzung der Einarbeitungszeit für flüssige Wirtschaftsdünger bei der Aufbringung auf unbestelltes Ackerland auf eine Stunde ab 01.02.2025

 

  • weitere Verringerungen in besonders mit Nitrat belasteten Gebieten

 

 

Das komplette Aktionsprogramm gibt es zum Download auf https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/aktionsprogramm_insektenschutz_kabinettversion_bf.pdf

 

 

 

Betroffenheitsabfrage gestartet

 

 

Um einzuordnen, wie viele Anbauer das Anwendungsverbot von Pflanzenschutzmitteln und Bioziden trifft, hat die Fachgruppe Gemüsebau im Bundesausschuss Obst und Gemüse eine Umfrage gestartet.

Für eine erste Einordnung der Betroffenheit des Gemüsebaus und zur Argumentation im weiteren politischen Prozess können Betroffene folgendes Formular ausfüllen und per Mail an  zvg.lafuente@g-net.de senden.

 

Aktionsprogramm Abfrage

 

 

 

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