Zahlreiche Besucher kamen zum 31. Spargeltag in die Messe Karlsruhe.                                                                                                                          Bild: Kerstin Panhorst

 

 

Im Rahmen der expoSE 2019 luden das Regierungspräsidium Karlsruhe und das Landwirtschaftsamt im Landratsamt Karlsruhe wieder zum Spargeltag in die Messe Karlsruhe ein.

Vorträge und Diskussionen zu den Themen Insektizide im Anbau, Folienrecycling, Gassenbegrünung in Spargelanlagen sowie der allgemeinen Stimmung der Branche standen im Fokus des inzwischen 31. Spargeltages.

 

Zum Auftakt der Veranstaltung stellten zwei Kooperativen unter dem Titel „Erfolgreiche Spargelvermarktung örtlicher Kooperativen in Norditalien“ ihre besondere Form der Vermarktung vor.

„Die Vorträge waren durchweg gut besucht. Bei den Vorträgen unserer italienischen Gäste konnten die Fachbesucher und -besucherinnen weitere Möglichkeiten der überbetrieblichen Zusammenarbeit und Vermarktung jenseits der bereits in Deutschland üblichen kennen lernen“, erklärt Isabelle Kokula, Spargelberaterin vom Landratsamt Karlsruhe.

 

 

Wir stellen einzelne der Vorträge im Folgenden näher vor:

 

 

 

Insektizide im Anbau

 

Dr. Ludger Aldenhoff   Bild: Kerstin Panhorst

Dr. Ludger Aldenhoff befasste sich in seinem Vortrag mit den Wirkungsweisen von Insektiziden im Spargelanbau.

Vor allem der Wegfall von Wirkstoffen und die Suche nach Alternativen beschäftigte dabei den Experten.

Denn bei den Phosphorsäureestern ist Perfekthion bereits nicht mehr zugelassen, Danadim nur noch bis zum 30.6.2020.

Bei den Neonicotenoiden wird es auf lange Sicht nur noch Mospilan geben, da eine Zulassungseinstellung von Calypso zum 30.10.2021 im Gespräch ist.

 

 

Aldenhoff stellte mehrere Versuche vor, bei denen er die noch erhältlichen Mittel miteinander verglich.

In einem Versuch zu Spargelhähnchen erwiesen sich zum Beispiel kurzfristig alle geprüften Insektizide als wirksam, jedoch waren weder Calypso noch Karate Zeon regenfest.

Karate entfaltet zudem bei Hitze nicht mehr seine volle Wirkung. Calypso hat dafür ohne Niederschlag die beste Dauerwirkung.

In einem zweiten Versuch zeigten alle Insektizide (Calypso, Karate, Perfektion sowie Kombinationen mit Alkir) zu 100 Prozent eine direkte Wirkung, aber nur Calypso und Karate wiesen eine Fraß-/Dauerwirkung auf. Alle Mittel wurden zudem spätestens nach einer Niederschlagsmenge von 25 mm abgewaschen, nur Calypso zeigte sich in Kombination mit dem Kleber Alkir als regenfest.

Ein Versuch zur Parasitierung ergab des Weiteren, dass Pyrethroide den Bestand an Schlupfwespen langfristig schädigen können.

Bei einem Versuch zur Spargelfliege zeigten Spintor, Mospilan und LI700 sowie Danadim keine vorbeugende Wirkung, insgesamt hatte nur Danadim eine ausreichende Wirkung bei bestehendem Befall.

In seinem Fazit fasste der Spargelberater seine wichtigsten Punkte noch einmal zusammen:

  • Neonicotenoide (Calypso, Mospilan) haben eine bessere Dauerwirkung als Pyrethroide (Karate, Spruzit)
  • eine Verbesserung der Dauerwirkung kann durch Kleber erreicht werden
  • es gibt noch keine sichere Lösung gegen Spargelfliegen, zumal Danadim nur noch bis 2020 erhältlich sein wird
  • die Wirkung von Benevia muss noch erforscht werden, zumal auch bei diesem Mittel die weitere Zulassung unklar ist
  • ob eine Bekämpfung der Fliege vor Eiablage möglich und sinnvoll ist, muss noch herausgefunden werden

 

 

 

Perspektiven im Spargelanbau – Zwischen Frust und Innovation

 

Joachim Ziegler        Bild: Kerstin Panhorst

Den steigenden Frust in der Branche untersucht Joachim Ziegler, Leiter der Abteilung Gartenbau DLR-Rheinpfalz.

Für den Frust seien die wirtschaftliche Situation (Jahresergebnis, Preisdruck, Absatz etc.) und die Forderungen von Aktivisten und der Politik (Klimapaket, Wirkstoffverbote, Insektenschutz etc.) ebenso verantwortlich wie eine Überforderung durch die steigende Auflagenflut und die Unsicherheit über ausreichende Verfügbarkeit von Saisonarbeitskräften.

Die Zukunftsängste steigen, während das Selbstbewusstsein der Anbauer sinkt.

Eine einseitige Darstellung in den Medien mit Landwirten als Verursacher von Umweltschäden und Insektensterben trügen noch weiter zum Frust bei, so Ziegler.

 

Die Saison 2019 hielt ebenfalls viele Frustfaktoren bereit:

  • Anhaltende Trockenheit
  • Zögerlicher Erntebeginn im März
  • Niedrige Startpreise durch Konkurrenz von billigem Heizspargel aus den Niederlanden
  • Um 10 % verringerte Stangengewichte
  • Unterkühlte Hauptsaison
  • Qualitätsprobleme
  • Fehlende Arbeitskräfte
  • Niedrige mittlere Erzeugerpreise für dt. Produktion im LEH

 

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, empfiehlt der Experte

  • Rechtzeitig auf verändertes Klima und Temperaturen reagieren und die Folien- und Sortenauswahl überprüfen
  • Neue Sorten bei Einführung auf eigenen Kleinparzellen testen und auswerten
  • Individuelle Berechnung der betrieblichen Lohnkosten durchführen
  • Hand- und Maschinenernte kombinieren
  • Anbaufehler vermeiden und Bodenprofile untersuchen
  • Durchwurzelung optimieren
  • Nachbau vermeiden und Standort (Spargelviren) sogfältig auswählen
  • Bodenverbesserung mit Nährstoffanalysen und teilflächenspezifischen Ausgleichsdüngungen
  • Tiefenlockerung nach Kalkung, Humus- und Nährstoffgabe
  • Gründüngung zur Bodenstrukturstabilisierung
  • Feldkontrollen
  • Präzisionsdüngung
  • Neupflanzungen auf Maschinenbeerntbarkeit ausrichten

 

„Klasse statt Masse“ sei ebenfalls ein sinnvoller Ansatz.

Als Schnellmaßnahme könnte durch eine Beseitigung von 10 Prozent der schwächsten Altanlage der Betriebsdurchschnittsertrag um 10 Prozent gesteigert werden.

Durch eine Reduzierung der Stechkräfte um mindestens 10 Prozent kann die Ernteleistung auf 15kg/Akh steigen.

Ebenfalls positiv auf die Stechleistung können sich bessere Unterweisungen, stärkere Kontrollen, klare Regeln und faire Flächenzuteilung auswirken.

 

 

Gleich zwei Referenten sprachen zum Recycling von Folien:

 

 

Recycling von Spargelfolien

 

Bernhard Böckenhoff    Bild: Kerstin Panhorst

Zunächst referierte Bernhard Böckenhoff, Geschäftsführer der Böckenhoff Folien GmbH,

über die Schwierigkeiten der fachgerechten Entsorgung

und der Recyclingproblematik bei verschiedenen Folien.

 

 

 

 

 

Die wirtschaftliche Aufarbeitung in konventionellen Recycling- und Entsorgungsbetrieben ist laut Böckenhoff nicht möglich wegen eines zu geringen Folienanteils, wie folgende Beispiele zeigen:

  • 000lfm EHMO-TEC 100mµ s/w wiegen unbefüllt 165kg mit Sand befüllt nach Nutzung auf dem Feld: 1000 bis 1500kg. Der Folienanteil beträgt nur 10 bis 16 Prozent

 

  • 000lfm Thermoextrabreit 50mµ, 2m breit wiegen unbefüllt 105kg, mit Sand befüllt nach Nutzung auf dem Feld: 1000 bis 16000kg. Der Folienanteil beträgt nur 6,5 bis10,5 Prozent.

 

In der Vergangenheit erfolgte die Entsorgung oft lose im Hausmüll bzw. Container und verursachte durch das teilweise auch durch Regenwasser erschwerte Gewicht sehr hohe Kosten von ca. 150 Euro für 1.000kg.

Die Verbrennung der Folie sorgte durch den hohen Sandanteil für ein großes Ascheaufkommen, weswegen viele Entsorger mittlerweile die Annahme verweigern.

Zudem ist der Erlös sauberer Folie stark gesunken.

Auch ein Verkauf der gebrauchten Folien nach Asien durch die Recyclingindustrie ist seit einigen Jahren nicht mehr möglich, da die dortigen Länder nichts mehr annehmen.

Außerdem müssen inzwischen Altfolien laut Gesetz in der EU verwertet werden.

Die Firma Böckenhoff hat deshalb ein eigenes System entwickelt, um eine preiswerte Entsorgung anzubieten.

Eine schnelle und rationelle Bergung der Folie auf dem Feld mit dem eigenen Wickelluchs sowie eine maximale Auslastung der Transportkapazität und Reduktion der Transportkosten sollen dafür sorgen.

Die Firma hat dafür eine Waschanlage mit Siebtrommel und Schwimmsinkwanne gebaut, sie seit 2016 im Einsatz ist und kontinuierlich optimiert wird.

Die Leistung liegt derzeit bei 800kg sauberer Folie in der Stunde (ohne Sand). Es müssen ca. 5.300kg Rohfolie (Folienanteil 15 Prozent) dafür verarbeitet werden.

Die so gewonnene, gewaschene und in Ballen gepresste Folie wird zur Herstellung von Müllbeuteln, Baufolien und Regranulat verwendet.

Der Sand wird ebenfalls wiederverwertet, unter anderem zur Befüllung neuer Spargelfolien.

 

 

Das ERDE-System – Rücknahme von Erntekunststoffen in Deutschland

 

Jan Bauer           Bild: Kerstin Panhorst

ERDE ist ein Rücknahmekonzept für Erntekunststoffe in Europa.

Die RIGK GmbH organisiert die Rückführung und Verwertung von Kunststoffen für Industrie und Landwirtschaft im System ERDE.

Sie bietet den Endverbrauchern aus dem Agrarbereich die Möglichkeit, die Folien über bundesweite Sammelstellen abzugeben oder abholen zu lassen und sichert nachhaltige Recyclinglösungen zu.

Jan Bauer, Prokurist der Firma RIGK, stellte in seinem Vortrag das System vor.

Das System ERDE hat derzeit 16 Mitglieder, darunter die Firmen Claas, Coveris oder bpi agriculture.

 

Dank mittlerweile 98 Sammelpartnern, 452 Sammelstellen und 1.175 mobilen Sammlungen konnten in den letzten Jahren die Sammelmengen von 2.170 Tonnen (2014) auf 19.000 Tonnen (2019) gesteigert werden.            

55 Prozent der Kunststoffe werden in Deutschland recycelt, 23 Prozent in den Niederlanden, 16 Prozent in Osteuropa und 6 Prozent in Spanien.

Aktuell sammelt ERDE bereits knapp 35 % der gebrauchten Silo- und Stretchfolien und führt diese zu 100% der stofflichen Verwertung zu.

Das System hat sich dazu verpflichtet, den Anteil der Wiederverwertung von Agrarfolien im Rahmen der Entsorgung auf über 60 % zu erhöhen, um somit der Sparte eine gesetzliche Vorgabe durch das Bundesumweltministerium zu ersparen.

 

Beim Spargeltag in Karlsruhe stellte Jan Bauer das neue Pilotprojekt zur Sammlung und Verwertung gebrauchter Spargelfolien vor.

Ziel ist es, im kommenden Jahr rund 200 t schwarz/weiße Folie zu sammeln und werkstofflich zu recyceln.

Bei diesem Pilotprojekt, das zu Beginn der Spargelsaison 2020 gestartet wird, kooperiert ERDE mit dem Folienhersteller Reyenvas S.A. und der Wurth Pflanzenschutz GmbH.

Die Spargelbauern können gebrauchte Folien dann entweder auf dem Gelände von Wurth in Appenweiher abgeben, oder sie werden direkt auf ihrem Hof abgeholt. Besenreine, geschlitzte und entkernte Spargelfolien werden wertstofflich recycelt.

Folien, die diesen Kriterien nicht entsprechen, werden thermisch verwertet. Die Teilnehmer erhalten dafür ein Klimaschutzzertifikat.

Neben Spargelfolie wird angestrebt, in Zukunft auch Minitunnelfolie zu sammeln, da die Hersteller und Produkte einander sehr ähneln.

 

 

Kleegrasmischung zur Gassenbegrünung in Spargelanlagen

 

Carsten Wenke          Bild: Kerstin Panhorst

Carsten Wenke, Spargelberater der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, sprach über die Vorteile durch Zwischenreihenbegrünung (ZRB).

Eine Begrünung fördert die Humusbildung, aktiviert das Bodenleben, bietet eine dauerhafte Krümelstabilität durch Lebendverbauung, schützt vor Erosion, bietet eine bessere Befahrbarkeit und eine effektive N-Nutzung.

Die Bodengesundheit wird durch sie ebenso verbessert wie das Landschaftsbild, was in der öffentlichen Wahrnehmung zu mehr Akzeptanz führen kann.

Sie schluckt außerdem große Regenmengen und fördert so die Wasserhaltefähigkeit bei gleichzeitiger guter Drainage. Allerdings erhöht sich die Temperatur auf Anlagen mit Zwischenreihenbegrünung geringfügig.

 

Von der Verwendung einer Blühmischung als ZRB rät der Experte allerdings ab.

Ihre Nachteile:

  • Aufwuchs zu hoch
  • Kein Abtrocknen des Bestandes im August/September
  • Richtiger Aussaatzeitpunkt schwierig zu bestimmen
  • Anfang August muss gesät werden
  • Der Witterungsverlauf entscheidet über die richtige Höhe

 

Gute Ergebnisse hat Carsten Wenke hingegen in Versuchen mit einer Kleegrasmischung erzielt.

Ihre Vorteile:

  • Niedrig im Wuchs
  • Flexibel im Aussaatzeitpunkt (Juni bis August)
  • Gut bodendeckend
  • Lentagran WP, Buctril, Stomp Aqua und Centium CS verträglich
  • Sehr gut für Bodenstruktur
  • Fördert das Bodenleben
  • Keine Samenbildung im Herbst
  • Keine Staunässe im Frühjahr

Zur Aussaat wird benötigt:

  • Grubber oder Egge mit Säkasten-Krümelwalze
  • Saatkasten aufgebaut auf Scheibenegge
  • Spezieller Kleinsamenstreuer

 

Im Herbst muss der Boden gemulcht werden, eventuell muss zweimal eingearbeitet werden. Danach kann man den Winterdamm anhäufeln.

Die Kosten inkl. Schmalspurtrecker, Ak/h und Aussaattechnik belaufen sich auf ca. 70 bis 100 Euro pro Hektar.

 

 

Verwandte Beiträge


Generic filters

Search
Generic filters
Search
Generic filters

Immer frische News -
mit unserem Newsletter

Hier in unseren Newsletter eintragen und immer aktuelle News vom ErdbeerSpargel Portal erhalten.

Sie haben sich erfolgreich eingetragen - ein Bestätigungsmail geht Ihnen zu.