Die Agroforstwirtschaft oder auch Agrarforstwirtschaft ist ein altes System.

Schon bevor es den Fachbegriff überhaupt gab, nutzten Landwirte die gezielte Kombination von Gehölzen mit Ackerkulturen oder Grünland auf einer Bewirtschaftungsfläche.

Die Norddeutschen Knicklandschaften und Streuobstwiesen zeugen noch immer von dieser Bewirtschaftungsform, die durch die Industrialisierung der Landwirtschaft an Bedeutung verlor.

Doch jetzt erlebt die Agrarforstwirtschaft eine Renaissance.

Die ökologischen und ökonomischen Vorteile bewusst genutzter Wechselwirkungen zwischen Gehölz- und Ackerkulturen rücken wieder in den Fokus.

Sie könnte nämlich auch eine Lösung für Dürre, Bodenerosion und Klimaveränderungen sein und zum Umweltschutz beitragen.

Außerdem haben Studien gezeigt, dass durch Agroforstwirtschaft Ertragssteigerungen um bis zu 30 Prozent möglich sind.

 

 

Formen der Agroforstwirtschaft

 

Mit dem Begriff Agroforstwirtschaft werden generell alle Landnutzungssysteme bezeichnet, bei denen Gehölze, Bäume oder Sträucher mit Ackerkulturen und/oder Tierhaltung gezielt auf einer Fläche kombiniert werden.

Kombinationen aus Gehölzen und Ackerkulturen heißen im Fachbegriff silvoarable Systeme.

 

Dabei gibt es verschiedene Arten des Anbaus:

 

 

Alley Cropping

 

Wie in einer Allee werden hier in parallel ausgerichteten Reihen Gehölze oder Bäume auf Ackerland angepflanzt. Auf den Feldstreifen dazwischen wird Gemüse, Getreide oder Obst angebaut. Der Abstand der Reihen wird so gewählt, dass ein Kronenschluss der Bäume möglich ist. Durch das gezielte Schneiden der Kronen kann die Beschattung des Ackerkultur gesteuert werden. Hierfür eignen sich besonders Bäume wie Eiche, Kastanie, Kirsche oder Walnuss.

 

 

Kurzumtriebs-Alley-Cropping

 

Genau wie beim Alley Cropping werden hier künstliche Alleen angelegt. Beim Kurzumtriebs-Alley-Cropping werden jedoch schnellwachsende Baumarten wie Pappel oder Weide genutzt. Während es beim Alley-Cropping vor allem um Schattenerzeugung geht, zielt diese Methode mehr auf Schutz vor starken Winden ab.

 

 

Windschutzhecke

 

Quer zur Hauptwindrichtung werden Heckensysteme gepflanzt, um die Ackerkulturen vor starken Winden zu schützen. Wie gut der Schutz funktioniert, hängt dabei vor allem von der Höhe und der Durchlässigkeit/Dichte der genutzten Hecke ab. Windschutzhecken können zudem Temperaturextreme abmildern und die Verteilung von Niederschlägen beeinflussen.

 

 

Wallhecken

 

Bei den Wallhecken werden Bäume oder Hecken auf einem künstlich errichteten Wall angepflanzt. In früheren Zeiten dienten diese Wälle aus Stein, Erde oder Torf auch zur Grenzmarkierung. Für die Ausgestaltung eignen sich Pappel, Weide, Birke oder Eiche besonders gut.

 

 

Gewässerschutzstreifen

 

Für Gewässerschutzstreifen werden Anpflanzungen von Bäumen und Sträuchern an Ufern vorgenommen. Sie können die Gewässerqualität verbessern und erodierte Bodenbereiche stabilisieren.

 

 

Forest Farming

 

Beim Forest Farming wird nicht der Wald auf den Acker, sondern die Ackerfläche in den Wald gebracht. Es bezeichnet den Anbau von Sonderkulturen im gezielt bewirtschafteten Wald. Vor allem
Beeren, Pilze und Blumen werden so angebaut.

 

 

Hochstammobstgärten

 

Als Hochstammobstbäume eignen sich alle langlebigen, hochwüchsigen Obstbaumarten.
Die Hochstammobstgärten werden mit einer Unterkultur aus Beeren-, Gemüse- oder Ackerkulturen kombiniert.

 

 

Vor- und Nachteile der Agroforstwirtschaft

 

Bäume und Gehölze können anderen Kulturen nicht nur Schatten spenden und sie vor Wind schützen.

In Versuchsanlagen wurden in Agroforstsystemen im Durchschnitt 30 Prozent mehr Erträge als bei getrennten Wald- und Ackerflächen erzielt.

Dies liegt vor allem an der gesunden Konkurrenz auf dem Terrain: der Wettkampf um Wasser, Licht und Nährstoffe zwischen der Kultur und den Bäumen zwingen den Baum zu einer tieferen Verwurzelung.
Die Baumwurzeln fangen dann unterhalb des Ackerfruchtwurzelraumes Wasser- und Nährstoffvorräte auf und sorgen so für eine effizientere Nutzung und Verbesserung der Bodenqualität.

 

Es gibt zahlreiche Gründe, die für eine Bewirtschaftung mit Agroforstsystemen sprechen:

  • Verbesserter Schutz der Ackerkulturen gegen Witterung
  • Erweiterung der landwirtschaftlichen Produktpalette (Obstbäume/Holzproduktion)
  • Verbesserung der Nährstoffnutzungseffizienz
  • Höhere Kohlenstoffbindung durch langjährige Kulturen
  • Geringerer Nitrateintrag in das Grundwasser
  • Zusätzlicher Lebensraum für zahlreiche Pflanzen und Tiere
  • Positive Ertragseffekte
  • Reduzierung von Düngemittel- und Pflanzenschutzmittel
  • Verminderung von Bodenerosion
  • Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit
  • Erhöhung der Biodiversität
  • Förderung von Nützlingen

 

Dem gegenüber gibt es aber auch einige Nachteile:

  • Hohe Kosten für die Anpflanzung
  • Hohe Kosten für die Bewirtschaftung
  • Hoher Aufwand für die Pflege
  • Langsam wachsende Gehölze führen zu einer langfristigen Kapital- und Flächenbindung
  • Gehölze und Ackerkulturen könnten bei unsachgemäßem Anbau um Licht, Wasser und Nährstoffe konkurrieren, was sich negativ auf das Pflanzenwachstum auswirken könnte
  • Acker-Drainage-Systeme könnten durch Gehölzwurzeln verstopft oder beschädigt werden

 

 

Agroforstsysteme attraktiver machen

 

Momentan ist die Anlage von Agroforstsystemen für Landwirte noch nicht allzu attraktiv, da sie in Deutschland nicht förderfähig sind.

Nur 1,6 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche sind hierzulande Agroforstflächen.
In anderen europäischen Ländern sind die Systeme bereits auf dem Vormarsch: in Griechenland liegt ihr Anteil schon bei ca. 31 Prozent, in Frankreich bei ca. 24 Prozent.

Damit auch in Deutschland die Anlage von Agroforstsystemen interessanter wird und sich die förderrechtlichen Rahmenbedingungen ändern, werden derzeit einige Forschungsprojekte durchgeführt, um die positiven Auswirkungen der Methode zu beweisen.

In einem Feldversuch in Brandenburg untersuchen zum Beispiel Wissenschaftler der Hochschule für nachhaltige Entwicklung (HNEE) in Eberswalde derzeit, ob Bäume Felder vor Wind und Austrocknung schützen können.
Der Feldversuch ist Teil des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts DAKIS im Rahmen der Fördermaßnahme „Agrarsysteme der Zukunft“.

Unter der Leitung des Agrarökologen Dr. Ralf Bloch wurden beim Feldversuch Streifen aus unterschiedlichen Baumarten gepflanzt. Die Bäume sollen den Wind bremsen und so die Feuchtigkeit im Ackerboden länger bewahren.

Auch die steigende Bodenfruchtbarkeit, die Verringerung der Winderosion, Senkung der Temperaturen durch Schattenwurf der Bäume und eine erhöhte Biodiversität auf den landwirtschaftlichen Flächen sollen in der Untersuchung belegt werden.

 

 

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